Zukunft von Elektroauto-Akkus: Deutlich grüner, aber weiterhin aus asiatischer Produktion

Zukunft von Elektroauto-Akkus: Deutlich grüner, aber weiterhin aus asiatischer Produktion
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 1120037774

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Der Akku ist das mit Abstand teuerste Bauteil in einem Elektroauto, er kostet je nach Größen einen mittleren vierstelligen Betrag. Und er ist ein äußerst wichtiges Teil, bestimmt er doch die Leistungsfähigkeit des Elektromotors sowie die Reichweite des Fahrzeugs. Auf dem diesjährigen CAR-Symposium in Bochum stand der Akku deshalb im Zentrum der Diskussionen von Wissenschaftlern und Industrievertretern. Das Handelsblatt berichtet von drei Themenkomplexen, die auf dem Symposium eine herausgehobene Rolle gespielt haben.

Die erste These lautet, dass bei der Technologie weiterhin die Lithium-Ionen-Batterie führend bleibt. Viele Innovationen, über die auch Elektroauto-News regelmäßig berichtet, stünden zunächst nur auf dem Papier und seien lediglich erste Versuche unter Laborbedingungen, und noch meilenweit von einem Einsatz im Alltag entfernt, wie Professor Martin Winter von der Universität Münster sagte.

Er warnte auch davor, die Weiterentwicklung der aktuellen Lithium-Ionen-Technologie zu vernachlässigen, da es keine kurzfristige Alternative geben könne. Auch nicht die Feststoffzelle, die als heißester Kandidat für die Nachfolge von Lithium-Ionen-Akkus gilt. Winter geht davon aus, dass die Lithium-Ionen-Technologie in den kommenden zehn Jahren noch gut 30 Prozent an Reichweite je Kilowattstunde zulegen kann.

Die zweite These lautet, dass Deutschland keine eigene Zellfertigung braucht. Professor Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center Automotive Research (CAR) und damit Hausherr des Bochumer Symposiums gab zu Bedenken, dass die Zellproduktion selbst nur 5 bis 10 Prozent der Wertschöpfung bei der Batterie ausmacht. Der weitaus größere Teil entfalle auf die Herstellung der Grundkomponenten der Zelle, wie etwa Anode, Kathode und Elektrolyt, wo Dudenhöffer deutlich bessere Chancen für deutsche Unternehmen sieht.

Der Vorsprung der asiatischen Zellhersteller, die in der Vergangenheit bereits mit milliardenschweren Investitionen in Vorleistung gegangen sind und nun über sehr viel Wissen und Erfahrung verfügen, sei ohnehin kaum noch aufzuholen. Batteriezellenfabriken in Deutschland wird es trotzdem bald geben, allerdings geführt von asiatischen Unternehmen, wie etwa CATL, das in Thüringen ein Werk baut, in dem einmal 100 Gigawattstunden an Zellen pro Jahr gebaut werden sollen.

Die dritte These lautet, dass Elektroauto-Batterien „grün“ werden und kaum noch CO2 verursachen, etwa durch den Einsatz von Ökostrom bereits bei der Produktion oder durch besseres Recycling. Außerdem soll der Abbau der Rohstoffe in Zukunft deutlich nachhaltiger werden, Konfliktrohstoffe sollen im Akku der Zukunft erst gar nicht mehr verbaut bzw. ihr Anteil deutlich reduziert werden.

Quelle: Handelsblatt – Was nach dem Lithium-Ionen-Akku kommt – drei Thesen zur Elektroauto-Batterie

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Deutsche Autobauer fordern härteren Kurs gegen China

Deutsche Autobauer fordern härteren Kurs gegen China

Tobias Stahl  —  

Jahrelang stemmte sich vor allem die deutsche Autoindustrie gegen China-Zölle – doch angesichts wachsender Marktanteile überdenken Autobauer nun ihre Haltung.

Festkörperbatterie: Warnung an US- und EU-Hersteller

Festkörperbatterie: Warnung an US- und EU-Hersteller

Sebastian Henßler  —  

Laut Factorial-Chefin Siyu Huang müssen US-amerikanische und europäische Hersteller jetzt handeln, um im Wettlauf um Festkörperbatterien nicht zurückzufallen.

Deutschlands Zulieferer verlieren weiter gegen Konkurrenz aus China

Deutschlands Zulieferer verlieren weiter gegen Konkurrenz aus China

Michael Neißendorfer  —  

Die deutschen Automobilzulieferer stecken tiefer in der Krise als bislang vielen bewusst war. Wie es wieder Aufwärts gehen kann.

China-Druck bringt VDA zum Umdenken

China-Druck bringt VDA zum Umdenken

Arun Niemann  —  

Chinesische Hersteller setzen Europas Autobauer zunehmend unter Druck. Jetzt prüft auch der VDA, ob sein bisheriger Freihandelskurs noch trägt.

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

Tobias Stahl  —  

Nicht die Belegschaft und auch nicht die EU-Vorgaben sind Schuld an der Misere der europäischen Autoindustrie, meint T&E-Chef Bock – sondern die Chefetagen.

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Sebastian Henßler  —  

Schaeffler senkt seine Umsatzziele bis 2028 deutlich, weil der Wegfall der E-Auto-Förderung in den USA das Geschäft rund um Vitesco stärker bremst als erwartet.

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass Europas Automobilindustrie bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren könnte.