„Nicht nur eine Frage der Autohersteller“: Wie Sixt und Telefonica die Mobilitätswende angehen

„Nicht nur eine Frage der Autohersteller“: Wie Sixt und Telefonica die Mobilitätswende angehen

Copyright Abbildung(en): Mino Surkala / Shutterstock.com

Autonomes Fahren und Elektroautos sind nicht nur bei Autoherstellern und ihren Zulieferern ein Thema. Auch Autovermieter und Mobilfunkunternehmen zeigen immer mehr Interesse. Telefonica-Chef Markus Haas und der Autovermieter Alexander Sixt erklärten in einem Interview mit der Welt, wie sie an der Mobilität der Zukunft mitverdienen wollen und was sie vorhaben, um den Umstieg zur Elektromobilität auch mitzugestalten.

Telefonica-Chef Markus Haas etwa sagt, dass die Mobilfunkbranche „sehr viel“ mit der Autoindustrie zu tun habe. Das Beginne schon bei der Produktion der Fahrzeuge, „die in vernetzten Fabriken künftig über den Mobilfunkstandard 5G gesteuert wird“. Dadurch werde die Automobilproduktion „deutlich effizienter“. Einmal in Kundenhand wiederum bekommen immer mehr Modelle Software-Updates per Mobilfunk, auch bekannt als Over-the-Air-Updates (OTA). Und wenn autonomes Fahren einmal zu unserem Alltag gehört, „läuft ein großer Teil der Steuerung über 5G“, so der Telefonica-Chef. Er sieht die Mobilfunkanbieter deshalb als einen „zentralen Klebstoff in dieser Welt“. Auch bei der Stau- und Verkehrsvermeidung seien schnelle Netze von Vorteil: „Mit den Daten aus unserem Netz können wir Mobilität effizienter machen und einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten“, erklärt Haas.

Alexander Sixt sieht das ähnlich: Der Autovermieter pflege „eine sehr enge Partnerschaft“ mit Mobilfunkunternehmen, seit er 2012 den Carsharing-Dienst DriveNow auf die Straße gebracht hat. „Es war damals ein Stück weit revolutionär, Fahrzeuge mit einem GSM-Modul auszurüsten und es den Kunden zu ermöglichen, sie darüber zu öffnen und zu schließen“, erklärt Sixt. Für das autonome Fahren sieht er „keine Quantensprünge, wenn wir in Deutschland nicht flächendeckend 5G ausrollen“. Denn ein lückenloses Netz ohne Funklöcher sei „immens wichtig. Wir stoßen heute zum Teil schon auf Probleme, im ländlichen Raum oder in Parkhäusern“, so Sixt. Der Autovermieter habe in seinen Fahrzeugen zwei Mobilfunkmodule verbaut, um wechseln zu können, wenn ein Netz gerade nicht verfügbar ist.

Bei der technischen Entwicklung der Fahrzeuge sind die beiden Unternehmen „natürlich von den Automobilherstellern abhängig“, sagt Sixt. Gleichzeitig habe der Autovermieter mit einigen Herstellern „seit Jahrzehnten eine enge Partnerschaft, vor allem in Bezug auf die Fahrzeuge in unserer Flotte und gemeinsame Marketingaktivitäten, um gezielte Probefahrten zu ermöglichen“, erklärt Sixt. Darauf werde es auch bei den autonomen Fahrzeugen hinauslaufen, wo er auch für Autovermieter ein großes Wertschöpfungspotenzial sieht: „Die autonomen Flotten müssen betrieben werden, die Autos an den richtigen Platz gebracht werden, mit entsprechender Auslastung, sie müssen gereinigt und repariert werden“, erklärt Sixt. Er glaube stark „an einen partnerschaftlichen Ansatz, um die dringend benötigte Mobilitätswende gemeinsam zu schaffen. Der Mobilitätsmarkt ist komplex, neue Angebote schaffen wir besser miteinander als gegeneinander“, so der Unternehmer.

„Wir investieren über 50 Millionen Euro in den Ausbau der Ladeinfrastruktur“

Aktuell, so Sixt, sei er „beeindruckt“ davon, „mit welcher Konsequenz die deutschen Automobilhersteller die Wende zur Elektromobilität eingeleitet haben“. Aber auch er kennt die Baustellen, die noch abgearbeitet werden müssen, damit die E-Mobilität ein durchschlagender Erfolg werden kann: „Wir brauchen beispielsweise Batteriezellfertigung, Ladesäulen, ein besseres Stromnetz und eine stabile Versorgung“, sagt Sixt. Hierbei seien auch die Mobilnetzanbieter gefragt, so Telefonica-Chef Haas: „Sie müssen beispielsweise die richtige Ladestation finden, wissen, ob sie frei ist oder gerade benutzt wird“. Dabei sei das Mobilfunknetz „ein wesentlicher Faktor“.

Beim dringend notwendigen Aufbau einer flächendeckenden Infrastruktur will Sixt seinen Teil beitragen: „Wir haben vor vier Wochen beschlossen, dass wir über 50 Millionen Euro in den Ausbau der Ladeinfrastruktur investieren“, erklärt Sixt. „Und zwar in unsere eigenen und in öffentliche Stationen“, die auch von Dritten genutzt werden können, so der Unternehmer. Denn die Miete eines E-Autos müsse anders betrachtet werden als die eines Verbrenners: „Bisher haben die meisten Kunden kurz vor Abgabe des Fahrzeugs getankt, das ist in Zeiten der Elektromobilität nicht mehr vorstellbar. Man kann ja nicht am Flughafen anderthalb Stunden an der Ladesäule warten und dann erst das Auto abgeben“.

Quelle: Welt – Sixt und Telefonica: „Die Mobilitätswende ist nicht nur eine Frage der Autos

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Ich kann nur berichten, wie bei Sixt das Thema Elektromobilität noch vor vier Wochen priorisiert war: Gar nicht. Ich hatte einen Audi A8 Plugin Hybrid sauber und mit vollem Tank, aber komplett leeren Akku übernommen.

Last edited 22 Tage zuvor by David

Hat Sixt eAutos? Die waren doch bisher im Tiefschlaf

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