E-Mobilität in Tschechien und Slowakei 2021 – Stand der Dinge

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In Tschechien verlief das Jahr 2021 für die Automobilmärkte eher durchwachsen. Der Verband der tschechischen Automobilindustrie meldete für Neuwagenregistrierungen nur ein sehr leichtes Plus (+1,9%). Sehr gut lief es hingegen im Gebrauchtwagensegment. Überraschenderweise erfüllte der Absatz von Elektroautos nicht die Erwartungen, denn im vergangenen Jahr wurden in Tschechien 2.646 Elektroautos verkauft, was einem Anteil von 1,3 % aller Neuwagen entspricht. Im Vergleich zum Vorjahr waren es 616 E-Autos weniger.

„Wir denken, dass tschechische Kunden einfach kein Interesse an Elektroautos haben, sie stehen ihnen skeptisch gegenüber, auch weil viele von ihnen nicht genau wissen, wie sie funktionieren, sie sind entmutigt von der Reichweite und dem Preis“, meint František Neuman, Direktor der tschechischen Vertretung von Citroën.

Im Jahr 2022 plant die tschechische Regierung ein E-Mobilitätförderprogramm in Höhe von 940 Mio. CZK, was etwa 38 Mio. Euro entspricht. Damit soll die Anschaffung von 3.525 Elektroautos, 30 Wasserstoff-Pkws und 1.000 Lasten-E-Bikes gefördert werden. Tschechische Experten empfehlen die Förderung für E-Autos ganz gezielt auf Unternehmensflotten auszurichten.

Ein weiteres Hindernis ist die wenig befriedigende Infrastruktur. Allerdings hat die Politik in diesem Bereich den Nachholbedarf erkannt und möchte die nötigen Investitionen tätigen. Laut dem ehemaligen stellvertretenden Industrieminister Eduard Muřický ist die tschechische Automobilindustrie mit einem Anteil von rund einem Zehntel des BIP und 20 Prozent der Exporte eine tragende Säule der Industrie und der Wirtschaft. „Laut dem Nationalen Aktionsplan „Saubere Mobilität“ erwarten wir bis 2030 bis zu 500.000 vollelektrische Fahrzeuge in unserem Land. Bis dahin soll es auch 35.000 Ladepunkte geben, vor allem Schnellladepunkte“, fügte er hinzu.

Bei den E-Autos war im letzten Jahr ŠKODA ENYAQ mit knapp 700 Fahrzeugen besonders beliebt. Hyundai KONA ist mit über 200 E-Autos im Spitzenfeld vertreten. Tesla ist nach ŠKODA die zweitbeliebteste E-Automarke.

Eine andere Entwicklung für E-Autos lässt sich in der Slowakei feststellen. Der slowakische Automobilmarkt entwickelte sich insgesamt im letzten Jahr stark rückläufig. Im November 2021 wurden Neuzulassungen von insgesamt 5.704 Pkws verzeichnet. Die Pkw-Neuzulassungen sind damit im Jahresvergleich um 17,58 % gesunken.

Der Anteil der Elektroautos im Vergleich zu allen in der Slowakei verkauften Autos ist aber weiter gestiegen. Im Jahr 2020 machten Elektroautos 1,1 % aller in der Slowakei verkauften Neuwagen aus. Im Jahr 2021 stieg dieser Anteil auf 1,5 %. Dieser Anstieg ist trotz seines relativ niedrigen Niveaus auch deshalb erheblich, da hohe Kaufprämie, die in der Slowakei maximal bis 8.000 Euro gewährt wurde, im Jahr 2021 keinen Einfluss auf die Verkaufszahlen hatte, da die gesamte Fördersumme von 6 Millionen Euro 2019 innerhalb weniger Minuten vergeben wurde.

Für das aktuelle Jahr wird eine Neuauflage des erfolgreichen Kaufprämienprogramms für E-Autos in der Slowakei erwartet. Der Zuschuss für den Hybrid 2022 der Klassen M1 und N1 wird voraussichtlich geringer ausfallen als für Elektroautos. In der Vergangenheit betrug dieser Zuschuss 5.000 Euro. Laut dem slowenischen Wirtschaftsminister Richard Sulík ist auch mit einer geringeren Unterstützung pro Auto zu rechnen, „die Kaufprämie wird aber mehr Bewerber erreichen, wenn die erforderlichen Bedingungen erfüllt sind“, argumentiert Sulik.


Aleksandra Fedorska ist polnisch-deutsche Politologin und Publizistin. Sie arbeitet als Korrespondentin für polnische und deutsche Medien in den Fachbereichen Energiepolitik und E-Mobilität. Fedorska lebt und arbeitet im schleswig-holsteinischen Jagel und in der polnischen Stadt Poznań.

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Das kann viele Ursachen haben. Zum einen kann man ja aus Deutschland supergünstig geförderte, junge Gebrauchte kaufen warum sollte man das nicht nutzen?
Zum anderen muss man aber auch feststellen, dass der Umweltschutzgedanke nicht in allen Ländern Europas gleichermaßen stark vertreten ist.
Hinzu kommt der Tschechische Strommix ist nicht sehr vielversprechend. Produziere ich mit Diesel und Benzin weiter CO2 oder mit einem Elektroauto tausende von Jahren strahlenden Atommüll ohne Entsorgungsstrategie. Da müsste man auch in Tschechien die eigene PV Anlage mit dem Auto dazu kaufen damit sich das auch für den Planeten lohnt.

Habe letzten Sommer mit meinem eGolf eine Tour nach Prag und weiter nach Wien gemacht.

Die Ladesituation war eigentlich brauchbar. Schlimm war nur, dass nahezu alle AC-Ladestellen einen Zeittarif haben. Der mag ja bei 22kW Ladern wie die Zoe sehr attraktiv sein, für meinen 7,4kW Zweiphasenlader aber einfach viel zu teuer. Selbst mit den üblichen 11kW wären die nicht wirklich günstig.

Brauchbar waren daher nur die DC-Lader die „normal“ nach Ladeenergie abgerechnet haben und damit für mich billiger als AC-Lader waren.

Zugestellt durch Verbrenner war aber mindestens die Hälfte und die anderen BEV haben kaum geladen.

Desweiteren darf man grundsätzlich in Tschechien die Autobahnen mit BEVs kostenlos befahren.
Das Verfahren um sich die Befreiung zu bescheinigen ist aber so umständlich bzw teuer, dass es sich für einen einfachen Besuch nicht lohnt (man muss faktisch entweder in Tschechien bei der Behörde in tschechisch den Antrag stellen – da bin ich aber schon dort und ich habe keinen Zugang zur Sprache – oder man muss sich das hier behördlich persönlich vor Ort beglaubigen lassen, was nur knapp 1€ günstiger kommt als die Autobahngebühr für 10 Tage). Das ist wohl vorsätzlich so kompliziert gemacht worden, damit die Befreiung nur Tschechen vernünftig bekommen und Touristen weiterhin die AB-Gebühr bezahlen.

Hallo,
Richard Sulik ist slowakischer Minister, nicht slowenischer.!
LG kp

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