Sunderland-Deal zwischen Nissan und Chery

Sunderland-Deal zwischen Nissan und Chery
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Maria Glaser
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Nachdem bereits im April bekannt wurde, dass Nissan und Chery eine Zusammenarbeit im britischen Nissan-Werk Sunderland erwägen, wurde der Deal nun konkret. Vor einigen Tagen teilten die Unternehmen mit, dass eine Vereinbarung getroffen wurde. Das MoU (Memorandum of Understanding) betrifft die Möglichkeit einer künftigen Auftragsfertigung von Chery-Fahrzeugen durch den Hersteller Nissan.

Massimiliano Messina, Chairman von Nissan für Regionen wie Europa, erklärte, dass es sich um einen wichtigen Schritt für die Fertigungsaktivitäten von Nissan in Europa handele. Der Pressemitteilung von Nissan zufolge führe man weiterhin Gespräche. Der japanische Hersteller betont, dass die Vereinbarung nicht bindend sei und weitere Details zum jetzigen Zeitpunkt nicht bekannt gegeben werden.

Sicherung von Arbeitsplätzen

Das Werk Sunderland im Norden Englands würde bei der Vereinbarung vollständig im Besitz von Nissan verbleiben, und auch für die Belegschaft vor Ort von knapp 6000 Beschäftigten würde sich am Angestelltenverhältnis für Nissan nichts ändern.

Zugleich gilt der potenzielle Start der gemeinsamen Fahrzeugmontage im Jahr 2027 als ein Versuch, Arbeitsplätze in Großbritanniens größtem Automobilwerk zu sichern, denn der Standort liegt weit unter seiner maximalen Kapazität von etwa 600.000 Fahrzeugen. Im letzten Jahr produzierte Sunderland lediglich zirka 273.000 Fahrzeuge, was einem Rückgang von 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Für Steve Bush, den Landesbeauftragten bei der Gewerkschaft Unite, sei die Zusammenarbeit eine sehr gute Nachricht. Unite vertritt Beschäftigte bei Nissan. Die Kooperation sei nicht nur gut für die Belegschaft in Sunderland, sondern auch für die britische Automobilindustrie im Allgemeinen in einer Zeit der Unsicherheit für die Branche. „Chinesische Fahrzeuge sind auf britischen Straßen zunehmend präsent, daher ist es sinnvoll, dass britische Beschäftigte sie auch hier bauen“, so Bush.

Das chinesische Unternehmen Chery ist teilweise im Besitz des chinesischen Staates und hat in den letzten Monaten unter seinen Marken Chery, Omoda und Jaecoo zahlreiche Fahrzeuge nach Großbritannien gebracht. Der Jaecoo 7, ein in China gebauter Plug-in-Hybrid, war im März das meistverkaufte Modell in Großbritannien. Chery wolle unter die Top 3 der absatzstärksten Autounternehmen in Großbritannien aufsteigen und hat in Liverpool eine Forschungs- und Entwicklungszentrale für Nutzfahrzeuge eröffnet. Bei der Zusammenarbeit mit Nissan würde es sich um die erste Serienproduktion chinesischer Autos in Großbritannien handeln.

Nissan selbst produziert in Sunderland den SUV Qashqai, den Crossover-SUV Juke sowie das Elektroauto Leaf. Der Leaf sowie weitere Modelle sind auf dem deutschen Markt derzeit vonseiten des Herstellers rabattiert, was in Kombination mit der neuen, staatlichen E-Auto-Förderung von bis zu 6000 Euro zu einem hohen Preisnachlass führen kann.

Insgesamt ist Nissan jedoch in Schwierigkeiten und leidet dem britischen Guardian zufolge unter den Turbulenzen der japanischen Muttergesellschaft sowie den niedrigen Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorpandemieniveau. Nissan durchlaufe, so der Guardian, einen schmerzhaften globalen Umstrukturierungsprozess, der auch die Schließung mehrerer Werke in Japan umfasst. Daher musste Nissan im Mai bereits die Produktion in Sunderland auf eine der beiden Fertigungslinien einstampfen. Chery könnte folglich die zweite, nun freie Fertigungslinie besetzen.

Europaweit Kooperationen im Gespräch

Nissan hatte zuvor bereits zwei weitere Werke an Chery verkauft: die Fabrik in Ebro bei Barcelona sowie eine außerhalb von Pretoria in Südafrika. Zudem war Nissan nicht nur mit Chery im Gespräch, sondern habe dem Vorstandsvorsitzenden Ivan Espinosa zufolge im vergangenen Jahr auch die Produktion mit Dongfeng in Erwägung gezogen.

Auch andere europäische Autohersteller arbeiten inzwischen mit chinesischen Herstellern zusammen. Der Konzern Stellantis, zu dem Marken wie Peugeot oder Fiat gehören, arbeitet eng mit Leapmotor zusammen und Ford plant, einen Teil seines Werks im spanischen Valencia an Geely zu verkaufen. Auch Volkswagen hat erklärt, offen für eine Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern zu sein.

Der Sunderland-Deal sei historisch, wie der Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Birmingham, David Bailey, sagt. „Vor zwanzig Jahren versuchten chinesische Marken, auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen“, sagte er. „Jetzt werden sie in Großbritanniens größter Autofabrik Autos bauen. China konkurriert nicht mehr nur mit westlichen Autoherstellern: Es wird Teil der industriellen Basis.“

Quellen: Nissan – Pressemitteilung vom 3. Juni 2026 / The Guardian – Nissan maps out deal to build cars for China’s Chery at its Sunderland plant

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Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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