Verbände: „Kartenleser-Pflicht verzögert Ausbau von Ladesäulen“

Verbände: „Kartenleser-Pflicht verzögert Ausbau von Ladesäulen“
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Wolfgang Plank
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In einem gemeinsamen Appell kritisieren die Branchenverbände VDA (Automobil), BDEW (Energie- und Wasserwirtschaft) und ZVEI (Elektrotechnik und Elektroindustie) die erneute Diskussion über Bezahllösungen bei Ladesäulen für E-Autos. Diese drohe den Aufbau von Ladepunkten zu verlangsamen und die Nutzungskosten unnötig zu erhöhen, heißt es. Die drei Verbände fordern die Bundesregierung auf, am bereits veröffentlichten Plan mit alternativen Zahlungsmethoden festzuhalten und den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland schnell und unbürokratisch voranzutreiben.

Die Bundesregierung nehme völlig zurecht Milliarden in die Hand, um wegen der Klimaschutzziele den Ausbau der E-Mobilität zu fördern. Es gebe Steuergeld für E-Autos und Ladestationen. Und genau dort träfen die beiden großen Trends E-Mobilität und Digitalisierung aufeinander. Aber nun, so der Vorwurf, plane die Bundesregierung ein System, das den Ausbau des Ladenetzes um Jahre zurückwerfen und erheblich verteuern würde.

Grund für den Unmut der Verbände: Die Bundesregierung wolle ein starres Bezahlsystem vorschreiben, heißt es. Konkret bedeute dies, dass an jeder Ladesäule ein Kartenlesegerät angebracht werden müsse. Dies treibe den Preis und mache den Ladevorgang teurer. Vor allem aber verzögere der Zwang den weiteren Ausbau öffentlicher Ladestationen. Viele Geräte müssten erst noch eichrechtlich geprüft und zugelassen werden. Dieser Prozess werde Jahre dauern, fürchten VDA und Co.

Der Aufwand sei immens – für wenig Nutzen, heißt es in dem Appell. Bezahlt werde heute längst nicht mehr an der Säule, sondern zu rund 90 Prozent über direkte Verträge. Nur die restlichen 10 Prozent seien „spontanes“ Laden. Auch dieses sei ein wichtiger Baustein für die E-Mobilität. Gleichwohl sei auch hier ein Kartenlesegerät nicht obligatorisch. Ein Smartphone habe schließlich jeder E-Autofahrer dabei.

Überall in Europa setzten sich digitale Bezahlsysteme durch, heißt es weiter. Kartenlesegeräte würden daher in den nächsten Jahren drastisch an Bedeutung verlieren. Ausgerechnet hier, wo es nach Zukunft aussehen soll, wolle die Bundesregierung veraltete Technik am Leben halten. Sie verkenne dabei, dass der Markt und der Stand der Technik längst weiter seien als die Politik.

Um der E-Mobilität zusätzlichen Schub zu verleihen, sei es wichtig, dass die Bundesregierung am bereits veröffentlichten Plan mit mobilen Zahlungsmethoden festhält, so das Fazit der Verbände. Ein modernes digitales Ladenetz brauche keine verpflichtenden Lesegeräte. Der Aufruf schließt mit dem Appell: „Wir wünschen uns im Sinne aller E-Auto-Fahrer: Machen Sie den Weg frei für ein digitales, mobiles und einfaches Laden in Deutschland.

Quelle: VDA/BDEW/ZVEI – Pressemitteilung vom 6. Mai 2021

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Wolfgang Plank

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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