E-Auto-Förderung: „Nicht ideal – aber wir haben keine andere Wahl“

E-Auto-Förderung: "Nicht ideal - aber wir haben keine andere Wahl"

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Im Pariser Abkommen hat sich Deutschland zur Klimaneutralität bis 2050 verpflichtet. Besonders auf dem Sektor Verkehr aber ist der Rückstand zu den Vorgaben gewaltig. Die Bundesregierung stellt deshalb rund 7,7 Milliarden Euro an Förderung bereit – 2,5 Milliarden für den Ausbau der Ladeinfrastruktur, zwei Milliarden für Autobauer und Zulieferer sowie rund 3,2 Milliarden Euro als Kaufprämie für E-Autos.

In einem Interview mit „zeit.de“ zweifelt Thomas Puls, Analyst für Verkehrs- und Umweltpolitik am Institut der deutschen Wirtschaft am Sinn dieser Förderung. Für das Geld könnten etwa Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 6,9 Gigawatt gebaut werden – mit deutlich größerem Effekt auf den CO2-Ausstoß. „Trotzdem„, sagt er, „haben wir aktuell gar keine andere Wahl, als auch in E-Mobilität zu investieren.

Um auch nur in die Nähe der europäischen Ziele zu kommen, müssten alle Hebel in Bewegung gesetzt werden. „Das können wir nur schaffen, wenn wir zunächst den Personenverkehr und später auch den Güterverkehr elektrifizieren.“ Auch in Bahn und öffentlichen Nahverkehr müsse massiv investiert werden. Allerdings berge die Aufteilung der Zielvorgaben auf verschiedene Sektoren auch Probleme.

Als Beispiel nennt Puls den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix. Erhöhe sich dieser, würden auch Elektroautos klimafreundlicher. In der Berechnung für den Verkehrssektor werde aber nur das CO2 berücksichtigt, das aus dem Auspuff kommt. „Jedes Elektroauto gilt als Null-Emissions-Fahrzeug. In der Realität hängt die Klimafreundlichkeit aber sehr stark davon ab, wie der Strom produziert wird.“ Beim aktuellen deutschen Strommix und einem Verbrauch von 20 Kilowattstunden liege der CO2-Ausstoß eines E-Autos bei etwa 100 Gramm pro Kilometer.

Zumindest im Blick auf die Neuzulassungen habe sich die Förderung als sehr wirkungsvoll erwiesen, so Puls. Deutschland sei heute nach China der größte Absatzmarkt für E-Autos weltweit. Dennoch könne und solle die Politik nicht unbegrenzt fördern. „Ich glaube, dass wir uns aktuell zu sehr auf Kaufprämien konzentrieren. Die notwendigen Zulassungszahlen können wir nur erreichen, wenn das Elektroauto für alle Menschen nutzbar wird. Die Schlüsselstelle ist die Ladeinfrastruktur.

Das Problem sei allerdings, dass man mit Stromtankstellen aktuell kein Geld verdienen könne. Die Installation sei teuer und im Gegensatz zur heimischen Steckdose bräuchten Unternehmer ein Abrechnungssystem und Versicherungen. Zudem müssten die Ladesäulen regelmäßig gewartet werden und auch ein Parkplatz im öffentlichen Raum koste Geld. Dem stehe ein relativ geringer Absatz gegenüber. Rund 80 Prozent der aktuellen E-Autos würden entweder zu Hause oder im Betrieb geladen. „Damit die Mehrzahl der Leute ein Elektroauto nutzen kann, brauchen wir aber ein gut ausgebautes Ladenetz. Das ist ein klassisches Henne-Ei-Problem. Und das werden wir nur durch staatliche Förderung lösen können.

Aus volkswirtschaftlicher Sicht plädiert Puls für einen weltweiten Emissionshandel. Weil es aber keine Weltregierung gebe, lasse sich dieser Plan nicht in die Praxis umsetzen. Für den Energie- und Industriesektor innerhalb der EU funktioniere das Modell bislang gut. Deshalb werde eine Ausdehnung auf die Sektoren Wärme und Verkehr diskutiert. In jedem Fall sei die Einhaltung der Klimaziele eine sehr ambitionierte und auch teure Aufgabe, sagt Puls. „Die Klimaforschung zeigt aber, dass wir keine andere Wahl haben.

Quelle: zeit.de – „Die Kaufprämie für Elektroautos ist nicht effizient“

Über den Autor

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Die Klimaforschung zeigt aber, dass wir keine andere Wahl haben.“ ja jetzt rächt es sich dass die Politik Jahrzehntelang geschlafen hat jetzt muss alles in kurzer Zeit erledigt werden und es gibt immer noch viel zu viele Bremser in Politik und Wirtschaft, was jetzt versäumt wird, muss wird später um ein vielfaches teuer werden

Bekommen nun FCV eine besondere Vergütung für die Müllentsorgung durch E-Mobil-fahren mit H2? Dazu: https://youtu.be/z7r-MeJ-wb8

Wir fördern importierte elektrische Kleinstwagen zu stark und teure Elektroautos über 60000€ Basispreis, obwohl wir diese selbst herstellen nur bei der Versteuerung des geldwerten Vorteils.
Das war vor einigen Jahren noch sinnvoll, als Tesla ein Monopol bei hochpreisigen Elektroautos hatte. Bald liefern Audi, BMW, Daimler und Porsche eine Menge unterschiedlich Batterieelektrische Modelle, die Förderung sollte angepasst werden. Man braucht einen Dacia nicht so hoch wie einen ID.4 zu fördern.

Man braucht einen Dacia nicht so hoch wie einen ID.4 zu fördern.

Richtig so. Die arme Sau muss man doch nicht so stark fördern.
Das reichere Klientel muss man fördern wo es geht. Nicht das der Niedriglöhner sich ein neues Auto kauft. Ein wenig die Klassengrenze muss man schon ziehen.
Die meisten Steuern zahlt zwar der kleine Mann, aber aus dem Steuertopf muss man ihn nicht füttern.

Ich würde eher das Gegenteil vorschlagen.
Die Förderung sollte mit zunehmenden Preis immer weniger werden um zu erreichen, das auch günstige, leichte und verbrauchsarme e-Autos produziert werden. Im gleichen Zuge sollte auf jeden Verbrenner mit steigendem Gewicht, Verbrauch und Preis eine zusätzliche Abgabe erhoben werden.
Solange Verbrenner immernoch billiger in der Anschaffung sind als e-Autos wird der richtige Durchbruch auf sich warten lassen, und das liegt, derzeit zumindest, nicht, wie vielfach behauptet, an einer mangelhaften Ladeinfrastruktur.

Die Förderung ist schon so gestaffelt, siehe https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/elektromobilitaet/kaufen/foerderung-elektroautos/
Günstigere BEV bekommen mehr Förderung als die Premium Klasse.

Naja, von einer wirklichen Staffelung kann man da gerade nicht sprechen.

Okay, wer einen sechssteillgen Betrag ausgibt, der hat das Polster, um nicht nach „Kleingeld-Förderung“ zu hecheln.
Aber immerhin, der gute Wille der Staffelung ist erkennbar. 😉 Sie hätte allerdings deutlich prägnanter ausfallen müssen. Wobei nach wie vor für mich die in Ballungsgebieten fehlenden guten Lademöglichkeiten das größte Hindernis sind.
Der Zubau von Ladestationen erfolgt ja und nun gilt es, die Ladetarife unter die Lupe zu nehmen.

Wir haben keine Wahl, außer zu Fördern – wenn ich so was schon höre.
Es gibt eine Lösung, die besser für das Klima und die Staatsfinanzen ist: 6000 EUR Sonderabgabe auf jeden verkauften Verbrenner. Aber das will ja wieder keiner hören…

Es gibt noch bessere Lösungen für die Umwelt was den KFZ-Sektor betrifft. Ein Tempolimit auf Autobahnen von 130 km/h, was Einsparungen von Millionen Tonnen Co2 bedeutet, ab 2025 keine
Neuzulassung von Verbrennern wie z.B. in Norwegen und die Förderung auf einen bestimmten Kaufpreis deckeln. Luxusfahrzeuge müssen nicht noch vom Steuerzahler gefördert werden.

Der Staat könnte sparen, wenn er

  • einen Deckel bei etwa 50000,– einführen
  • endlich die Förderung für PHEV abschaffen würde! – Stimmt es wirklich, dass da nach einem Jahr noch immer das Ladekabel nicht ausgepackt ist? – Was für eine fehlgeleitete Verschwendung von Steuermitteln!

Das mit den PEHV ist wirklich eine riesige Verschwendung von Steuergeldern. Selbst die BEVs sollten ohne Steuergelder auskommen. In Ländern wie der Schweiz geht es auch ohne Staatliche Steuergeschenke. Das wird in Deutschland doch nur durchgezogen um die heimischen Autolobby am Leben zu erhalten. Mit ziemlich unsicherem Ausgang. Die haben viel zu lange damit geglänzt die Elektromobilität zu verhindern um weiter gemütlich Milliardengewinne für ihre Aktionäre zu scheffeln. Damit haben sie tausende Arbeitsplätze aufs Spiel gesetzt und verlangen nun auch noch, dass man sie mit Steuergeldern rettet. Ein mieses Spiel von profitgeilen arroganten Managern wieder einmal auf dem Buckel des kleinen Steuerzahler.

10 Cent pro Liter auf Diesel und Benzin und damit den Strom für e-Autos vergünstigten.
das wäre eine gute Förderung die den Staat nichts kostet. überschüssige Einnahmen können für die Lade Infrastruktur verwendet werden.

Die CSU hat seit den 70iger Jahren den Verkehrsminister gestellt und diese haben im Einklang mit den anderen an der Regierung beteiligten Parteien voll auf den Verbrenner im Güterkraftverkehr sowie im ÖPNV gesetzt. Damals gab es gerade 3 Bahnverladestationen für LkW in der gesamten BRD! Die gerne von diesen Leuten zitierten Studien haben damals schon ständig steigende Verkehrszahlen prognostiziert. Einer der größten Bremser war die staatseigene Deutsche Bundesbahn. Die besaß nämlich über die angeschlossenen Speditionen die Hälfte aller Fernverkehrslizensen und war überhaupt nicht interessiert, diesen Profit abzugeben. Dazu beigetragen haben ebenfalls die Verflechtungen der Politik mit den Transport- und Lkwherstellern. Heute wie damals kann man das offen aussprechen: Interessenkonflikte = Bestechlichkeit = Korruption.
Und immer hilft der Bürger, die Verfehlungen der von ihm selbst ins Amt gehobenen Personen auszubügeln. Ihm verbleiben nur die Brosamen des von ihm erwirtschafteten Geldes…

Ja, eine Strategie für eine gute Ladeinfrastruktur fehlt derzeit bei unserer Regierung. Das kann sich ja ab September 2021 ändern. Die öffentlichen E-Ladesäulen müssen ausgeschrieben werden und neben konkreten Vorgaben auch eine vernünftige Förderung her. Es kann und darf auch nicht sein, dass Parkplätze mit mehr als 10 Stellplätzen noch ohne eine E-Ladesäule genehmigt werden, oder dass Vermieter E-Ladesäulen ablehnen können. Ich selbst fahre seit 8/2018 ein E-Auto und lade es mit dem Strom von meiner eigenen PV-Anlage auf.

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