EU-Kommissar Breton stellt Verbrenner-Aus infrage

EU-Kommissar Breton stellt Verbrenner-Aus infrage

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Der EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton sagte eine Woche nach dem Beschluss zum EU-weiten Verbrenner-Neuzulassungsverbot ab 2035, dass er dieses Ziel zwar unterstützt – er warnt aber davor, dass die Automobilindustrie Schwierigkeiten bekommen wird, es auch zu erreichen. Die „gigantische Umstellung eines gesamten Industriesektors“ werde viele Herausforderungen mit sich bringen. Der EU-Binnenmarktkommissar wiederholt dabei viele Bedenken, die so oder so ähnlich schon seit vielen Jahren als Negativ-Argumente gegen die Elektromobilität aufgeführt werden.

Breton sagt etwa, dass europaweit gut 600.000 von aktuell 13 Millionen Arbeitsplätzen wegfallen könnten. „Wir sprechen nicht nur über die großen Automobilhersteller – die es sicherlich schaffen werden –, sondern wir sprechen über das gesamte Ökosystem“, etwa auch die Zulieferer. Ein Scheitern der Antriebswende bringe erhebliche Risiken mit sich. Sollte sich abzeichnen, dass der konsequente E-Weg ein Irrtum war, müsse die EU ihr Ausstiegsdatum „ohne Tabus“ neu definieren.

Außerdem seien für den Umstieg auf die Elektromobilität Unmengen an Rohstoffen notwendig: „Wir werden bis 2030 15-mal mehr Lithium benötigen, viermal mehr Kobalt, viermal mehr Graphit, dreimal mehr Nickel“, sagte Breton. „Wir werden also einen enormen Rohstoffverbrauch haben, und wir müssen all dies untersuchen“, sagte er. Auch beim Thema Ladeinfrastruktur sieht Breton Nachholbedarf: „Bis 2030 wollen wir 30 Millionen Elektrofahrzeuge auf Europas Straßen haben. Das heißt, wir brauchen rund sieben Millionen Ladestationen. Aber heute haben wir nur 350.000, davon 70 Prozent in nur drei Ländern – Frankreich, Deutschland und den Niederlanden.“

Viele Hersteller schon 2035 ohne Verbrenner im Portfolio

Allesamt Baustellen, die von der gesamten Automobilindustrie sowie den Energieversorgern bereits angegangen werden. Wenngleich etwas zu zaghaft, wie viele Branchenkenner anmerken. Was Breton allerdings nicht beachtet ist die Tatsache, dass etliche Autohersteller teils schon weit vor 2035 den Verkauf von Verbrennerfahrzeugen komplett einstellen wollen, darunter viele Marken des Stellantis-Konzerns wie etwa Opel (ab 2028), Fiat, Ford, Mercedes-Benz, Mini und Volvo ab 2030, VW und Audi spätestens ab 2033.

Verbrenner dürften also schon weit vor 2035 ohnehin bereits zur Minderheit bei den Neufahrzeugen gehören. Und die EU wäre schon jetzt gefordert, diese Transformation aktiv zu begleiten und zu gestalten, als wie nun in Form von Breton mahnend den Finger zu heben und eine Kehrtwende in Betracht zu ziehen.

In einer Sache allerdings darf man Breton wohl recht geben: Die Hersteller sollten auch nach dem Verkaufsverbot in der EU Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in Europa produzieren und in andere Märkte exportieren können. „Nach dem Verbrenner-Aus im Jahr 2035 muss die europäische Autoindustrie in der Lage sein, technisch hochwertige und saubere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in die Märkte in Asien, insbesondere nach China, aber auch nach Lateinamerika und Afrika zu verkaufen“, sagte Breton. „Europa ist keine Insel, die Hersteller haben allen Grund, weiter zu investieren in die Forschung und Verbesserung der bewährten Technologie des Verbrennungsmotors.“

Und hier kommen auch die viel diskutierten E-Fuels wieder ins Spiel. Denn mit diesem Treibstoff könnten auch Verbrenner klimaneutral betrieben werden – vorausgesetzt, der Kraftstoff wird ausschließlich unter Einsatz CO2-freier Energieerzeugung hergestellt. Eine weitere Baustelle, die dringend angegangen werden muss, soll die Pkw-Mobilität weltweit klimaneutral werden.

Quelle: Politico – Top EU commissioner calls for ‘no taboos’ review of 2035 car ban / Heise – Verbrenner-Ausstieg: EU-Kommissar Breton fürchtet um die Autoindustrie

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Ewig gestriges Gelaber inkl. Green-Framing: „technisch hochwertige und saubere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor“
So etwas gibt es nicht, insbesondere außerhalb des Thermofensters. Bis 2035 ist der Verbrenner so irrelevant wie heute die Glühbirne.
Die „Unmengen an Rohstoff“ die bei Verbrennern auf Nimmerwiedersehen in den Tank gekippt werden, bleiben wie immer unerwähnt

Sorry aber Breton ist dafür bekannt das er Verbindungen zur Auto und Treibstoff Lobby hat also wen wundert es dann das er nachtritt…
Viel wichtiger finde ich immer noch das man der Industrie 10 Jahre lang keine Vorgaben gemacht hat und in wenigen Jahren werden alle schreien wer dafür Verantwortlich war das wir Wüstenbildung in Europa nicht verhindert haben…

Ich gehe davon aus, dass der Klimawandel in den nächsten Jahren derart hohe Schäden und damit auch sehr hohe Kosten für die Industrie und den Bürger verursacht, so dass wohl in einigen Jahren keiner mehr für Verbrennerfahrzeuge einsetzt – ausser den bezahlten Mietmäuler der Fosil-Industrie und all jenen Leuten, die in der gesamten EU die Demokratien durch Diktaturen ersetzen wollen.

Nur ein großer Vulkanausbruch könnte uns durch eine Verdunklung des Himmels einen „ganzjährigen Winter“ bescheren, der die Temperaturen senkt und das weitere Abschmelzen des Eises an Nord- und Südpol verhindert. Allerdings gebe es dann eine weltweite Hungersnot mit vermutlich 1 Milliarde Toten.

Da wäre es besser und viel günstiger schon vor 2030 ein Verbrennerverbot einzuführen. Die Industrie kann auch ohne Verbrenner fette Gewinne machen und die Aktionäre gute Renditen erzielen. Das große Problem sind die alte Verbrennerstrukturen und die Konzerne dahinter, die am alten Geschäftsmodell mit aller Gewalt festhalten wollen – sprich durch Bestechung, offiziell Spenden und Lobbyarbeit genannt

Durch E-Autos geht unterm Strich auch kein einziger Arbeitsplatz verloren, wie die Experten ermittelt haben, sondern sie werden nur in andere Bereiche verlagert. Durch die Energiewende und den verstärkten Ausbau von PV, Windrädern, Wärmedämmung, Wärmepumpe, Heimspeicher usw. würden in den nächsten Jahrzehnten viele zusätzliche Arbeitsplätze zusätzlich entstehen.

Ich glaube ich investiere mal in Pferde! Die kommen bestimmt zurück und es hat ja auch funktioniert:-)

Mit veralteter Technologie werden wir weder unseren Wohlstand retten, noch die absolut notwendigen Klimaziele erreichen können.
und ja, der Wandel wird sehr weh tun.

600.000 Arbeitsplätze könnten wegfallen…
Also hier in Österreich jammern praktisch alle Branchen, dass sie kein Personal finden („Babyboomer“ gehen in Pension, zuwenige Junge rücken nach). Da wäre es doch eine win-win-Situation, wenn die Autobauer nicht mehr soviele Arbeitsplätze anbieten und somit Arbeitskräfte in anderen Branchen eingesetzt werden können!

Ich kann dieses elende e-Fuel Gelaber nicht mehr hören. Die Elektromobilität anzweifeln die längst angekommen ist, dass können diese superschlauen Strategen. Aber dafür einen Kraftstoff fördern wollen, der schon im Ansatz vollkommen jenseits jeder Vernunft angesiedelt ist, dass will man anstelle den Leuten als Alternative verkaufen.

Die Tatsache dass es niemals genügend überzähligen Grünstrom dafür geben wird ignoriert man grosszügig und faselt etwas von Produktionen in „geeigneten“ Ländern. Als ob man dort nicht wennschon besser Wasserstoff produzieren würde.

Auch die entscheidende Tatsache, dass so produzierter Kraftstoff gar nicht ohne aufwändige Anpassungen in modernen Motoren eingesetzt werden kann wird elegant unter den Teppich gekehrt.

Genauso viel die französische Regierung beim nox-Skandal schützend die Hand über ihre Konzerne gehalten hat läuft es jetzt wieder bei dem Ende Verbrenner-Motoren.
Renault ist betriebswirtschaftlich am Ende und hat keine Chance, die BEW-Welle zu wuppen und dann muss Fronkraich eben auf die Bremse treten.
Die deutschen OEM scheinen das ganz gut in den Griff zu kriegen …

Jetzt fehlt nur noch, dass die BEV-Einführung und das Verbrenner-Ende von französischen Hufeisenvertretern als deutsches Diktat verkauft wird.
Ach .. kommt sicher .. Front National und Melenchon scharren schon mit den Hufen.

Thierry Breton ist zwar kein französischer Regierungspolitiker aber offenkundig deren Sprechpuppe.

Wir werden bis 2030 15-mal mehr Lithium benötigen, viermal mehr Kobalt, viermal mehr Graphit, dreimal mehr Nickel“, sagte Breton. 

Was ein Gelaber.

Mehr Lithium:

  1. je mehr Anwendungen auf Alternativen wie Natrium-Ionen umgestellt werden, umso geringer ist der zusätzliche Bedarf. Die Technologie wird sich abseits von PKW in den nächsten Jahren etablieren und dort die teuren LI-Batterien irgendwann verdrängen.
  2. weitere Lithium-Quellen stehen vor der Industralisierung, z.B. im Rheingraben – auch wenn man sorgfältig untersuchen muss, wo man das genau durchführen kann und wo nicht.

Mehr Kobalt:
Das Zeug muss bis dahin eh aus den Batterien raus oder zumindest noch deutlich weiter reduziert werden. Das hat schon angefangen, und weitere Möglichkeiten dazu gibt es genügend, die zum Teil noch weitere Verbesserungen erfahren werden (LPF). Abgesehen davon gilt, was oben zu Natrium-Ionen schon gesagt wurde: in verschiedenen Bereichen wird der Bedarf sinken und Kapazitäten frei werden, die aktuell noch eingeplant sind.

Mehr Graphit:
Wird auch in vielen anderen Bereichen verwendet, ein 4-fach höherer Bedarf bei BEV bedeutet kein 4-fach höheren Gesamtbedarf. Außerdem

  • kommt es häufig vor, auch dort, wo es aktuell noch nicht gefördert wird (Kanada z.B.). Damit könnten chinesische Exporte zumindest ergänzt werden.
  • könnte es recycled werden (was man meistens nicht macht, es gibt noch zu viel zu billig (billig ist es nicht, aber zu billig dafür – das könnte sich bei steigendem Preis ändern)
  • kann es synthetisch hergestellt werden (was man aber auch wenig macht, weil… siehe oben).
  • In Natrium-Ionen Batterien kommt kein Graphit… sowas aber auch. ;-)

Mehr Nickel:
Davon kommen nur 5% aus China, und 10% aus Russland. Die anderen Quellen sind nach wie vor zugänglich. Das ändert natürlich nichts daran, dass das Zeug ganz schön teuer ist.
Das wäre der einzige Punkt, der hier tatsächlich Sinn ergibt. Außer natürlich, man schafft es mit der Natrium-Ionen Batterie, zumindest die Massenfahrzeuge auszustatten. Bis 2030 ist ja noch etwas Zeit.

Über die Kosten/Verfügbarkeit von Erdöl oder eFuels verliert der Herr seltsamerweise kein Wort.

Einfache, saubere Lobbyarbeit, mehr nicht!

Endlich sagt es mal jemand, danke Herr Breton.

Das Verbrennerverbot macht nur Sinn wenn man ökologische Kriterien verabsolutiert und so tut als gäbe es keine anderen.
Die Produktion von E-Autos ist so teuer, dass man in Deutschland nur Luxusschlitten produzieren kann, bezahlbare Autos für die Masse aber zukünftig aus China kommen werden.

Darüberhinaus wird China ab 2035 nachdem europäische Hersteller schon längst aus der Verbrennertechnologie ausgestiegen sind für den Weltmarkt billige Benziner bauen.
Mit dem Ergebnis, dass China zum Autohersteller Nummer eins wird, noch dazu hat man dort die Technologieführerschaft bei der Batterie.

Und dann redet man davon, dass man Chinas Einfluss begrenzen will, die E-Mobilität wird aber Chinas Macht deutlich vergrößern.

Geo- und wirtschaftspolitisch ist der politisch forcierte Schwenk zum E-Auto pure Selbstbeschädigung.

Hallo erstmal, ich bin so sauer darüber, dass es immer noch in Frage gestellt wird, den Verbrenner sterben zu lassen.
Das hätte bereits von 30 Jahren passieren sollen. Dann hätten wir auch nicht diese extreme Ahrkatastophe haben müssen.
Mich ekelt es bereits, wenn ich zu Fuß auf der Strasse unterwegs bin. Der Gestank (toxisch) und der Straßenlärm.
Den Elektromotor gab es bereits im 18. Jahrhundert. Weniger Materialverschendung und angenehm leise. Ja, die Lebenswartung wird sich so auch noch erhöhen.

Aber ich bin ja nur ein kleines Licht auf dieser Welt und den Leuten ist wohl meine Meinung völlig egal. Ich will halt nur gesund leben.

Mit elektrischen Grüßen

Wolfgang Lange

Rohstoffe tagtäglich zu verbrennen als sinnvoll zu betrachten erscheint mir etwas fragwürdig.

Nur dass ich das richtig verstehe, wir gehen also auf die Elektromobilität ein, versuchen aber auf der anderen Seite den Verbrenner zu retten?
Das ist ein klares weiter so!
Die Frage für mich als Verbraucher ist nur, warum sollte ich den Lobbyisten einer Industrie glauben, die vor nicht so langer Zeit behauptet haben, dass ihre Motoren sauber sind??
Ja richtig dieser Breton ist für mich ein Lobbyist, ein anderes Fazit lassen die Äußerungen nicht zu.
Mit fehlt in seinen Äußerungen auch der Hinweis zu den Veränderungen der individuellen Mobilität, auch das wird sich auf die Hersteller und Zulieferer auswirken und doch kommen wir nicht drum herum. Wir müssen Emissionen reduzieren, das geht nur mit einer Verbesserung des Wirkungsgrades, nicht mit Verschwendung. E – Fuell sind keine Lösung, wäre das so, dann könnten damit auch Dampfmaschinen betreiben, obwohl deren Wirkungsgrad nahe 6% liegt.
Time to Change!!

Was wäre der nächste Schritt, wenn wir doch weltweit nur noch die E Mobilität hätten? Alle inzwischen 8 Milliarden Menschen zu Robotern umfunktionieren? Der menschliche Körper ist ein noch schlechter Verbrenner als beim PKW mit 20- 30 % Energieausbeute und stößt CO2 und Methan aus! Wie kommen wir bloß noch in Schlaf?

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