Beobachtung: E-Batterien werden zu Polens Exportschlager

Copyright Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1455249980

Polen kam mit einem Minus von lediglich 2,8% des BIP relativ gut durch die Corona-Krise. Dies verdankt die polnische Volkswirtschaft vor allem den Erfolgen im Bereich des Exports von Industriegütern. Entscheidend dabei waren die Elektrobatterien für die deutschen E-Automodelle. Hier sind die Verkaufszahlen im 3. und 4. Quartal 2020 besonders stark angestiegen. Doch nicht nur Deutschland, auch Produktionsstätten in Frankreich und Italien bezogen ihre Batterien gern aus Polen.

Im 3. Quartal 2020 stieg der Anteil von elektrischen Batterien am Gesamtexport Polens im Vergleich zum Vorjahr um das Fünffache. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum E-Batterien im Wert von umgerechnet 0,5 Milliarden Euro ausgeführt.

Die Investitionen in diesen Industriezweig haben enorm an Dynamik gewonnen. In Jaworzno wurde gerade die erste Produktionslinie für Daimler in Betrieb genommen. Weitere zwei Produktionslinien sollen demnächst folgen. Mindestens eine der Produktionslinien wird explizit für den Mercedes EQA produzieren. Geplant ist die Herstellung von bis zu 100 000 E-Batterien jährlich. Für Daimlers ist dies die einzige Investition dieser Art außerhalb Deutschlands.

LG Energy Solution investierte in die neue E-Batteriefabrik bei Wrocław 3,2 Milliarden Euro. Die Produktion begann an diesem Standort am 1. Dezember letzten Jahres. Zu den wichtigsten Abnehmern zählt der Volkswagen Konzern. LG Energy Solution geht in einer Pressemitteilung davon aus, dass dieser Standort zum wichtigsten Produktionsstandort für EV in ganz Europa werden wird. Der koreanische Hersteller begann schon 2016 in Polen aktiv zu werden. In den nächsten Jahren folgten weitere Ausbauschritte. Ende 2021 soll die Fabrik ihre vollständige Kapazität erreichen können. Das Unternehmen geht davon aus, dass bis zum Jahr 2022 an diesem Standort bis zu 6 000 Mitarbeiter beschäftigt sein werden.

Im zentralpolnischen Konin hat der Bau einer Nickelkathodenfabrik von Johnson Matthey begonnen. Auch hier soll der jährliche Output zukünftig bei 100 000 E-Batterien im Jahr liegen. Im schlesischen Nysa hat sich Umicore niedergelassen. Der belgische Konzern möchte hier mit der Produktion im Laufe dieses Jahres beginnen. Rund 400 Mitarbeiter werden mittelfristig an diesem Standort Arbeit finden. Die Kathodenmaterialien, die Umicore herstellt, sollten den Batterieherstellern zugeliefert werden.

Doch nicht alle Versuche sich in Polen niederzulassen, sind erfolgreich. Der chinesische Elektrolithhersteller Guotai-Huarong wollte in Oława investieren. Damit wollte das Unternehmen die in der Nähe gelegene LG Chem-Fabrik beliefern. Diesem Engagement standen jedoch einige ungeklärte Umweltfragen im Weg, sodass zumindest aktuell in Oława keine Investitionen geplant sind. Die Lokalpresse berichtete aber, das Guotai-Huarong weiterhin unbedingt in Polen produzieren möchte und bereits nach neuen Standorten sucht, die entlang der Verkehrsachse Wrocław-Poznań liegen sollen.

Der Erfolg der polnischen Standorte steht im direkten Zusammenhang mit der deutschen Automobilindustrie. Wenn, wie geplant, die deutschen Hersteller ihr E-Autoportfolio ausweiten, hat dies positive Auswirkungen auf die E-Batterieherstellung in Polen. Besondere Hoffnung wird auch auf den eigenen polnische BEV-Markt gesetzt. Man hofft in Zukunft auch polnische E-Autohersteller entsprechend ausrüsten zu können.


Aleksandra Fedorska ist polnisch-deutsche Politologin und Publizistin. Sie arbeitet als Korrespondentin für polnische und deutsche Medien in den Fachbereichen Energiepolitik und E-Mobilität. Fedorska lebt und arbeitet im schleswig-holsteinischen Jagel und in der polnischen Stadt Poznań.

Über den Autor

Hinter dem Redaktions-Account von Elektrauto-News.net verbergen sich externe Redakteure, welche als Experten in Ihrem Bereich entsprechende Fachberichte für unser Magazin beisteuern.

Newsletter

Erhalte jeden Montag, Mittwoch und Freitag aktuelle Themen wie „Beobachtung: E-Batterien werden zu Polens Exportschlager“ sowie die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.
Ja, ich möchte den gratis E-Mail-Newsletter von Elektroauto-News.net abonnieren. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Die Einwilligung zum Versand des Newsletters kann jederzeit widerrufen werden. Hierzu reicht es auf den Abmeldelink zu klicken, welcher sich in jedem Newsletter befindet.

Fakten & MeinungenDiskutiere mit der E-Community

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
14 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments

Polen hängt relativ stark am Kohlestrom – gibt es Berichte über den „verwendeten“ Strom bei der Akkuproduktion?
Sind hier häufiger erneuerbare Energien anzutrefen?
Danke für eine Info 🙂

Hallo. Das finde ich sehr spannend. Mir kommen ähnliche Fragen auf wie von Manuel. Warum wird Polen ausgesucht? Sind die Lohnkosten bei der Produktion von Akkus so ausschlaggebend? Oder evtl. auch niedrigere Umweltstandards? Polen hat derzeit fast ausschließlich Kohlestrom, der ist zwischenzeitlich teurer als erneuerbarer Strom. Jetzt wird es noch schlimmer denn Polen möchte mit EU Fördergeldern in Milliardenhöhe ein neues AKW an die deutsche Grenze bauen. Dann wird der Strom in Polen nicht nur gefährlicher sondern auch noch viel teurer und das trotz der Milliardenverschwendung der EU Gelder. Wo kommt dann eigentlich der Atommüll hin?
Die Akkuproduktion in Polen nimmt mir persönlich etwas den Spass an der Elektromobilität weil mir nur allzu bewusst wird, dass in der Umweltverträglichkeit bei der Herstellung der Fahrzeuge noch viel zu tun ist. Ich hoffe die Hersteller versuchen nicht weiter alles grün zu reden sondern tatsächlich auch mal etwas zu verbessern in Sachen Nachhaltigkeit. Die Chancen standen nie besser als aktuell.

Die polnische Energiewende nimmt gerade Fahrt auf. Erstmals in der Geschichte betrug der Anteil der Kohle 2020 bei der Stromproduktion weniger als 70%. Für polnische Verhältnisse ist es spektakulär. Die Energiestrategie bis 2040 sieht den Bau von 6 Reaktoren in Polen vor. Die geplanten Anlagen werden aber NICHT an der deutschen Grenze gebaut, sondern weit im Landesinneren (nahe Gdansk und östlich von Poznan, nahe Konin) . Die Einschätzung hinsichtlich der Kosten der Stromproduktion ist aus polnischer Perspektive anders gelagert. Frankreich ist für Polen da ein Vorbild. Die Einschätzung des deutschen Energiemixes wird als weniger stabil und als sehr teuer angesehen.
Aktuell sind als mögliche Partner beim Bau der Reaktoren Frankreich, Korea und die USA im Gespräch. Wichtig zu betonen ist auch, dass es eine große Mehrheit in der polnische Bevölkerung für die Kernkraft gibt.

Die Frage ist nur warum. In Frankreich ist der Strom teurer als in Deutschland, daher importiert Frankreich auch fleißig. Weil nebenbei die verlässliche Kernkraft zu 30% nicht funktioniert wegen unerwarteter Fehler und Störungen. In Frankreich ist es daher auch nicht unüblich in der kalten Jahreszeit einfach mal ganze Landstriche für Stunden oder Tage von der Stromversorgung zu trennen. Nach Tschernobyl und Fukushima ist es mir persönlich gänzlich unverständlich wie man an einer derart antiquierten, teuren, ineffizienten und in höchstem Maße gefährlichen Technologie festhält. Zudem gibt es keine Lösung für den Müll. Ich bleibe dabei, die Kernkraft nimmt mir den Spass an der Elektromobilität. Es war und ist ein teurer Irrweg.

Na ganz so ist es nicht. In Frankreich ist, meines Wissens, der Strom billiger als in D. Was angesichts eines alten und abgeschriebenen Atomkraftwerksparks auch nicht sehr verwunderlich ist. Und Frankreich exportiert massiv nach D, CH und Italien.
Aber sonst bin ich ganz ihrer Meinung. Und wer weiß, wenn Polen ein paar Off-shore Windparks in der Ostsee eröffnet ändert sich die Meinung in Polen wahrscheinlich sehr rasch.
Das die Bevölkerung angesichts der stinkenden Kohlekraftwerke die Atomkraft positiv sieht ist ja auch nicht sehr verwunderlich.

Strompreise Europa nach Ländern 2020.

Länder … Cent/kWh – Steuer und Abgaben = Nettopreise

Deutschland . 30,88 – 53,6% = 14,33

Frankreich …. 17,65 – 35,4% = 11,40

(Quelle: strom-report.de)

Soviel teuerer ist der Strom in Deutschland gegenüber Frankreich nicht, es wird nur viel an Steuer und Abgaben auf die Bürger übertragen.

Der Atomstrom ist nur deshalb so „billig“, weil die Lagerungskosten für viele tausend Jahre von vielen Generationen bezahlt werden muss. Würden die tatsächlichen Kosten auf den Atomstrompreis aufgeschlagen, dann wäre er teuerer als jeder Ökostrom.

…und der Witz bei Schmitz: Da es immer unwirtschaftlicher wird, die polnischen Kohlevorkommen abzubauen, wird der Anteil der aus Russland importierten Kohle größer. So lieben wir das: Schreierei gegen Nord Stream 2 und böse Russen, aber Kohle von ihnen kaufen. Ebenso USA: Russland ist deren viertgrößter Erdöllieferant, aber russisches Gas über Nord Stream 2 ist böse. Es ist die hohe Zeit der Heuchler.

Warum baut man überhaupt eine Pipeline für fossile Rohstoffe, wenn man eigentlich 2035 Klimaneutral sein müsste? Klingt so wie: man hat es gar nicht vor.

Atomstrom ist nur billig, wenn man alle Kosten wie Endlagerung, Unfallschäden, usw. auf die Allgemeinheit abwälzt. Würde man das auf die kWh Strom umlegen wäre Atomstrom unbezahlbar.

Farnsworth

die Konzerne streichen nur die Gewinne ein, die Kosten bleiben beim Staat bzw Steuerzahler…

das ist der Größte Betrug an der Sache

das Verbrauchte Spaltbare Material könnte mit geringen Kosten wieder aufbereitet werden und hätte nach der eigentlichen Halbwertzeit eine um ein vielfaches geringere Halbwertzeit…
es ist aber günstiger das Zeug irgendwo zu vergraben…

das ist ein Frechheit!

wer Interesse hat da mal zu recherchieren, schaut nach „Anicieto Goraieb KIT“.
Habe den mal persönlich kennen gelernt, cooler Typ der die Möglichkeiten aufzeigt.

es bleibt spannend

Das Ziel der Klimaneutralität ist für die EU für 2050 (China 2060) gesetzt. Der Kohleausstieg soll bis 2038 in Deutschland erledigt sein. Kernkraft wird in Deutschland 2022 abgeschaltet. Bis 2050 sind es also noch 29 Jahre.
Das Erdgas wird in Deutschland gebraucht, um die Kohle schneller zu ersetzen. Bald wird es auch noch Erdgas aus dem Mittelmeer geben von Griechenland und der Türkei.
Für die ersten 48% regenerativen Strom haben wir in Deutschland von 1998-2020 gebraucht. In dieser Zeit war jede Windenergieanlage oder PV-Anlage ein Zuwachs. Jetzt kommt auch noch der Ersatz von Altanlagen dazu. Da die neuen Anlagen mehr leisten, wird die Geschwindigkeit zu halten sein, ist aber auch noch steigerbar, wenn die Verfahren schneller gingen. Das die Verfahren langsam laufen liegt aber hauptsächlich am Bürger als Nachbar, Naturschützer, Bauamtsleiter, weniger an der Gesetzgebung.
Außerdem muss man beachten, dass klimaneutral zu sein bedeutet, dass nicht nur der Strom zu 95-100% regenerativ sein muss, sondern auch Wärmeproduktion in Industrie, Gewerbe und Haushalt ohne fossile Brennstoffe funktionieren soll. Die Aufgabe ist also durchaus ambitioniert, auch wenn es vielen zu langsam geht.
In Polen energieintensive Produktion anzusiedeln ist kontraproduktiv, wenn diese nicht mit dem Aufbau von regenerativer Erzeugung einhergeht. Kernenergie mit Abfällen, die Millionen Jahre noch strahlen ist keine Lösung.

Das Ziel der Bundesregierung ist mir bewusst. Das ist aber ein politisch gesetztes Ziel, nicht das was notwendig wäre. Ich verweise hier gerne nochmal auf den Podcast von Volker Quaschning (oder auch die Beiträge auf YouTube). Er erklärt es eigentlich sehr anschaulich. Oder in meinen Worten: Man fährt mit 130 km/h auf eine Wand zu und die Politik hat beschlossen, dass man 500m hinter der Wand zum Stillstand kommt und klopft sich auch noch ob des guten Plans auf die Schulter.

Mir ist bewusst, dass der Umbau ambitioniert ist. Und dass es nicht nur den Verkehrssektor betrifft. Aber statt Milliarden an Steuergeldern bis 2038 einer Industrie in den Rachen zu werfen, die die Umwelt massiv schädigt (Braunkohleabbau) erschließt sich mir ebensowenig, wie diese Pipeline oder die Rettung der Luftfahrt. Das Geld hätte man ebensogut in den Ausbau der Erneuerbaren Energien investieren können, statt diese massiv zu behindern. Oder mehr Fördergelder um Bestandsgebäude zu dämmen.

Und was die Transmutation von radioaktivem Abfall angeht: was kürzer strahlt, strahlt umso heftiger. Wird gerne verschwiegen. Atomkraft ist ebenso ein Irrweg wie Kohleabbau. Dr Mensch handelt meistens kurzfristig, statt langfristig.

Farnsworth

ich will doch hoffen das die deutschen Autokonzerne dann hoffentlich darauf bestehen/fordern und es sich auch nachweisen lassen das für die Batteriefertigung auch nur erneuerbaren Strom verwendet werden darf. sonst wird das nicht besonders bei VW und ihrer Behauptung sie würden ihre E-Autos co2 neutral herstellen

Hallo Robert, genau hier liegt das Problem. Greenpeace hat dieses gerade etwas durchleuchtet und meiner Meinung nach zu Recht kritisiert. VW macht die CO2 Belastung durch Zertifikate wieder gut. Das ist natürlich deutlich ineffizienter als die Produktion tatsächlich mit sauberer Energie zu versorgen. Das so etwas aber innerhalb kürzester Zeit inkl. Zulieferindustrie funktionieren kann beweist unter anderem die Firma Apple. Wer Zeit hat liest mal den Nachhaltigkeitsbericht von Appel und wird sich wundern was möglich ist wenn man etwas wirklich will. Hier könnte VW lernen. P.S.: Womit ich nicht VW an den Pranger stellen möchte, mir ist bewusst, dass die anderen Autobauer noch viel mehr „Dreck am Stecken“ haben.

Kohlekumpel werden Batteriespezialisten, na das ist doch was.
Polen hat ein massives Problem mit dem Kohlebergbau. Einerseits ist er zu teuer, andererseits arbeiten sehr viele Menschen in der Kohleindustrie, die man nicht einfach vor die Tür stellen will und kann. Kommen jetzt massiv neue Arbeitsplätze durch die EMobilität und hoffentlich auch durch den Ausbau der Erneuerbaren, dann wird dieses Problem schnell ein sehr kleines.

Diese News könnten dich auch interessieren:

BMW verdoppelt Absatz elektrifizierter Fahrzeuge und bereitet weitere Technologiesprünge vor
MG Motor bringt E-Roadster auf die Straße
Elaris: Klein-Stromer und E-SUV aus Rheinland-Pfalz
14
0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).