ABB-Manager: „An Elektromobilität führt kein Weg vorbei“

ABB-Manager: „An Elektromobilität führt kein Weg vorbei“
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 691153177

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Der Technologiekonzern ABB gehört bei Wallboxen und Schnellladestationen für Elektroautos zu den Weltmarktführern. Frank Mühlon, der bei dem Unternehmen die weltweiten Geschäfte bei der Ladeinfrastruktur verantwortet, sprach in einem Interview mit der Autogazette über das Engagement von ABB in der Formel E, den Ausbau des Ladenetzes und darüber, was die Autohersteller bei Elektroautos besser machen könnten.

Wir sind in die Formel E eingestiegen, weil wir uns der Elektromobilität sehr verbunden fühlen“, sagt Mühlon zu Beginn des Gesprächs. Es sei bei der Formel E gut zu beobachten, dass „Elektromobilität für Emotionen sorgt“. Auch bei den Mitarbeitern von ABB habe sich dadurch eine kleine Veränderung ergeben: „Wir stellen fest, dass wir bei der der ABB immer mehr Mitarbeiter für das Thema begeistern.“

Mühlon spricht sich in dem Interview dafür aus, den Energiemix möglichst schnell möglichst nachhaltig zu gestalten, nur dann sei der CO2-Ausstoß von Elektroautos deutlich niedriger als von Verbrennern und die Maßnahme der EU, CO2-Limits von Fahrzeugen immer niedriger zu setzen, wirklich wirksam: „Wir brauchen die Fahrzeuge, die Infrastruktur, eine Stabilisierung der Grids und ich brauche erneuerbare Energien als Basis.“

Bei den Stromnetzen sieht Mühlon, wie etliche andere Energieexperten auch, kein Problem damit, dass es immer mehr Elektroautos gibt: Sollten in Deutschland „zu 100 Prozent Elektrofahrzeuge unterwegs sein, bräuchten wir nur zehn Prozent mehr Energie als wir jetzt haben“. Das sei problemlos zu schaffen. Etwas anderes sei für die flächendeckende Einführung von Elektroautos dringlicher: das gesteuerte Laden, um Lastspitzen zu vermeiden. „Wenn jeder sein E-Auto zeitgleich lädt, haben wir ein Problem, aber da sind wir beim intelligenten Laden – und mit dem kann man das Problem in den Griff bekommen“, so der Manager.

In Sachen öffentlicher Ladeinfrastruktur sei es „schwer, ein Geschäftsmodell zu entwickeln“, findet Mühlon. Bei „Schnellladestationen mit einem geringen Nutzungsgrad“, die nur von wenigen Fahrzeugen angefahren werden, dauere die Amortisation sehr lange. Von daher sei es „gut, was Ionity gerade im High-Power Bereich macht“. Das Unternehmen baut europaweit entlang der wichtigsten Autobahnen an gut 400 attraktiven Standorten Schnellladestationen mit bis zu 350 kW Ladeleistung auf. Fahrzeuge, die dieses Potenzial nutzen können (der Porsche Taycan wird das erste Auto sein, welches dies auch kann), laden an so einer Station innerhalb von zehn bis 15 Minuten ausreichend Strom für die nächsten gut 300 bis 400 Kilometer.

„Es gibt keinen Weg zurück mehr“

Damit eine Infrastruktur entsteht, die den künftigen Anforderungen des Marktes genügen kann, seien „alle Parteien von der Politik über die Hersteller bis hin zu den Energieversorgern gefragt. Nur durch eine konzertierte Aktion kommen wir voran“, sagt Mühlon. Es sei nicht sinnvoll, „dass ein einziger Hersteller, siehe Tesla, seine eigene Ladeinfrastruktur aufbaut.“ Für Tesla als Pionier war das zwar „nötig, aber in der Breite ist das nicht skalierbar.“ Das Betreiben von Ladestationen sei „ein Geschäftsmodell – und es muss sich Tragen. Nur damit kommt man zu einem Hochlauf.

Von den Autoherstellern zeigt sich Mühlon etwas enttäuscht, „die Modelle bleiben noch deutlich hinter den Erwartungen zurück“, sagte er der Autogazette. „Dass es keinen Weg mehr zurück gibt, kein Weg mehr an der Elektromobilität vorbeiführt, das ist noch nicht in allen Köpfen angekommen“, findet er. Die Ankündigungen von Volkswagen etwa fand er „recht vollmundig, doch das erste Modell kommt nun erst Mitte 2020. Da klemmt es noch an ein paar Stellen.“

Quelle: Autogazette – „Nur durch konzertierte Aktion kommen wir voran“

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Deutschlands Zulieferer verlieren weiter gegen Konkurrenz aus China

Deutschlands Zulieferer verlieren weiter gegen Konkurrenz aus China

Michael Neißendorfer  —  

Die deutschen Automobilzulieferer stecken tiefer in der Krise als bislang vielen bewusst war. Wie es wieder Aufwärts gehen kann.

China-Druck bringt VDA zum Umdenken

China-Druck bringt VDA zum Umdenken

Arun Niemann  —  

Chinesische Hersteller setzen Europas Autobauer zunehmend unter Druck. Jetzt prüft auch der VDA, ob sein bisheriger Freihandelskurs noch trägt.

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

T&E-Chef Bock: Krise der deutschen Autoindustrie ist hausgemacht

Tobias Stahl  —  

Nicht die Belegschaft und auch nicht die EU-Vorgaben sind Schuld an der Misere der europäischen Autoindustrie, meint T&E-Chef Bock – sondern die Chefetagen.

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Schaeffler kappt E-Auto-Ziele nach US-Förderstopp

Sebastian Henßler  —  

Schaeffler senkt seine Umsatzziele bis 2028 deutlich, weil der Wegfall der E-Auto-Förderung in den USA das Geschäft rund um Vitesco stärker bremst als erwartet.

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Batterieabhängigkeit kostet Europa bis 150 Milliarden Euro

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Deloitte-Studie zeigt, dass Europas Automobilindustrie bis 2030 bis zu 150 Milliarden Euro an Wertschöpfung verlieren könnte.

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Hankooks Reifen der Zukunft: luftlos, farbig, abbaubar

Sebastian Henßler  —  

Luftlos, transparent, biologisch abbaubar: Hankooks Konzeptreifen bricht mit allen Konventionen. Was heute schon geht und was fehlt, bis er serienreif ist.

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Automobilindustrie vor Tabubruch: Müssen deutsche Werke bald China-Autos bauen?

Daniel Krenzer  —  

VDA-Präsidentin Hildegard Müller warnt vor gefährdeten Werken in Deutschland. Kooperationen mit chinesischen Herstellern könnten helfen, Jobs zu sichern.