Second-Life oder Recycling: Was wird mit den Akkus der E-Autos?

Second-Life oder Recycling: Was wird mit den Akkus der E-Autos?
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Mercedes-Benz

Patrick Solberg
Patrick Solberg
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Motoren sind bei Elektroautos mehr denn je in den Hintergrund getreten und so dreht sich bei den Fahrzeugen mit Stecker nahezu alles um das Akkupaket im Unterboden. Doch was ist, wenn die teuerste Komponente des Fahrzeugs in die Jahre kommt?

Fest steht: das Leben eines Autoakkus ist nach acht oder zehn Jahren nicht zu Ende. Die meisten Autohersteller geben bei ihren Akkupaketen eine Garantie von acht Jahren; manche sogar zehn Jahre oder eine Million Kilometer. Doch was passiert, wenn die Akkukapazität unter die 70-Prozent-Grenze gerutscht ist? Was aktuell kaum ein Problem darstellt, wird ab Anfang kommenden Jahrzehnts ganz anders aussehen, wenn zehntausende von gebrauchten Batteriepaketen ihren alltäglichen Dienst im Elektrofahrzeug hinter sich haben.

Die in den Akkupaketen verbauten Materialien und hier besonders die Rohstoffe sind einfach zu teuer, dass sie nutzlos verwertet würden. Vorteil: viele der eingesetzten Komponenten lassen sich zu mehr als 90 Prozent wieder recyceln und somit ein zweites oder drittes Mal dem Wirtschaftskreislauf zuführen. Volksagen beispielsweise hat an seinem Standort in Salzgitter eine Anlage für das Recycling von Hochvoltbatterien eröffnet. Hier sollen so wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Mangan und Kobalt in einem geschlossenen Kreislauf zurückgewonnen werden und selbst für Aluminium, Kupfer oder Kunststoff soll die Wiederverwertungs-Quote mittelfristig bei über 90 Prozent liegen.

Dabei werden hier nicht nur Akkupakete recycelt, die nicht mehr anderweitig verwendet werden können. Das findet jedoch nur dann statt, wenn die Akkus nicht noch einer sinnvollen Zweitverwertung zugeführt werden können. Im ersten Schritt ist die Salzgitter-Anlage darauf ausgelegt, bis zu 3.600 Batteriesysteme im Jahr zu recyceln – das entsprächen rund 1.500 Tonnen Material. Später kann das System mit optimierten Verfahren auf größere Mengen skaliert werden. „Die Volkswagen Group Components realisiert damit einen weiteren Schritt ihrer nachhaltigen End-to-End-Verantwortung für die Batterie als Schlüsselkomponente der Elektromobilität“, sagt Volkswagen-Vorstand Thomas Schmall.

Mercedes-Benz

Mit Blick auf die mittelfristig rücklaufenden Batteriesysteme aus Elektrofahrzeugen beginnt Mercedes mit dem Aufbau einer eigenen Batterierecyclingfabrik auf Basis der Hydrometallurgie in Deutschland. Analog dieser Technologie plant das Unternehmen mit Hightech-Partnern für das Batterierecycling in China und den USA einen geschlossenen Wertstoffkreislauf darzustellen.

Mercedes-Produktionsvorstand Jörg Burzer: „Das nachhaltige Batterierecycling ist ein wesentlicher Faktor – und zwar weltweit. Mit unserer neuen Recyclingfabrik am Standort Kuppenheim steigern wir die Recyclingquote auf mehr als 96 Prozent und bauen unsere eigenen Kompetenzen im Bereich der Batteriewertschöpfung konsequent aus.“ Die Pilotanlage soll eine Jahreskapazität von 2.500 Tonnen umfassen. Die zurückgewonnenen Materialien werden in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt und fließen so in die Produktion von mehr als 50.000 Batteriemodulen für neue Mercedes-EQ Modelle ein.

Auch BMW will die teure Akkutechnik so lange als möglich nutzen. Das chinesische Joint Venture BMW Brilliance Automotive hat einen geschlossenen Kreislauf zur Wiederverwendung der elementaren Akkurohstoffe Nickel, Lithium und Kobalt aus Hochvoltbatterien etabliert. Die Batterien stammen in einem ersten Schritt aus Entwicklungsfahrzeugen, Testanlagen und Produktionsausschuss. Langfristig sollen so auch die Komponenten von Altfahrzeugen verwertet werden.

BBA arbeitet dafür mit einem lokalen Recyclingunternehmen zusammen, das ausrangierte Batterien zerlegt die Rohstoffe Nickel, Lithium und Kobalt aus den Batteriezellen zurückgewinnt. Die so gewonnenen Rohstoffe werden anschließend für die Produktion neuer Batteriezellen für die BMW Group verwendet. Jochen Goller, Leiter der BMW Group Region China: „In Zukunft wird die BMW Group das Recyclingkonzept in China weiter ausbauen, was nicht nur zum Umweltschutz beiträgt, sondern auch Chinas Übergang zu einer CO2-armen Wirtschaft effektiv unterstützt.“

Bevor die Komponenten der Akkupakete recycelt werden, gibt es für die meisten Batteriemodule ein zweites Leben. Zum einen werden die als Notstromspeicher genutzt, sind die Absicherung für Hightech-Rechenzentren oder sind Zwischenspeicher für Solaranlagen. Audi beispielsweise hat zusammen mit einem indischen Start-Up die Zweitverwertung von Akkupaketen in indischen Tuk-Tuks ins Leben gerufen. Selbst wer noch nicht in Indien war, kennt die charakteristischen Freiräder, die das Straßenbild der meisten Metropolen beherrschen. Bisher knattern die Tuk-Tuks mit Verbrennern durch Millionenstädte wie Mumbai, Dehli oder Chennai. Doch das soll sich nach Willen der Regierung bald ändern, denn der indische Subkontinent will in den kommenden Jahrzehnten sukzessive elektrisch werden.

Svolt Energy will Batterieproduktion bis 2025 fast auf 600 GWh verdoppeln
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Einen kleinen Beitrag will in dem Milliardenstaat das deutsch-indische Start-Up Nunam leisten, indem es elektrische Rikschas auf Indiens Straßen bringt. Diese werden als Modellversuch von gebrauchten Batterien aus elektrischen Erprobungsfahrzeugen angetrieben. „Die alten Batterien sind noch äußerst leistungsfähig“, sagt der Mitbegründer von Nunam, Prodip Chatterjee, „wenn sie in den richtigen Anwendungen eingesetzt werden, können Second-Life-Batterien eine große Wirkung haben und Menschen in herausfordernden Lebenssituationen helfen, ein Einkommen und ökonomische Unabhängigkeit zu erzielen – auf eine nachhaltige Art und Weise.“ Die bisher bereits elektrisch betriebenen Dreiräder sind zumeist mit Blei-Säure-Batterien unterwegs, die eine kurze Lebensdauer haben.

Jaguar Land Rover hat zusammen mit dem Energieunternehmen Pramac einen Energiespeicher entwickelt, der die Batteriepakete im vermeintlichen Rentenalter stationär zur Stromversorgung nutzt. In einem ersten Schritt der Zusammenarbeit nutzt das mobil einsetzbare Speichersystem ESS Lithium-Ionen-Zellen aus bisherigen Prototypen und Vorserienmodellen des Jaguar i-Pace. Damit soll Energie geliefert werden, wo der Zugang zum öffentlichen Stromnetz nur eingeschränkt oder gar nicht vorhanden ist. Das stationäre Speichersystem verfügt derzeit über eine Kapazität von bis zu 125 kWh – mehr als ausreichend, um ein Elektroauto wie den Jaguar I-Pace aufzuladen oder ein Einfamilienhaus eine Woche lang mit Strom zu versorgen.

Andrew Whitworth, Batteriemanager bei JLR: „Wir freuen uns, mit Pramac zusammenzuarbeiten, um Second Life-Batterien des Jaguar I-PACE für die mobile Lieferung emissionsfreien Stroms zu nutzen.“ Ein Off-Grid-Batterie-ESS wird künftig auch im Jaguar Land Rover Experience Center in Johannesburg, Südafrika zum Einsatz kommen, um die in Phasen schwankende Stromversorgung aus dem öffentlichen Netz zu unterstützen.

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