Flixbus-Gründer beklagt „erhebliche Hürden“ bei E-Bussen im Fernverkehr

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Michael Neißendorfer
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André Schwämmlein, Gründer des Fernbusunternehmens Flixbus, erklärt in einem bei Focus erschienenen Gastbeitrag, warum das Pilotprojekt mit Elektro-Fernbussen in Deutschland nicht funktioniert hat, wie er Staus vermeiden würde, und was er sich dafür von der Politik erwartet.

Es könnte so schön sein: Auf der Straße gibt es nur noch E-Fahrzeuge, der Verkehr ist leise, überall lässt sich problemlos Strom tanken und das alles vollkommen ohne CO2-Ausstoß. Fast zu schön, um wahr zu sein – und das ist es leider auch. Denn auch wenn E-Mobilität einer der größten Hoffnungsträger in der Debatte um die Zukunft der Mobilität ist, so bleibt sie unter den aktuellen politischen und technischen Rahmenbedingungen nur eine Utopie“, leitet Schwämmlein seinen Beitrag ein.

Bei dem Praxistest mit Elektro-Fernbussen in Deutschland, den Flixbus schon wieder eingestellt hat, haben sich „im Gegensatz zu positiven Erfahrungen in Frankreich“ einige Probleme ergeben. Demnach gab es „nicht nur in der Praxis erhebliche Hürden, auch das mangelnde Interesse und die fehlende Unterstützung der Politik erschwerten das Projekt.“ Als Beispiele führt Schwämmlein unter anderem das eingeschränkte Angebot an passenden Modellen, die mangelnde Infrastruktur sowie „keinerlei Fördermöglichkeiten“ auf.

Während sich Elektromobilität im Pkw-Bereich und im öffentlichen Nahverkehr immer weiter verbreite, stelle sie „aktuell im Fernbus-Sektor keine echte Alternative dar. Die derzeit für den europäischen Markt zugelassenen Fernbusse haben zu geringe Reichweiten und viel zu lange Ladezeiten“, kritisiert der Flixbus-Gründer. Erst mit Reichweiten von mindestens 400 Kilometern bei einer Stunde Ladezeit „könnte diese Technologie effizient und flächendeckend für den Linienbetrieb genutzt werden“. Da hiesige Hersteller keine passenden Modelle im Portfolio haben, hatte Flixbus für sein Pilotprojekt auf Modelle aus China zurückgegriffen.

„Nur eine einzige öffentliche Elektroladesäule“

Speziell für Fernbusse gebe es aktuell auch „nur eine einzige öffentliche Elektroladesäule“, und Möglichkeiten zur staatlichen Förderung „existieren ausschließlich für den Personennahverkehr“, setzt Schwämmlein seine Kritik fort. Flixbus habe für keines seiner bisherigen Fernbus-Projekte staatliche Unterstützung erhalten. Aber ohne Initiativen aus Politik und Wirtschaft sei „eine dauerhafte Mobilitätswende zu E-Fernverkehr nicht denkbar.“

Doch „das eigentliche Problem des Verkehrssektors“ sei, „dass zu viele Menschen mit dem Auto unterwegs sind.“ Es löse „keine Probleme, wenn statt der Benziner- und Diesel-Pkw die elektro- oder wasserstoffbetriebenen Varianten im Stau stünden.“ Schwämmlein ist der Meinung, dass „zu viele Menschen allein in ihren Autos auf Strecken“ unterwegs seien, „die sie eigentlich mit vielen anderen Reisenden in Bus und Bahn teilen könnten“. Daher müsse die Devise lauten: „Raus aus dem Individualverkehr, rein in den gemeinsamen öffentlichen Verkehr!

Das habe den Vorteil, dass auf der bestehenden Infrastruktur viel mehr Menschen befördert werden könnten – „bei gleichzeitig weniger Stau.“ Nachhaltiges Reisen sei „nicht erst in zehn Jahren wichtig, sondern jetzt“, findet der Flixbus-Gründer. Schwämmlein wünscht sich deshalb Maßnahmen, welche unmittelbar Erfolg versprechen. Etwa den Umstieg aus den eigenen Autos in Busse und Bahnen zu fördern, „die mit einem Mix aus alternativen Antrieben so schnell wie möglich komplett CO2-neutral werden müssen.“

Quelle: Focus — Flixbus-Gründer erklärt: Haben E-Fernbusse getestet – und es funktioniert nicht

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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