Verbände: "Kartenleser-Pflicht verzögert Ausbau von Ladesäulen"

Verbände: „Kartenleser-Pflicht verzögert Ausbau von Ladesäulen“

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In einem gemeinsamen Appell kritisieren die Branchenverbände VDA (Automobil), BDEW (Energie- und Wasserwirtschaft) und ZVEI (Elektrotechnik und Elektroindustie) die erneute Diskussion über Bezahllösungen bei Ladesäulen für E-Autos. Diese drohe den Aufbau von Ladepunkten zu verlangsamen und die Nutzungskosten unnötig zu erhöhen, heißt es. Die drei Verbände fordern die Bundesregierung auf, am bereits veröffentlichten Plan mit alternativen Zahlungsmethoden festzuhalten und den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland schnell und unbürokratisch voranzutreiben.

Die Bundesregierung nehme völlig zurecht Milliarden in die Hand, um wegen der Klimaschutzziele den Ausbau der E-Mobilität zu fördern. Es gebe Steuergeld für E-Autos und Ladestationen. Und genau dort träfen die beiden großen Trends E-Mobilität und Digitalisierung aufeinander. Aber nun, so der Vorwurf, plane die Bundesregierung ein System, das den Ausbau des Ladenetzes um Jahre zurückwerfen und erheblich verteuern würde.

Grund für den Unmut der Verbände: Die Bundesregierung wolle ein starres Bezahlsystem vorschreiben, heißt es. Konkret bedeute dies, dass an jeder Ladesäule ein Kartenlesegerät angebracht werden müsse. Dies treibe den Preis und mache den Ladevorgang teurer. Vor allem aber verzögere der Zwang den weiteren Ausbau öffentlicher Ladestationen. Viele Geräte müssten erst noch eichrechtlich geprüft und zugelassen werden. Dieser Prozess werde Jahre dauern, fürchten VDA und Co.

Der Aufwand sei immens – für wenig Nutzen, heißt es in dem Appell. Bezahlt werde heute längst nicht mehr an der Säule, sondern zu rund 90 Prozent über direkte Verträge. Nur die restlichen 10 Prozent seien „spontanes“ Laden. Auch dieses sei ein wichtiger Baustein für die E-Mobilität. Gleichwohl sei auch hier ein Kartenlesegerät nicht obligatorisch. Ein Smartphone habe schließlich jeder E-Autofahrer dabei.

Überall in Europa setzten sich digitale Bezahlsysteme durch, heißt es weiter. Kartenlesegeräte würden daher in den nächsten Jahren drastisch an Bedeutung verlieren. Ausgerechnet hier, wo es nach Zukunft aussehen soll, wolle die Bundesregierung veraltete Technik am Leben halten. Sie verkenne dabei, dass der Markt und der Stand der Technik längst weiter seien als die Politik.

Um der E-Mobilität zusätzlichen Schub zu verleihen, sei es wichtig, dass die Bundesregierung am bereits veröffentlichten Plan mit mobilen Zahlungsmethoden festhält, so das Fazit der Verbände. Ein modernes digitales Ladenetz brauche keine verpflichtenden Lesegeräte. Der Aufruf schließt mit dem Appell: „Wir wünschen uns im Sinne aller E-Auto-Fahrer: Machen Sie den Weg frei für ein digitales, mobiles und einfaches Laden in Deutschland.

Quelle: VDA/BDEW/ZVEI – Pressemitteilung vom 6. Mai 2021

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Wenn man ohne Vertrag nicht laden kann (oder nur abnorm teuer), ist es kein Wunder, dass 90% über direkte Verträge bezahlt werden (müssen). Mit leidensfähigen EarlyAdoptern kann man das machen, den Massenmarkt verschreckt man damit. LadekartenChaos sei dank.
ApplePay, SamsungPay, GooglePay sind im Endeffekt digitalisierte EC-/Kredit-Karten mit entsprechenden Bank-Kooperationen dahinter. Deshalb sind sie auch universell und nicht so eine Kleinstaaterei wie bei Ladekarten.

Klar eine Kartentechnik die selbst in Zigarettenautomaten funktioniert ist jetzt auf einmal zu teuer für wesentlich Komplexere Ladesäulen…
Und natürlich zahlen wir alle über Ladekarten und Apps WEIL es nichts anderes gibt!!!
Und was hat jetzt das Eichrecht damit zu tun???
Natürlich zahlen wir gerne mehr Geld für weniger Strom ist doch logisch…

Jemand sollte den Polikern mal „Plug and Play“ (Computertechnik, bei E-Autos als „Einstecken und Laden“ frei übersetzt) erklären – Tesla zeigt ja das einfache Prinzip, aber die Bürokraten müssen aus einer Mücke einen Elefanten machen, um ihre Existenz zu rechtfertigen.

Was ist bitte an einem Kartenleser so teuer, dass es einen signifikanten Einfluss auf den Ladepreis hat? Die Typ2 Säulen bei Bäcker Schüren am Ladepark Kreuz Hilden sind doch der Beweis, dass eine Freischaltung mit der EC Karte praktisch und kostengünstig sein kann. Das gilt auch für die anderen Giro-e Ladestationen, z.B. bei der GLS Bank in Bochum.
Zudem gebe ich zu Bedenken, dass die wenigen Nerds, die sich intensiv mit Elektromobilität beschäftigen, sicherlich besser mit modernen Apps und dem Tarifdschungel klar kommen, als beispielsweise ein durchschnittlicher Verbrennerfahrer, der eben erst auf ein Elektroauto umgestiegen ist und bloß von A nach B möchte.
Wenn man eine Mobilitätswende erreichen möchte, dann braucht man aber alle Menschen und nicht nur die Nerds.
Wenn ich z.B. meine Mutter vor eine beliebige Ladesäule stelle, dann erkennt die nicht sofort den Anbieter und denkt sich „Ah, das ist doch innogy e-roaming und hier nehme ich mal meinen BEW Vertrag, aber wenn es Fastned wäre, dann geht der Vertrag nicht, also dann lieber die EnBW Karte.“
Sowas kann man der breiten Masse einfach nicht zumuten!

Wir bauen doch auch keine Telefonzellen mehr. Kartenzahlung/ -Leser ist ein vergleichbares Auslaufmodell.

ich habe mit der EnBW Karte zu 95% keine Probleme.

und die restlichen 5% sind schlecht gewartete Säulen, da wird auch ein Kartenleser nichts helfen bzw der Betreiber – meist kleine Stadtwerke- werden die Säule einfach stilllegen statt sie teuer nachzurüsten. Damit ist auch niemand geholfen

Last edited 1 Jahr zuvor by Niko

Müssen die Säulen nicht schon jetzt geeicht sein? Haben die Säulen schon jetzt zufällig die Kartenlesetechnik am Board? Jede Selbstbedienungstankstelle hat sowas sogar an jeder Säule und die sind die billigsten. Da soll es bei Ladesäulen teuer sein??

Kartenleser? Es geht doch hoffentlich nicht um die Pflicht zu Magnetstreifen-Leser? sondern kontaktloses Zahlen (heißt das vpay?) – wie es im Supermarkt etc. möglich ist.
Hat nicht jede Säule schon ein NFC-Lesegerät eingebaut um die Ladekarten lesen zu können? (auch die Roaming-Karten!)
Ist das dann „nur“ noch ein Software-Thema, auch die EC-Karte zu handlen??

Last edited 1 Jahr zuvor by bobbygee

Hoffentlich knickt die Politik vor der Ladelobby nicht ein. Auf der Autobahn tanke ich immer spontan. Dort klappt die Bezahlung mit der Kreditkarte über Funk einwandfrei. Lästige Apps sind nicht nötig.

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