Wie Software Autoherstellern die Tür zu neuen Business-Modellen öffnet

Volkswagen-Elektroauto-Software

Copyright Abbildung(en): Volkswagen

Die Marke Volkswagen steckt im tiefgreifendsten Wandel ihrer Geschichte. Nach der E-Mobilität wird nun die Software zum zweiten großen Gamechanger. Entwicklungsvorstand Thomas Ulbrich und Vertriebsvorstand Klaus Zellmer haben in einem von VW selbst veröffentlichten Interview erklärt, wie diese Transformation gelingen soll.

Volkswagen baue parallel zu einer Elektroauto-Familie ID die Software zur Kernkompetenz aus, da digitale Stärken „zu einem immer wichtigeren Kaufargument“ werden, wie Vertriebsvorstand Zellmer erklärt. Wer als Automobilhersteller nicht die gleiche digitale Vernetzung wie die Consumer-Elektronik biete, habe „eigentlich schon verloren“. VW habe in den letzten Jahren gezeigt, dass sich „die E-Mobilität aus der Nische ins Volumen“ gemausert hat, wie Entwicklungsvorstand Ulbrich erklärt. „Ein noch herausfordernderer Prozess liegt bei der weiteren Digitalisierung unserer Fahrzeuge vor uns. Das ist kein Sprint, sondern ein anspruchsvoller Marathon“, so VWs Chefentwickler.

Hinzu kommen immer mehr Herausforderer wie Tesla und große Tech-Konzerne als neue Konkurrenten der etablierten Autohersteller. Letztere bleiben allerdings nicht untätig, wie Ulbrich erklärt. VW sei „bereits auf dem Weg vom Hardware-Unternehmen zum integrierten Anbieter von Hardware, Software und Mobilitätsservices“. Dabei helfe auch die enge Zusammenarbeit mit Volkswagens neuen Software-Einheit CARIAD, „die uns schneller macht und die Inhouse-Kompetenz drastisch erhöht“, so Ulbrich. Volkswagen wolle sich aber auch „nicht in einen reinen Tech-Riesen verwandeln. Das wäre nicht gut“. Das Ziel sei vielmehr, das Beste aus zwei Welten zu verbinden: „sichere automobile Hardware und progressive Software-Lösungen.

„Wir werden den Markt massiv verändern“

Außerdem hinke der Vergleich mit den neuen Wettbewerbern, wie Zellmer sagt: „Unternehmen wie Tesla haben ihr Geschäft quasi auf der grünen Wiese begonnen“, und haben damit komplett andere Voraussetzungen. Volkswagen als Volumenhersteller wiederum habe andere Stärken und könne zum Beispiel dank hoher Stückzahlen „konzernweit enorme Kostenvorteile erzielen“. Allein die Marke Volkswagen verkaufe jährlich rund 6 Millionen Autos. „Dieses enorme Portfolio werden wir in den kommenden fünf bis acht Jahren in der Elektronik umstellen und den Markt damit massiv verändern“, so Volkswagens Vertriebsvorstand.

VWs neue Elektronik-Architektur bestehe aus zunächst zwei vernetzten Hochleistungsrechnern, wie Chefentwickler Ulbrich erklärt: Diese beiden Rechner übernehmen Funktionen, die in anderen Fahrzeugen auf viele Steuergeräte verteilt seien, was die VW-Plattform „leistungsfähiger und cleverer“ mache. Die neue Architektur ermögliche etwa erstmals bei Volkswagen weitreichende Over-the-Air-Updates. Zellmer ergänzt, dass Kunden auf diese Weise „die Software ihrer Fahrzeuge auf dem aktuellen Stand halten und sogar völlig neue Funktionen an Bord holen“ können. Beim Smartphone oder bei anderen Herstellern wie Tesla ist das schon Alltag und auch im Auto generell „werden Over-the-Air-Updates die neue Normalität sein“, so Zellmer.

VW wolle bei alldem „ein Höchstmaß an Sicherheit“ bieten, da es „schließlich etwas völlig anderes ist, ob man ein Update auf ein Smartphone oder ein Auto schickt. Geht das Smartphone-Update schief, kann man im schlimmsten Fall nicht mehr telefonieren. Im Auto hingegen darf nichts schiefgehen, es muss perfekt bremsen, lenken und blinken“.

Der nächste Meilenstein, bzw. wie Ulbricht sagt ein „Kristallisationspunkt des Wandels“, werde 2026 der Trinity sein,ein vollkommen neues Hightech-Elektrofahrzeug. Es wird hohe Reichweiten, schnelles Aufladen und einen extrem hohen Grad an Digitalisierung bieten“, verspricht Volkswagens Entwicklungsvorstand. Den Grundstein dafür lege die bereits erwähnte Software-Architektur, die sich permanent weiterentwickeln werde.

„Wir rechnen mit zusätzlichen jährlichen Erlösen im dreistelligen Millionenbereich“

Intelligente Software öffne auch die Tür zu neuen Business-Modellen, so Vertriebsvorstand Zellmer: „Künftig werden immer mehr Menschen ein Auto für spezielle Anlässe buchen – für den Wochenendausflug, den Möbeltransport oder zum Campen“. Beim Autowechsel werde es „selbstverständlich sein, individuelle Einstellungen mitzunehmen – etwa die individuelle Sitzeinstellung oder die persönliche Lieblingsmusik“, sagt er über das Autofahren in der Zukunft.

Manche Software-Funktionen könnten zum Beispiel nur dann gebucht werden, wenn sie tatsächlich gebraucht werden, wie etwa ein Fahrassistent für die lange Strecke in den Urlaub. Für VW als Unternehmen bieten diese Functions on Demand „ein enormes Wertschöpfungspotenzial“, so Zellmer. Der Hersteller rechne „mit zusätzlichen jährlichen Erlösen im dreistelligen Millionenbereich“.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 21.06.2021

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Newsletter

Erhalte jeden Montag, Mittwoch und Freitag aktuelle Themen wie „Wie Software Autoherstellern die Tür zu neuen Business-Modellen öffnet“ sowie die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.
Ja, ich möchte den gratis E-Mail-Newsletter von Elektroauto-News.net abonnieren. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Die Einwilligung zum Versand des Newsletters kann jederzeit widerrufen werden. Hierzu reicht es auf den Abmeldelink zu klicken, welcher sich in jedem Newsletter befindet.

Fakten & MeinungenDiskutiere mit der E-Community

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
3 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments

Gut für die Hersteller, schlecht für die Kunden.

Ich sehe schon meinen Hintern abfrieren, weil am Abend vorher das 3-Monats-Paket für die Sitzheizung abgelaufen ist.

Vielleicht sollte VW erst einmal den Abgasskandal in den USA vor dem Supreme Court zu einem guten Ende bringen, dann wird man sehen, wieviel Geld noch übrig ist, um die 10.000 Softwareingenieure zu bezahlen, die angeblich den Vorsprung der „Mitbewerber“ egalisieren sollen – blöd nur, daß man vertane Zeit nicht kaufen kann – alte Sünden einen aber immer wieder einzuholen scheinen 😉

Meine Güte, sind die aus der Zeit gefallen? Zuallererst sollten sie sich mal Gedanken machen all die ID.x Autos mit Hardware auszurüsten die nicht bei Software Updates notabene in der Werkstatt! abrauchen!

Von welcher Kompetenz schwurbeln die da? Ausser das sie imstande sind Bleche anständig zusammenzuschweissen? Ich fasse es nicht welche Arroganz aus deren Statements einem da entgegenschlägt!
Zitat aus dieser Botschaft:

„Allein die Marke Volkswagen verkaufe jährlich rund 6 Millionen Autos. „Dieses enorme Portfolio werden wir in den kommenden fünf bis acht Jahren in der Elektronik umstellen und den Markt damit massiv verändern“, so Volkswagen“

Wieso soll das ein Vorteil sein? Das waren alles Verbrenner. Das ist alles Vergangenheit! Wieder einmal wollen sie diejenigen sein die „den Markt massiv verändern“ ?
Der Markt ist gerade jetzt dabei sich massiv zu verändern! Nicht erst 2026! Wenn das die Strategie von VW sein soll, dann gute Nacht.

Diese News könnten dich auch interessieren:

VW Konzern äußert Wünsche an nächste Bundesregierung – Fokus auf E-Mobilität
Ist der Elektro-Porsche 718 jetzt fix?
Mercedes-Benz beteiligt sich an ACC und baut europäischen Batterie-Giganten aus
3
0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).