VDA, BDEW und GdW fordern umfassende Förderung von Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern

VDA, BDEW und GdW fordern umfassende Förderung von Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1518374516

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Automobilindustrie, Energie- und Wohnungswirtschaft haben in einem gemeinsamen Schreiben an die Bundesminister Andreas Scheuer (BMVI), Peter Altmaier (BMWi) und Olaf Scholz (BMF) auf den notwendigen Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos in und an Mehrfamilienhäusern mit vermieteten Wohnungen hingewiesen. „Wir wollen, dass auch diese Gebäude für die Anforderungen von morgen fit gemacht werden, um die Potenziale für die Elektromobilität zu heben“, heißt es in dem Schreiben. Angesichts der enormen Investitionen sprechen sich die Branchenverbände für ein „eigenständiges Förderprogramm“ für entsprechend leistungsfähige Elektro-Infrastrukturen im Mehrfamilienhausbereich aus. Eine weitere Option sei die Einbindung in ein Förderprogramm für gewerbliches Laden. Die drei Verbände haben den Bundesministern bereits einen konzeptionellen Vorschlag für ein solches Förderprogramm vorgelegt, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung.

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Kerstin Andreae, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung und Mitglied des Präsidiums des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), sowie Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), betonen in dem gemeinsamen Schreiben, dass die Verbände die Ziele der Bundesregierung hinsichtlich der elektromobilen Zukunft des Verkehrssektors unterstützen.

Allerdings gebe es – neben rechtlichen und steuerlichen Hemmnissen beim Betrieb von Ladeinfrastrukturen und -einrichtungen durch Wohnungsunternehmen – vor allem auch technische Herausforderungen, die bisher in der Öffentlichkeit kaum diskutiert worden seien. VDA, BDEW und GdW nennen drei wesentliche Problemfelder, die die Wohnungswirtschaft vor große Herausforderungen stellen:

  • Erstens weisen Bestandsgebäude eine elektrische Infrastruktur auf, die zwar sicher und normgerecht instandgehalten wird. Die meisten Anlagen seien allerdings für Anforderungen gebaut worden, die denen der 1980er-Jahre entsprachen. Bei zukünftigen Anforderungen im Zusammenhang mit dem Laden von Elektroautos, dem Betrieb von Photovoltaik-Anlagen sowie der künftigen Wärmeversorgung mit Wärmepumpen werden laut VDA, BDEW und GdW die Anlagen „regelmäßig an ihre Grenzen kommen“.
  • Zweitens weisen die Verbände darauf hin, dass – anders als im Ein- und Zweifamilienhaus-Bereich – in einem Mehrfamilienhaus eine gleichzeitige Versorgung von verschiedenen Haushalten stattfindet. Bisher würden die Hausanschlüsse effizient genutzt, es gebe aber oft „wenig Reserven, wenn sehr viel Strom gleichzeitig benötigt wird“. Wenn immer mehr Pkw-Stellflächen mit einer Ladeinfrastruktur ausgestattet werden, wie es dem beschlossenen Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz (WEMoG) und dem Gebäude-Elektromobilitätsinfrastrukturgesetz (GEIG) sowie Mieterwünschen entspricht, könne dies schnell zu einem hohen Strombedarf führen. Dabei gehen die Verbände von einer typischen Ladeleistung von 11 Kilowatt eines E-Autos aus. Zum Vergleich: Ein Elektroherd (1 Herdplatte) benötigt zwischen 1 und 3 kW, je nachdem, welche Energieeffizienz das jeweilige Gerät hat. Aus Sicht von VDA, BDEW und GdW sei für die zu erwartende hohe Konzentration von Lasten bzw. elektrischen Leistungen eine moderne Elektroinstallation notwendig, die Anschluss, Absicherung, Zählerkästen und Kommunikationsinfrastruktur umfasst.
  • Drittens seien erhebliche Investitionen in die elektrische Gebäudeinfrastruktur notwendig, um die Energiewende insgesamt umzusetzen und vor allem die Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern zu schaffen. Hinzu kommen hohe Investitionen in die Effizienzsteigerung der Gebäude, in die „Wärmewende“, den altersgerechten Umbau und in die Digitalisierung. Diese Investitionen können laut den drei Verbänden weder von den Immobilieneigentümern noch von den Mietern vollständig geleistet werden.

Daher schlagen die Verbände vor, diese Zukunftsmaßnahmen, von denen allein in Deutschland Millionen von Immobilien betroffen sein werden, durch ein spezielles Förderprogramm für Ladeinfrastrukturen zu flankieren. Diese Förderung müsse deutlich über die Anschaffung einer Ladeeinrichtung hinausgehen. VDA, BDEW und GdW haben einen konzeptionellen Vorschlag für ein eigenständiges Förderprogramm erarbeitet und den Bundesministern vorgelegt. Die Verbände richten an die Politik die Bitte, diesen Vorschlag zu unterstützen, „damit die Verkehrswende auch im breiten Maße in den vermieteten Mehrfamilienhäusern stattfinden kann“. Auf dieser Grundlage sollten rasch Gespräche geführt werden, heißt es abschließend.

Quelle: VDA – Pressemitteilung vom 22.03.2021

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

VW kappt Schnittstellen: Energiewende unter Druck?

VW kappt Schnittstellen: Energiewende unter Druck?

Sebastian Henßler  —  

Wer entscheidet über die Daten des eigenen E-Autos? VW hat darauf eine klare Antwort gegeben – und dabei offenbar EU-Vorgaben übergangen.

Warum bidirektionales Laden die Nutzer noch nicht überzeugt

Warum bidirektionales Laden die Nutzer noch nicht überzeugt

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Uscale-Studie zeigt: Bidirektionales Laden stößt auf Interesse, aber nur 17 Prozent der E-Auto-Fahrer:innen würden wirklich investieren.

Mehrheit der Hausbesitzer mit E-Auto offen für dynamische Tarife

Mehrheit der Hausbesitzer mit E-Auto offen für dynamische Tarife

Daniel Krenzer  —  

Mehr als die Hälfte der Hausbesitzer mit E-Auto, PV-Anlage oder Wärmepumpe ist laut Eon offen für dynamische Stromtarife.

Juice Technology: „Kein Argument mehr gegen ein E-Auto“

Juice Technology: „Kein Argument mehr gegen ein E-Auto“

Sebastian Henßler  —  

Christoph Erni, CEO von Juice Technology, erklärt, warum Heimladen weit mehr ist als Komfort – und weshalb Schnellladen allein die Energiewende gefährdet.

Tesla bringt Folding Unit Supercharger nach Europa

Tesla bringt Folding Unit Supercharger nach Europa

Sebastian Henßler  —  

Tesla hat seine ersten Folding Unit Supercharger in Europa installiert. Die faltbaren Ladestationen mit 500 kW sollen Aufbau und Kosten halbieren.

BYD bringt Ultra-Schnellladen mit 1500 kW nach Europa

BYD bringt Ultra-Schnellladen mit 1500 kW nach Europa

Sebastian Henßler  —  

BYD eröffnet seine erste Flash-Charging-Station in Deutschland. Sie leistet 1500 kW und lädt kompatible Autos in nur fünf Minuten von zehn auf 70 Prozent.

Insider: Wie Dänemark zum Musterland der E-Mobilität wurde

Insider: Wie Dänemark zum Musterland der E-Mobilität wurde

Sebastian Henßler  —  

Ilyas Dogru vom FDM ordnet ein, was Dänemark beim E-Auto-Hochlauf richtig gemacht hat – und warum 2026 zum entscheidenden Jahr werden könnte.