VCD Auto-Umweltliste 2019/2020 enthält nur Elektrofahrzeuge

VCD nimmt E-Autos in Liste auf
shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 259990757
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Der ökologische Verkehrsclub VCD hat für die Auto-Umweltliste 2019/2020 „Unter Strom: Elektroautos – Fakten und Perspektiven“ (hier als PDF zum Download erhältlich) zum ersten Mal ausschließlich Elektroautos überprüft. E-Autos sind ein wichtiger Baustein für die klimaneutrale Mobilität der Zukunft: Ein Kompromiss für alle, die umweltschonend unterwegs sein wollen, aber auf ein Auto angewiesen sind. Insgesamt 19 Elektroautos erfüllen die ökologischen Mindestkriterien des VCD.

Die diesjährige VCD Auto-Umweltliste enthält 16 reine Elektroautos und drei Plug-In-Hybride. Zu den empfehlenswerten Elektrofahrzeugen von deutschen Herstellern gehören der BMW i3, der smart als Zwei- oder Viersitzer sowie der VW e-Golf. Daneben komplettieren Elektromodelle von Hyundai, Kia, Nissan, Renault und Toyota die Liste. Große und schwere Wagen mit E-Antrieb sind nicht dabei.

„Auch das E-Auto ist nicht klimaneutral. Wir brauchen aber auch zukünftig Mobilität für Menschen – nachhaltig, bezahlbar und sozial. Wenn wir die Klimaziele einhalten wollen, müssen wir so schnell wie möglich raus aus dem Verbrennungsmotor und hin zu emissionsfreien Antrieben. Diese Entwicklung haben die Hersteller viel zu lange hinausgezögert.“ – Kerstin Haarmann, VCD-Bundesvorsitzende

Die Analyse für die diesjährige VCD Auto-Umweltliste hat ergeben: Deutschland hat noch Nachholbedarf bei Elektroautos. So fahren aktuell lediglich 200.000 Autos mit E-Antrieb auf deutschen Straßen – bei 47 Millionen Pkw insgesamt.

„Andere Länder sind bei der Elektromobilität schon sehr viel weiter. In Norwegen fährt bereits mehr als jedes zweite neue Auto mit Strom, in den Niederlanden jedes zehnte. Dort begünstigen hohe, nach CO2 gestaffelte Steuern für Benziner und Diesel das Elektroauto. Die Bundesregierung muss jetzt die Weichen stellen, damit Elektroautos auch hierzulande in Fahrt kommen.“ – Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des VCD

Die Liste liefert kein Ranking der besten Elektroautos. Eine Bewertung auf Modellebene ist mangels Daten zur Batterieproduktion nicht möglich. Audi sowie PSA mit den Konzernmarken Citroen, DS, Peugeot und Opel haben ihre Teilnahme ganz abgesagt. Auch Tesla konnte keine Werte für sein Model 3 liefern.

Die Ergebnisse unserer Datenabfrage sind ernüchternd. Für viele Elektromodelle liegen aktuell keine Daten vor, Kaufinteressenten werden teilweise mit Lieferzeiten von bis zu einem Jahr abgeschreckt“, sagte Müller-Görnert. „In diesem Jahr können wir deshalb nur wenige Modelle empfehlen. Für 2020 haben die Hersteller aber eine regelrechte Modelloffensive angekündigt, die könnte den Durchbruch für das E-Auto bringen. Ärgerlich nur, dass die Konzerne nicht aus Einsicht handeln, sondern nur auf Druck. Wir wissen seit Jahren, was auf dem Spiel steht, und brauchen die Verkehrswende sofort. Nur auf Absatzmärkte und fette Gewinne zu schauen, damit muss endlich Schluss sein.

Ein wesentlicher Grund für die E-Offensive: Ab dem nächsten Jahr gelten EU-weit schärfere CO2-Grenzwerte. Neuwagen dürfen dann im Schnitt nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen, sonst werden saftige Strafzahlungen fällig. Und Elektroautos werden als Nullemissionsfahrzeuge in der CO2-Bilanz des Unternehmens doppelt angerechnet. Die Analyse des VCD zeigt: Auf den kompletten Lebenszyklus gerechnet sind Elektroautos schon heute sauberer als Verbrenner. Je höher der Anteil von regenerativen Energien im Ladestrom und bei der Batterieproduktion, desto besser die Klima-Gesamtbilanz.

Wie gut ist die Klimabilanz?

In der öffentlichen Debatte wird oft in Frage gestellt, ob E-Autos umweltfreundlicher seien als Diesel und Benziner. Fakt ist: Batterieelektrische Autos stoßen weder CO2 noch Schadstoffe aus. Zudem arbeiten Elektromotoren deutlich effizienter als Verbrenner und benötigen weniger Energie. Dennoch fahren Elektroautos nicht emissionsfrei. Die Batterieproduktion benötigt große Mengen Energie und Rohstoffe, wie Kobalt aus dem Kongo oder Lithium aus Bolivien. Daher starten E-Autos ihren Lebenszyklus mit einem ökologischen Rucksack. Zudem entstehen Emissionen bei der Produktion des Ladestroms.

Wer die Klimabilanz von Elektroautos mit der von Benzinern und Dieseln fair vergleichen will, muss den gesamten Lebenszyklus des Autos betrachten. Einerseits die Emissionen der Batterie- und Stromproduktion, andererseits die Ölförderung sowie Verbrennung und Herstellung von Kraftstoffen. Diese ist ebenfalls mit hohen CO2-Emissionen sowie teils erheblichen ökologischen und sozialen Auswirkungen in den Fördergebieten verbunden.

Das Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) hat die Klimabilanz eines idealtypischen Elektroautos der Kompaktklasse mit seinem Benzin- und Dieselpendant bei gleicher Motorisierung und Ausstattung verglichen. Zentrales Ergebnis: In allen Fällen ist das Elektroauto auf den gesamten Lebenszyklus gerechnet klimaschonender unterwegs als ein Verbrenner. Abhängig davon, ob man häufiger in der Stadt oder auf der Autobahn fährt und von der Batteriegröße kann man den ökologischen Rucksack des E-Autos nach unterschiedlich vielen gefahrenen Kilometern kompensieren. Wird das E-Auto mit Solarstrom aus der heimischen Photovoltaik-Anlage betankt, ergibt sich der Klimavorteil noch schneller.

Am besten schneiden E-Autos im städtischen Einsatz ab. Dort verbrauchen sie wenig Strom und sind mit kleinerer Batterie im Durchschnitt schon nach knapp 40.000 Kilometern Fahrleistung klimaschonender unterwegs als ein vergleichbarer Benziner“, so Müller-Görnert. „Ideal genutzt sind sie in städtischen Flotten, bei Lieferdiensten und Taxiunternehmen oder im Sharing-Betrieb. Große und schwere E-SUVs sowie die meisten Plug-In-Hybride sind dagegen kein Teil der Lösung, sondern eine Mogelpackung. Sie sind reine Energiefresser und haben aufgrund größerer Batterien eine miserable Umweltbilanz.“

Damit E-Mobilität sich wirklich durchsetzt, braucht es bessere Rahmenbedingungen für Elektroautos: einen einheitlichen Zugang sowie Tarifgestaltung an der Ladesäule, eine Änderung des Baurechts für das Laden in Tiefgaragen oder Mehrfamilienhäusern, sowie eine CO2-Besteuerung im Verkehr. Von ihr würden Fahrer von E-Autos in hohem Maße profitieren. Das Elektroauto braucht die Energiewende, daher muss der Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigt werden.

Quelle: VCD – Pressemitteilung vom 04.09.2019

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