Toyota widerspricht VW bei Wasserstoff-Technologie

Toyota widerspricht VW bei Wasserstoff-Technologie
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Michael Neißendorfer
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Der japanische Autohersteller Toyota positioniert sich bei alternativen Antriebsarten entschieden anders als der deutsche Marktführer Volkswagen. „Wir müssen jetzt mit der Brennstoffzelle anfangen, nicht irgendwann später“, sagte Konzernsprecher Hisashi Nakai der Welt am Sonntag. VW hingegen setzt klar auf Elektroautos. Der Batterieantrieb sei „auf absehbare Zeit die beste und effizienteste Möglichkeit für weniger CO2 im Straßenverkehr“, hatte Konzernchef Herbert Diess vergangene Woche gesagt. Diess forderte Politik und Wettbewerber in Deutschland auf, sich darauf auszurichten.

Wir können verstehen, wenn sich jemand auf eine Technologie konzentrieren will“, erklärt dagegen Toyota-Sprecher Nakai. „Aber wir glauben, dass wir beides brauchen, die Batterie und die Brennstoffzelle. Das ist nicht nur eine Frage des Geschäfts, sondern auch eine des Klimaschutzes.“ Toyota hat sich zum Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoß seiner verkauften Neuwagen bis 2050 gegenüber dem Niveau von 2010 um 90 Prozent zu senken.

Bei Toyota glaubt man, dass die Kosten mit steigender Marktdurchdringung hinreichend sinken, um auch Wasserstoff-Modelle unterhalb von Mittel- und Oberklasse konkurrenzfähig zu machen. „Auch wenn wir Zeit brauchen, es wird auch Kompaktautos mit Brennstoffzellen geben“, sagt Toyota-Sprecher Nakai.

Japaner und Koreaner hängen deutsche Hersteller bei Wasserstoff-Autos ab

Deutschland fällt nach Informationen der Welt am Sonntag als Absatzmarkt sowie als Entwicklungs- und Produktionsstandort für Wasserstoff-Autos weiter zurück. Anfang vergangenen Jahres waren in Deutschland nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) insgesamt 329 wasserstoffgetriebene Pkw zugelassen, dazu 16 Busse sowie zwei Lastwagen. Und das bei einem Gesamtbestand von mehr als 64 Millionen Fahrzeugen.

Um den sogenannten Umweltbonus, der seit Mitte 2016 gezahlten Prämie für schadstofffreie Pkw, haben sich bislang rund 90.000 Halter beworben. Darunter waren laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) Stand Ende Januar aber insgesamt nur 43 Anträge zur Förderung von Wasserstoffautos. Ein Grund für die Zurückhaltung der Kunden hierzulande ist neben dem hohen Preis der Fahrzeuge die geringe Zahl an Wasserstofftankstellen.

Hinzu kommt, dass die deutschen Hersteller bei Brennstoffzellen-Fahrzeugen aktuell kein Angebot machen können. Wer in Deutschland ein entsprechendes Auto kaufen will, muss auf Fahrzeuge von Toyota (Modell Mirai) oder Hyundai (Modell Nexo) zurückgreifen. Die Autos kosten 79.000 beziehungsweise 69.000 Euro. „Gerade die deutschen Hersteller müssten deutlich mehr tun, um Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb weiterzuentwickeln“, fordert der Autoexperte Stefan Bratzel gegenüber Welt am Sonntag. „In der Technologie steckt viel Potenzial.“

Hersteller wie Opel, Ford oder die Marke VW planen derzeit keine wasserstoffgetriebenen Modelle. Mercedes, BMW und Audi erklären auf Anfrage, dass mit einer Produktion von Brennstoffzellen-Autos in nennenswerter Zahl erst ab 2025 zu rechnen sei. Hinzu kommt, dass es in Deutschland kaum Wasserstoff-Tankstellen gibt. Derzeit sind es 60 Anlagen, bis Ende des Jahres sollen es 100 sein.

Die deutschen Hersteller konzentrieren sich lieber ganz auf Batteriefahrzeuge. Sie erwarten, dass die Preise für die Energiespeicher schneller fallen als die für Brennstoffzellen, und Stromer daher in kürzerer Zeit zu attraktiveren Preisen verkauft werden können.

Quelle: Welt am Sonntag – Vorabmeldungen vom 02. und 23.03.2109

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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