Eaton will Second-Life-Speicher in „bedeutenden“ europäischen Stadien errichten

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Michael Neißendorfer
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Der US-amerikanische Industriekonzern Eaton, der gebrauchte Nissan-Batterien aus Elektroautos zur Stromversorgung von Gebäuden verwendet, befindet sich laut einer Führungskraft in Gesprächen mit bis zu sechs europäischen Fußballstadien, um die Stromversorgung der Arenen zu unterstützen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Eaton-Chef Craig McDonnell wollte bei einem Pressetermin im norwegischen Bislett-Stadion in Oslo allerdings keine konkreten Namen nennen, so die Nachrichtenagentur Reuters. Es sagte nur, dass es sich um „bedeutende“ europäische Stadien handle.

Das Unternehmen, das Hydraulik, Lastwagengetriebe und andere Industrieprodukte herstellt, sagt, der Markt sei momentan noch eine Nische, man rechne aber bis 2022 mit einem bis zu 20-fachen Wachstum. In Europa, dem Nahen Osten und Afrika schätzt Eaton den potenziellen Marktwert bis 2025 auf 2,3 Milliarden US-Dollar, umgerechnet etwa zwei Milliarden Euro.

Die Frage, was mit den verbrauchten Batterien von Elektroautos zu tun ist, wird mit der steigenden Anzahl der Fahrzeuge und somit auch mehr Gebrauchtakkus immer wichtiger. Denn nach ihrem Lebensende im Stromfahrzeug, bei weniger als 70 bis 80 Prozent der Ursprungskapazität, sind die Akkus noch lange nicht kaputt, wie manchen meinen, sondern können viele weitere Jahre lang in schonenderen Anwendungen eingesetzt werden. Zum Beispiel als Second-Life-Batteriespeicher zur Stromversorgung, wie es Eaton vorhat. Experten gehen davon aus, dass die Lebensdauer aktueller Akkus bei mehr als 20 Jahren liegt.

Eaton entnimmt die Batteriezellen aus von Nissan bereitgestellten Leaf-Elektroautos und verpackt sie in neue Einheiten, ein Produkt namens xStorage, um Strom für Industrie- und Wohngebäude zu speichern. Das jüngste Projekt befindet sich im norwegischen Bislett-Leichtathletikstadion, das zum Teil mit Sonnenkollektoren betrieben wird.

Elektroauto-Batterien versorgen ein ganzes Stadion

Die niederländische Johan Cruyff Arena, die Heimat der Amsterdamer Ajax Fußballmannschaft Ajax, wurde in Zusammenarbeit mit Nissan und dem Münchner Technologieunternehmen The Mobility House bereits vor einigen Monaten mit Second-Life-Batterien ausgestattet. Im Fall eines Stromausfalls versorgt das Drei-Megawatt-System die Arena mindestens eine Stunde lang mit Energie. Bislang war dies die Aufgabe von Dieselaggregaten. Doch im Gegensatz zu diesen kennt das Batterie-System keine Ruhephasen: Die Akkus aus Nissan-Elektroautos dienen in Zeiten geringer Belastung als Zwischenspeicher für die Solarenergie vom Stadiondach. Zudem erwirtschaften sie am Markt für Primärregelleistung Erlöse für den Betreiber und glätten kostspielige Stromspitzen, die während der Veranstaltungen auftreten. Basierend auf diesen Kosteneinsparungen und Erlösen wird sich das System in weniger als zehn Jahren amortisiert haben.

Die Idee ist, das Energiesystem der Arena in Amsterdam noch vor der Fußball-EM im Jahr 2020 um 200 Ladestationen für Elektroautos zu erweitern. Dabei sollen auch bidirektionale Ladepunkte geschaffen werden, bei denen dem Elektroauto-Akku auch Strom entnommen werden kann. Auf diese Weise lässt sich die Kapazität und somit die Effizienz des Gesamtsystems abermals steigern.

Auch weitere Autohersteller im Gespräch

Mit Ausnahme von Tesla, das Eaton als Konkurrent im Speichergeschäft ansieht, führt das Unternehmen auch Gespräche mit anderen Autoherstellern sowie Sportarenen, um sein Angebot zu erweitern. Laut Eaton ist die xStorage-Lösung um gut ein Fünftel ​​billiger als eine neue Batterie, und jedes ausgediente Nissan Leaf-Elektroauto kann Zellen für vier solcher Einheiten bereitstellen.

Quelle: Reuters – Car trash to cash: U.S. firm aims to power European stadiums with old car batteries // The Mobility House – Ein zweites Leben für Fahrzeugbatterien: Speicherprojekte von The Mobility House

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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