DAT-Report 2019: Ein Viertel der Neuwagenkäufer erwägt alternativen Antrieb

Viertel der Neuwagenkäufer Interesse Alternative Antriebe
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Die Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT) hat vor wenigen Tagen vor rund 250 geladenen Gästen der Automobilbranche, Medienvertretern und Repräsentanten der Politik ihren neuen DAT-Report 2019 vorgestellt. Die jährliche Studie erscheint zum 45. Mal und bietet allen Interessierten einen tiefen Einblick in das Autokaufverhalten und die Situation in den Werkstätten in Deutschland.

Dr. Martin Endlein, Leiter DAT-Unternehmenskommunikation, stellte die aktuellen Highlights aus dem DAT-Report vor, darunter neue Fakten zum privaten Autoverkauf oder zur Akzeptanz von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben. „24 Prozent der Neuwagenkäufer haben einen Pkw mit einer alternativen Antriebsart in Erwägung gezogen. Aus Gründen der Reichweite, der höheren Kosten oder der Ladezeiten war 2018 von 100 zugelassenen Neuwagen nur einer mit Batterieantrieb“, erläutert Dr. Endlein die Zahlen.

Auf der Veranstaltung wurden auch die Ergebnisse der Befragung der Werkstattkunden präsentiert. Erstmals wurde der Einfluss von Online-Bewertungen auf die Wahl der Werkstatt ermittelt. Bei einer nach wie vor hohen Werkstatttreue der Stammkunden (80 Prozent lassen ihr Auto immer in derselben Werkstatt warten oder reparieren), bestätigten immerhin 31 Prozent, sie würden bei der Wahl der Werkstatt Online-Kundenbewertungen wichtig finden.

Zum Thema Erfassung von Unfallschäden gaben 45 Prozent an, sie würden sich generell zutrauen, diese mit dem Smartphone zu erfassen und an die Versicherung zu schicken. In der genaueren Analyse würden bei leichten und mittleren Schäden je etwa 30 Prozent dies machen.

Highlights aus dem DAT-Report 2019

Die Studie basiert auf einer repräsentativen Befragung von knapp 4000 Endverbrauchern und betrachtet den Autokauf (Neu- und Gebrauchtwagen) und das Werkstattverhalten in Deutschland. Erstmals beleuchtet ein spezielles Kapitel den privaten Verkauf des eigenen Fahrzeugs, ein Exkurs behandelt die Situation der Elektromobilität und die damit verbundenen Fragen zur Verfügbarkeit von Lademöglichkeiten oder der Anbringung einer eigenen Ladestation. Das Kapitel rund um Reparaturen ist um zahlreiche Spezialthemen bei Ölwechsel oder Unfallreparaturen erweitert worden.

Allgemeine Themen rund ums Automobil

Kein Verzicht aufs Automobil: Über 90 Prozent aller Autokäufer (94 Prozent der Neu- und 93 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer) fühlen sich ohne Automobil in ihrer Mobilität eingeschränkt. In ähnlicher Größenordnung wird bestätigt, dass Autofahren Spaß macht und dass der eigene Wagen stets in einwandfreiem technischen Zustand sein müsse.

Absichtserklärung zu Auto im Abonnement: 11 Prozent der Gebrauchtwagen- und 20 Prozent der Neuwagenkäufer könnten sich vorstellen, ein Auto im Abo zu nutzen, d. h. eine Mobilitätslösung ohne Anzahlung oder Schlussrate, sondern zu einem monatlichen Fixpreis (i. d. R. exklusive Tankkosten). 75 Prozent der Gebraucht- und 68 Prozent der Neuwagenkäufer lehnen das ab, die übrigen 14 bzw. 12 Prozent sind unentschlossen.

Frauen entscheiden häufiger alleine beim Autokauf als Männer: Gefragt nach der Entscheidungsfindung (alleine oder gemeinsam mit anderen) beim Autokauf zeigt sich, dass sowohl beim Neuwagen-, als auch beim Gebrauchtwagenkauf etwas mehr Frauen alleine als Männer entscheiden. Beim Neuwagenkauf sind es 49 Prozent der Frauen und 44 Prozent der Männer, beim Gebrauchtwagenkauf 53 Prozent der Frauen und 49 Prozent der Männer. Höhere Kaufsummen werden in der Regel eher gemeinsam entschieden.

Themen rund um alternative Antriebe / Elektromobilität

Kenntnisstand zu elektrifizierten alternativen Antrieben überschaubar: Auf einer Skala von 1 („intensiv damit beschäftigt“) bis 5 („noch nie davon gehört“) wurden die Autokäufer gebeten, ihren Kenntnisstand bei reinen Elektroautos, bei E-Autos mit Range Extender, bei Plug-In Hybriden und bei Hybriden ohne Plug-In-Technologie anzugeben. Neuwagenkäufer waren generell aufgeschlossener und hatten sich stärker mit den Technologien beschäftigt als Gebrauchtwagenkäufer. Mit der Durchschnittsnote 2,66 bei den reinen E-Autos war der Kenntnisstand der Neuwagen- und mit 2,91 bei den Gebrauchtwagenkäufern noch am deutlichsten ausgeprägt.

Begrenzte Reichweite und hohe Anschaffungskosten sind Hinderungsgründe beim Elektroauto: 60 Prozent der Neuwagenkäufer hatten als Grund gegen ein E-Auto die begrenzte Reichweite angegeben. Im Vorjahr lag dieser noch mit 51 Prozent auf dem zweiten Rang vor den Anschaffungskosten. Gebrauchtwagenkäufer nannten diese als wichtigsten Grund und machten sich mit 55 Prozent etwas weniger Gedanken um die Reichweite als die Neuwagenkäufer. Generell einen Pkw mit alternativem Antrieb hatten nur 12 Prozent der Gebrauchtwagen- und 24 Prozent der Neuwagenkäufer überhaupt in Erwägung gezogen.

Über ein Drittel der Autokäufer hat keine Lademöglichkeit: Gefragt nach Lademöglichkeiten für ein E-Auto antworteten 37 Prozent der Gebraucht- und 34 Prozent der Neuwagenkäufer, dass sie keinerlei Lademöglichkeiten in ihrer Nähe haben. Über 20 Prozent wussten es nicht bzw. konnten keine Angaben machen. 35 Prozent der Gebraucht- und 44 Prozent der Neuwagenkäufer bestätigten, dass es eine Möglichkeit (z. B. an einem zentralen Parkplatz, einer öffentlichen Ladestation o. Ä.) gebe.

Hybrid liegt vor dem E-Auto in der Präferenz der Autokäufer: Auf die Frage, welche Antriebsart die präferierte wäre, wenn es keine reinen Verbrenner mehr gäbe, würden sich 67 Prozent der Neu- und 64 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer für ein Hybridfahrzeug entscheiden. Für ein E-Auto sprachen sich nur 33 Prozent der Neu- und 36 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer aus.

Themen rund um den Autokauf und den Verkauf des eigenen Pkw

Bedeutung des Autohändlers als Informationsquelle: Vom Beginn der Informationssuche bis zum tatsächlichen Kauf vergehen im Schnitt 26 Tage beim Gebraucht- und 33 Tage beim Neuwagenkauf. Während dieser Phase unternimmt der Autokäufer intensive Online- und Offline-Recherchen. Auffällig: Die Bedeutung des Händlers als Informationsquelle ist gestiegen und besonders für Neuwagenkäufer wieder an die erste Stelle der „Offline-Quellen“ gerückt. Im Zuge der zahlreichen Initiativen rund um den Diesel und die damit verbundenen Prämien ist der Kontakt vor Ort beim Handel stärker in den Fokus gerückt.

Hohe Investitionsbereitschaft in den Autokauf: Im Autojahr 2018 wurden beim Gebrauchtwagenkauf im Schnitt 11.780 Euro investiert, beim Neuwagenkauf waren es 31.130 Euro. Die Preise variieren deutlich je nach Marke oder Käufergruppe (Erstkäufer bezahlten deutlich weniger als diejenigen, die beim Kauf ein bestehendes Fahrzeug ersetzten). Beim Gebrauchtwagenkauf wurden auf dem Privatmarkt 7730 Euro, beim freien Handel 7890 Euro und beim Markenhandel 15.610 Euro bezahlt.

Verkauf des eigenen Pkw auf dem Privatmarkt: Der Verkauf auf dem Privatmarkt wird unabhängig vom dort erzielten Preis von einem Viertel der Befragten mit der Note „eher negativ bis sehr negativ“ beurteilt. Im Vergleich dazu wird die Inzahlungnahme beim Handel nur im einstelligen Bereich kritisiert, dagegen von 40 Prozent der Befragten als sehr positiv empfunden. Ähnlich gute Noten wurden beim Verkauf an Privat nur von einem Viertel der Befragten vergeben.

Treue zur Automarke weiter hoch: 51 Prozent aller Neu- und 25 Prozent aller Gebrauchtwagenkäufer entschieden sich beim Autokauf wieder für die Marke, die sie bisher gefahren haben, obwohl sie sich selbst als weniger markentreu (34 Prozent der Neu- und 23 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer) eingeschätzt hatten. Als vollkommen unwichtig sahen nur 16 Prozent der Neu- und 30 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer die Automarke. Der Rest gab an, zwischen zwei oder maximal drei Marken zu wechseln. Wenn der aktuelle Pkw gestohlen würde und man den vollen Kaufpreis ersetzt bekäme, würden nach einer Haltedauer von ca. 4,5 Jahren immerhin noch 74 Prozent ihrer Marke treu bleiben.

Themen rund um das Werkstattgeschäft

Das eigene Auto – weiterhin der Deutschen liebstes Kind: 88 Prozent aller Pkw-Halter legen Wert darauf, dass das eigene Fahrzeug immer in technisch einwandfreiem Zustand ist. 83 Prozent meinen, regelmäßige Pflege und Wartung erhöhe den Wiederverkaufswert. Knapp jeder Fünfte (24 Prozent) hat sein Auto liebgewonnen und zieht Reparaturen in Erwägung, auch wenn diese unwirtschaftlich sind. 57 Prozent finden, der Pkw muss innen wie außen gepflegt aussehen, da man sich sonst unwohl fühlen würde. 36 Prozent waschen/lassen das Auto einmal pro Monat waschen.

Kundenbewertungen von Werkstätten im Internet: 31 Prozent der Pkw-Halter gaben an, ihnen seien gute Kundenbewertungen bei der Wahl der Werkstatt wichtig. Je jünger die Befragten, desto bedeutsamer ist dieses Thema. Generell muss man die hohe Werkstatttreue der Pkw-Halter in Deutschland hervorheben. 80 Prozent lassen alle Arbeiten immer in derselben Werkstatt durchführen, nur 17 Prozent fühlen sich beim Werkstattbesuch häufig nicht optimal beraten.

Unfallschaden per Smartphone dokumentieren: Nach einem Unfall würden sich 45 Prozent der Pkw-Halter zutrauen, eine aussagekräftige (Foto-)Dokumentation der Beschädigung an ihrem Fahrzeug ähnlich der Aktivitäten eines Gutachters per Smartphone vorzunehmen und via App dies einer Kfz-Versicherung zu senden. Aus den Informationen würde die Versicherung letztendlich den Schadensumfang feststellen. 30 Prozent verneinten dies.

Online-Buchungsbereitschaft von Reparatur- und Wartungsarbeiten stabil: 36 Prozent der Pkw-Halter würden einen Wartungsauftrag verbindlich online buchen. Das ist ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. 26 Prozent würden dies bei anstehenden Reparaturen machen – ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahr. Generell suchten nur 15 Prozent der Pkw-Halter vor einem Werkstattbesuch nach Informationen im Internet. Beim Autokauf waren es ca. 80 Prozent.

Quelle: DAT – Pressemeldungen vom 16. und 17.01.2019

2 Kommentare

  1. Interessanter Bericht. Er bestätigt eine sehr konservative Haltung in der Bevölkerung gegenüber der E-Mobilität. Und würden sich die deutschen Automobilhersteller darauf verlassen, würden sie weitermachen mit „business as usual“. Man kann jedoch annehmen, dass sich im Laufe von 2019-2020 doch „einiges“ ändern wird. Vor allem weil attraktive, preisgünstigere Modelle bals auf die Strasse kommen werden. Eine Bemerkung noch zu der Frage nach Lademöglichkeiten“: ca. 35 % beantworteten die Frage, dass es Lademöglichkeiten in der Nähe gäbe. Das sind wohl öffentliche Ladestationen. Die Frage nach „potentiellen“ Lademöglichkeiten zuhause wurde nicht gestellt – z.B. Stromanschluss in der Garage bei Einfamilienhäusern. Trotz allem – 1% Marktanteil für E-autos ist zu gering.

  2. Wann hat ein Elektroauto Vorteile? In den Städten kann man besser den ÖPNV nutzen und die Millionen Pendler, für die der ÖPNV keine zumutbare Alternative ist, sind mit einem Diesel besser bedient. Denn die Reichweite muss ja auch bei nachlassender Akkukapazität und extremen Temperaturen (Winter und Hochsommer) noch passen. Was macht man, wenn man bei 35 Grad drei Stunden im Stau steht? Bleiben die Autos dann alle liegen? Und wie sieht es mit dem Wertverlust für Vielfahrer aus? Ein Diesel packt locker 350.000 km. Bei einem jährlichen Fahrpensum von über 25000km (was für Pendler absolut normal ist) – wie lange „lebt“ der Akku, bevor er getauscht werden muss? Würde jemand ernsthaft ein gebrauchtes Elektroauto mit nicht mehr voll funktionsfähigem Akku kaufen? Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht grundsätzlich gegen E-Autos. Aber ich traue keinen grünen Ideologen, sondern will Fakten kennen. Klärt mich gerne auf!

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