Volkswagen-Abbau: Welche Werke haben Bestand?

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Maria Glaser
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Volkswagen steckt seit geraumer Zeit in der Krise und ist derzeit mit einem umfassenden Kapazitätsabbau beschäftigt. Dabei steht unter anderem die Frage im Raum, welche Werke von Schließungen betroffen sein könnten. In Deutschland betreibt VW insgesamt neun Werke, von denen vier der Komponenten- und fünf der Fahrzeugfertigung dienen. Vor allem über die Standorte Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm wird diskutiert.

Dabei analysiert der Konzern, zu dem neben der Marke Volkswagen auch Škoda, Audi und Porsche gehören, welche Fabriken die niedrigsten Kosten bieten können, um die Produktion dorthin zu verlagern. Nun berichtete die Automobilwoche darüber, welche Prioritäten der Produktionschef des VW-Konzerns Christian Vollmer dabei setzt: „Unser Ziel muss es sein, dass die günstigsten und damit wettbewerbsfähigsten Werke in den kommenden Jahren bestmöglich ausgelastet sind“, so Vollmer. „Gemeinsam mit der Konzern-Finanz bewerten wir, was das Beste für den Konzern ist – und zwar losgelöst von den Interessen einzelner Marken.“

Durchschnittskosten pro Fahrzeug im Vergleich

Aktuell gehen die Fabrikkosten pro Fahrzeug bei VW weit auseinander. Grundsätzlich strebe Volkswagen konzernweit an, diese Kosten unter 3000 Euro pro Fahrzeug zu halten. Derzeit liege man in Deutschland jedoch bei ungefähr 4000 Euro, trotz Kostensenkungen von mehr als 20 Prozent im letzten Jahr. Im Vergleich zu anderen Standorten in Ost- oder Südeuropa bleiben deutsche Werke vergleichsweise teuer. Škoda erreicht in den tschechischen Werken bereits die durchschnittlichen Kosten von 3000 Euro, wobei insbesondere der Standort Kvasiny günstig produziert. Dort lägen die Fabrikkosten rund ein Drittel darunter, wie die Automobilwoche berichtet. Nach der Ankündigung des VW-Vorstands zu Sanierungsplänen gab die tschechische Marke daher bekannt, dass sie keine Auswirkungen auf den eigenen Betrieb befürchte. Auch die Werke für Volkswagen im slowakischen Bratislava und für Audi im ungarischen Győr seien eher wettbewerbsfähig.

Mehrere deutsche Werke wurden gezielt für die Produktion von E-Modellen umgerüstet, wobei das Werk in Zwickau als erster großer Volkswagen-Standort ausschließlich Elektroautos fertigt, darunter die ID-Familie und der Audi Q4 e-tron. Zwickau liegt jedoch oberhalb des aktuellen Bundesdurchschnitts von 4000 Euro pro Fahrzeug und ist damit zu teuer, genau wie Hannover, wo der ID. Buzz hergestellt wird. Die Automobilwoche berichtet, dass konzernintern sogar fünfstellige Beträge pro Fahrzeug kursieren. Die Konsequenz dieser Zahlen ist eine Verlagerung der Produktion in kostengünstigere Werke.

Es werde sogar im Konzern darüber diskutiert, weitere Fahrzeuge markenübergreifend zu verlagern, so die Automobilwoche. In Emden werden unter anderem der ID.4 und ID.7 produziert, wobei der Standort als möglicher Kandidat für eine Verlagerung von Produktionskapazitäten nach Tschechien gilt. Der ID.4 beziehungsweise der geplante ID.Tiguan könnte laut Automobilwoche künftig auch im kostengünstigeren Werk von Škoda in Tschechien gefertigt werden.

Während die günstigen Werke von zusätzlichen Aufträgen profitieren, droht den teuren Werken die Schließung, da auch die Produktionskapazität insgesamt sinkt: „Konzernweit richten wir uns künftig auf eine marktgerechte Nachfrage von rund neun Millionen Fahrzeugen pro Jahr ein. Vor der Corona-Pandemie war unsere Produktion auf zwölf Millionen Einheiten ausgelegt“, so Vollmer.

Kooperation statt Schließung?

Schließungen bei Volkswagen sollen, wenn möglich, vermieden werden. Außerdem, so Vollmer, bedeute das Ende der Fahrzeugfertigung nicht automatisch das Aus für einen Standort. In Osnabrück werden beispielsweise Gespräche mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie über neue Nutzungsperspektiven geführt. Des Weiteren sei Vollmer zufolge die Stilllegung einzelner Fertigungslinien in Zwickau sowie Wolfsburg im Gespräch, während Standorte wie die Gläserne Manufaktur in Dresden oder das Audi-Werk in Brüssel von Schließungen oder Umwidmungen betroffen sein könnten. In den letzten beiden Jahren sind vom VW-Konzern bereits weltweit Überkapazitäten von rund zwei Millionen Fahrzeugen abgebaut worden, viele davon in China.

Bei diesen Entscheidungen spielt auch die Politik eine entscheidende Rolle. In der Unternehmensstruktur des VW-Konzerns spielt das Bundesland Niedersachsen traditionell eine entscheidende Rolle, wovon die niedersächsischen Standorte Emden, Hannover und Wolfsburg profitieren. Andere deutsche Werke haben einen deutlich geringeren politischen Rückhalt.

Eine weitere Alternative zu Werkschließungen ist die Co-Produktion mit chinesischen Marken, um Überkapazitäten abzubauen. Dies wird in Europa immer beliebter. Nissan hat einen Deal zur gemeinsamen Nutzung des britischen Werks Sunderland mit Chery, während andere Unternehmen in Gesprächen stecken. Der Konzern Stellantis arbeitet beispielsweise eng mit Leapmotor zusammen und Ford plant, einen Teil seines Werks im spanischen Valencia an Geely zu verkaufen. Auch Volkswagen hat erklärt, offen für eine Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern in Europa zu sein.

Quelle: Automobilwoche – Die neue VW-Logik: Das günstigste Werk bekommt den Zuschlag

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Maria Glaser

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Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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