Solarfarmen: Zweites Leben für E-Auto-Batterien

Solarfarmen: Zweites Leben für E-Auto-Batterien
Copyright:

shutterstock / 1134681749

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

B2U Storage Solutions, ein Unternehmen aus Südkalifornien, zeigt, wie ausgediente Batterien von Elektroautos neue Kraft für Solaranlagen spenden können. Auf einem weiten Feld nahe New Cuyama steht eine Solarfarm, die mit einer Leistung von 1,5 Megawatt arbeitet. Sie speichert ihre Energie in rund 600 Elektroautobatterien, die in speziellen Containern untergebracht sind​​. Erfahrungen mit solchen Projekten sind bereits vorhanden.

Die erste Anlage in der Nähe von Los Angeles nutzt 1300 ausgemusterte Batterien aus den E-Autos Honda Clarity und Nissan Leaf, um 28 Megawattstunden Strom zu speichern – genug, um etwa 9500 Haushalte zu versorgen, wie MotherJones.com berichtet. Diese Lithium-Ionen-Akkus, einst der Energiespeicher für Elektroautos, bekommen so ein zweites Leben. Wenn der Himmel bedeckt ist oder die Nacht hereinbricht, liefern sie weiterhin Strom ans Netz.

Die Idee, ausgediente E-Autobatterien für Solarfarmen zu nutzen, gewinnt stetig an Fahrt. Studien legen nahe, dass etwa drei Viertel aller alten Batterien dafür geeignet sind. Mit der ersten Generation von Elektroautos, die das Ende ihrer Lebensdauer erreichen, eröffnet sich ein riesiges Potenzial. Insbesondere, da die Lebensdauer meist länger als gedacht ist. Batterieforscher gehen von etwa 20 bis 25 Jahren Nutzungsdauer aus.

Eine Studie, mit dem Titel „Technoeconomic model of second-life batteries for utility-scale solar considering calendar and cycle aging“ offenbart, dass eine E-Auto-Batterie in ihrem zweiten Leben – konservativ geschätzt – noch eine ganze Weile im Einsatz sein kann. Die Studie ging von der Annahme aus, dass die Batterien aus ihrem Solarpark-Backup-Dienst ausscheiden, nachdem sie von ihren anfänglichen 80 Prozent auf 70 Prozent ihrer Nennkapazität gesunken waren (der Punkt, an dem sie aus der E-Auto-Nutzung ausgeschieden sind).

Es wird erwartet, dass der Einsatz von Batteriespeichern im Versorgungsbereich sprunghaft ansteigen wird. Die Rede ist von 1,5 Gigawatt Kapazität im Jahr 2020 auf 30 Gigawatt im Jahr 2025. E-Auto-Akkus könnten die Basis für dieses Wachstum bilden. Derzeit verfüge man in den USA über mindestens 3 Gigawattstunden an ausgemusterten Elektroauto-Akkus, die eingesetzt werden könnten. Zudem gehen Experten davon aus, dass sich die Menge dieser Akkus, die aus Autos ausgebaut werden, alle zwei Jahre verdoppelt, wie ebenfalls im Bericht von MotherJones.com zu lesen ist.

Gestützt wird dies durch einen kürzlich veröffentlichten Bericht von McKinsey. Dieser zeigt, dass die Nachfrage nach Reservespeichern für erneuerbare Energien bis 2030 steigen wird und die Hälfte dieser Nachfrage durch die Wiederverwendung von Elektroauto-Batterien gedeckt werden könnte. Einige Automobilhersteller, darunter Rivian, entwickeln ihre Akkus bereits so, dass die Wiederverwendung am Ende des Lebenszyklus so einfach wie möglich ist.

Aber auch die europäischen Hersteller schlagen entsprechende Wege ein. So konnten wir bereits 2021 berichten, dass Solarwatt, einer der führenden deutschen Hersteller von Photovoltaik-Systemen, und BMW das Thema ebenfalls vertieft angehen. Die beiden Partner haben mit „Battery flex“ einen Batteriespeicher entwickelt, in dessen Batteriemodul Komponenten zum Einsatz kommen, die auch in den Elektroautos der BMW Group Verwendung finden

Erst im August dieses Jahres konnten wir aufzeigen, dass der britische Autobauer Jaguar Land Rover (JLR), Tochter des indischen Autobauers Tata, sich mit Wykes Engineering, einem Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien, zusammengetan hat, um eines der größten Energiespeichersysteme Großbritanniens zu entwickeln, das Sonnen- und Windenergie mit Hilfe von gebrauchten Jaguar I-Pace-Batterien nutzbar macht. Die Liste ließe sich noch um Dutzende Beispiele fortführen.

B2U plant, im nächsten Jahr eine dritte Solaranlage in der Nähe von Palmdale mit einem Speicher auszustatten. Danach plant B2U, seine Hardware und Software an andere Entwickler von Speicherprojekten zu verkaufen.

Quelle: BASICthinking – Auf Solarfarmen: Alte E-Auto-Batterien erhalten zweites Leben / MotherJones – Old EV Batteries Get a Second Life Storing Solar Energy / MIT News – Solar energy farms could offer second life for electric vehicle batteries / Latitude Media – Millions of EV batteries could retire on solar farms

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Hohe Spritpreise: Mit E-Autos raus aus der fossilen Abhängigkeit

Hohe Spritpreise: Mit E-Autos raus aus der fossilen Abhängigkeit

Michael Neißendorfer  —  

Die Spritpreise haben angesichts des Irankriegs zum ersten Mal seit Jahren wieder die Schwelle von 2 Euro übersprungen. Autofahren ginge auch günstiger.

CATL und Rio Tinto prüfen Elektrifizierung im Bergbau

CATL und Rio Tinto prüfen Elektrifizierung im Bergbau

Sebastian Henßler  —  

Rio Tinto und CATL planen eine strategische Partnerschaft für E-Fahrzeuge im Bergbau. Ziel sind weniger CO₂-Emissionen und das Recycling von Batterierohstoffen.

„Enorme Unsicherheit“ beim Geschäftsklima der Autoindustrie

„Enorme Unsicherheit“ beim Geschäftsklima der Autoindustrie

Michael Neißendorfer  —  

Kommt nun wieder ein Aufschwung für die Autoindustrie? Die Vorzeichen stehen gut – wäre da nicht der Krieg in Iran.

China und Europa: Vom Invasions-Mythos zur Integrationslogik

China und Europa: Vom Invasions-Mythos zur Integrationslogik

Sebastian Henßler  —  

Die Debatte über eine „China-Invasion“ auf Europa greift zu kurz. Der Wettbewerb findet im selben System statt – über Restwerte, Finanzierung und Service.

Auf dem Weg zur Elektromobilität bremst vor allem die Verunsicherung

Auf dem Weg zur Elektromobilität bremst vor allem die Verunsicherung

Michael Neißendorfer  —  

Die Elektromobilität steht weniger vor einer technischen als vor einer kommunikativen Herausforderung. Sie hat großes Potenzial – aber auch viele Bremser.

„Made in EU“-Pläne stellen europäische Autobauer vor schwierige Fragen

„Made in EU“-Pläne stellen europäische Autobauer vor schwierige Fragen

Tobias Stahl  —  

Die EU-Kommission plant, Subventionen für Autobauer an Mindestquoten für europäische Komponenten zu koppeln. EU-Länder bewerten das Vorhaben unterschiedlich.

Volkswagen Group meldet 4 Millionen verkaufte E-Autos

Volkswagen Group meldet 4 Millionen verkaufte E-Autos

Tobias Stahl  —  

Die Volkswagen Group hat die Marke von vier Millionen ausgelieferten vollelektrischen Fahrzeugen geknackt. Die wichtigsten Zahlen im Überblick.