Eine Million Elektroautos würden deutschen Stromverbrauch um nur 0,35 Prozent steigern

Eine Million Elektroautos würden deutschen Stromverbrauch um nur 0,35 Prozent steigern
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Ein immer wieder gerne ins Feld geführte Argument von Elektroauto-Gegnern ist die Behauptung, dass die Stromfahrzeuge das deutsche Stromnetz zu sehr beanspruchen und im schlimmsten Fall sogar lahmlegen würden. Eine These, die schon mehrfach widerlegt wurde, steht doch mehr als genug Energie zur Verfügung, um alle Autos zu elektrifizieren: Eine Million Elektroautos würden den Stromverbrauch um nur 0,35 Prozent steigern, so ein aktueller Bericht bei firmenauto.de, bei dem mehrere Energieexperten zu Wort kommen.

Der Rechnung zugrundegelegt wurde das typische Fahrprofil eines Durchschnittsautos. Heißt: 12.500 Kilometer im Jahr, Energieverbrauch 15 kWh auf 100 Kilometer, macht einen Jahresverbrauch von 1875 Kilowattstunden.

Selbst die komplette Umstellung aller deutschen PKW – immerhin mehr als 40 Millionen Stück – auf Elektroantrieb würde zu keinerlei Energieengpässen führen, selbst wenn sie ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen versorgt werden, so ein offizielles Dokument des Bundesumweltministeriums: „Es gibt bei Weitem ausreichend erneuerbare Energien, um die gesamte deutsche Pkw-Flotte zu elektrifizieren“, heißt es dort. Große Energieunternehmen wie Eon und Innogy teilen diese Meinung.

Allerdings sei nicht „die Energiemenge der zu erwartenden Elektrofahrzeuge die kritische Größe“, wie Innogy mitteilt. Zu Problemen könnte es kommen, sollte eine große Zahl Elektroautos gleichzeitig am Stromnetz angeschlossen werden, zum Beispiel gegen 18 Uhr, wenn die Menschen aus der Arbeit nach Hause kommen, wie eine Studie des Beratungsunternehmens Oliver-Wyman zu Bedenken gibt: Bei einer Ortsnetzgröße von 120 Haushalten würden bereits 36 Elektroautos ausreichen, um das Netz lokal zu überlasten“, heißt es.

„Die Problematik, dass die Leute alle gleichzeitig laden, tritt in der Realität fast nicht auf“

Allerdings sei dieses extreme Szenario kaum realistisch, wie firmenauto.de recherchiert hat: „Der Laderhythmus der Bewohner ist so unterschiedlich, dass wir bisher noch gar nicht in die Nähe einer Engpass-Situation kamen. Von den zehn Elektroautos gingen bislang maximal fünf gleichzeitig ans Netz – ohne dass wir das beeinflusst haben“, sagte etwa Christian Bott, der für EnBW ein E-Auto-Projekt in Ostfildern leitet. Ähnliches habe sich bei einem weiteren Projekt des Energieversorgers Allgäuer Überlandwerk vor einigen Jahren gezeigt: „Die Problematik, dass die Leute alle gleichzeitig laden, tritt in der Realität fast nicht auf“, sagte Projektleiter Robert Köberle.

Gleichwohl müsse man zugeben, dass es eine theoretische Möglichkeit gibt, dass Netze zum Teil überlastet werden könnten, wenn 80 oder 90 Prozent der Pkw in Deutschland elektrisch sind. Doch auch dies lässt sich beeinflussen bzw. verhindern, ohne dass ein kostspieliger Netzausbau vonnöten ist: Indem die Elektroautos intelligent und flexibel gesteuert geladen werden, wie selbst die kritische Oliver-Wyman-Studie zugibt.

Unterstützt werden könnte diese „Sicherung“ durch die Errichtung von örtlichen Energiespeichern, wie es Netze BW in Ostfildern erprobt hat. Aber auch der Ausbau des Netzes wird weiterhin als Option untersucht. „Der Königsweg ist noch nicht gefunden“, resümiert firmenauto.de, aber es stehe definitiv fest: „Für die Netzbetreiber bleibt auf dem Weg ins E-Auto-Zeitalter noch einiges zu tun“.

Quelle: Firmenauto.de – Energieversorgung in Deutschland Wie viele E-Autos verträgt das Netz?

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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