Wallbox-Hersteller unter Druck

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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Die Nachfrage nach Wallboxen ist in den vergangenen Monaten zunehmend gesunken. Mehrere kleinere Wallbox-Anbieter sind bereits insolvent gegangen oder haben bereits komplett den Betrieb eingestellt, und auch die Großen am Markt klagen über massive Absatzrückgänge. Darüber berichtete jüngst auch der Bayerische Rundfunk. Demnach verzeichnen einzelne Anbieter Rückgänge von etwa 70 Prozent im Vorjahresvergleich.

Hintergrund ist vor allem, dass die Förderungen durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für Wallboxen mittlerweile eingestellt sind. Das Programm 440 für Privatpersonen endete im Oktober 2021, die Programme 439 für Kommunen und 441 für Gewerbekunden sind inzwischen ebenfalls erschöpft. Bis zu 900 Euro pro installierten Ladepunkt hatte die KfW als Zuschuss bezahlt – im Fall einer unkompliziert möglichen Installation zu Hause mehr als die halbe Miete.

Markt ist aktuell gesättigt

Dies hatten viele Antragsteller in recht gebündelter Zeit genutzt, denn die Programme starteten erst 2020. Dementsprechend groß war die Nachfrage nach Wallboxen, wovon viele Anbieter profitierten – und was zu vielen Start-up-Gründungen führte. Nun sind Wallboxen wieder deutlich teurer, wer unbedingt eine wollte ist eingedeckt – und der Rest hatte es offensichtlich ohnehin noch nicht eilig. Zudem hatten bereits viele Privathaushalte die Wallbox-Förderung vorsorglich mitgenommen und die Ladepunkte installieren lassen, ohne dass bislang überhaupt ein E-Auto im Haushalt vorhanden wäre. Der Markt ist vorläufig weitestgehend gesättigt.

Die Nachfrage nach Ablauf der Förderungen ist nun deutlich gesunken, erschwerend hinzu kommen die insgesamt schwächelnde Konjunktur und eine gewisse Vorsicht bei Neuanschaffungen mit Blick auf die hohe Inflation. Die Verkaufszahlen von Wallboxen gingen in der Folge stark zurück, einige kleinere Anbieter mussten bereits aufgeben. Kaum mehr als ein Viertel der im Vorjahr abgesetzten Wallboxen waren es im ersten Quartal dieses Jahres, fast 60 Prozent weniger im zweiten Quartal, berichtet der Bayerische Rundfunk unter Berufung auf die Gesellschaft für Konsumforschung GfK.

Hoffnung auf neues Förderprogramm

Die Rückgänge spüren auch die großen Anbieter, so berichtet Heidelberg von 57 Prozent weniger verkauften Wallboxen im Vorjahresvergleich. Sollte sich in den kommenden Monaten nichts an der Ausgangslage ändern, so ist damit zu rechnen, dass mehr kleine Anbieter insolvent werden und sich mehr Anbieter zusammentun werden. ADAC-Marktforscher Sascha Coccorullo sagte dem Bayerischen Rundfunk, dass in dem jungen Markt derzeit noch die Strukturen fehlten.

Die Branche hofft indes auf neue Förderprogramme, und die gibt es ja auch – wenn auch nur bedingt hilfreich für die Wallbox-Anbieter. Ab Herbst wird die Kombination aus Photovoltaik-Anlage, Speicher und Wallbox in Privathaushalten mit insgesamt 500 Millionen Euro gefördert. Darauf werden viele sicherlich warten, ehe sie eine Wallbox installieren lassen. Allerdings ist das Förderprogramm bedeutend kleiner als die vergangenen. Es dürfte also um einen intensiven Kampf um die potentiellen Kunden kommen.

Quelle: Bayerischer Rundfunk – „Wallboxen für E-Autos: Niedrige Nachfrage belastet Anbieter“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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