Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat den „Zukunftsplan 2030“ am Donnerstagabend einstimmig gebilligt, nach Angaben des Konzerns nach „intensiven und konstruktiven Beratungen“. Offiziell sollen bis 2030 weltweit 50.000 Stellen wegfallen, gut die Hälfte davon in Deutschland. Ein 23-seitiges Beschlusspapier, das dem Manager Magazin vorliegt, zeichnet allerdings ein deutlich größeres Bild: Demnach ergibt sich unter dem Strich eine Summe von rund 60.000 zusätzlichen Stellen bis 2030, was in der Addition auf bis zu 110.000 wegfallende Arbeitsplätze hinausläuft. Zu dieser Differenz zwischen offizieller Kommunikation und internem Rechenwerk äußerte sich der Konzern zunächst nicht.
Grundlage der höheren Zahl sind zwei Blöcke: 47.200 feste Stellen, die sich auf die einzelnen Markengruppen verteilen, sowie weitere 13.000 Jobs, die aus bislang nicht erreichten Gemeinkostenzielen der Marken resultieren. Auf die von VW Pkw angeführte Markengruppe Core, zu der auch die Nutzfahrzeugsparte, Škoda sowie Seat und Cupra zählen, entfallen davon gut 22.000 Stellen. Die von Audi geführte Gruppe Progressive soll rund 10.000 Jobs streichen, etwa 5000 der Streichungen betreffen konzernweit Managementpositionen. Insgesamt will Volkswagen seine Gemeinkosten um elf Milliarden Euro senken, ein Ziel, das die Markengruppen in ihren bisherigen Planungen noch nicht abbilden.
Auch finanziell hat sich der Vorstand klare Ziele gesetzt. Bis 2030 soll die operative Umsatzrendite auf neun Prozent steigen, im ersten Halbjahr 2026 lag sie bei 3,8 Prozent. Nach Berechnungen der beteiligten Berater von Boston Consulting, Roland Berger und PwC muss der Konzern sein Ergebnis bis 2030 um 31 Milliarden Euro verbessern, um nicht ins Minus zu rutschen. Vorgesehen sind Verbesserungen bei VW um sieben Milliarden Euro, bei der Audi-Gruppe Progressive um sechs Milliarden Euro, bei Porsche um 3,8 Milliarden Euro und beim Lkw-Hersteller Traton um drei Milliarden Euro. Für die eigenständig börsennotierten Töchter Porsche und Traton gelten diese Vorgaben laut Beschlusspapier lediglich als Empfehlung.
Ungeklärt bleibt weiterhin die Zukunft der vier Werke Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm, für die laut Volkswagen „parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft“ werden. Aktuell ist die Fertigung an den Standorten bis Ende 2030 (Emden, Zwickau), 2031 (Hannover) und 2033 (Neckarsulm) gesichert. Eine Anschlussbelegung mit neuen Modellen soll geprüft werden, wenn die Werke ihre Kostenposition um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr senken, exakt jene Summe, die auch als Einsparung im Fall einer Schließung kalkuliert wird. Bis Juni 2027 will der Konzern für seine europäischen Standorte eine tragfähige Produktionsstruktur festlegen. Als mögliches Beispiel für eine alternative Nutzung gilt das kleinere Werk in Osnabrück, wo der israelische Konzern Rafael Systeme zur Flugabwehr fertigen will.
Werke bangen weiter um ihre Zukunft
Auch strukturell bleibt eine Option auf dem Tisch: Der Vorstand könnte die Marke VW Pkw und das Komponentengeschäft in eigenständige Gesellschaften mit jeweils eigenem Aufsichtsrat ausgliedern und über Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge an die Konzernholding anbinden. Aufsichtsrat und Hauptversammlung sollen darüber frühestens 2027 entscheiden, die Arbeitnehmer:innenseite hat eine Zustimmung bereits ausgeschlossen.
Der Aufsichtsrat will zudem seine Zustimmungspflichten künftig auf wesentliche Maßnahmen beschränken und die bisherige Schwelle von 50 Millionen Euro an die übliche Praxis im DAX anpassen. Weitere Punkte des Plans sind ein möglicher Verkauf der Marke Ducati, eine Überprüfung der Beteiligung am chinesischen Batteriezellenhersteller Gotion sowie ein „Leadership Check“ für Führungskräfte ab September.
Vorstandschef Oliver Blume wertete die einstimmige Entscheidung als „starkes Signal für die Zukunft des Volkswagen-Konzerns“ und kündigte Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe für die Konzernmarken an. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch zeigte sich überzeugt, dass der Plan die „dauerhafte Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit“ des Konzerns sichere.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sprach von „wichtigen Signalen“, die von dem Beschluss ausgingen. Betriebsratschefin Daniela Cavallo und IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärten gemeinsam, die Arbeitnehmer:innenseite habe „eine gefährliche Eskalation des Konflikts verhindert und den Weg für tragfähige Lösungen geebnet“. Wolfgang Porsche, einer der Vertreter der Großaktionärsfamilien Porsche und Piëch, brachte es kürzer auf den Punkt: „Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.“
Lange Zeit zum Verschnaufen bleibt dem Gremium nicht. Bereits am 25. September kommt der Aufsichtsrat erneut zusammen, dann steht die Neuaufstellung des Nordamerika-Geschäfts auf der Tagesordnung.
Quelle: Manager-Magazin – 60.000 Stellen weg, Ducati vor Verkauf – das sind die Details der Einigung / Automobilwoche – Volkswagen: Blume setzt im Aufsichtsrat seinen Sanierungsplan durch – 50.000 Jobs fallen weg









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