Studie Elektromobilität in Wohnanlagen

Studie Elektromobilität in Wohnanlagen
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 630173708

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 5 min

Elektromobilität ist ein Zukunftsthema – auch für die Wohnungswirtschaft wird es immer relevanter. Um der wachsenden Nachfrage gerecht werden zu können, wird die Bereitstellung von Stellplätzen mit Ladestationen in Wohnanlagen zur wichtigen Aufgabe. Die Studie „Elektromobilität in Wohnanlagen: Umsetzung der Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern“ von EAutoLader (hier als PDF-Dokument) zeigt durch eine repräsentative Umfrage, dass Hausverwaltungen eine unbegründete Skepsis vor der Komplexität dieser Aufgabe haben.

Außerdem zeigt die Studie, dass aktuell noch die Bewohner die Initiative für solche Ladeprojekte starten, und häufig sogar die Konzepte für die Umsetzung erstellen. Es werden zwar auch Elektroplaner und Elektriker hinzu gezogen, in Zukunft sind aber die bevorzugten Ansprechpartner spezialisierte Elektromobilitäsberater.

„Hausverwaltungen, die bereits Ihren Mietern Ladelösungen zur Verfügung gestellt haben, waren erstaunt, wie einfach es war. Viele Hausverwaltungen, die hier jedoch noch unerfahren sind, haben einen großen Respekt vor dem Widerstand der Bewohner und der Komplexität der Aufgabe.“ – Dipl. Ing. Thomas Klug, Gründer von EAutoLader GmbH

Die Verbindung von Elektromobilität und Immobilien ist eine große Aufgabe für die Wohnungswirtschaft. Um den aktuellen Stand der Umsetzung von Ladeinfrastruktur in Wohnanlagen zu untersuchen, wurden mehr als 200 Hausverwaltungen zu diesem Thema befragt. Diese sind überwiegend Mitglieder der großen Verbände der Wohnungswirtschaft (DDIV und VDW). Die Verwaltungen haben mehr als 210.000 Einheiten unter Ihrer Verwaltung (60 Prozent der Teilnehmer betreuen mehr als 50 Objekte).

Die Teilnehmer der Studie kamen aus allen 16 Bundesländern (30 Prozent Bayern, 16 Prozent NRW, 13 Prozent Brandenburg, 11 Prozent Berlin). Die knappe Mehrheit der Hausverwaltungen (58 Prozent) betreuen überwiegend Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG). Der Rest (42 Prozent) betreut mehrheitlich reine Mietshäuser.

78 Prozent der Hausverwaltungen können der Studie zufolge noch fast keine Nachfrage nach Lademöglichkeiten feststellen. Bei 18 Prozent der Verwaltungen haben bereits ein Drittel der Gebäude Bedarf angemeldet. Nur 4 Prozent der Verwaltungen haben in mehr als 50 Prozent Ihren Objekten bereits Nachfrage nach Ladeinfrastruktur. Dies entspricht einer Nachfrage in 7,8 Prozent aller Gebäude.

In mehr als drei Viertel der Objekte (78 Prozent) kommt aktuell die Nachfrage durch die Nutzer, und dies häufiger in WEGs als in Mietswohnungen. In ca. 9 Prozent der Fälle geht die Initiative von externen Beratern aus. 13 Prozent der Hausverwaltungen haben hier selbst die Maßnahme veranlasst. Diese beiden Fälle treffen vor allem für Mietshäuser zu.

Passend hierzu geben 21 Prozent der Verwaltungen an, schon bereits mindestens einmal eine Lademöglichkeit in Ihren Objekten eingebaut zu haben und somit Erfahrung mit diesem Thema haben.

Erfolgreiche Umsetzung

Unterschiedliche Personen unterstützen die Hausverwaltungen bei der Umsetzung der Ladelösungen. Zu ähnlichen Anteilen waren jeweils Elektriker (23,8 Prozent), Elektroplaner (21,4 Prozent) und auch einer der Bewohner selbst (19,0 Prozent) für die Erstellung des Konzeptes verantwortlich. Am häufigsten (26,2 Prozent) wurde das Konzept ohne fremde Hilfe, durch die Hausverwaltung selbst erstellt. Berater für Elektromobilität haben hier bisher nur eine geringe Rolle gespielt (9,5 Prozent).

Bei der Komplexität der Umsetzung gaben 81 Prozent der Befragten an, keine oder nur wenige Schwierigkeiten gehabt zu haben. Für die Projekte, die am besten liefen, hatten etwas überdurchschnittlich die Hausverwaltungen die Konzepte erstellt (dieses Urteil mag allerdings vielleicht daran liegen, dass die Hausverwaltungen selbst befragt wurden). Am schlechtesten schnitten die Projekte ab, bei denen Elektroplaner oder Elektriker selber die Maßnahme planten.

Abgefragt wurde auch die Reaktion der Bewohner des Gebäudes im Zuge der Umsetzung. Es ergab sich ein Wert von 1,51 (1 = Zustimmung, 5 = Widerstand). Bei Mietwohnungen liegt hier der Wert bei 1,26 und in WEG bei etwas schlechteren 1,89.

Geplante Umsetzung

Die Hausverwaltungen, die bis jetzt noch keine Ladeinfrastrukturmaßnahme umgestezt haben, wurden nach deren Erwartungen befragt. Die Reaktion der Bewohner des Gebäudes wird von den Hausverwaltungen deutlich schlechter erwartet. Hier lag der Mittelwert bei 2,66 und somit 1,15 Punkte schlechter als bei den bereits umgesetzten Projekten. Auch hier ist der Wert in den Mietshäusen mit 2,10 deutlich niedriger als in den WEGs mit 3,06.

Auch bei der Komplexität des Projektes ist die Erwartung der Hausverwaltungen ohne Erfahrung negativer als bei den Verwaltungen, die bereits Projekte umgesetzt haben. Hier liegt der Wert bei 3,66 und somit 1,71 Punkte schlechter (1 = einfach, 5 = komplex).

Positiv ist anzumerken, das die in diesem Bereich noch unerfahrenen Hausverwaltungen sich als Partner mehrheitlich (52 Prozent) Elektromobilitätsberater suchen würden. Mit je ca. 22 Prozent wären auch Elektriker und Elektroplaner die gewählten Ansprechpartner.

Die Verwaltungen, die noch keine Ladelösungen in Wohnanlagen eingebaut haben, erwarten somit einen deutlich größeren Widerstand der Bewohner und eine höhere Komplexität der Maßnahme als die Verwaltungen, die bereits so eine Maßnahme umgesetzt haben.

Fazit von EAutoLader

Hausverwaltungen, die Ihre ersten Ladeinfrastrukturprojekte noch umsetzen müssen, haben aktuell großen Respekt vor der Komplexität des Projektes und der Skepsis der Bewohner und hier insbesondere der WEG-Eigentümer. Dies scheint nach den Erfahrungen der Hausverwaltungen, die bereits solche Projekte umgesetzt haben, allerdings unbegründet zu sein.

Wichtig sei es daher, den Hausverwaltungen durch Informationen und Hilfestellungen diese Angst zu nehmen, resümiert EAutoLader. Als Partner für diese Projekte scheinen die Elemtromobilitätsberater in Zukunft eine wichtige Rolle zu spielen. Dies war jedoch in der Vergangenheit nicht so. Hier gibt es somit für diese Berater noch viel Potenzial.

Quelle: EAuto – Lader – Pressemitteilung vom 03.12.2018

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

E-Auto-Boom durch Ölkrise: Wie lange hält das?

E-Auto-Boom durch Ölkrise: Wie lange hält das?

Sebastian Henßler  —  

Steigende Spritpreise durch den Iran-Konflikt beflügeln Europas E-Auto-Markt. Manager sind sich uneinig, ob der Effekt von Dauer ist.

Günstiger E-Auto-Einstieg wird auf dem Gebrauchtmarkt enger

Günstiger E-Auto-Einstieg wird auf dem Gebrauchtmarkt enger

Sebastian Henßler  —  

Spritpreise über zwei Euro je Liter befeuern die Nachfrage nach günstigen Elektro-Gebrauchtwagen – doch das Angebot unter 25.000 Euro schrumpft stark.

BMW iX3 gewinnt Reichweiten-Test in Norwegen

BMW iX3 gewinnt Reichweiten-Test in Norwegen

Daniel Krenzer  —  

Der BMW iX3 gewinnt den norwegischen Reichweiten-Test NAF El Prix 2026. Dahinter gibt es einige positive wie auch negative Überraschungen.

Studie: Biokraftstoffe verschärfen Lebensmittelkrise

Studie: Biokraftstoffe verschärfen Lebensmittelkrise

Daniel Krenzer  —  

Die Nachfrage nach Biokraftstoffen könnte bis 2030 um 70 Prozent steigen. Experten warnen vor steigenden Lebensmittelpreisen.

Förderung und Iran-Krise beflügeln Privatkäufe von E-Autos

Förderung und Iran-Krise beflügeln Privatkäufe von E-Autos

Sebastian Henßler  —  

Im Mai erreichten E-Autos im Privatmarkt einen Anteil von 36,4 Prozent, der höchste Wert des Jahres. Prämie und Spritpreise wirken als doppelter Rückenwind.

Studie: Weiteres Krisenjahr für deutsche Automobilindustrie

Studie: Weiteres Krisenjahr für deutsche Automobilindustrie

Maria Glaser  —  

Turbulenzen auf dem Automobilmarkt belasten deutsche Autohersteller, die im ersten Quartal Verluste von 4 Prozent gemacht haben.

Neue E-Auto-Prämie: Knapp 42.000 Anträge in zwei Wochen

Neue E-Auto-Prämie: Knapp 42.000 Anträge in zwei Wochen

Tobias Stahl  —  

Zwei Wochen nach dem Start der neuen E-Auto-Prämie liegen dem Umweltministerium knapp 42.000 Anträge vor – die überwiegende Mehrheit entfällt auf reine E-Autos.