Scheuer: „Elektroantrieb bietet sich vor allem für städtisches Umfeld an“

Scheuer: „Elektroantrieb bietet sich vor allem für städtisches Umfeld an“

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Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sprach in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über seine Verkehrsagenda für das Jahr 2030, welche Rolle Elektroautos dabei spielen, und wie er den Strukturwandel in der Automobilindustrie einschätzt.

Grundsätzlich denke er „verkehrsmittelübergreifend, mit einer klaren Strategie: Die Menschen sollen sich das für sie attraktivste Verkehrsmittel aussuchen können. Ich bin für die Freiheit der Mobilität ohne unnötige Verbote“, sagt Scheuer zu Beginn des Interviews. Er wolle zum Beispiel trotz steigender Passagierzahlen die Pünktlichkeit im Flugverkehr verbessern, durch die Förderung des Bahnverkehrs vor allem auf innerdeutschen Strecken mehr Menschen zum Umstieg vom Flugzeug auf die Bahn bewegen und „Rekordmittel in den Radverkehr“ stecken, um chronisch verstopfte Innenstädte vom Autoverkehr zu entlasten.

Attraktivere Bahnhöfe“ mit Park & Ride Plätzen und Möglichkeiten, Auto oder Rad sicher abzustellen, sollen als „Mobilitätszentrale“ einen wichtigen Knotenpunkt für den Verkehr der Zukunft darstellen. Es erfordere „kreative Lösungsansätze“, um den endgültigen Verkehrskollaps zu verhindern.

„Wir brauchen weiterhin alle Antriebsformen“

Damit Mobilität klimafreundlicher wird, hat die Regierung den Masterplan Ladeinfrastruktur zum Ausbau der Elektromobilität vorgelegt. „In den nächsten zwei Jahren sollen 50.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte errichtet werden“, erklärt Scheuer. Deutschland investiere allein bis 2023 „mehr als 3 Milliarden Euro in die Tank- und Ladeinfrastruktur für Personen- und Lastwagen mit CO2-freien Antrieben.“ Der Fokus liege dabei aber nicht allein auf der Batterie-elektrischen Mobilität: „Wir brauchen weiterhin alle Antriebsformen“, sagt Scheuer: „Saubere und sparsame Verbrennungsmotoren werden in Zukunft genauso gebraucht wie der Elektroantrieb“, zudem werde es synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff als Energieträger geben.

Der Elektroantrieb bietet sich vor allem für das städtische Umfeld an“, sagt Scheuer über reine Elektroautos. Diese kommen jetzt „erstmals massenwirksam in den Markt“ und werden mit der höheren Kaufprämie nun nochmals attraktiver. Man dürfe bei der Verkehrspolitik aber „nicht nur aus der Position der Stadt argumentieren“. Auch dem ländlichen Raum müsse individuelle Mobilität ermöglicht werden.

Wasserstoff als Treibstoff in alternativ angetriebenen Fahrzeugen findet Scheuer „vor allem für Busse, Lastwagen und auf längeren Strecken attraktiv“ sowie für die Bahn „als Alternative zum Diesel auf nichtelektrifizierten Strecken.“ Dafür sollen auch an Bahnhöfen neue Wasserstofftankstellen eröffnet werden.

Über den Strukturwandel in der Automobilindustrie sagt der Verkehrsminister, er „spüre keine Panik“, verstehe aber, warum manche ängstlich sind, etwa was Arbeitsplätze betrifft: „Wir brauchen eine ehrliche Diskussion, ob wir in Europa weiterhin Industrieproduktion wollen“, sagt Scheuer. Es werde immer Regionen in der Welt geben, in denen Autos hergestellt werden. Ihm aber sei es „lieber, wir bauen technologisch gute und innovative Produkte bei uns, bevor es andere machen.“

Quelle: FAZ — „Ich bin für Freiheit der Mobilität ohne unnütze Verbote“

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34 Antworten

  1. Warum vernachlässigt die Regierung das Biomethan? Dieses Gas kann von jedem Landwirt mit Biogasanlage bereit gestellt werden. Eine kleine Kompressorpumpe genügt um ein Auto zu betanken. Die Milliardeninvestitionen und extrem hohen Folgekosten von Wasserstofftankstellen blieben der Volkswirtschaft erspart.

    1. Aus Monokultur wird Biogas hergestellt und ineffizient in einem Verbrennungsmotor verbrannt. Effizient? Gut es geht, aber Effizienz schaut meiner Meinung anders aus.

      1. Erntereste, Stroh,Mist, Gülle,Essensreste, alles kann vergast werden.Verrottet dieses organische Material unkontrolliert, wird Methan und CO2 ungenutzt an die Luft abgegeben, wobei unverbranntes Methan ja einen viel höheren Treibhauseffekt als CO2 haben soll. Und Wasserstoff wird immer noch unter Energiezufuhr aus fossilen Brennstoffen gewonnen und in Tanklastzügen transportiert. Wer kennt den Anteil der H2-Produktion aus Elektrolyse und Überschussstrom ?

        1. Stroh, Gülle und Mist wird oft in den Boden eingearbeitet, fällt das weg, müsste noch mehr Kunstdünger verwendet werden – Stichwort Lithium, Bienensterben, “vergiftete” Futterpflanzen.
          Gas- Fahrzeuge werden schon lange angeboten, blieben aber immer ein Nischenprodukt.

        2. Die Mehrheit der Gaserzeuger benutzt aber die Monokultur! Gülle aus Überproduktion und Überbelegung der zur Verfügung stehenden Fläche sind ein Graus für die Natur. Gaserzeuger sind die Folge einer schlechten Landwirt, eines gestörten Kreislaufes.

    2. Biomethan ist sinnvoll, sofern dafür nicht extra Ackerflächen bearbeitet werden und Reststoffe gebraucht werden. Aber dann sollte es ins Gasnetz eingespeist werden, da gibt es ausreichend Speichermöglichkeiten vom Sommer für den Winter. Biomethan im Verbrennungsmotor zum Antrieb von Autos ohne Nutzung der Restwärme ist wenig effizient. Die Nutzung in Kraft-Wärme-Anlagen, dort wo die Wärme gebraucht wird, und dann, wenn Strom aus Wind oder Sonne fehlt, ist sinnvoller.

    3. Das BlaBla des Herrn Scheuer lässt sich in einen Satz zusammenfassen: Wir machen so weiter wie bisher. Klare Prioritäten sehen anders aus. Aber es ist ja ohnehin längst egal was Scheuer von sich gibt, den Takt schlagen Chinesen und Amerikaner.

      “Elektroautos sind optimal für den städtischen Nahverkehr…” – auf welcher Wolke lebt der Kasperle? Kann ihm nicht irgendwer einen Tesla-Gutschein schenken, damit er einmal Zukunft erfährt? Ich frage mich wie lange sich Deutschland diesen Versager noch als Verkehrsminister leisten will.

    1. Jeder der eine Familie hat und nicht nur 5 dag Wurst und Käse einkaufen muss und Kleinkinder trsnsportieren muss (ja, es gibt Familien die mehrere Kinder haben…. irgendjemand muss ja die Pensionen finanzieren).
      Die städischen Nahversorger werden und wurden den Einkaufstemplen am Stadtrand geopfert und dorthin kommst du nur mit dem Auto gut hin.
      Ganz zu schweigen davon dass man den Wochen- bzw. Monatseinkauf schwer mit der U-Bahn heimschleppen kann.
      Des weiteren kommt der Zeitaufwand/Zeitverlust mit den Öffis dazu.
      Nutzt man nur ein öffentiches Verkehrsmittel in eine Richtung hat man vlt. einen Zeitgewinn, gerade in der Hauptverkehrzeit.
      Sobald man aber mehrmals auf verschiedene Öffis (U-Bahn, Tram und Bus) umsteigen muss ist es nicht mehr zu schaffen, da fährt man in Wien schon gerne einmal 1,5 Stunden öffentlich quer durch Wien, wobei man das Ziel per Auto in nicht einmal 30 Minuten erreicht. Ja auch zur Stosszeit.
      Und die Preise? 2,40 pro Person und Richtung… 2 Erwachsene also 9,60 hin und retour…. egal ob jetzt 2 Stationen gefahren wird oder eine Stadtbesichtigung angetreten wird.
      Zuletzt das persönlich Empfinden:
      Ich hasse es mir einen engen Raum mit Menschen zu teilen, die verschwitzt laute Musik hörend oder telefonierend mir den Nerv ziehen.
      Dazu vlt. noch, 2 Einkaufstaschen schleppend, einem Öffi nachgallopieren müssen…..
      Nein Danke.
      Meinen Platz in den Öffis können gerne die Bobos haben, die studierend sich als Singels durch ihre Scheinwelt träumen und den Gretas dieser Welt nachlechzen.

      1. Ich sehe das mit dem ÖPNV genauso. Zu voll, zu unzuverlässig, zu kompliziert. Meine Konsequenz: Lastenrad. Und btw. Ich habe 4 Kinder. Wohne allerdings in der Stadt.

        1. Warum alle Antriebsformen. Anscheinend will Herr Scheuer Unsummen an strafsteuern zahlen. Sehr viele Länder wollen weg vom verbrenner aber er will weiterhin Verbrenner erlauben der ist nicht ganz d….

    1. Man muss nur mal nach Japan schauen, dann sieht man nicht nur wie ÖPNV sondern auch Fernverkehr aussehen muss.
      Mit dem Shinkansen mit 400km/h von Tokyo nach Kyoto und das auf mindestens 10 Sekunden Genauigkeit vom Start zum Ziel.

    2. Herr Scheuer sollte sich einmal mit einem Tesla Modell 3 beschäftigen bzw fahren dann weiß er was Elektroautos sind . Der ist nur Betriebsblind. Alle Benziner und Diesel gehören weg und zwar so schnell wie möglich schon alleine wegen der Gesundheit der Kinder die den Diesel und Benzindreck Schlucken.

  2. – … sagt Scheuer: „Saubere und sparsame Verbrennungsmotoren…”

    ES GIBT KEINEN SAUBEREN VERBRENNER. DEN KANN UND WIRD ES AUCH NIE GEBEN.

    – „Der Elektroantrieb bietet sich vor allem für das städtische Umfeld an“, sagt Scheuer…

    So ein Schwachsinn. Es gibt genügend Leute, die bereits das Gegenteil bewiesen haben.
    Wir sind selbst mit einer 22kWh Zoe auch im ländlichen Raum unterwegs. Alles über 60 kWh-Akku ist (Schnellladefähigkeit vorausgesetzt) durchaus für Langstrecke geeignet. Um die 100kWh und mehr erst recht.

    – Wasserstoff als Treibstoff … findet Scheuer „vor allem für Busse, Lastwagen und auf längeren Strecken attraktiv“

    Für längere Strecken also wieder H2O in einen PKW? Wie oft denn nun noch? Ökologischer Wahnsinn ist das. Wie müssen in Zukunft so effizient wie möglich unterwegs sein. Und das geht nur mit BEV. Die heutigen Akkus sind schon gut, aber an noch besseren arbeitet man doch schon. Nur eine Frage der Zeit. Und ich meine hier keine Dekaden.

    – Wasserstoff als Treibstoff … sowie für die Bahn „als Alternative zum Diesel auf nichtelektrifizierten Strecken.“ Dafür sollen auch an Bahnhöfen neue Wasserstofftankstellen eröffnet werden.

    Und hier kommt der ökonomische Wahnsinn. Was ist wohl günstiger zu bekommen? Die noch fehlenden Strecken zu elektrifizieren, oder Bahnen mit teurer Brennstoffzellentechnik auszurüsten und SAUTEURE Wasserstofftankstellen zu bauen, die dann ja auch versorgt werden müssen?

    – Ich werde oft gefragt: “Wie können solche Leute (einige Politiker und Wissenschaftler) so etwas nur behaupten? Die sind doch alle gebildet.”

    Ich denke die wissen ganz genau was sie da für einen Stuss erzählen. Sie zählen nur darauf, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht ausreichend gebildet ist um eben das zu erkennen. Schade nur, dass die Rechnung scheinbar aufgeht. Anscheinend ist die Mehrheit entweder tatsächlich nicht gebildet genug, oder es ist ihr einfach egal, was allerdings wieder auf Ersteres schließen ließe. Es wird uns etliche Millionen an Steuergeldern kosten. Und niemand wird für die Schäden aufkommen müssen. Diese Verhinderungspolitik muss bei der nächsten Wahl umgehend gestoppt werden. Wo bleibt eigentlich Rezo? Diese Verkehrs- und Energiepolitik wäre doch mal ein erneutes Zerstörungsvideo wert, oder? Scheuer, Seehofer, Merkel, Kramp-Karrenbauer, Altmaier,… Stoff gibt es genug.

    1. Es ist immer Göttlich die ganzen hier versammelten “Fachleute ” zu hören. Der Rest der Fachwelt scheint komplett daneben zu liegen. Mal gut das die Mobilität von morgen nicht hier entschieden wird.
      Und eigentlich müsste die Eine Million BVE die unsere Regierung anstrebt überhaupt kein Problem sein. So viele Bürger wie bei der letzten Wahl Grün gewählt haben, da müsste es ja eine Herzensangelegenheit sein ein BEV zu fahren…
      Nur mal so angemerkt..

  3. Der liebe Herr Scheuer ist mentalitätsmässig noch beim BMW i3 REX der ersten Generation. Was 2013 noch galt, ist 2020 völlig überholt. Wenn heute ein elektrisches Fahrzeug nicht 400 km Reichweite bieten kann – auch im Winter, dann ist der Rollator komplett technisch veraltet.
    Ausnahme: Der Käufer entscheidet sich bewusst für einen kleinen Akku weil er die Reichweite definitiv nicht braucht – das gibt es ja auch und ist auch völlig ok.
    Verbrenner müssen raus aus der Stadt – egal was die für tolle Software haben.

  4. Oje… Ich kann mich den anderen posts nur anschließen. Ein Argument das für Emobilität auf dem Land spricht: dort haben viel mehr Leute eigene Häuser (mit Platz für PV) und vorallem einen eigenen Stellplatz wo man problemlos eine Wallbox aufbauen kann. Das ist zumindest für die meisten Städter deutlich schwieriger…

  5. Tut euch mal einen Gefallen und kommt alle aus eurer Bubble raus. Wasserstoff ist sauberer als das reine BEV, für das ohne Wasserstoff niemals in der Weltgeschichte genügend sauberer Strom vorhanden sein wird. Somit ist Wasserstoff in der Gesamtheit sogar unabhängig vom Wirkungsgrad umweltfreundlicher als ein BEV. Wenn jeder mit nem BEV fahren wird, dann geht das nur mit einem Strommix aus Kohle oder Atomkraft, also keine wirkliche Energiewende. Aber träumt hier ruhig weiter von der Überlegenheit der bereits überholten Technik.

    1. Hallo Jens in der H2 Bubble
      Zunächst einmal ist die Brennstoffzellen-Technik bis heute sehr teuer. Die Brennstoffzellen-Stacks in den neuesten Auto-Modellen kosten in der Herstellung fünfstellige Dollar- oder Eurobeträge, unter anderem deshalb, weil teure Edelmetalle wie Platin dafür nötig sind. Der Prozess in der Brennstoffzelle, bei dem aus Wasserstoff und Sauerstoff elektrischer Strom und Wasser entstehen, mag recht einfach sein, die Brennstoffzelle als Industrieprodukt ist es nicht: Soll die Zelle Minusgrade aushalten, müssen Wasserreste aus dem Stack geblasen werden. Damit die Reaktion starten kann, muss die Zelle vorgeheizt werden, in Betrieb ist dafür eine Kühlung nötig, weil die Reaktion Abwärme erzeugt.
      Die angesaugte Luft muss sehr aufwendig gefiltert werden: Verschmutzungen wie Staubpartikel würden sich an den Zell-Membranen ablagern und auf Dauer die Leistung reduzieren. Auch mit der gefilterten Luft ist die Lebensdauer der Brennstoffzellen-Membranen eine kritische Größe.
      Die Leistungssteuerung einer Brennstoffzelle ist komplex und relativ träge: Vom Druck auf’s Gaspedal bis zur Reaktion des Antriebs würden Sekunden vergehen. Deshalb braucht ein Brennstoffzellen-Fahrzeug einen Akku als Puffer für die elektrische Energie – und als Speicher für das Vorheizen beim Starten des Autos.

      Beim Stichwort Akku ist bereits klar: Im Brennstoffzellen-Fahrzeug gibt es alle Komponenten eines reinen E-Autos, wenn der Akku üblicherweise auch recht klein ist (wenige Kilowattstunden). Daimler macht aus der Not eine Tugend: Der GLC F-Cell ist ein Plugin-Hybrid, das heißt, der Akku ist so groß, dass er für 50 Kilometer Fahrstrecke reicht. Und er kann direkt an der Steckdose geladen werden. Nur für längere Fahrten wird die Brennstoffzelle dann aktiv.

      Durch die Komplexität des Brennstoffzellen-Antriebs ist klar, dass ein solches Auto kaum billiger werden kann als ein reines E-Auto mit Lithium-Ionen-Akku. Dazu kommt, dass auch die Tanks aufwendig, schwer und teuer sind: Die Wasserstoff-Moleküle sind so klein, dass sie herkömmliche Werkstoffe durchdringen. Normaler Stahl wird durch den Wasserstoff spröde, weil Wasserstoff-Atome sich in das Metall-Gitter einlagern. Die Tanks in den aktuellen Autos sind deshalb speziell wasserstoffdicht beschichtet.
      Das ist aber nicht das einzige unkonventionelle an den Tanks. Sie werden mit 700 bar Druck befüllt – nur so passen in die 80 Liter Gasvolumen, die die Tanks des Toyota Mirai speichern, fünf Kilogramm Wasserstoff. Damit sie dem Druck unter allen Bedingungen standhalten, sind die Tanks dickwandig und aus Verbundwerkstoffen gewickelt – mit anderen Worten: Sie sind teuer und groß.
      Das Druck- und Volumen-Problem mit Wasserstoff beginnt nicht erst im Tank. Dazu ein paar Größen: Bei normalem Umgebungsdruck hat ein Kilogramm Wasserstoff ein Volumen von über elf Kubikmetern (ein Kilogramm Wasserstoff reicht bei einem Hyundai Nexo oder beim Mirai für 80 bis 100 Kilometer). Weil der Wasserstoff nicht durch existierende Gaspipelines gepumpt werden kann (das Gas würde an jedem Ventil entweichen und der Stahl würde geschädigt), muss er auf der Straße zu den Tankstellen transportiert werden. In einen großen Tank-Auflieger mit 36 Kubikmeter Volumen passen 27 Tonnen Benzin. Bei 700 bar Druck wären in diesem Volumen nur 2,3 Tonnen Wasserstoff unterzubringen, aber ein Tank-Auflieger in dieser Größe hält solchen Drücken nicht Stand.
      Der Gas-Spezialist Linde bietet es deshalb an, Wasserstoff in flüssiger Form zu liefern. Was bei Flüssiggas (wie im Feuerzeug) einfach und praktisch geht, ist beim Wasserstoff aber extrem aufwendig: Der Siedepunkt liegt bei -252 Grad, das heißt, die Verflüssigung braucht sehr leistungsstarke Kühlanlagen, die entsprechend viel Energie benötigen. Weil ein Liter flüssiger Wasserstoff mit 70,8 Gramm immer noch extrem leicht ist, passen in den großen LKW-Tank weniger als 2,6 Tonnen davon. Ein Flüssig-Wasserstoff-Tank muss zwar keine Drücke aushalten, dafür muss er aber stark isoliert werden, was einen großen Teil des Volumens kostet, und er muss schnell ans Ziel: Die Verdunstungs-Kälte des siedenden Wasserstoffs kühlt den Tank zwar, der verdunstete Wasserstoff entweicht aber. Ein Flüssigwasserstoff-LKW kommt nie mit vollem Tank an.
      Beim Tanken machen die hohen Drücke in den Tankanlagen weitere Probleme: Der sehr stark verdichtete Wasserstoff strömt durch einen Zapfhahn ins Auto. Dabei treten große Druckunterschiede auf, was dazu führt, dass der Zapfhahn abkühlt und je nach Luftfeuchtigkeit vereist. Vor einem zweiten Tankvorgang muss die Zapfsäule erst wieder Druck aufbauen, die Zapfpistole muss abtauen. Mehr als sechs Autos pro Stunde kann eine solche Tankanlage (die mit rund einer Million Euro pro Installation sehr teuer ist) deshalb nicht abfertigen.
      All diese Nachteile von Wasserstoff stehen heute einem wirtschaftlichen Einsatz entgegen. Es gibt aber noch einen weiteren Punkt, der gegen Wasserstoff im Auto spricht. Anlässlich des Expertenforums Elektromobilität im Oktober zeigte der Emobilitäts-Experte Michael Bucher von EnBW die Wirkungsgrad-Problematik auf: Während ein Elektro-Auto mit Akku-Technik dazu in der Lage ist, über 75 Prozent der elektrischen Energie, die in einer Windkraft- oder Photovoltaik-Anlage erzeugt worden ist, in Vortrieb umzusetzen, bleiben bei der Kette vom Strom über die Wasserstofferzeugung per Elektrolyse, die Kompression (oder Kühlung), den Transport, die Tankanlage, die Brennstoffzelle und den Puffer-Akku im Auto nur gut 25 bis 30 Prozent der Energie übrig. Das bedeutet, dass für Wasserstoffmobilität pro Kilometer mehr als die dreifache Strom-Menge notwendig ist, also auch dreimal so viele Windkraft- oder Solaranlagen gebaut werden müssten. „Der Mann auf der Straße wartet auf Wasserstoff“ resümiert Bucher, die Technik sei aber viel zu ineffizient, um mit Batterie-elektrischen Autos konkurrieren zu können.
      Noch schlechter als die Brennstoffzelle schneidet dabei übrigens die Weiterverarbeitung von Wasserstoff zu so genannten eFuels ab: Dazu wird unter großem Energie-Einsatz Kohlendioxid aus der Luft abgeschieden, was einen großen Teil der Primär-Energie auffrisst. Das Nutzen von eFuels in klassischen Verbrennungsmotoren zeigt den gleichen schlechten Wirkungsgrad wie mit Benzin oder Diesel (zwischen 25 und 30 Prozent): Am Ende kommen 13 Prozent der aufgewendeten elektrischen Energie als Antriebs-Energie auf der Straße an. BMWs Versuche mit der direkten Verbrennung von Wasserstoff im Verbrennungsmotor lagen sogar noch etwas schlechter.
      Natürlich geht die Entwicklung bei der Brennstoffzelle kontinuierlich weiter. Der Wirkungsgrad der Zellen wird besser werden, die Akku-Pufferung kann vermutlich zurückgefahren werden. Das Transportproblem und die Energieaufwände dafür werden sich aber nicht ändern lassen – und diese Probleme sind den deutschen Herstellern, die (im Fall von Daimler und BMW) seit Jahrzehnten forschen und Prototypen bauen bewusst. Der größte Feind der Brennstoffzelle im Auto ist allerdings die Entwicklung der Akkutechnik, die in den letzten Jahren um Größenordnungen schneller vorangegangen ist als die der Wasserstofftechnik.
      Wasserstoff kann und muss eine ganz andere Karriere machen: Zum Beispiel kann das Gas, das zu Überproduktionszeiten von erneuerbarem Strom erzeugt worden ist, direkt in der Stahlverhüttung eingesetzt werden und dort Kohle ersetzen. Das CO2-Einsparpotenzial pro eingesetztem Kilogramm Wasserstoff ist viel größer als beim Brennstoffzellenauto, der technische Aufwand dabei relativ gering. Ähnliche Prozesse könnten für Zementproduktion entwickelt werden. Am Ende könnte es sogar sinnvoll sein, überschüssigen Strom in stationären Anlagen mit sehr großen Tanks in Wasserstoffproduktion zu stecken und das Gas bei Strom-Unterversorgung in Gasturbinen mit Kraft-Wärme-Kopplung zu verheizen. Der Wirkungsgrad solcher Anlagen liegt weit über dem eines Brennstoffzellen-Autos – und der damit erzeugte Strom könnte Elektroautos mit Akku aufladen.
      Quelle: EFAHRER.com

  6. Herr Scheuer redet glaube ich auch mit jedem Interview Partner wie er meint dass es ihm passt. Zur Erinnerung: der Herr ist einer der größten Gegner des Tempolimits (was ich persönlich nicht schlecht finde :-)), was mir sagt, dass er mit deinem dicken Verbrenner auch gerne über die Autobahn ballert. Gegen das Tempolimit spricht lediglich der Spaßfaktor, sonst nichts.

    Bei den BEVs ist er offensichtlich schon lange ein Gegner und muss sich als Verkehrsminister nun widerwillig immer wieder damit beschäftigen. Über Stadtverkehr sind wir lange hinaus. Dafür müssten ja erstmal flächendeckende Lademöglichkeiten. Aber für Pendler die vom Vor-Ort oder dem Land mit Eigenheim zur Arbeit fahren funktioniert das doch mehr als super.

    Wo it er Recht hat ist der LKW und zumindest der Fernbus Verkehr. Wir reden hier über Fahrzeuge die Luftwiderstände jenseits von Gut und Böse haben und richtig große Batterien bräuchten. Bei aller BEV Liebe, aber hier darf man nicht vergessen, dass da wirklich Zeit=Geld ist. LkW Fahrer haben heute schon Zeitdruck, da können die sich nicht alle 300km für ne Stunde an die Ladesäule stellen. Die brauchen auch Ladeleistungen deutlich jenseits der 350kW wie sie Ionity bietet, wegen der nötigen großen Batterien.

  7. Im Städtischen Umfeld eignen sich vor Allem Fahrräder, ÖV ( Trams, UBahn, Busse ). Zu einem geringen Teil Elektroautos, vielleicht Twizzy, E-Smart etc. Fussgänger werden in den kommenden 10-20 Jahre das Stadtbild prägen.

    Im ländlichen Bereich und Intercity ( Kurzstrecken 50-200km /Mittelstrecken 200-500km /Langstecken 500-800km ) bewähren sich heute schon, zwar noch in limitierter Auswahl, Elektroautos. Ausserdem müsste auch hier der ÖV vermehrt weiter ausgebaut werden.

    Im Internationalen Bereich ( Langstrecken > 800km ) sollte sich Wasserstoff ( Schiffe aller Art, Flugzeuge etc. ) als geeignet dursetzen können.

    LkW Fernverkehr wird heute schon erfolgreich in der Schweiz umgesetzt. Könnte auch Vorbild sein für Andere ind Europa.
    Ich hoffe für Deutschland, dass Herr Scheuer sich mit seinen Vorstellungen nicht dursetzen kann.

  8. Scheuer sagt einiges, mit dem man einig sein kann – aber : “Wir brauchen weiterhin alle Antriebsformen“, sagt Scheuer: „Saubere und sparsame Verbrennungsmotoren werden in Zukunft genauso gebraucht wie der Elektroantrieb“
    Da stellt sich mir die Frage : Sparsame Verbrennungsmotoren für die Zukunft ? Wie Sparsam denn ? 3-5 % weniger Verbrauch oder wirklich vielleicht 20 %, was dann akzeptabel wäre…… (aber man bedenke den Trend zu SUV’s und grösseren Autos !)……und sollen die Automobilhersteller den Verbrennungsmotor weiter erforschen und weiterentwickeln, ich dachte da sei schon alles ausgereizt und kaum noch etwas zu holen ? Was denkt eigentlich Scheuer, wenn er das sagt ?

  9. Oje Andi Scheuer – er bemüht sich ja, versteht aber nicht mal das Grundproblem: wir heizen seit über 500 Jahren unsere dünne Atmosphärenhaut auf – erst durch massives Abholzen, dann mit perversem Energieverbrauch für Transport und Destillation von Öl, künftig Herstellung von E-fuels, etc., um weiterhin 80% des Energieinhaltes dieser Kraftstoffe in reine Wärme umzuwandeln. Über 95% der von uns produzierten Wärme ist nicht verschwunden, sondern von den Meeren aufgenommen worden – diese haben sich dabei lediglich um 1/4 Grad erwärmt, doch kein Grund zur Beruhigung: noch 1/8 Grad und keinerlei Säugetier findet sich mehr auf der Erde – ist seit 50 Jahren wissenschaftlich belegt !
    Nebenbei: E-Autos in der Stadt – Blödsinn ! Ohne Strom in der eigenen Garage, kann man sich künftig mit den PlugIn-Dreckschleudern um Ladeplätzte prügeln !
    Vor 50 Jahren hatten wir noch eine Chance mit Atomkraft – saugefährlich, aber mit Glück hätten wir vielleicht noch 1000 Jahre. Falls meine Nachfahren nicht verunglücken, denke ich, dass mein Enkel meinen Sohn nicht überleben wird ! 10 Jahre hin oder her spielen aber auch keine Rolle mehr – hab mich damit abgefunden – insofern denke ich sogar wie Andi: Spaß haben, solangs noch irgendwie geht !

  10. Wasserstofftankstellen um die Bahnhöfe herum? Wenn dies mit H2 je einmal wirtschaftlich würde, sicher eine Möglichkeit für die Taxifahrer. Eine bessere haben die z.Zt. noch nicht. Aber hallo, diese Orte sind die Brutstätten des Terrorismus! Die Kanaken machen mit jeder Art von Gasautos Bomben. Einmal mit dem ganzen Auto und aber auch mit den herausgenommenen Gasflaschen. Es gibt schon Länder die haben die Einfahrt in solche Gebiete für Autos mit diesen Antrieben bei laufenden Kontrollen verboten. Scheuer empfiehlt City-Fahrzeuge mit kleinen Akkus. Völliger Quatsch. Weshalb machte der Mief, sogar zusätzlich unter dem Blech von Peugeot sowie auch Smart keine Stückzahlen? Weil man kurz nach Aufstarten im Winter noch 70 Km Reichweite zur Verfügung hatte. Das ist ja auch in der Stadt mieser, als mit jedem Verbrenner auf Reserve zu fahren. Die Zukunft der Akkugrösse liegt da wo der Löwenanteil der neuen E Autos erst in diesem Jahr kommt. Renault hat dies mit dem Zoe als Marktführer bereits bewiesen. Die Kunden wollen mit einem City-Auto schliesslich nicht nur in der Stadt herum fahren. Scheuer sollte predigen, dass man das für Entschleunigungs Seminare ausgegebene Geld beim Psychologen, sparen kann. Und zwar durch Fahren eines E Autos.

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