Was künstliche Intelligenz mit dem Laden von Elektroautos zu tun hat

Was künstliche Intelligenz mit dem Laden von Elektroautos zu tun hat
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockillustrationsnummer: 680929729

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Das Jahr 2017 war ein gutes Jahr für die Elektromobilität. Etliche Regierungen, Hersteller und Zulieferer haben sich mit Zusagen für Förderungen, Ankündigungen neuer Elektroautos und Technologien und Verkaufsrekorden geradezu zu überbieten versucht. Und Elektroautos sind dem Status von einer zukünftigen Technologie hin zu einer Technologie des Hier und Jetzt einem großen Schritt näher gekommen.

Die kommenden Jahre werden für die Elektromobilität entscheidend sein. Denn noch gibt es etliche Zweifler und Kritiker, die von der neuen Automobiltechnologie noch nicht überzeugt sind. Klar ist aber, dass die beschleunigte Einführung von Elektroautos erhebliche Auswirkungen auf Infrastruktursysteme und -märkte haben wird.

Deshalb haben die Zweifler und Kritiker auch viel Aufmerksamkeit auf Worst-Case-Szenarien gelenkt, vom Zusammenbruch des Stromnetzes ist gerne die Rede oder davon, dass Elektroautos wegen dem Kohlestromanteil bei der Energieerzeugung gar nicht so sauber sind. Beide Vorurteile wurden bereits in etlichen Studien widerlegt.

Intelligente Ladetechnologie bedeutet, dass Elektroautos sogar zum Nutzen des Stromsystems dienen können, was unseren Übergang zu einer nachhaltigen Energiezukunft beschleunigen und die CO2-Emissionen senken kann. Dies legt eine neue Analyse des britischen Energie-Unternehmens Open Energi nahe, wonach Elektroautos dem britischen Energiesystem bis 2030 mehr als elf Gigawatt an flexibler Kapazität zur Verfügung stellen könnten. Zu diesem Zeitpunkt könnten der Studie zufolge bereits neun Millionen Elektroautos in Großbritannien zugelassen sein.

Zwar werde die hohe Zahl Elektroautos dazu führen, dass der gesamte elektrische Energiebedarf steigt. Mit intelligenter, flexibler Steuerung der Aufladevorgänge sei es aber kein Problem, Lastspitzen zu vermeiden. Elektroautos können im Gegenteil sogar dazu dienen, die Lastspitzen am Morgen und am Abend zu glätten. Die Elektroautos könnten helfen, ein Überangebot von Energie als Zwischenspeicher aufzunehmen und in Zeiten einer Unterversorgung wieder abzugeben.

Dies könne etwa dadurch sichergestellt werden, dass Elektroautos während der Nacht geladen werden. Da zu dieser Zeit der Stromverbrauch am niedrigsten ist, wäre die lokale Netzinfrastruktur auch nicht beeinträchtigt, so die Studie. Außerdem liege der tägliche Strombedarf eines Elektroautos bei knapp unter sieben Kilowattstunden – der Ladevorgang für diese Menge Strom dauert selbst an einer langsamen Haushaltssteckdose nur knapp drei Stunden.

Natürlich könne intelligentes Laden nur mit der Zustimmung des Fahrers umgesetzt werden. Und Fahrer dürften nur dann zustimmen, wenn ihr Elektroautos immer dann aufgeladen ist, wenn sie es brauchen. Hierbei könne auch künstliche Intelligenz eingesetzt werden, um das Laden ohne Beeinträchtigung der Benutzererfahrung zu automatisieren: Die Technologie könne aus sich ändernden Mustern des Verbraucherverhaltens lernen und darauf selbständig entsprechend reagieren.

Quelle: Open Energi – How EVs can help drive a more sustainable energy future

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

Smart-Meter-Lücke: Deutschlands stille E-Auto-Bremse

Smart-Meter-Lücke: Deutschlands stille E-Auto-Bremse

Sebastian Henßler  —  

Ilyas Dogru vom dänischen FDM nennt es nüchtern beim Namen: Eines der größten deutschen Probleme sei, dass die Smart Meter im Keller schlicht noch fehlen.

E-Auto laden wird günstiger – auch wegen des Wettbewerbs

E-Auto laden wird günstiger – auch wegen des Wettbewerbs

Daniel Krenzer  —  

Ladestationen bauen ist schön und gut, aber viele stehen über Stunden leer. Die Betreiber ringen daher zunehmend um Kundschaft.

Monta zeigt, warum Software über Ladepunkte entscheidet

Monta zeigt, warum Software über Ladepunkte entscheidet

Sebastian Henßler  —  

Monta-COO Max Lion Scherer ordnet ein, warum Software heute über die Wirtschaftlichkeit von Ladepunkten entscheidet und KI dabei eine Schlüsselrolle spielt.

MAN erprobt bidirektionales Laden mit Elektro-Lkw

MAN erprobt bidirektionales Laden mit Elektro-Lkw

Michael Neißendorfer  —  

MAN zeigt, wie E-Lkw zu einem aktiven Element der Energieinfrastruktur werden – wirtschaftlich, vernetzt und bereit für die nächste Stufe der Elektrifizierung.

Europas Ladenetz wächst langsamer, wird aber leistungsstärker

Europas Ladenetz wächst langsamer, wird aber leistungsstärker

Tobias Stahl  —  

Eine aktuelle Analyse zeigt: Das Wachstum des öffentlichen Ladenetzes in Europa hat sich 2025 verlangsamt – dafür bieten die Ladepunkte jedoch mehr Leistung.

ABB bringt Split-System für gewerbliches Schnellladen

ABB bringt Split-System für gewerbliches Schnellladen

Sebastian Henßler  —  

ABB E-mobility trennt beim M-Series-System Leistungsschränke von Ladepunkten. Die Anlage skaliert von 200 kW auf bis zu 1,2 MW – ganz ohne Standortumbau.

So viel günstiger als Verbrenner fuhren E-Autos zuletzt

So viel günstiger als Verbrenner fuhren E-Autos zuletzt

Daniel Krenzer  —  

Rabot Energy stellt fest, dass E-Auto-Fahren in der Iran-Krise auch bei dynamischen Strompreisen deutlich günstiger ist, als Sprit zu tanken.