Die USA tun sich unverändert schwer mit der Elektromobilität. Kein Wunder, dass bei vielen Modellen zurückgerudert wird. Das betrifft auch die beiden Offroader, die Volkswagen unter seiner neuen US-Marke Scout auf den Markt bringen will.
Wer mit einem Scout durch die USA reist, der kann etwas erleben. Zunächst einmal wird man nahezu bei jedem Tankvorgang oder beim Stopp vor dem Diner auf den tollen Ford Bronco angesprochen. Problem: Es ist kein Bronco, sondern eben ein Scout II des Baujahres 1978 in etwas in die Jahre gekommenem Hellblau mit weißem Dach. Produziert wurden die Scout-Modelle ab Anfang der 1960er Jahre vom Landmaschinenhersteller International Harvester, der seine Kunden von Baumfällmaschinen und Mähdreschern nur allzu gerne auch in der Freizeit in einem Geländewagen aus eigener Fertigung gesehen hätte. Optisch sind den Scout I / Scout II die Ähnlichkeiten mit dem allerdings deutlich kleineren Ford Bronco kaum abzusprechen, doch wer genau hinschaut, dürfte die beiden Klettermaxen der 1960er / 1970er Jahre an sich kaum verwechseln.
Volkswagen will nach zahllosen Versuchen endlich auch in den beliebtesten US-Klassen Fuß fassen, doch bisher fehlte hier das rechte Angebot. Und die Verantwortlichen hatten vor Jahren Zweifel daran, dass sich ein Erfolg in Nordamerika mit einem großen Pick-up und einem Geländewagen unter dem Volkswagen-Label einstellen könne. So wurde der vor längerer Zeit an sich für die rustikaleren Škoda-Modelle erworbene Name „Scout“ zur US-Marke umfunktioniert, um an vermeintliche Traditionen anzuknüpfen. Doch die gab es nie wirklich, denn Scout war ein Modellname für den Geländewagen von International Harvester – doch wer erinnert sich daran heute noch?
Zwei Jahre Verzögerung beim Marktstart
Scout Traveler und Terra sollten an sich ab 2026 auf den Markt rollen, doch vor 2028 dürfte kaum eine nennenswerte Zahl von US-Kunden im Nachfahren des International Harvester Scout durch die Vereinigten Staaten cruisen. Scout Traveler, ein mächtiger SUV, und Scout Terra, ein nicht minder beeindruckender Pick-up, sollen sich in die Herzen der US-Kundschaft fahren – beide stattlich dimensioniert, modern und elektrisch angetrieben. Dafür hat sich der Volkswagen Konzern mit Sitz in den Südstaaten der USA eine neue Marke gegönnt – und diese trägt den Namen Scout.
Scott Keogh, Präsident und CEO von Scout Motors: „Die ursprüngliche Kernidee Idee – robuste, vielseitige Fahrzeuge, die sowohl für das Abenteuer im Gelände als auch für die Familie geeignet sind – ist aktueller denn je. Wir könnten nicht stolzer sein, diese ikonische amerikanische Marke wiederzubeleben, Tausende von amerikanischen Arbeitsplätzen zu schaffen und den amerikanischen Einfallsreichtum wieder zum Einsatz zu bringen.“
Die Volkswagen-Verantwortlichen wurmt es seit Jahrzehnten, dass die USA nur sehr mäßig laufen, weil die rechten Modelle fehlen. Gerade in der Klasse der besonders beliebten Fullsize-Pick-ups und Geländewagen haben die Wolfsburger nichts im Angebot, und im US-Werk in Chattanooga / Tennessee läuft kaum mehr als der jüngst überarbeitete Altas vom Band. Doch trotz aller Probleme in China und Europa hält VW an seinen ambitionierten US-Plänen fest. Das Doppelpack, um die Marke stilecht im Markt zu positionieren, trägt die Namen Traveler und Terra, ein SUV und ein Pick-up auf gleicher technischer Basis. Weder Marke noch Modelle sollen SUV- oder Lifestyle-Weichspüler werden, sondern man will selbstbewusst gegen die erste US-Liga mit Modellen wie dem Ford F-150 / Expedition, Chevrolet Silverado / Tahoe, Ram oder Jeep Wagoneer antreten.
Doch kein reiner Elektroantrieb mehr
Anders als ehemals geplant wird das Exil-Doppel unter dem Scout-Label nun doch nicht rein elektrisch antreten, denn die E-Pick-ups und -SUV erfreuen sich in Nordamerika einer unverändert mäßigen Nachfrage. Das Gros des Interesses wird nach wie vor von kraftvollen Benzinern und bisweilen auch Dieseltriebwerken abgedeckt. Daher wird es neben den reinen Elektroversionen von Traveler und Terra mit Reichweiten von über 500 Kilometern auch solche mit einem Range-Extender geben, der den Aktionsradius bis zum nächsten Ladestopp auf mehr als 900 Kilometer ausdehnen kann.
Für den Antrieb beider Fahrzeuge sorgen dabei Elektromotoren, die deutlich mehr als 367 kW / 500 PS und über 1200 Nm Drehmoment leisten sollen. Für schnelle Nachladen sind Scout Traveler und Terra mit einem 800-Volt-Bordnetz ausgestattet, das Ladetempi von bis zu 350 Kilowatt ermöglichen soll.
Dabei lässt Scout keinen Zweifel daran, dass es sich bei beiden Fahrzeugen um echte Offroader für den harten Alltags- und Showeinsatz handelt, die gegen die Konkurrenz wie Tesla Cybertruck, Ford F-150 Lightning oder Rivian R1T und R1S antreten sollen. Beide Modelle bestehen aus einem robusten Leiterrahmen mit entsprechend aufgesetzter Karosserie und Starrachse hinten, um zusammen mit 35-Zoll-Radsatz und über 30 Zentimetern Bodenfreiheit glaubwürdig für entsprechende Offroad-Fähigkeiten einzustehen. Auch bei Anhängelast und Zuladung soll es trotz Elektroantrieb keinerlei Abstriche für die amerikanischen Kunden geben. So kann die Plattform bis zu 4,5 Tonnen an den Haken nehmen, die Zuladung beider Modelle soll über 900 Kilogramm liegen.
Optisch erinnern Scout Traveler und Terra durchaus an jenen allemal charismatischen International Harvester, der als Scout speziell ab den späten 1960er Jahren seine treue Fangemeinde hatte. „Ein Scout-Fahrzeug sollte immer ein hilfreicher Begleiter sein“, sagt Chris Benjamin, Chefdesigner von der neuen Marke Scout Motors. „Es sollte dem Kunden immer ermöglichen, die Dinge zu tun, die er tun möchte und seine Erfahrungen einfacher, besser und schneller machen.“ Aus dem ehemals geplanten Marktstart in 2026 wird es jedoch wohl nichts werden. Nach aktuellem Stand soll die Fertigung der beiden Modelle im dann neu erschaffenen Werk in Blythewood / South Carolina im Jahre 2027 beginnen – hier sollen 4000 neue Arbeitsplätze entstehen. Die Preise starten bei knapp 60.000 US-Dollar.








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