Warum Wallboxen beim Netzbetreiber angemeldet werden sollten

Warum Wallboxen beim Netzbetreiber angemeldet werden sollten
Copyright:

shutterstock / 1966081240

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Eigentlich müssten Elektroauto-Besitzer, welche zu Hause eine Wallbox installiert haben, diese auch beim Netzbetreiber anmelden. Zahlen des regionalen Energieversorgers EWE im Nordwesten Deutschlands allerdings zeigen, dass nur ein Teil der Ladeeinrichtungen tatsächlich auch gemeldet wird. Ende Juni seien im EWE-Netzgebiet gut 14.000 private Ladepunkte registriert gewesen, wie das Portal Heise berichtet. Gleichzeitig allerdings habe die KfW über sein 900-Euro-Wallboxprogramm in eben jenem Netzgebiet Förderzusagen für 37.000 Ladeeinrichtungen abgegeben. Hinzu kommt eine unbestimmte Zahl an Wallboxen, die gar nicht gefördert wurden.

EWE appelliert deshalb an seine Kunden, der Pflicht zur Meldung von Ladestationen nachzukommen. Warum dies so wichtig ist, erklärte Markus Schirmer, Entwickler Energienetze bei EWE Netz, in einem Interview mit Heise. Bislang seien die Stromnetze im Niederspannungsbereich „hauptsächlich für haushaltstypische Lasten ausgelegt“. Mit Elektroautos und den ebenfalls boomenden Wärmepumpen kommen nun „viele sogenannte signifikante Lasten hinzu“, so Schirmer, also besonders stromhungrige Abnehmer.

Sind diese Abnehmer dem Netzbetreiber unbekannt, „drohen im schlimmsten Fall lokal Versorgungsunterbrechungen“, warnt Schirmer, da diese zusätzlichen Geräte „zu deutlich höheren, teils zeitgleichen Energiebedarfen“ führen könnten. „Insbesondere abends“, wenn Pendler nach Hause kommen und zur gleichen Zeit ihre E-Autos ans Netz hängen, so der Netzentwickler. Mit der Anmeldung ihrer Ladeeinrichtung können die Kundinnen und Kunden dazu beitragen, dass Netzbetreiber die Strombedarfe und Lastenschwerpunkte besser erkennen und einen möglicherweise notwendigen Netzausbau „effizient und kostengünstig planen“ können.

Schirmer wirbt in dem Interview für die Anmeldung von Wallboxen, diese erfolge „einfach, digital, kostenlos und dauert circa fünf bis zehn Minuten“. Ein Nein zur Wallbox von Seiten des Netzbetreibers brauchen Kund:innen nicht befürchten, sagt er, das könne er „nach heutigem Kenntnisstand ausschließen. Wir sind Netzbetreiber und eine unserer Aufgaben ist es, Anschlüsse herzustellen.“ Was er allerdings nicht ausschließen kann: Dass Aufwände wegen eventuellen Störungen und Netzausfällen an den Verursacher weiterberechnet werden, sollte „die Ursache auf nicht angemeldete Ladeeinrichtungen zurückzuführen sein“.

Für die Zukunft sollen im Smart Grid die Ladevorgänge von Elektroautos intelligent gesteuert werden können. Ein Vorhaben, an dem unzählige Unternehmen beteiligt sind. „Es ist politisch seit Langem in Diskussion, eine netzdienliche Steuerung von flexiblen Verbrauchseinrichtungen – also Ladeeinrichtungen – gesetzlich zu regeln“, sagt Schirmer. Dies würde es erleichtern, „Ladeeinrichtungen möglichst schnell in die Stromnetze zu integrieren und die Netzentgelte der Kunden in der Höhe zu begrenzen“.

Quelle: Heise – Warum nicht angemeldete Elektroauto-Ladestationen zum Problem werden können

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

Eon: Warum Stromnetze zum Engpass der Energiewende werden

Eon: Warum Stromnetze zum Engpass der Energiewende werden

Sebastian Henßler  —  

Warum Netze für die Energiewende entscheidend sind, KI den Strombedarf verändert und er Solarförderung infrage stellt, erklärt der Eon-Chef im OMR-Podcast.

Plenitude und Pininfarina wollen Ladeinfrastruktur grundlegend neu gestalten

Plenitude und Pininfarina wollen Ladeinfrastruktur grundlegend neu gestalten

Michael Neißendorfer  —  

Die Vereinbarung sieht die Gestaltung, Entwicklung und Definition eines neuen Konzepts für innovative Ladestationen für Elektroautor vor.

Polizei BW testet Ladepuffer für Elektro-Streifenwagen

Polizei BW testet Ladepuffer für Elektro-Streifenwagen

Sebastian Henßler  —  

Die Polizei Baden Württemberg startet in Pforzheim ein Pilotprojekt für batteriegestütztes Schnellladen. Ziel ist es, E-Autos besser nutzbar zu machen.

EnBW und XCharge schließen langfristige Partnerschaft

EnBW und XCharge schließen langfristige Partnerschaft

Michael Neißendorfer  —  

Die auf mehrere Jahre ausgelegte Partnerschaft soll die strategische Diversifizierung von EnBW in der E-Mobilität stärken.

Polestar: 300 Euro Ersparnis pro Jahr durch Fahrzeug-gesteuertes Smart Charging

Polestar: 300 Euro Ersparnis pro Jahr durch Fahrzeug-gesteuertes Smart Charging

Michael Neißendorfer  —  

Kunden können durch Smart Charging bis zu 300 Euro pro Jahr sparen, dank Fahrzeug-gesteuertem Laden ist kein spezifischer Heim-Ladepunkt nötig.

Ionity integriert Megawatt-Ladesysteme in sein Ladenetz

Ionity integriert Megawatt-Ladesysteme in sein Ladenetz

Michael Neißendorfer  —  

300 Kilometer Reichweite für das Elektroauto in weniger als acht Minuten: Mit neuen Ladesäulen liefert Ionity bis zu 600 kW Ladeleistung.

Grüner 10-Punkte-Plan für das Gelingen der Energiewende

Grüner 10-Punkte-Plan für das Gelingen der Energiewende

Michael Neißendorfer  —  

Wirtschaftsministerin Reiche hat mit den letzten Gesetzesvorschlägen viel Unverständnis aus Industrie und Politik erfahren. Was die Grünen anders machen würden.