Ausbau europaweiter Ladeinfrastruktur zu langsam für E-Mobilitätsziele

Ausbau europaweiter Ladeinfrastruktur zu langsam für E-Mobilitätsziele
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Michael Neißendorfer
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Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat den Ausbau der Ladeinfrastruktur in 31 europäischen Staaten ausgewertet und daraus ein Ladenetzranking für Europa erstellt. Die Auswertung zeigt, wie viele öffentlich zugängliche Ladepunkte in einem Land in Relation zum Gesamtbestand an Pkw (Benzin, Diesel, Elektro u.a.) vorhanden sind. Je mehr öffentliche Ladepunkte es gibt, desto attraktiver ist es für den Verbraucher, auf Elektroantrieb umzusteigen. Den Spitzenplatz im Ranking nehmen die Niederlande ein, gefolgt von Norwegen und Schweden.

Deutschland rangiert zwar knapp vor Frankreich an zweiter Stelle bei der absoluten Anzahl der Ladepunkte, liegt aber bei Berücksichtigung des Pkw-Gesamtbestands noch unter dem Durchschnitt aller europäischen Staaten. Auch das Verhältnis von E-Automobilen zu Ladepunkten ergibt in vielen Ländern der EU einen Nachholbedarf.

„Eine europaweite Ladeinfrastruktur ist derzeit nicht vorhanden, der flächendeckende Ausbau liegt leider in weiter Ferne. Wenn die EU-Kommission überlegt, Neuwagen künftig nur noch mit Elektroantrieb zuzulassen, muss sie für ein flächendeckendes Ladenetz überall in Europa sorgen. Hierzu muss die EU-Kommission jetzt für alle Staaten verbindliche Ausbauziele festlegen. Dazu gehören Ladepunkte am Wohnort, am Arbeitsplatz, im Handel und auf öffentlichen Straßen, die alle mit 100 Prozent Ökostrom versorgt sein müssen. Wenn weder genug Ladepunkte noch ausreichend Ökostrom für den Individualverkehr zur Verfügung stehen, wird die Transformation zur Klimaneutralität nicht gelingen. Eine solche Fehlplanung seitens der EU-Kommission würde sehr viele Arbeitsplätze in vielen Ländern Europas kosten und die Freiheit der Mobilität für die Bürger erheblich einschränken.“ – Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie

Im europäischen Mittel kommt ein Ladepunkt auf 887 Pkw. Platz eins des europäischen Ladenetz-Rankings belegen derzeit die Niederlande mit 109 Pkw auf einen Ladepunkt (82.263 Ladepunkte bei 8.938.572 zugelassenen Pkw). Auf Platz 2 liegt Norwegen mit 147 Pkw pro Ladepunkt. Insgesamt sind in Norwegen 19.119 Ladepunkte registriert und 2.816.038 Pkw zugelassen. Platz drei geht an Schweden mit 353 Pkw pro Ladepunkt. Deutschland liegt mit 1014 Pkw pro Ladepunkt noch unterhalb des Durchschnitts und belegt trotz der bisherigen Bemühungen nur den zwölften Platz im Länderranking.

Die Reihenfolge im Detail: Niederlande, Norwegen, Schweden, Luxemburg, Belgien, Island, Schweiz, Österreich, Frankreich, Dänemark, Finnland, Deutschland, Vereinigtes Königreich, Slowenien, Portugal, Irland, Ungarn, Slowakei, Estland, Kroatien, Italien, Lettland, Spanien, Malta, Tschechien, Polen, Bulgarien, Zypern, Litauen, Rumänien, Griechenland.

Das VDA-Ladenetz-Ranking für Europa umfasst die 27 Mitgliedsländer der Europäischen Union plus Großbritannien, Island, Norwegen und Schweiz. Die Zahl der Ladepunkte beruht auf den Daten der von der Europäischen Kommission finanzierten europäischen Beobachtungsstelle für alternative Kraftstoffe EAFO, mit Stand vom 1. Quartal 2021. Die Pkw-Bestände beruhen auf den Angaben der nationalen Zulassungsämter bzw. Verbände. Ein Ladepunkt ist als „Schnittstelle, mit der jeweils ein E-Fahrzeug geladen werden kann“ nach der EU-Richtlinie zum Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe AFID definiert. Das Ladenetz-Ranking stellt die im jeweiligen Land zugelassenen Autos aller Antriebsarten ins Verhältnis zu den Ladepunkten.

Quelle: VDA – Pressemitteilung vom 28.06.2021

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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