Beobachtung: E-Batterien werden zu Polens Exportschlager

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Polen kam mit einem Minus von lediglich 2,8% des BIP relativ gut durch die Corona-Krise. Dies verdankt die polnische Volkswirtschaft vor allem den Erfolgen im Bereich des Exports von Industriegütern. Entscheidend dabei waren die Elektrobatterien für die deutschen E-Automodelle. Hier sind die Verkaufszahlen im 3. und 4. Quartal 2020 besonders stark angestiegen. Doch nicht nur Deutschland, auch Produktionsstätten in Frankreich und Italien bezogen ihre Batterien gern aus Polen.

Im 3. Quartal 2020 stieg der Anteil von elektrischen Batterien am Gesamtexport Polens im Vergleich zum Vorjahr um das Fünffache. Insgesamt wurden in diesem Zeitraum E-Batterien im Wert von umgerechnet 0,5 Milliarden Euro ausgeführt.

Die Investitionen in diesen Industriezweig haben enorm an Dynamik gewonnen. In Jaworzno wurde gerade die erste Produktionslinie für Daimler in Betrieb genommen. Weitere zwei Produktionslinien sollen demnächst folgen. Mindestens eine der Produktionslinien wird explizit für den Mercedes EQA produzieren. Geplant ist die Herstellung von bis zu 100 000 E-Batterien jährlich. Für Daimlers ist dies die einzige Investition dieser Art außerhalb Deutschlands.

LG Energy Solution investierte in die neue E-Batteriefabrik bei Wrocław 3,2 Milliarden Euro. Die Produktion begann an diesem Standort am 1. Dezember letzten Jahres. Zu den wichtigsten Abnehmern zählt der Volkswagen Konzern. LG Energy Solution geht in einer Pressemitteilung davon aus, dass dieser Standort zum wichtigsten Produktionsstandort für EV in ganz Europa werden wird. Der koreanische Hersteller begann schon 2016 in Polen aktiv zu werden. In den nächsten Jahren folgten weitere Ausbauschritte. Ende 2021 soll die Fabrik ihre vollständige Kapazität erreichen können. Das Unternehmen geht davon aus, dass bis zum Jahr 2022 an diesem Standort bis zu 6 000 Mitarbeiter beschäftigt sein werden.

Im zentralpolnischen Konin hat der Bau einer Nickelkathodenfabrik von Johnson Matthey begonnen. Auch hier soll der jährliche Output zukünftig bei 100 000 E-Batterien im Jahr liegen. Im schlesischen Nysa hat sich Umicore niedergelassen. Der belgische Konzern möchte hier mit der Produktion im Laufe dieses Jahres beginnen. Rund 400 Mitarbeiter werden mittelfristig an diesem Standort Arbeit finden. Die Kathodenmaterialien, die Umicore herstellt, sollten den Batterieherstellern zugeliefert werden.

Doch nicht alle Versuche sich in Polen niederzulassen, sind erfolgreich. Der chinesische Elektrolithhersteller Guotai-Huarong wollte in Oława investieren. Damit wollte das Unternehmen die in der Nähe gelegene LG Chem-Fabrik beliefern. Diesem Engagement standen jedoch einige ungeklärte Umweltfragen im Weg, sodass zumindest aktuell in Oława keine Investitionen geplant sind. Die Lokalpresse berichtete aber, das Guotai-Huarong weiterhin unbedingt in Polen produzieren möchte und bereits nach neuen Standorten sucht, die entlang der Verkehrsachse Wrocław-Poznań liegen sollen.

Der Erfolg der polnischen Standorte steht im direkten Zusammenhang mit der deutschen Automobilindustrie. Wenn, wie geplant, die deutschen Hersteller ihr E-Autoportfolio ausweiten, hat dies positive Auswirkungen auf die E-Batterieherstellung in Polen. Besondere Hoffnung wird auch auf den eigenen polnische BEV-Markt gesetzt. Man hofft in Zukunft auch polnische E-Autohersteller entsprechend ausrüsten zu können.


Aleksandra Fedorska ist polnisch-deutsche Politologin und Publizistin. Sie arbeitet als Korrespondentin für polnische und deutsche Medien in den Fachbereichen Energiepolitik und E-Mobilität. Fedorska lebt und arbeitet im schleswig-holsteinischen Jagel und in der polnischen Stadt Poznań.

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