Neuheiten auf der Auto China: Wo bleiben die Gesichter?

Neuheiten auf der Auto China: Wo bleiben die Gesichter?
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Der Roewe D5 X / Press-Inform

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
  —  Lesedauer 4 min

Die Auto China 2024 in Peking überrollt einen förmlich mit ihren Neuheiten. Gerade die Hersteller aus China zeigen eine schier unüberschaubare Zahl neuer Modelle – zumeist Crossover ohne eigene Seele oder zumindest ein markantes Gesicht. Das macht ihnen einen vermeintlichen Start in Europa schwerer denn je.

Ein Rundgang durch die acht Messehallen der Auto China 2024 ist anstrengend. Das Messegelände nahe des Flughafens ist enger und deutlich kleiner als sein Gegenüber in Shanghai, wo die Auto China im jährlichen Wechsel jeweils im April stattfindet. Die Scheinwerfer sind gleißend, die LED-Displays gigantisch und es ist so voll, als würden die ausgestellten Messefahrzeuge verschenkt.

An die meisten China-Marken hat man sich längst gewöhnt – Changan, Roewe, Geely, BYD, Maxus, Aion, Nio oder Zeekr – ja und auch Volvo, Polestar, Lotus oder MG sind mittlerweile längst chinesisch geworden. Limousinen sind rar gesät, es gibt zahllose Luxusvans oder rustikale Offroader und natürlich ein paar Sportler. So machen Hongqi oder MG auf der chinesischen Leistungsschau einem wieder leichte Hoffnungen, dass Cabrios und Roadster noch nicht vollends dem automobilen Tode geweiht sind.

Im Nirwana der automobilen Austauschbarkeit

Doch was den zahllosen Neuheiten auf der Auto China ganz augenscheinlich fehlt, ist ein Markengesicht. Viele Marken oder die meisten Modelle verlieren sich im Nirwana der automobilen Austauschbarkeit. Auch wenn viele Designer, die ehemals bei europäischen und US-amerikanischen Marken Ikonen kreieren oder weiterentwickeln mussten, mittlerweile das Lager gewechselt und bei den chinesischen Firmen angeheuert haben, fehlt den meisten Modellen auf der Auto China ebenso ein markantes Gesicht wie den Fahrzeugen im überfüllten Straßenverkehr von Shanghai, Wuhan oder Peking.

VW ID Code
VW ID.Code / Press-Inform

Die chinesischen Marken haben gerade während der Covid-Pandemie gigantisch aufgeholt, und vorbei sind die Zeiten, in denen die europäischen Modelle ebenso scham- wie ideenlos abgekupfert wurden. Natürlich sieht der Xiaomi SU7 aus wie eine mäßige Kopie des Porsche Panamera und Land Rover Defender oder Mercedes G-Klasse, auf der Messe erstmals auch elektrisch zu bestaunen, finden in den Messehallen mehr als nur einen China-Zwilling. Doch der Umstieg in die Elektromobilität mit dem Verzicht auf zwingende Kühleröffnungen an der Front und der Umstieg auf schmale LED-Augen als Scheinwerfer machen vielen Marken eine Identitätsfindung augenscheinlich schwer.

An markanten Gesichtern hapert es

Allenthalben dominieren millimeterschmale LED-Leisten an Front und Heck, ausschweifende Lichtinstallationen, wenn man sich dem Fahrzeug nähert und eine Flut an Projektionen und Logos, wohin man auch schaut. Doch an markanten Gesichtern hapert es. Da wundert es nicht, dass Mercedes auf dem ikonischen Markengesicht seiner kantigen G-Klasse herumreitet, BMW sich mit der Neuen Klasse bemüht, die Doppelscheinwerfer behutsam weiterentwickelt in die Zukunft zu retten und Audi allen E-tron-Trends zum Trotz an seinem Singleframe-Kühlergrill festhält, auch wenn die Elektromodelle längst keine großen Kühler mehr benötigen. Trotzdem ist der chinesische Luxushersteller Hongqi nicht der Einzige, der bei seinen neuen Modellen auf gewaltige Kühler, bestenfalls sich aufrecht in den Fahrtwind reckend, setzt.

Doch bei weichen Formen und aerodynamischem Feinschliff fällt es schwerer denn je, ein Markengesicht zu kreieren, das im Straßenverkehr oder eben auf einer Messe wie der Auto China eine eigene Identität in sich trägt. Es ist nicht einfach, den neuen Avatr-SUV von einem Aito M5, Roewe DX5 (der im Titelbild zu sehen ist) oder Dayun Y7 zu unterscheiden. Alles andere als markant sind auch neue Modelle wie der Leapmotor C16, der BYD 06 oder ein Buick Envista.

Zeekr Mix
Zeekr Mix / Press-Inform

Und auch die Konzeptstudie des VW ID.Code, die für Volkswagen nicht nur in China ein neues Designzeitalter für Elektroautos einläuten soll, wirkt bei aller Gefälligkeit und gelungenen Proportionen recht beliebig an Front wie Heck. Marken, die die Gesichter besser und insbesondere markiger hinbekommen sind Polestar, Mazda, Volvo, Hongqi oder Li Auto mit ihren Modellen, die klassenübergreifend einem Wiedererkennungswert besitzen. Fahrzeuge wie der Robocar 07 oder der obige Zeekr Mix zeigen, dass es auch anders und betont mutig geht. Und gerade das scheint bei dem Überangebot der chinesischen Marken – auch vor einem etwaigen Marktstart in Europa oder Nordamerika – wichtiger denn je.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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