VW-Vorstand: „Brauchen in den nächsten fünf Jahren eine Verzehnfachung der Ladeinfrastruktur“

VW-Vorstand: „Brauchen in den nächsten fünf Jahren eine Verzehnfachung der Ladeinfrastruktur“
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Volkswagen AG

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Thomas Ulbrich, Mitglied des Markenvorstands Volkswagen und für den Geschäftsbereich E-Mobilität zuständig, spricht in einem auf dem Unternehmensblog veröffentlichten Interview unter anderem über den aktuellen E-Auto-Boom, über die stetig wachsende Ladeinfrastruktur und was notwendig ist, wenn künftig immer mehr E-Autos auf die Straße kommen.

Die Menschen wollen das E-Auto“, stellt Ulbrich fest. Die Nachfrage zeige „steil nach oben“, im Oktober lag der Marktanteil rein elektrischer Fahrzeuge bei den Neuzulassungen in Deutschland bei mehr als 8 Prozent. Zusammen mit den Plug-in-Hybriden waren es sogar mehr als 17 Prozent. Zur Einordnung: Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei nur zwei bis drei Prozent. „Das ist gerade in der aktuellen Situation – Stichwort Covid 19 – eine sehr starke Entwicklung“, sagt Ulbrich. Die Förderung spiele „hier sicher eine Rolle“, andererseits kommen aktuell auch etliche „attraktive Modelle“ neu auf den Markt, von Volkswagen etwa der Kompaktstromer ID.3 und der mittelgroße SUV ID.4.

Das öffentliche Laden sei aktuell „so einfach und komfortabel wie nie zuvor“, so VWs E-Mobility-Vorstand: „Wer heute ein Elektroauto kauft, findet ausreichend Lademöglichkeiten“, sagt er. Das Verhältnis von öffentlichen Ladepunkten zu E-Fahrzeugen liege in Deutschland aktuell bei etwa 1:14 „und damit genau im Zielbereich“. An den Autobahnen gebe es inzwischen „ein enges Netz von Schnellladestationen“. Und wer einen der vielen Ladedienste wie zum Beispiel VWs We Charge nutze, welche „den Ladevorgang an sich sehr einfach“ machen, komme mit dem E-Auto „heute schon sehr gut durch den Alltag.“

„Wer jetzt investiert, wird davon lange profitieren“

Hält der E-Auto-Boom an, werde der Ausbau der Infrastruktur allerdings eine „gewaltige Herausforderung“. Auch der Automobilverband VDA wies erst vor kurzen darauf hin, dass ab sofort gut 2000 neue Ladestationen pro Woche errichtet werden müssten, wenn die Bundesregierung ihr im Masterplan Ladeinfrastruktur definiertes Ziel von einer Million Ladestationen bis zum Jahr 2030 auch erreichen will. „Ein einfaches ‚Weiter so‘ reicht also nicht“, sagt Ulbrich. Das Millionenziel könne nur erreicht werden, „wenn der Ausbau jetzt deutlich beschleunigt wird“, da allein in diesem Jahr der E-Auto-Bestand doppelt so schnell gewachsen sei wie die Ladeinfrastruktur. „Im Jahr 2025 könnten drei bis vier Millionen Elektroautos und Plug-in-Hybride auf deutschen Straßen unterwegs sein, dafür sind in Deutschland rund 300.000 öffentliche Ladepunkte notwendig“, so der VW-Manager. „Wir brauchen in den nächsten fünf Jahren also eine Verzehnfachung der Ladeinfrastruktur“, gibt er zu bedenken

Zwar habe die Bundesregierung mit dem Masterplan Ladeinfrastrukturschon viele wichtige Themen angepackt“, sagt Ulbrich. Bei der Umsetzung jedoch seien „alle in der Pflicht. Vor allem die Kommunen müssen aktiv werden und entsprechende Flächen vor Ort ausweisen“, fordert VWs E-Mobility-Chef. Leider fühle sich „in vielen Rathäusern niemand so recht zuständig“, bemängelt er. „Im Prinzip brauchen wir in jeder Stadt einen E-Mobilitäts-Manager“, stellt er fest. Auch die Wirtschaft könne und müsse mehr tun, schon allein weil das Thema Laden für den Handel und den Immobiliensektor „große Chancen“ mit sich bringe: „Wer jetzt investiert, wird davon lange profitieren. Denn eines ist sicher: Die Zahl der Kunden, die eine Lademöglichkeit suchen, wird in den kommenden Jahren massiv steigen.“

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 12.11.2020

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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