Die Schweizer Macher: Hyundai bringt Wasserstoff-Lkw in die Schweiz

Die Schweizer Macher: Hyundai bringt Wasserstoff-Lkw in die Schweiz

Copyright Abbildung(en): Hyundai

Von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ist nicht überliefert, ob er – wie sein Parteifreund und Ministerkollege Horst Seehofer – gerne Eisenbahn spielt. Es steht allerdings das Gegenteil zu befürchten. Während der frühere bayerische Ministerpräsident im Keller seines Ferienhauses in Schamhaupten Züge auf diversen Ebenen kreisen lässt, hängt Scheuer auf Teilen der A1 und A5 Lastwagen an Oberleitungen. Der im Altmühltal macht es ganz sicher aus Spaß, der mit den Autobahnen meint es angeblich ernst.

So langsam scheint den Regierenden in Berlin ein wenig mulmig zu werden. Schließlich hat sich Deutschland ausdrücklich zur emissionsfreien Mobilität bis 2050 bekannt. Steht so unter anderem im Klima-Abkommen von Paris. Dummerweise aber ist es mit einer Unterschrift nicht getan. Vom Versprechen der Kanzlerin, schon 2020 würden eine Million Elektroautos über die Straßen der Republik surren, ist ja nichts übrig geblieben.

Für die CO2-Bilanz ist das verheerend. Obendrein muss irgendjemand irgendwann die Frage aufgeworfen haben, wie denn künftig all die Wagen unterwegs sein sollen, die rund um die Uhr schwere Lasten transportieren? Seit 1990 hat sich der Güterverkehr auf der Straße mehr als verdoppelt. Bis 2030 wird mit weiteren 40 Prozent Zunahme gerechnet. Und weil Scheuer die Bahn seit jeher nicht geheuer ist, hat er das Modell halt lieber versuchsweise auf die von ihm so geliebte Straße kopiert. Millionen-Zuschüsse inklusive.

Die Idee: Am üblichen Dieselmotor ist ein Elektromotor angeflanscht, auf der Zugmaschine finden sich Akkus. Und: Über dem Führerhaus ragen Stromabnehmer auf wie bei einer Lok. Sie halten bis Tempo 90 den Kontakt zum Fahrdraht mit etwa 600 Volt. Die zusätzliche Technik wiegt an die zwei Tonnen. Für Spediteure kein echtes Problem. In der Regel stoßen sie beim Volumen an die Grenze, nur selten beim Gewicht. Eher ist es der Preis, der sie schaudern lässt. Noch kosten die Prototypen etwa das Dreifache eines handelsüblichen Lkw. Im Gegenzug aber kann ein 40-Tonner laut Siemens auf 100 000 Kilometern rund 20 000 Euro an Spritkosten sparen.

Und dabei zählen nicht nur Fahrten am Draht. Über die Bord-Batterien kann der Laster bei einem Kilometer unter der Oberleitung Energie für drei weitere Kilometer abseits speichern. In Berlin wird daher schon fleißig gerechnet. Weil laut Umweltministerium etwa 70 Prozent der Warenströme auf 3000 bis 4000 Kilometern des Autobahnnetzes fließen, könnte man mit 1000 Kilometern Elektrifizierung einen Großteil dieses Verkehrs abdecken.

In der Schweiz sind sie da weiter: Dieser Tage hat Hyundai die ersten zehn Wasserstoff-Lkw „Xcient Fuel Cell“ für die mehrwöchige Seereise Richtung Alpenrepublik verschifft. Nach der Ankunft in Bremerhaven werden sie weitertransportiert und Anfang Oktober übergeben. Bei der kostbaren Fracht handelt es sich um die weltweit ersten in Serie produzierten schweren Nutzfahrzeuge mit Brennstoffzellen. Bis Jahresende sollen es 50 sein, bis 2025 dann schon 1600.

Anders als vergleichbare Modelle ist der „Xcient Fuel Cell“ keine Studie, sondern ein serienreifer Laster. Für Vortrieb sorgen zwei Brennstoffzellen mit je 95 Kilowatt. Die sieben Tanks an Bord bringen einen 34-Tonner mit Kühlaufbau 400 Kilometer weit. Selbst in Schweizer Topographie. Und das ist erst der Anfang. Parallel entwickelt Hyundai für den Fernverkehr bereits eine Zugmaschine mit einer Reichweite von 1000 Kilometern.

Warum aber startet das Pilotprojekt angesichts der EU-Wasserstoffstrategie ausgerechnet in der Schweiz, die ja eben gerade nicht zur EU gehört? Antwort: Die Eidgenossen waren schlicht schneller. Mark Freymueller, Chef von Hyundai Hydrogen Mobility: „Als das Projekt vor einigen Jahren geplant wurde, war der ‚Green Deal‘ noch nicht absehbar.“ Wohl aber das Modell der künftigen CO2 Besteuerung – und der klare Wille der Politik. Denn während hier zu Lande der Diesel subventioniert wird, sind in der Schweiz die Kosten deutlich höher. Und die Chancen zum Wandel größer. Freymueller: „Die Einsparungen durch Steuerwegfall bei emissionsfreien Lkw sind so hoch, dass Brennstoffzellen eine echte Alternative darstellen.“

Generell prüft Hyundai eine Ausweitung des Modells auf andere Länder Europas. Das Interesse sei groß, sagt Freymueller. Sehr viele potenzielle Abnehmer hätten sich gemeldet. Doch die politischen Rahmenbedingungen machen wenig Hoffnung. „Solange dies nicht angegangen wird, ist ein Projekt dieses Umfangs in Deutschland deutlich schwerer durchzuführen.“

Dabei preist EU-Klima-Kommissar Frans Timmermans die Brennstoffzelle. Wasserstoff auf Basis erneuerbarer Energie sei nicht nur Klimaretter, sagt er, sondern auch Wachstumsmotor in der Corona-Krise. Würde der „Green Deal“ greifen, könnte bis 2050 ein Viertel der EU-weiten Energienachfrage mit Wasserstoff gedeckt werden. Heute sind es zwei Prozent.

Der Blick zum Nachbarn indes zeigt: Den Systemwechsel anzugehen hilft deutlich schneller, als bloß davon zu sprechen. Oder Straßen-Bahn zu spielen.

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Ganz im Gegensatz zu den Autos wo man mit den Akkugewichten leben kann, ist es beim LKW anders. Auch bei den Traktoren ist der Energiebedarf zu gross, für die Landwirtschaft ist H2 deswegen ein Thema. Flugzeuge halten sich bis dato mit AKKU-Technik schon eine Stunde in der Luft.

Bereits vor 50 Jahren war die Schweiz ebenfalls ein Testmarkt für die damaligen ersten Autos der Japaner. Nissan hies damals noch Datsun und beeindruckten mit dem Bluebird . Aber auch Toyota und Honda lieferten über ein ganz neues Händlernetz mit kleinen Werkstätten auf dem Land, solide Autos mit Komplettausstattung aus. Durch ihre Einmalmontage auf ihren Bändern, ohne Zwischenlagerung und Nachbehandlung wurden sie
gegen die Europäer auch zum Preiskonkurrenten. Wollen die Koreaner nun das Gleiche tun?

Das ist definitiv die LKW-Zunkunft! Bitte kein „Restverschandelung“ der immer noch schönen Landschaft an unseren Autobahnen mit teuren und hässlichen Oberleitungssystemen! Auch für Schiffe in den norwegischen Fjorden, wo bereits ab 2026 Dieselantriebe verboten sind, für Züge, etc., etc. eignen sich FCElektrische Antriebe. Später sicherlich auch für Reise-PKWs. Den BEVs bleibt dann idealerweise der urbane Kurzstreckenverkehr vorbehalten. So können alle leben…und die Taycans und ähnliche sinnlos über 300 km/h schnelle Strassenvehikel können und sollen mit astronomischen Preisen im Zaum gehalten werden. Demnächst werden auch wir (und Somalia?) wohl eine offizielle 130 km/h Begrenzung erfahren, die praktisch wegen der vielen Staus schon heute darunter liegt (Autos sind einfach zu billig).

Ich stelle mir definitiv eine Zukunft ohne diese LKW’s vor, egal wie angetrieben. Für mich sind sie das allergrösste Ärgernis auf allen Strasse schlechthin. Sicher, wenn es nicht anders geht, dann nachhaltig mit BEV und halt auch mit FCEV. Am Besten aber auf der Schiene wo nur Oberleitungen sinnvoll sind. Da kann man ja auf bestehende Infrastruktur zurückgreifen. Die Schweiz praktiziert das schon, leider halt noch zu wenig konsequent. Wenn es nach mir ginge, dann müssten all diese fetten Dinger auf die Schiene. Somit spielt Wasserstoff auch bei den LKW’s keine grosse Rolle mehr. Kleintransporter können sehr wohl mit Akkus betrieben werden und wer es halt wünscht mit Wasserstoff.

Ganz generell werden wir unser Konsumverhalten ändern müssen ( um nur einige Beispiele zu nennen: Fleischskandale, Fleischimporte aus Argentinien, Ananas zu jeder Tages und Nachtzeit und an jeder Autobahnraststätte usw. usf. ) Was da in der EU von LKW’s aus Kazakhstan, hin und her gekarrt wird ist schlichtweg unerträglich. Wenn wir endlich bereit sind solchen Unfug zu stoppen haben wir nur noch 10% der LKW’s auf unserern Strassen und es wäre schon recht viel gewonnen.

Autos werden in den kommenden 10-20 Jahren eh aus unserern Städten verschwinden. Deshalb machen da keinerlei FCEV’s oder BEV’s oder sonst irgendwas mehr Sinn. In modernen Städten wird es zunehmend Trams, E-Fahrräder, E-Scooters, Fussgänger, U-Bahnen und E-Busse geben. Das werden die Millenials und kommenden Generationen von der Politik zurecht einfordern.

Damit kann auch die Anzahl Autos massiv auf 1/4 gesenkt werden. Weniger private PKW’s und mehr Shared PKW’s und diese dann nachhaltig mit BEV’s und wer will mit FCEV’s.

Wieso sage ich das, weil das Klima und das aufzwingen wird, ob wir wollen oder nicht. Also ein genrelles Umdenken auf breiter Ebene und sicher nicht mehr so wie bisher.

Und ja, auf den Autobahnen max. 120km/h .

H2 für den Schwerverkehr ja klar. Für PKW nicht bezahlbar und vor allem nicht genügend produzierbar. Wenn H2 CO2 neutral sein soll, braucht es mindestens drei mal mehr Grünstrom als es für BEVs braucht. Das ist völlig unrealistisch, es sind ja bereits heute fast keine Neuanlagen mehr möglich bei den Wiederständen in der Bevölkerung und der Politik.

Jaja könnte könnte Konjunktiv. Es ist sicher nicht verkehrt zu träumen, und ich will auch nicht sagen, dass es nie passieren wird.

Aber so im großen ganzen ändert sich ja nix, solange nichts passiert und was soll schon passieren?

Die Schiene is doch schon verstopft, meine Heimatstadt hat ein kleines contianerterminal für binnenschiffe bekommen, das kaum einer braucht… Leider
Ich denk das is alles zu langsam, zu unflexibel, da braucht es ganz ganz neue Ansätze, sonst bleibts beim Lkw, sry

Und Tempo 130? Seh ich nich dass das mal kommt. Ok vll automatisch, wenn tatsächlich alle elektrisch unterwegs sind. Ist auch so in seiner Totalität nicht unbedingt nötig.

„Die Schiene is doch schon verstopft …“. Das Jahrzehnt hat doch gerade erst begonnen. Das wäre doch Anlass genug sich was Neues vorzunehmen, damit die Wirtschaft angekurbelt wird ! Der Ausbau des Schienenverkehrs wäre eine langfristige Aufgabe. Ich bin stolz auf unsere SBB in der Schweiz. Die hat übrigens auch eine mega gute App, die sogar von den Senioren gut verstanden und bedient werden kann.

„Und Tempo 130? Seh ich nich dass das mal kommt…“. Die Unvernünftigen haben die Politik fest im Griff. Wie lange noch ? Und dabei hätte es auf dem Hockenheimring so viel Platz um sich gegenseitig abzuschiessen.

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