VW baut Werk Osnabrück zu Rüstungsstandort um

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Volkswagen hat sich mit dem Land Niedersachsen und dem israelischen Investmentfonds Aurelius Capital auf den möglichen Verkauf der Volkswagen Osnabrück GmbH verständigt. Ziel der Transaktion ist es, den Standort langfristig zu sichern. Der Plan sieht vor, dass Aurelius als Mehrheitseigentümer gemeinsam mit dem Land Niedersachsen die Gesellschaft übernimmt. Rund 1400 der aktuell 1800 Beschäftigten sollen laut Betriebsrat perspektivisch in der neuen Gesellschaft weiterarbeiten.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo bezifferte den bereits gesicherten Anteil genauer: „Wir haben einen wichtigen Meilenstein für unsere Kolleginnen und Kollegen in Osnabrück erreicht. Mehr als 1200 Menschen haben jetzt eine Perspektive für ihre berufliche Zukunft am Standort.“ Die Belegschaft habe laut Cavallo in den vergangenen zwei Jahren beharrlich auf dieses Ergebnis hingearbeitet. Ein unterschriebener Vertrag liegt allerdings noch nicht vor, der Abschluss der Transaktion steht laut Volkswagen unter dem Vorbehalt abschließender Vereinbarungen, der Zustimmung der zuständigen Gremien sowie behördlicher Prüfungen.

Katar blockiert ursprüngliches Rafael-Bündnis

Hintergrund der Konstruktion ist der Einfluss von Volkswagens Großaktionär Katar. Der katarische Staatsfonds hält 17 Prozent an Volkswagen und ist mit Israel verfeindet. Ursprünglich wollte der Konzern zusammen mit dem israelischen Rüstungshersteller Rafael Advanced Defense Systems ein Joint Venture für den Standort gründen, Katar blockierte dieses Vorhaben jedoch. Mit dem Einstieg des Landes Niedersachsen als Miteigentümer ergibt sich nun eine für den Großaktionär akzeptable Lösung, wie die Automobilwoche erfuhr. Die Teilverstaatlichung gilt demnach ausdrücklich nicht als Vorbild für andere gefährdete VW-Standorte, es sei eine Lösung für Osnabrück, „nicht mehr, nicht weniger“, heißt es.

Als erstes Ankerprojekt planen Aurelius und das Land Niedersachsen eine Zusammenarbeit mit Rafael. Vorgesehen ist die Fertigung von Systemen und Komponenten für Luftverteidigungssysteme für Deutschland und Europa. Rafael soll dabei technologisches Know-how und langjährige Erfahrung im Bereich moderner Luftverteidigung einbringen, während die Belegschaft in Osnabrück eine zentrale Rolle beim Aufbau der Fertigung und der Industrialisierung übernehmen soll. Die Kooperation soll zugleich den Weg für weitere Partnerschaften und Projekte unter dem Dach des neuen Unternehmens ebnen. Rafael zählt zu den bekanntesten Rüstungsherstellern Israels und produziert unter anderem das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“.

125 Jahre Standortgeschichte vor grundlegendem Wandel

Volkswagen hatte bereits 2024 entschieden, die Autoproduktion in Osnabrück im Sommer 2027 zu beenden. Der Konzern will den Übergang eigenen Angaben zufolge begleiten und dabei industrielle Erfahrung, Entwicklungs- und Industrialisierungskompetenz sowie die bestehende Infrastruktur einbringen. Seit 125 Jahren steht der Standort für industrielle Kompetenz, Flexibilität und die Fähigkeit, spezielle Lösungen umzusetzen. Von einem Kompetenzzentrum für Kleinserien und Sonderfahrzeuge soll sich Osnabrück schrittweise zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen entwickeln, die vorhandenen Fertigungsstrukturen und die hohe Qualifikation der Beschäftigten bilden dafür die Grundlage.

Vorstandschef Oliver Blume erklärte, Volkswagen stehe zu seiner Verantwortung für Osnabrück und gehe mit der Vereinbarung einen wichtigen Schritt hin zu einer neuen industriellen Zukunft des Standorts. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sprach von einer echten industriellen Chance für die Region und verwies zugleich auf die veränderte Sicherheitslage, die mehr eigenständige Fähigkeiten in Europa erfordere. IG-Metall-Chefin und stellvertretende Volkswagen-Aufsichtsratsvorsitzende Christiane Brenner betonte, der Schritt eröffne zwar neue Möglichkeiten, entbinde Volkswagen aber nicht von der Verantwortung, auch für die übrige Belegschaft verlässliche Zukunftsperspektiven zu schaffen.

Quelle: Automobilwoche – VW trennt sich komplett von Osnabrück – Niedersachsen und israelischer Investor übernehmen / Volkswagen – Pressemitteilung

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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