Laden in Deutschland: Eine Herausforderung, trotz wachsendem Ladenetz

Herausforderung im Deutschen Ladenetz
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Ende 2018 konnten wir auf über 16.100 öffentliche und teilöffentliche Ladepunkte in Deutschland zurückblicken, welche derzeit im BDEW-Ladesäulenregister erfasst sind. Gut 12% der erfassten Ladesäulen konnten als Schnelllader eingestuft werden. Zum Ende des ersten Quartals 2019 sind es mittlerweile 17.400 Ladepunkte, welcher Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft gezählt hat.

Sprich, seit Jahresanfang sind 1.300 neue Ladepunkte für Elektroautos in Deutschland hinzugekommen. Schnelllader machen übrigens immer noch 12% der Ladepunkte aus. Mehr als drei Viertel der Ladesäulen werden laut der Angaben von Energieunternehmen betrieben. Und dennoch scheint die Ladeinfrastruktur weiter ausbaufähig.

Dichtes Ladenetz als Voraussetzung für erfolgreichen Wandel zur E-Mobilität

Ein dichtes Netz von Ladestationen gilt als Voraussetzung dafür, dass mehr Elektroautos benutzt und gekauft werden. Erst Mitte März gab Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zu verstehen, dass man bis 2030  zehn Millionen Elektro-PKW benötigt, um die gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen. Hierfür brauche man allerdings entsprechend viel Ladepunkten.

Der Bundesverkehrsminister fordert eine Milliarde Euro vom Bund, um „Lademöglichkeiten zu Hause, am Arbeitsplatz und am Supermarkt“ aufzubauen. Denn nach aktuellen Daten des  Verkehrsministeriums laden E-Autofahrer mehrheitlich zu Hause oder am Arbeitsplatz. Daher sei gerade die noch spärliche Versorgung mit Ladestationen ein großes Hemmnis für die Ausbreitung von E-Mobilität.

„Angesichts der noch geringen Anzahl an E-Autos wird der heutige Bedarf damit bei weitem gedeckt“, stellte BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer zum bestehenden Ladenetz fest. Um das Klimaziel für 2030 im Verkehrssektor zu erreichen, müssten allerdings sieben bis zehn Millionen E-Autos auf die Straße gebracht werden.

Städte und Bundesländer treiben Ausbau von Ladepunkten selbst voran

Eine Marschrichtung von oben scheint es derzeit nicht zu geben. Vielmehr scheint es so, als ob Städte, Regionen, gar ganze Bundesländer ihr eigenes Süppchen kochen, um die E-Mobilität voranzutreiben.

Im Rahmen des „Sofortprogramms Saubere Luft 2017 bis 2020“, initiiert vom Bundeswirtschaftsministerium, setzt ein Konsortium aus Berliner Wirtschaft, Forschung und Politik rund um das Unternehmen ubitricity ein Projekt zur Ladeinfrastruktur um. Mit dem Projekt „Aufbau von Mobile Metering Ladepunkten im öffentlichen Raum“ werden bis zu 1.000 Laternenladepunkte in den Berliner Bezirken Marzahn-Hellersdorf und Steglitz-Zehlendorf errichtet und erprobt.

Unter Federführung des Städtetags Baden-Württemberg sollen bis 2020 rund 2.000 neue Ladepunkte für Elektroautos entstehen. Beteiligt sind an dem Projekt 16 von 24 Kommunen des Bundeslandes, in denen die Grenzwerte für Stickoxide überschritten werden. Mit dem Projekt LINOx BW verspricht man sich eine Verbesserung der Luftqualität zu erreichen.

Bis Mitte Februar 2019 hatten insgesamt 228 Interessenten ihre Förderanträge eingereicht für den Aufbau von Ladeinfrastruktur in Bayern eingereicht. Die Anträge wurden zwischenzeitlich bewilligt. Dafür hat der Freistaat Bayern 3,8 Millionen Euro bereitgestellt. Die Antragsteller errichten für knapp zehn Millionen Euro 627 Ladesäulen mit 1.146 Ladepunkten. Das bayerische Förderprogramm ergänzt das Bundesprogramm.

Hannover hat Ende 2018 vorgelegt und will 400 Ladepunkte bis Ende 2020 errichten. Köln zieht als weitere deutsche Stadt nach und hat dem Rat für das nächste Jahr eine Beschlussvorlage zum Standortkonzept „Ladeinfrastruktur im öffentlichen Straßenraum der Stadt Köln“ vorgelegt. Die Ausgangsfragestellung des Standortkonzeptes bestand darin, die 400 Ladepunkte so im Stadtgebiet zu verteilen, dass eine möglichst flächendeckende Versorgung unter Berücksichtigung der potenziellen Nachfrage und Bedarfe gewährleistet ist.

Auch die Stadt Stuttgart nimmt sich des Henne-Ei-Problems an und will ihre Ladeinfrastruktur für Elektroautos massiv ausbauen, um so die Verbreitung von Elektroautos anzuschieben. Zu den bislang gut 200 Säulen mit etwa 370 Ladepunkten sollen in den kommenden Jahren etwa 300 neue Säulen mit 600 Ladepunkten hinzukommen, wie wir vor kurzem berichtet haben.

Bürokratische Hemmnisse für Ladesäulen müssen abgebaut werden

Laut Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer: „Noch wichtiger als eine Förderung wäre, wenn die Bundesregierung endlich bürokratische Hemmnisse für Ladesäulen in Tiefgaragen und Parkplätzen beseitigt.“ Wer darauf wartet, dass es endlich einen gesetzlichen Anspruch auf eine Ladesäule in einer privaten Tiefgarage gibt, wird sich wohl noch länger gedulden müssen. Es sei frühestens nach der Sommerpause mit dem Abschlusspapier einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu rechnen, die derzeit über das Thema diskutiert.

In einem Thesenpapier fordert Fraktionschef Anton Hofreiter, dass „ab 2030 nur noch abgasfreie Autos neu zugelassen werden“ dürften. „Der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor muss gesetzlich festgelegt werden“, heißt es in dem Papier, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Für das Erreichen der Klimaziele und den nötigen Umbau der Branche brauche es verkehrspolitisch einen „großen Wurf“.

Quelle: Automobilwoche – Erstes Quartal 2019: Ladenetz für E-Autos wächst

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