Der Kampf um die Ladesäulen ist eröffnet

Der Kampf um die Ladesäulen ist eröffnet
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Wolfgang Plank
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Mit dem EU-Klimapaket wächst der Druck, das Netz für E-Ladesäulen auszubauen. Vor allem Energieunternehmen investieren in den noch jungen Markt und suchen zunehmend nach Standorten.

Mehr als 4000 Ladepunkte unterhält etwa Marktführer EnBW – und damit mehr als jeder andere im Land, meldet das „Handelsblatt“ unter Berufung auf das Ladesäulen-Register des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Demnach tummeln sich rund 2400 Anbieter auf dem wachsenden Markt und bieten mit ihren Ladesäulen Strom für die inzwischen etwa eine Million E-Autos und Plug-in-Hybride. Mehr als 40.000 Ladepunkte zählt der Verband.

Das seien zwar weit weniger als die eine Million, die sich die Bundesregierung bis 2030 zum Ziel gesetzt hat, um zehn Millionen E-Mobile zu versorgen, heißt es. Angesichts der ambitionierten Klimaziele der EU-Kommission, wonach die Emissionen von Neufahrzeugen ab 2035 bei null liegen müssen, dürften es sogar 14 bis 15 Millionen werden. Doch mit Schnellladestationen könnte der Bedarf sogar sinken.

Angesichts der mittlerweile zur Verfügung stehenden Schnellladekapazitäten werden wir weit weniger als die von der Bundesregierung unterstellten eine Million Ladesäulen benötigen„, zitiert das „Handelsblatt“ den Leiter der E-Mobilitäts-Sparte von Eon, Mathias Wiecher. Grund seien die Ladekapazitäten je Säule, die mit bis zu 300 Kilowatt weit höher lägen als die einst mit 50 Kilowatt prognostizierten Werte.

Der Fokus verschiebe sich derzeit deutlich in Richtung Schnelllade-Hubs mit mehreren Ladepunkten, die zudem höhere Leistungen ermöglichen, heißt es demnach auch  beim Verband Kommunaler Unternehmen (VKU). Seine Mitglieder, die Stadtwerke, würden mehr als die Hälfte der Ladepunkte im öffentlichen Raum stellen.

Vor allem die Energieversorger investieren in den noch jungen Markt. In der BDEW-Liste folgen auf dem zweiten Platz Allego, eine Tochter des niederländischen Netzbetreibers Alliander, danach kommen die Eon-Tochter Innogy und Regionalversorger wie EWE, die Stadtwerke München oder die Stromnetz Hamburg GmbH.

Doch die Reihenfolge ist laut „Handelsblatt“ nur bedingt aussagekräftig. So sei etwa Eon die wahre Nummer eins: Ergänzt um die Aktivitäten seiner Regionalversorger zähle das Unternehmen 5000 Ladepunkte. Öl-Multi Shell werde mit seiner Tochter Oil lediglich mit 20 Ladepunkten geführt, betreibe aber weit mehr Ladesäulen – etwa durch Zukäufe wie New Motion oder durch die Kooperation mit Ionity, dem Joint Venture von BMW, Daimler, Ford und VW. „Aktuell bieten wir rund 140 Ladepunkte an 68 Shell-Stationen an„, wird eine Shell-Sprecherin zitiert. Bis 2030 sollen es 3000 Schnellladepunkte an 1000 Tankstellen sein.

Markführer EnBW unterhält bundesweit nach eigenem Bekunden mit rund 600 Standorten das größte Schnellladenetz Deutschlands. Bis 2025 sollen es 2500 sein. Das seien mehr Standorte als die Mineralölunternehmen Tankstellen hätten. Angesichts knapper Flächen kooperiert EnBW mit dem Handel. So baut der Konzern an 50 Standorten der Drogeriemarktkette dm Schnelllader auf. Für insgesamt 1000 Standorte seien Machbarkeitsstudien beauftragt.

Parkplätze des Handels sind wertvoll für jeden Ladesäulen-Betreiber, heißt es. Unternehmen wie Ikea bieten schon an jedem Standort Lademöglichkeiten an. Es sei nicht nur Aufgabe der Politik, sondern auch der Unternehmen, erklärte eine Sprecherin das Engagement. Laden könnten die Kunden kostenlos.

Der Mineralölkonzern BP will mit Aral selbst führender Anbieter für ultraschnelles Laden werden. Bis Ende des Jahres sollen 500 Schnellladepunkte an mehr als 120 Aral-Tankstellen eingerichtet werden. schaffen. Aktuell seien es 136 Ladepunkte an 32 Stationen. Auch 2022 soll der Ausbau weitergehen. Dazu kooperiert BP mit Volkswagen. Das Ziel: europaweit Ladesäulen an 4000 BP- und Aral-Tankstellen, der Großteil in Deutschland und Großbritannien.

Das Bundeskartellamt beobachtet die Entwicklung genau und hat eine Untersuchung des Marktes angekündigt. Schließlich sei es selbst für Konzerne wie Shell oder BP nicht leicht einzusteigen. Je nach Standort vergehe von der Entscheidung zum Bau bis zur Fertigstellung im Durchschnitt ein Jahr. Der Großteil der gemeldeten Ladesäulen sei denn auch in Besitz von regionalen Stromanbietern oder Stadtwerken sowie Gemeinden und Städten – und weniger von privaten Unternehmen. So führt das Ladesäulenregister gerade 300 Autohäuser sowie 115 Hotels und vor allem sehr viele Anbieter mit nur einem oder zwei Ladepunkten.

Nachdem sich die Energiebranche jahrelang zurückgehalten hätten, steige nun angesichts der wachsenden Zahl von Elektroautos auch die Chancen, mit einer Ladesäule Geld zu verdienen, wird BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae zitiert. In der Fläche allerdings rechne sich der Betrieb immer noch nicht“, sagte Eons E-Mobilitäts-Chef Wiecher. Die Bereitschaft der Kunden, an einer Ladesäule mehr zu bezahlen als an der heimischen Wallbox, müsse noch gesteigert werden.

Der Ökostromanbieter Lichtblick beklagt angesichts der Aktivitäten der Energieversorger fehlenden Wettbewerb. „Meistens sind es die regionalen Stromversorger, die sich das Monopol der Ladeinfrastruktur sichern„, wird Chefjurist Markus Adam zitiert. Die Stromversorger profitierten „von den Synergieeffekten aus der Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern – in der Regel Tochter- oder Schwesterunternehmen im gleichen Konzern.

Quelle: Handelsblatt – Der Überbietungswettbewerb: Wettlauf um Ladesäulen hat begonnen

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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