Der Kampf um die Ladesäulen ist eröffnet

Der Kampf um die Ladesäulen ist eröffnet

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Mit dem EU-Klimapaket wächst der Druck, das Netz für E-Ladesäulen auszubauen. Vor allem Energieunternehmen investieren in den noch jungen Markt und suchen zunehmend nach Standorten.

Mehr als 4000 Ladepunkte unterhält etwa Marktführer EnBW – und damit mehr als jeder andere im Land, meldet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf das Ladesäulen-Register des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Demnach tummeln sich rund 2400 Anbieter auf dem wachsenden Markt und bieten mit ihren Ladesäulen Strom für die inzwischen etwa eine Million E-Autos und Plug-in-Hybride. Mehr als 40.000 Ladepunkte zählt der Verband.

Das seien zwar weit weniger als die eine Million, die sich die Bundesregierung bis 2030 zum Ziel gesetzt hat, um zehn Millionen E-Mobile zu versorgen, heißt es. Angesichts der ambitionierten Klimaziele der EU-Kommission, wonach die Emissionen von Neufahrzeugen ab 2035 bei null liegen müssen, dürften es sogar 14 bis 15 Millionen werden. Doch mit Schnellladestationen könnte der Bedarf sogar sinken.

Angesichts der mittlerweile zur Verfügung stehenden Schnellladekapazitäten werden wir weit weniger als die von der Bundesregierung unterstellten eine Million Ladesäulen benötigen„, zitiert das „Handelsblatt“ den Leiter der E-Mobilitäts-Sparte von Eon, Mathias Wiecher. Grund seien die Ladekapazitäten je Säule, die mit bis zu 300 Kilowatt weit höher lägen als die einst mit 50 Kilowatt prognostizierten Werte.

Der Fokus verschiebe sich derzeit deutlich in Richtung Schnelllade-Hubs mit mehreren Ladepunkten, die zudem höhere Leistungen ermöglichen, heißt es demnach auch  beim Verband Kommunaler Unternehmen (VKU). Seine Mitglieder, die Stadtwerke, würden mehr als die Hälfte der Ladepunkte im öffentlichen Raum stellen.

Vor allem die Energieversorger investieren in den noch jungen Markt. In der BDEW-Liste folgen auf dem zweiten Platz Allego, eine Tochter des niederländischen Netzbetreibers Alliander, danach kommen die Eon-Tochter Innogy und Regionalversorger wie EWE, die Stadtwerke München oder die Stromnetz Hamburg GmbH.

Doch die Reihenfolge ist laut „Handelsblatt“ nur bedingt aussagekräftig. So sei etwa Eon die wahre Nummer eins: Ergänzt um die Aktivitäten seiner Regionalversorger zähle das Unternehmen 5000 Ladepunkte. Öl-Multi Shell werde mit seiner Tochter Oil lediglich mit 20 Ladepunkten geführt, betreibe aber weit mehr Ladesäulen – etwa durch Zukäufe wie New Motion oder durch die Kooperation mit Ionity, dem Joint Venture von BMW, Daimler, Ford und VW. „Aktuell bieten wir rund 140 Ladepunkte an 68 Shell-Stationen an„, wird eine Shell-Sprecherin zitiert. Bis 2030 sollen es 3000 Schnellladepunkte an 1000 Tankstellen sein.

Markführer EnBW unterhält bundesweit nach eigenem Bekunden mit rund 600 Standorten das größte Schnellladenetz Deutschlands. Bis 2025 sollen es 2500 sein. Das seien mehr Standorte als die Mineralölunternehmen Tankstellen hätten. Angesichts knapper Flächen kooperiert EnBW mit dem Handel. So baut der Konzern an 50 Standorten der Drogeriemarktkette dm Schnelllader auf. Für insgesamt 1000 Standorte seien Machbarkeitsstudien beauftragt.

Parkplätze des Handels sind wertvoll für jeden Ladesäulen-Betreiber, heißt es. Unternehmen wie Ikea bieten schon an jedem Standort Lademöglichkeiten an. Es sei nicht nur Aufgabe der Politik, sondern auch der Unternehmen, erklärte eine Sprecherin das Engagement. Laden könnten die Kunden kostenlos.

Der Mineralölkonzern BP will mit Aral selbst führender Anbieter für ultraschnelles Laden werden. Bis Ende des Jahres sollen 500 Schnellladepunkte an mehr als 120 Aral-Tankstellen eingerichtet werden. schaffen. Aktuell seien es 136 Ladepunkte an 32 Stationen. Auch 2022 soll der Ausbau weitergehen. Dazu kooperiert BP mit Volkswagen. Das Ziel: europaweit Ladesäulen an 4000 BP- und Aral-Tankstellen, der Großteil in Deutschland und Großbritannien.

Das Bundeskartellamt beobachtet die Entwicklung genau und hat eine Untersuchung des Marktes angekündigt. Schließlich sei es selbst für Konzerne wie Shell oder BP nicht leicht einzusteigen. Je nach Standort vergehe von der Entscheidung zum Bau bis zur Fertigstellung im Durchschnitt ein Jahr. Der Großteil der gemeldeten Ladesäulen sei denn auch in Besitz von regionalen Stromanbietern oder Stadtwerken sowie Gemeinden und Städten – und weniger von privaten Unternehmen. So führt das Ladesäulenregister gerade 300 Autohäuser sowie 115 Hotels und vor allem sehr viele Anbieter mit nur einem oder zwei Ladepunkten.

Nachdem sich die Energiebranche jahrelang zurückgehalten hätten, steige nun angesichts der wachsenden Zahl von Elektroautos auch die Chancen, mit einer Ladesäule Geld zu verdienen, wird BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae zitiert. In der Fläche allerdings rechne sich der Betrieb immer noch nicht“, sagte Eons E-Mobilitäts-Chef Wiecher. Die Bereitschaft der Kunden, an einer Ladesäule mehr zu bezahlen als an der heimischen Wallbox, müsse noch gesteigert werden.

Der Ökostromanbieter Lichtblick beklagt angesichts der Aktivitäten der Energieversorger fehlenden Wettbewerb. „Meistens sind es die regionalen Stromversorger, die sich das Monopol der Ladeinfrastruktur sichern„, wird Chefjurist Markus Adam zitiert. Die Stromversorger profitierten „von den Synergieeffekten aus der Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern – in der Regel Tochter- oder Schwesterunternehmen im gleichen Konzern.

Quelle: Handelsblatt – Der Überbietungswettbewerb: Wettlauf um Ladesäulen hat begonnen

Über den Autor

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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„Die Bereitschaft der Kunden, an einer Ladesäule mehr zu bezahlen als an der heimischen Wallbox, müsse noch gesteigert werden“ Unsinn der Deutsche Haushaltstrom ist schon der teuerste Weltweit die Preise an den Ladesäulen müssen sich dem Haushaltspreis anpassen, aber dazu ist der Staat gefordert dafür zu sorgen das der ladestrom entsprechend von Steuern und Abgaben entlastet (an der Börse kostet der Strom gerade mal läppische 5Cent) wird damit er zum Haushaltstarif angeboten werden kann und die Unternehmen auch was verdienen können

An der Macht der 4 großen deutschen Versorger hat sich wenig geändert. Die Regierung und die Lobby arbeitet mit Hochdruck daran deren Monopol weiter zu erhalten. Deren Ökostrom ist nach wie vor überwiegend aus alten, längst abgeschriebenen Wasserkraftwerken. Der Ausbau neuer Kraftwerke innerhalb von Deutschland hingegen wird max. von einem der 4 großen etwas vorangetrieben. Alle bleiben hinter den Erwartungen zurück. Man bekommt halt noch zu viel Geld für das Abschalten von Kohlekraftwerken.

Wenn Strom jetzt immer mehr kostet, werden denn dann die Autos wenigstens zukünftig günstiger? Habe bis jetzt nichts unter der 12000 Euro marke gefunden und finde das ist schon ne ganze Stange Geld

Alle bauen jetzt HPC Charger auf, um auch ein Stück vom zukünftigen Kuchen abzubekommen. Trotzdem könnte es in den letzten nächsten Monaten an den Chargern der Hauptrouten etwas eng werden, wenn die kWh 30c kosten würde. Zum Glück ist sie aber viel teurer, so dass ich in Ruhe und ohne Wartezeit laden kann. Sehr lustig, wie man die Mitbürger durch ein paar Cents mehr oder weniger steuern kann. Dabei ist Reisen grundsätzlich teuer, wenn man das einmal so akzeptiert hat, ist die Welt ganz einfach.

Ich wage mal zu behaupten: was dem Landei das Windrad ist – nämlich ein Dorn im Auge – wird dem Städter die Ladesäule werden. Wenn diese im Viertel wie die Pilze aus dem Boden spriessen werden da nicht alle mit glücklich werden – selbst einige Befürworter der Energiewende nicht.

Heute werden immer noch viele günstige Elektroautos mit sehr langsamer Lademöglichkeit ausgeliefert.
Wenn ein Elektroauto an der Wechselstromsäule nur mit 7,2kW lädt, ist der Umsatz pro Stunde deutlich geringer als bei der Nutzung mit 11 oder gar 22 kW und man braucht mehr Säulen für die gleiche Fahrzeuganzahl.
Bei Gleichstromladung ist es ähnlich, Fahrzeuge mit Peak-Ladeleistungen die deutlich unter der Maximalleistung der Säule liegen belegen die teuren Säule zu lange.
Am wirtschaftlichsten ist es wenn die maximale Ladeleistung von Säule und Fahrzeug identisch ist, wie es bei Tesla der Fall ist.

Liebe Parkplatzplaner, bitte stellt die Ladesäulen auf Parkplätzen nicht an prominenter Position in die erste Reihe, sondern in die letzte. Ich habe das Gefühl, dass mit zunehmender Verbreitung der Plugin Hybriden diese als Alibi für einen Parkplatz in Pole Position genutzt wird, nicht weil man laden müsste, sondern weil man dort mit eingestecktem Stecker parken darf. Ich schätze, wenn die in letzter Reihe stünden, wären die viel seltener von solchen Vögeln belegt, die stundenlang die Parkplätze blockieren. Vor allem, weil man als E-Auto-Fahrer auf diese Ladeplätze angewiesen ist, während es für die Plugin-Fahrer ein Nice-to-Have ist. Gilt natürlich im selben Maße für E-Autos, die gerade eigentlich nicht laden müssten.

Es mangelt an Ladeetikette: Nur laden, wenn es wirklich notwendig ist und noch wichtiger: Ladesäule unmittelbar freimachen sobald der gewünschte Ladestand erreicht ist. Aber bei dem sich immer weiter verbreitenden Egoismus bleibt das wohl Wunschdenken.

Farnsworth

Die Elektromobilität ist mehr was für coole, entspannte Leute. Alle gestresste Menschen sollten die Finger davon lassen. Man trifft sich an der Ladesäule, tauscht Geschichten aus und lädt nebenher das Auto.
Bei uns in den Nachbarstädten darf man nur 2h am Stück laden, was ich für etwas wenig halte. 4h AC laden sind aber ausreichend. Selbst unsere Autos von 2019 können so 70% (einphasig) nachladen.
Und ja, ich stehe auch mit meinem PHEV auf Ladeplätzen und lade ihn in 2h fast voll.

Störend sind nur die normalen Autos die Ladesäulen zuparken. Mit unserem BEV ist dies aktuell das grösste Problem. Meist sind Einzelsäulen wild verteilt in den Städten vorhanden, so dass man lange umherfahren muss bis man was freies findet.

Auch Tankstellen werden immer seltener und man muss Umwege in kauf nehmen um diese zu erreichen. Vergleicht man die Reichweite von Benzinern und EVs sollte die Dichte der Ladesäulen wesentlich dichter stehen.
Ich befürchte, dass es aber später so wie bei der Mobilfunkabdeckung sein wird: LTE in Städten und entlang der Autobahn, bei uns auf dem Land…..Funklöcher ohne Ende.

Ich habe keinerlei Bedenken, dass wir die Lade-Infrastruktur hinkriegen. Es sind öffentliche, private und gewerbliche Investments in die Zukunft. Hinzu kommt, dass in den 12 Millionen deutschen Garagen noch enorm viel Potential für private Lade- Infrastruktur steckt.
Tanken dagegen kann ich privat nicht. Tankstellen werden individuell Kapazitäten abbauen müssen oder ganz schliessen, denn niemand investiert in den sehr bald offensichtlich schrumpfenden Markt. Am Ende fehlen Zapfsäulen für noch viele übrige Verbrenner.

@ Dagobert den Ladesäulenblockierer:
Zumindest bei Tesla wird es für Fremd-„lader“ wie Dich künftig teurer werden 🙂
Laut Elon Musk wird es für „Langsamlader“ oder gar „Blockierer“ für nicht Tesla Besitzer am Supercharger (hoffentlich empfindlich) teurer werden.
Und Du weißt ja – Tesla leads the way 😉
So wird auch der Rest der Industrie merken – time is cash (aber vielleicht hast Du ja Glück und Ionity kann das softwaremäßig nicht steuern)
Time will tell.

Autofahren & Strom ist nicht zu teuer, sondern zu billig. Wer wertvolle Ressourcen in sein 300PS SUV lädt/ tankt soll auch dafür entsprechend blechen. Wem das zu teuer ist der hat genug günstigere (und umweltfreundlichere) Alternativen

Last edited 5 Monate zuvor by Nik

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