Lindner will Kaufprämien/ Umweltbonus für E-Autos streichen

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Christian Lindner

Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) gab gegenüber der Welt am Sonntag zu verstehen, dass man den Umweltbonus/ Kaufprämie für Elektroautos und Plug-In-Hybride (PHEV) streichen wolle. Dabei betont der FDP-Chef, dass er die Streichung der Förderung in der Tat auch für reine E-Autos als notwendig sehe.

Im Koalitionsvertrag haben SPD, die Grünen und die FDP vereinbart, dass die Subvention auf den Kaufpreis von E-Autos und Plug-in-Hybriden bis 2025 auslaufen und bis dahin schrittweise sinken soll. So sieht es auch ein aktueller Entwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium für die Überarbeitung des Umweltbonus vor, wonach zum Beispiel die Förderung von Plug-in-Hybriden ab 2023 eingestellt werden soll. Eine Entscheidung darüber steht in den kommenden Monaten an.

Bereits Mitte Juni äußert sich Christian Lindner von der FDP wie folgt hierzu: „Wir können uns fehlgeleitete Subventionen schlicht nicht mehr leisten. Wenn es nach mir geht, werden zum Beispiel die Kaufprämien für Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride gestrichen. Die Autos werden bisher über die Lebensdauer teils mit bis zu 20.000 Euro subventioniert, auch für Top-Verdiener. Das ist zu viel. Da können wir Milliarden sparen, die wir sinnvoller einsetzen können.“

Als Bundesfinanzminister wolle er den Blick auf die in der Corona-Pandemie ausgesetzte Schuldenbremse 2023 wieder schärfen. Dieses Vorhaben wolle er priorisieren. Dabei sei geplant, dass bis Anfang Juli das Kabinett den Haushaltsentwurf beschließen wolle.

Die nach wie vor bestehende Unklarheit bei der Förderung von E-Fahrzeugen über den 31.12.2022 hinaus verunsichert potenzielle Kunden. Das zeigen die Ergebnisse einer Umfrage, die der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) unter Autohäusern in Deutschland durchgeführt hat.

Der ADAC schlägt in die gleiche Kerbe und fordert von der Bundesregierung Planungssicherheit. „Viele Verbraucher haben sich vor dem Hintergrund der Förderung bereits ein E-Fahrzeug bestellt. Bei den meisten Modellen reichen die Lieferzeiten weit in das nächste Jahr hinein, so dass für sie die geplante Förderung des Staates zu entfallen droht. Bisher gab es keinerlei Hinweise dafür, dass die Bundesregierung die Zuschüsse für rein batterieelektrische neue Pkw ab nächstem Jahr komplett einstellen will“, so Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand. Aus seiner Sicht sei der Vorschlag Lindners angesichts der politisch geschaffenen Erwartungshaltung so nicht hinnehmbar.

Die Äußerungen Lindners kommen dabei nicht gänzlich überraschend. Ende Mai sagte er beim «Wirtschaftstag» des Wirtschaftsrats der CDU in Berlin, der Staat müsse sich nicht nur die „Sucht nach neuen Schulden“ abgewöhnen. „Wir müssen uns auch die Sucht nach immer neuen Subventionen abgewöhnen“, so Lindner.

Zumindest kann man ihm in den Punkten seiner Argumentation zustimmen, dass Automobilhersteller Milliardengewinne machen und Elektroautos nicht lieferbar sin. „Trotzdem gibt es obendrauf noch Kaufprämien“, so der Bundesfinanzminister .

Quelle: Zeit.de – Lindner will Kaufprämien für Elektroautos streichen

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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David:

Du musst für die 0,25-1% vielleicht mit drei Monaten Fahrtenbuch etwas nachweisen, weil du da schon mal aufgefallen bist. Ansonsten reicht eine Aufstellung am Jahresanfang, welche Fahrten wohin vermutlich regelmäßig stattfinden. Und das muss nicht einmal praktisch passieren, besonders nicht in der Corona-Zeit.

David:

Du scheinst dich auch im Steuerrecht gar nicht auszukennen. Beides gibt es schon.

Das Fahrtenbuch zur Dokumentation ist bei Individualbesteuerung vorgeschrieben. Ebenso gelten die üblichen Strafen bei Manipulation. Nur wird fast immer die pauschale Versteuerung vorgezogen, die für den Nutzer meistens teurer ist, dafür bequemer. Vor allem wäre die Individualbesteuerung aber für den Staat teurer: denn er bräuchte den Personalkörper zur Prüfung und es würden ihm signifikant Einnahmen entgehen. Bei Dienstwagen gibt es eine Angemessenheit, da kann sich also nicht jeder Kleinunternehmer einen Porsche vor die Tür stellen.

Axel P.:

Da kenne sich noch einer bei der Klientelpartei FDP aus: noch kurz vor der NRW-Wahl hat unser Bundesverkehrsminister (FDP) für eine Verlängerung und gleichzeitige Anhebung des Umweltbonus plädiert! Wahrscheinlich, um noch ein paar Wählerstimmen einzufangen, was aber Gott sei Dank nicht so funktioniert hat, weil dieses Manöver dem Wähler wohl zu durchsichtig war.

Wolfbrecht Gösebert:

„… dann auch sofort die Subventionen auf Museen usw streichen“

Dir ist vermutlich nicht so klar, dass in Museen nicht nur alte Autos stehen???

Olli:

Im Grunde hat unsere E-Autoförderung vor allem dafür gesorgt, dass unsere europäischen Nachbarn mit günstigen, fast neuen E-Gebrauchtwagen ausgestattet wurden. Die absurden Leasing-Angebote á la „für 100€/Monat und ohne Anzahlung oder Schlussrate ein Mittelklasse-BEV fahren“ sind uns Steuerzahlern teuer zu stehen gekommen.

Norbert Seebach:

Na toll! Mit den eingesparten Milliarden ließen sich bestimmt noch ein paar Tankrabatte finanzieren – oder halt ein anderes Schwachsinns- Projekt für das eine Prozent der Bevölkerung, für das die FDP Politik macht!

Jan:

Nein. Meine private Situation ist zur Zeit so, dass ich das verschoben habe, was ich eigentlich vorhatte. Vor Oktober schaffe ich es aber noch. Danke der Nachfrage.

KaiGo:

Kam von seinem Kollegen aus der FDP nicht zuletzt sogar der Vorschlag das ganze zu verlängern? Ich habe das Gefühl der gute Herr Lindner irrlichtert gerade verzweifelt durch die Gegend weil seine Partei bei der letzten Landtagswahl abgekackt ist und die Grünen zu sehr auf der Erfolgswelle schwimmen. Dazu ist sein Tankrabatt mehr als ins Leere gelaufen. Die Steuerrabatte wurden nicht mal annähernd 1:1 weitergegeben. Aber unter Garantie werden die zum 1. September wieder 1:1 drauf geschlagen, sodass der Sprit teurer ist wie vorher. Läuft nicht für Herrn Lindner und seine Partei. Wundert mich, dass er nicht doch die Abschaffung der EEG Umlage wieder stoppen will.

Förderung für PHEV sollte definitiv auslaufen. Aber für E-Autos wohl noch zu früh. Davon ab, dass viele mit der Prämie geplant haben, aber ihr Auto frühestens nächstes Jahr bekommen. Eine Überarbeitung sollte aber sein, dass das Auto mindestens mal 12 Monate gehalten werden muss, um den Beschiss mit der Prämie zu stoppen.

Raymond:

Haben Sie soeben Ihren BEV bestellt?

Raymond:

Ach ja, und dann auch sofort die Subventionen auf Museen usw streichen. :-(

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