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Hankook iON Experience: Auf der Reise zum „perfekten“ E-Auto-Reifen

Copyright Abbildung(en): Elektroauto-News.net

Swarovski Kristallwelten, Hintertuxer Gletscher und Formel E. Augenscheinlich verbindet diese drei Dinge nichts miteinander. Bei genauerer Betrachtung aber eben doch. Die Hankook iON Experience in Österreich, nahe Innsbruck. Der südkoreanische Reifenhersteller hat eingeladen, um der Präsentation des neuen iON race Rennreifens für die Formel E beizuwohnen, sowie mehr über die neue globale Reifenfamilie für Elektroautos zu erfahren.

Neben Effizienz spielt dabei vor allem die Reichweite und Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle für Hankook. Es verwundert daher nicht, dass das Unternehmen die gesamte iON Experience unter dieses Motto gestellt hat. Nachhaltig sollte die Reise auch für mich beginnen. Denn angereist wurde mit dem Zug. Sechs Stunden Fahrt von Heidelberg bis Innsbruck, gefolgt von gut 45 Minuten bis Zell am Ziller.

Dort eingetroffen konnte im MalisGarten eingecheckt werden. Ein Hotel, welches durch den Südtiroler Stararchitekt Matteho Thun in Szene gesetzt wurde. Aber vor allem dadurch auffällt, dass das gesamte Haus auf natürliche und nachhaltige Rohstoffe setzt. Fichte, Tanne, Lärche, Zirbe sowie Eiche und Nuss finden sich auf Schritt und Tritt wieder. Holz schafft hierbei nicht nur eine entsprechende Wärme und Wohlfühlgefühl, sondern bringt weitere Vorteile mit sich, welche man zu Nutzen vermag.

Die schall- und wärmedämmende Wirkung sowie die natürliche Regulierung der Raumluft sind hierbei nur die greifbarsten Beispiele. Dabei zieht sich der grüne Gedanke konsequent durch das eigene Haus. Statt Redbull gibt es natürliche Cola. Kräuter stehen in MalisGarten hoch im Kurs und finden ihren Einsatz in der hoteleigenen Küche sowie im Herbarium SPA oder bei entsprechenden Kräuteranwendungen.

Der Garten des Hotels wartet seinerseits mit Apfel-, Kirschbäumen und Rosensträucher sowie wilden Beeren und wohltuenden Pflanzen auf. Somit ebenfalls ein Platz zum Abschalten und Entspannen. Und damit der geeignete Rückzugsort für die Hankook iON Experience, auf die ich dich mitnehmen möchte.

Hankook und Formel E: Gemeinsam für mehr Nachhaltigkeit und die Zukunft der Elektromobilität

Zwei Jahre in der Mache und noch einige Monate mehr, bis es zur gemeinsamen Premiere der Partnerschaft zwischen Hankook und der Formel E in der Swarovski Kristallwelt in Österreich gekommen ist. Im Fokus steht hierbei der neue Hankook iON Race, welcher zu rund 30 Prozent aus nachhaltigen Materialien besteht und ab der kommenden Saison auf den Gen3-Fahrzeugen der Formel E montiert wird.

Wie uns im Rahmen der internationalen Premiere mitgeteilt wurde, habe man den neuen Reifen in enger Zusammenarbeit mit der Rennserie entwickelt und trägt insbesondere dem Nachhaltigkeitsanspruch der Formel E und der Zukunft der E-Mobilität Rechnung, ohne dabei die motorsportliche Leistung zu vernachlässigen.

Bei der Verkündung der Partnerschaft gab Sanhoon Lee, President Hankook Tire Europe, zu verstehen, dass der Shift hin zur Elektromobilität schon seit einiger Zeit im Reifensektor angekommen sei. Gepaart mit der notwendigen Ausrichtung auf Nachhaltigkeit, um dem grünen Gedanken dahinter zu entsprechen. Die Entscheidung für die Formel E sei daher für Hankook nur die logische Konsequenz gewesen, um die Technologieführerschaft in diesem Bereich nun auch symbolisch zu unterstreichen.

Wie nachhaltig der Reifen für die Formel E gedacht ist, zeigt sich daran, dass rund 30 Prozent des neuen, für die Formel-E-Renner der dritten Generation maßgeschneiderten Pneus, aus nachhaltigen Materialien bestehen. Des Weiteren setzt man für die Teams auf lediglich eine Reifenvariante, welche sowohl bei trockenen als auch bei nassen Bedingungen zum Einsatz kommt, um somit weitere Ressourcen zu schonen. Darüber hinaus ist die lange Haltbarkeit des Reifens ein ebenfalls zukunftsweisender Schritt. Am Ende des jeweiligen Rennwochenendes werden die Reifensätze von Hankook komplett recycelt und dem Fertigungskreislauf zurückgeführt.

Formel E CEO Jamie Reigle, bei der Premiere ebenfalls zugegen, führte aus, mit welchen Herausforderungen man bei der gemeinsamen Entwicklung innerhalb der vergangenen zwei Jahre zu kämpfen hatte, um ein Reifen auf die Rennstrecke zu bekommen, welcher mit der Leistung der 350 kW starken Formel E-Rennwagen zu recht kommt, sowie die extrem hohe Rekuperationsleistung dieser E-Fahrzeuge händeln kann.

Kein leichtes Unterfangen, wie Manfred Sandbichler, Motorsport Direktor Europa, auszuführen vermag. Schließlich sei man bei Null gestartet, ohne das fertige Gen3-E-Fahrzeuge vor der Tür oder im Entwicklungslabor stehen zu haben. Die Entwicklung auf dem sprichwörtlichen „weißen Blatt Papier“ habe mit ersten Prototypen-Fahrzeugen begonnen. Sich dann aber nochmals stark gewandelt, als das erste Serienfahrzeug der Gen3 Formel E-Rennwagen bei Hankook vorstellig wurde.

Hunderte Stunden auf und abseits der Rennstrecke waren notwendig, um den Hankook iON race dorthin zu entwickeln wo er heute ist. Im Dezember 2022 sei es dann soweit, dass er den Teams in Valencia vorgestellt und auf die E-Fahrzeuge montiert wird. Dann gilt es zu beweise, ob man in der Tat ein „gutes Stück Gummi“ entwickelt hat, wie der französische Testfahrer Benoît Tréluyer zu verstehen gab. Dabei ist er sich sicher, dass seine Kollegen auf der Rennstrecke sich erst einmal beschweren werden, über den neuen Reifen. Was weniger am Hankook iON Race liegt, sondern vielmehr an der Tatsache, dass der Umstieg ansteht. Wie aber beim Umstieg vom Gen2- auf den Gen3-Rennwagen der Formel E, werde man auch hier die Vorteile erkennen, so Tréluyer abschließend.

Hankook

Wollen wir nun noch den Bogen zur Elektromobilität im Alltag schlagen. Denn hier profitieren vor allem die „normalen“ E-Autofahrer abseits der Rennstrecke von der Zusammenarbeit Hankooks mit der Formel E.

Denn der Reifenhersteller bringt mit seiner neuen globale Reifenfamilie Hankook iON drei Varianten für Premium-Elektrofahrzeuge: Sommer-, Winter- und Ganzjahreseinsatz auf die Straße. Ein deutlich reduzierter Rollwiderstand für erhöhte Reichweite, hohe Traktion auch bei nassen Straßen, sehr gute Bremsleistung und eine hohe Belastbarkeit spiegeln dabei die Anforderungen von Elektroautos an deren Bereifung in besonderem Maße wider. Punkte, welche wir nachfolgend gemeinsam betrachten möchten.

Von der Elektro-Rennserie Formel E auf die Straße

Noch bevor die Zusammenarbeit mit der Formel E bekannt wurde lancierte Hankook im Mai diesen Jahres mit der iON-Reifenfamilie die ersten Reifen, welche speziell für Elektrofahrzeuge entwickelt wurden.

Die iON-Produkte sind seit Marktstart in Größen zwischen 18 und 22 Zoll zunächst in drei Varianten erhältlich: in Europa seit Mai 2022 als Sommerreifen-Profil Hankook iON evo und seit September 2022 auch für die kalte Jahreszeit als Hankook iON Winter. Für den nordamerikanischen Markt wird der Hankook iON evo AS als Ganzjahres-Ausführung verfügbar sein. In Österreich konnte ich mir einen ersten Eindruck der Hankook iON Winter verschaffen, welche auf Elektroautos unterschiedlichster Hersteller, wie Audi, BMW, Hyundai, Porsche, Skoda, Tesla und VW montiert waren. Marken für die Hankook bei bestimmten Modellen optimierte Erstausrüstungs-Bereifungen in Serie bereitstellt.

Vorab sei gesagt, dass ich selbst sicherlich nicht qualifiziert dafür bin die Unterschiede im Detail zu spüren, wenn man auf der Straße oder Teststrecke unterwegs ist. Vermag es aber das Ganze ein wenig einzuordnen. Die besonderen Ansprüche an Elektroauto-Reifen in den Fokus zu stellen sowie das Thema Nachhaltigkeit ein wenig zu vertiefen.

Hankook selbst möchte mit der neuen Ausrichtung, durch spezielle Reifen für E-Autos, einen signifikanten Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen durch den Straßenverkehr beitragen. Dies geschieht aber natürlich nur indirekt, da mit den Hankook iON-Bereifungen mehr Kilometer pro Batterieladung gegenüber Standard-Bereifungen möglich seien, wie der Hersteller bei der Präsentation ausführt.

Hierfür musste man auf entsprechende Herausforderungen reagieren, welche beim Umstieg von Verbrenner auf E-Auto im Raum stehen. Das höhere Gewicht – bedingt durch die Batterie der Elektrofahrzeuge – muss erst einmal getragen werden. Auch das höhere Drehmoment, welches bereits direkt nach Start der E-Fahrzeuge wirken kann, gilt es zu bändigen. Die Laufflächen-Mischung mit hohem Naturharz-Anteil sorgt überdies für eine vorbildliche Dauerhaltbarkeit und reduzierten Abrieb, so Hankook im Rahmen der Schulungen zur Hankook iON-Reifenfamilie.

Hankook

Beim Einsatz auf Elektroautos kommt eine weitere Herausforderung zu tragen, welche es zu meistern gilt. Die Geräusch-Emissionen im alltäglichen Betrieb. Denn durch den leiseren E-Motor rücken Abroll- und Fahrgeräusche in den Vordergrund. Hierzu gab man uns von Seiten des Herstellers zu verstehen, dass die in die iON-Produkte integrierte sound absorber™-Technologie von Hankook eben diese Geräusch-Emissionen reduziert. Ermöglicht wird dies in Verbindung mit dem spezifischen Reifenprofil der Hankook iON-Reifenserie.

Herausforderung Reifen für Elektroautos – Worin bestehen die Unterschiede zum Verbrenner-Reifen?

Massimo Cialone, Chief Compounder Specialist Hankook sowie Andreas Pürschel, Head of Performance Evaluation Europe bei Hankook Tire & Technology, haben im Rahmen eines Quiz spielerisch an die Herausforderungen bei der Entwicklung von Reifen für E-Fahrzeuge, im Vergleich zum klassischen Verbrenner-Reifen herangeführt. Insofern spannend, da durchaus das ein oder andere Mal die erste Antwort, die mir logisch erschien doch nicht die richtige war. Und eben diese Dinge, welche ich vor Ort lernen durfte, möchte ich nachfolgend mit dir teilen.

Ansprüche an E-Auto-Reifen

Zunächst einmal betrachten wir die vier Ansprüche, welche Reifen für Elektroautos erfüllen müssen, um auf diesen zu überzeugen. Bevor wir dann nähe betrachten wie man diese Ansprüche auch tatsächlich erfüllen kann.

Wie begegnet man als Reifenhersteller den Ansprüchen an Elektroauto-Reifen? Eine Betrachtung.

Hankook verfolgt mit seiner iON-Reifenfamilie unterschiedlichste Ansätze, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden. So verbessere man den Rollwiderstand der Reifen unter anderem dadurch, dass man entsprechende Gewichtseinsparungen erzielt hat – beispielsweise durch die Verwendung von pflanzlichen Ölen, die für weniger Abrieb sorgen. Dies bedeutet somit, dass für die gleiche Laufleistung weniger Material auf dem Laufstreifen benötigt wird. Was für eine entsprechende Langlebigkeit der Reifen spricht.

Aerodynamische Optimierungen im Reifenprofil selbst tragen dann noch ihren Teil dazu bei, dass die Laufleistung der Reifen sich weiter positiv entwickelt. Aber auch die Laufflächenmischungen der iON Baureihe haben großen Einfluss auf den Rollwiderstand, wie der Hersteller im Rahmen der Schulung aufzuzeigen vermag. Hochdispersible Polymere, ein hoher Silica-Anteil sowie ein modernes Mischverfahren führen zu einer höheren Elastizität der Lauffläche und verringern gleichzeitig unnötige Bewegungen im Profil.

In puncto Reichweitensteigerung kann man aber auch als E-Autofahrer selbst seinen Teil dazu beitragen, wie Andreas Pürschel zu vermitteln mag. Stichwort: Korrekter Reifendruck. Dabei empfiehlt er sich nicht nur auf die Bordelektronik des eigene E-Autos zu verlassen, sondern selbst an der Tankstelle Hand anzulegen. Denn bereits minimale Abweichungen lassen den Reifen nicht mehr wie erdacht arbeiten. Hier kam der Vergleich zum Fahrradreifen auf, welcher spürbar schlechter fährt, wenn ihm der nötige Luftdruck fehlt.

Den gewünschten hohen Geräuschkomfort erreicht Hankook durch die Hankook Sound Absorber™-Technologie sowie die Gestaltung des Reifenprofils, wie ich bereits in einem der vorherigen Absätze aufzeigen konnte. Die richtige Laufflächen-Mischung wirkt sich nicht nur positiv auf den Rollwiderstand der Reifen aus, sondern auch für den nötigen Grip, wenn es darum geht den Drehmoment eines E-Autos einzufangen.

Ein hoher Naturharz-Anteil ermöglicht die Beschleunigung mit reduziertem Schlupf. Und bietet zudem neben der gewünschten Haftung auf der Fahrbahn eine höhere Haltbarkeit sowie einen reduzierten Abrieb der Reifen-Laufflächen.

Fehlt nur noch der Umgang mit dem hohen Gewicht eines Elektroautos, welchen es zu meistern gilt. Im Fall der Hankook iON-Reifenfamilie dadurch gelöst, dass der Reifenhersteller mit einer auf die höhere Traglast angepassten Lastverteilung über die gesamte Breite der Lauffläche reagiert – ohne dabei auf sportliches Handling zu verzichten. Dauerhafte Stabilität ermöglichen die besonders widerstandsfähigen Aramidfasern, die den Verformungskräften effektiv entgegenwirken, wie Cialone im Gespräch ausführt.

Zielkonflikt minimierter Rollwiderstand bei gleichbleibenden Qualitäten anderer Kriterien

Beschäftigt man sich mit der Reifen-Entwicklung ist immer die Rede von einem Zielkonflikt, welchen es zu betrachten gilt. Denn verändert man eine Eigenschaft des Reifens, wirkt sich dies auf mindestens eine andere Eigenschaft aus – wie wir hier bei Elektroauto-News.net schon einmal im Detail betrachtet haben. Daher gilt es stets die entsprechenden Auswirkungen im Blick zu behalten, wenn der Reifen in der Entwicklung voranschreitet.

Beim iON habe man dies mit Bravour gelöst, wie der TÜV Süd zu bestätigen vermag. So zeigt sich der Reifen, auf gängigen Premium-Elektrofahrzeugen montiert, vor allem beim Rollwiderstand deutlich überlegen. Gleichzeitig weicht er in keinem Kriterium signifikant von den Benchmark-Vorgaben seiner Wettbewerber ab; beim Nass- und Trockenbremsverhalten erreicht er sogar Bestwerte.

„Die Verwendung von Naturharz hilft, den guten Nassgriff trotz des geringen Rollwiderstandes zu erhalten. Besonders hervorzuheben ist auch der hohe Silica-Anteil des iON, der auf Mikro-Ebene für Halt auf nasser Fahrbahn sorgt, indem er der Bildung eines gefährlichen Wasserfilms zwischen Fahrbahn und Reifen entgegenwirkt“, wie Hankook in einer entsprechenden Mitteilung auszuführen vermag.

Von der Theorie in die Praxis: So schlägt sich der Hankook iON Winter

Nach dem uns in der Theorie die Vorzüge der Hankook iON Reifenfamilie näher gebracht wurde war es an der Zeit die Unterschiede zu Marktbegleiter in der Praxis zu testen. Über das allgemeine Fahrgefühl konnte man sich bereits auf den entsprechenden Transferfahrten im Audi e-tron RS sowie dem BMW iX3 überzeugen. Wie eingangs bereits erwähnt fehlt mir hierfür das feine Gespür direkte Unterschiede zu spüren, vor allem, da es hier keinen Vergleich zu Marktbegleiter gab.

Was allerdings wahrnehmbar war für mich, war die Verringerung der Geräusch Emissionen im iX3 von BMW. Bekanntermaßen fahre ich diesen noch bis Ende November 2022 im Elektroauto-Abo von FINN und habe hier zumindest die Vergleichsmöglichkeiten. In Bezug auf Reichweitensteigerung war eine Aussage nicht möglich und man muss und kann sich wohl auf das Testergebnis des TÜV Süd verlassen.

Auf der Teststrecke sah es dann schon anders aus. Drei CUPRA Born standen zur Verfügung. Einer mit dem Hankook iON Winter bereift, die anderen beiden E-Autos mit vergleichbaren Reifenmodellen von Marktbegleitern, wie man uns zu verstehen gab. Aufgrund des begrenzten Platzes sowie der hohen Anzahl an Journalisten, Medienvertreter vor Ort war es uns nur möglich einen simplen Bremstest auf regennasser Straße zu vollführen.

Sprich, anfahren mit 50 km/h, abrupt bremsen und davon überzeugen, wie schnell die Hankook iON Reifen zum Stillstand kommen. Unterschiede waren hier durchaus wahrzunehmen. Wenn auch nur minimal. Hier kam sicher aber auch zum Tragen, dass wir alles keine Testfahrer für Reifen sind und alleine hierdurch wiederholbare, aussagekräftige Ergebnisse nicht wirklich möglich sind.

Schlußendlich hat der Hankook iON Winter gezeigt, dass er mit Situationen wie starkem Regen umzugehen vermag. Was ein entsprechendes Sicherheitsgefühl vermittelt und gepaart mit den anderen Vorzügen der Elektroauto-Reifen durchaus überzeugt. Für eine detaillierte Betrachtung habe ich im Rahmen der Hankook iON Experience die Möglichkeit genutzt, mich mit entsprechenden Experten zu vernetzen, um im Nachgang noch ein wenig tiefer in die Welt der Elektroauto-Reifen einzutauchen.

Nachhaltigkeit und Klimaschutz fest verankert im Unternehmenskern von Hankook

Bereits über den Artikel hinweg mehrmals angerissen spielt vor allem das Thema Nachhaltigkeit einen entscheidende Rolle für Hankook. Auf Unternehmensebene betrachtet unterstützt Hankook die von den Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft geförderten Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs).

Unternehmensintern wurden entsprechende mittel- bis langfristige Ziele zur Treibhausgasreduktion für alle weltweiten Produktionsstandorte festgelegt, um das Pariser Klimaabkommen von 2015 aktiv zu unterstützen. 2019 hat der Reifenhersteller seine Zielsetzung bis 2030 festgelegt und berichtet regelmäßig über die erfolgten Schritte und Verbesserungen. Bis 2040 strebt das Unternehmen die Reduktion der Treibhausgase auf 60 Prozent des Ausstoßes von 2018 an, bis 2050 soll die Kohlenstoffneutralität erreicht sein.

Im Zeitraum von vier Jahren sei es Hankook bereits gelungen die Treibhausgas-Emissionen um elf Prozent zu reduzieren. Dies kann einem CO2-Äquivalent von 640.000 Tonnen gleichgesetzt werden. Bei der Betrachtung der Emissions-Scopes rücken die selbst verursachten Emissionen in den Mittelpunkt. So strebt Hankook an sämtlichen Produktionsstandorten sukzessive den Wechsel auf 100 Prozent erneuerbare Energien an.

Im Rahmen des Reifen-Quiz brachte Hankook selbst das Thema Nachhaltigkeit auf Produktebene, dem Reifen ins Spiel. Hier sei man bei einem Anteil von um die 30 Prozent nachhaltiger Materialien (Bio-Polymere, pflanzliche Öle sowie recycelte Reifen) gelandet. Bis 2025 wolle man diesen Anteil auf 33 Prozent steigern. Ziel sei es dann im Zeitraum von 2045- 2050 bei einem 100 Prozent nachhaltigen Reifen zu landen.

Hierfür beschreite man unterschiedliche Wege und wolle beispielsweise den Anteil von recycelten Reifen (derzeit sieben Prozent am Reifen) deutlich weiter steigern. Diese recycelten Reifen treten als  „Carbon Black“ oder Ruß im Fertigungsprozess in Erscheinung, der in der Reifenherstellung enorm wichtig ist. In einem einzigen Autoreifen sind rund drei Kilogramm davon enthalten. Ziel sei es, ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft, den Ruß verstärkt aus Altreifen oder perspektivisch via umweltfreundlicher Pyrolyse aus schwarzem Kunststoff-Rezyklat zu gewinnen. Hierfür ist man bereit zu investieren. Eine Anlage in Korea sei bereits in Planung, ebenso Prozesse zur Zertifizierung von „Green Carbon Black“ in der EU.

Aktuell bestehe die Herausforderung dabei die richtigen nachhaltigen Rohstoffe in ausreichender Menge zu beschaffen. Es könne nicht einfach jedes Material auf dem „nachhaltig“ oder „grün“ stehe bezogen werden. Eine entsprechende Zertifizierung sei von Nöten und von den Automobilhersteller/ der Branche gefordert.

Die ISCC-PLUS-Zertifizierung (International Sustainability & Carbon Certification) ist hierbei das Maß der Dinge, welche man für die Produktionsstätte in Geumsan/Südkorea sowie die Einführung von biologischem Öl und erneuerbaren biochemischen Materialien bereits erhalten habe. Das Werk in Rácalmás/Ungarn, welches den europäischen Markt mit Reifen versorgt, durchläuft aktuell die Zertifizierung, die für hohe Umweltstandards verliehen wird.

Preislich ist es derzeit noch so, dass die umweltfreundlichere, nachhaltigere Variante noch teurer als die nicht so nachhaltige Alternative ist. Geht es nach den Experten von Hankook findet hier in den kommenden fünf Jahren eine entsprechende Anpassung am Markt statt und man wird sich auf Augenhöhe bewegen.

Da fehlt doch noch etwas, der Hintertuxer Gletscher

Ganz ist der Bogen zum Beginn noch nicht gespannt. Swarovski Kristallwelten und Formel E sind abgehakt, was noch fehlt ist der Hintertuxer Gletscher. Doch wie passt dieser hier rein? Am ehesten dadurch, dass uns Hankook am eigenen Leib aufgezeigt hat, mit welchen Herausforderungen man im Winter zu kämpfen hat.

Was bei uns die Auseinandersetzung mit Höhe (3.330 Meter über dem Meeresspiegel, nach dreimaligem Wechsel der Gondeln, Temperaturen (teils bis unter minus fünf Grad im September) sowie wechselnden Witterungsbedingungen – von Sonnenschein bis Neuschnee alles mit dabei – ist, damit hat auch das Team von Hankook im Entwicklungsalltag zu kämpfen.

Eben nur ein wenig anderes. Mit warmen und kalten Temperaturen hat man hier auch zu tun. Diese wirken sich beim E-Auto auf die Reichweite aus. Durchaus ein bekanntes Thema, möchte man allerdings die Hankook iON Reifenfamilie stets nach dem gleichen Maßstab zu bewerten, gilt es diese Schwankungen im Prüfprozess aus der Gleichung zu nehmen.

„Mussten“ wir nur uns und unseren Rucksack auf den Hintertuxer Gletscher schleppen, trägt ein E-Auto das Gewicht seiner gesamten Batterie stets mit sich herum. Auch dies ist eine Herausforderung im Prüfprozess der Reifen, da die entsprechenden Teststrecken des Öfteren präpariert werden müssen, um eine Konstanz bei der Bewertung der entsprechenden Messergebnisse gewährleisten zu können.

Weitere Analogien lassen sich sicherlich noch ziehen. Doch dazu beim nächsten Mal mehr. Bin zuversichtlich, dass du aus diesem Bericht zur Hankook iON Experience einiges mitnehmen konntest, wenn es um das Thema Reifen für Elektroautos geht. Falls noch Fragen offen sind, gerne die Kommentare nutzen.

Hankook hat zur iON Experience 2022 eingeladen und hierfür die Reisekosten übernommen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf meine hier geschriebene ehrliche Meinung.

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Der Markt der BEV-optimierten Reifen ist noch sehr klein – jeder Wettbewerber ist willkommen.

Es zählen eigentlich alle Faktoren, die bei Verbrennern auch zählen: Langlebigkeit, Geräuscharmut, Traktion bei Wärme, Nässe, Trockenheit, Kälte, Preis …
und vor allem bei BEV der Abrollwiderstand ..

Ich bin gespannt auf die Markt- und Preisentwicklung. Beim Winterreifen bin ich bei einem Standard-Reifen gelandet (meine Winterperiode war in den letzten 10 Jahren immer sehr kurz und manchmal sogar Null) aber mein nächster Sommerreifensatz ist schon in Sichtweite.

Für weder Formel-E- noch Hintertuxer-Gletscher- sondern Ottilie Normalfahrerin wird in -D- der Bedarf an getrennten Sommer- und Winterreifen seit bestimmt 20 Jahren ständig geringer, da es im Schnitt auch immer weniger Frosttage gibt.
Hier im norddt. Flachland jedenfalls nutze ich seit 2001 nur noch Ganzjahresreifen *).
*) Meine Schwerpunkte: Gute Nässeeigenschaften und geringer Rollwiderstand.

Seit 2014 auch elektrisch … Das aufwändige Dauer-„Theater“ der halbjahreshäufigen Reifenwechsel und -(Um-)Lagerung ist jedenfalls für mich seitdem absolut vorbei.

Last edited 4 Monate zuvor by Wolfbrecht Gösebert

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