Mobileeee: E-Carsharing muss flexibel auf Anforderungen der Kunden eingehen

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Die Energiewende wird nicht gemeistert, wenn einfach nur Verbrennungsmotoren durch E-Antriebe ersetzt werden. Die nachhaltigen Alternativen zum klassischen Individualverkehr mit eigenem Pkw müssen attraktiver werden. E-Carsharing ist eine sinnvolle Option, den Pkw-Verkehr zu reduzieren und gleichzeitig ein sehr hohes Maß an Flexibilität in der individuellen Mobilität aufrechtzuerhalten. So weit, so bekannt. Aber im E-Carsharing steckt noch viel ungenutztes Potenzial.

Think out of the box

Neben den klassischen öffentlichen, stationsbasierten Carsharing-Modellen gibt es noch einen nahezu „ungehobenen Schatz“, der ganz wesentlich die Nachhaltigkeitsbilanzen von Unternehmen und Kommunen verbessern kann. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Die Rede ist von der Öffnung der Fuhrparke – kommunaler sowie gewerblicher – für weitere Nutzergruppen. Das macht Sinn, denn in der Regel stehen Flottenfahrzeuge werktags bspw. von 17:00 – 08:00 Uhr sowie am Wochenende ungenutzt auf dem Parkplatz. Um die Auslastung – und somit die Wirtschaftlichkeit – zu steigern, wäre es besser, wenn die Fahrzeuge auch in diesen Zeiten eingesetzt werden können. Gleichzeitig reduziert ein solches Modell den lokalen Fahrzeugbestand und mildert die häufig angespannte Parkplatzsituation in Städten.

Dadurch, dass der Betrieb des halboffenen E-Carsharings an professionelle Mobilitätsanbieter übergeben wird, besteht weder für Unternehmen noch für Kommunen das Risiko, dass „ihre“ Fahrzeuge durch eine externe Nutzung irgendeinen Schaden nehmen oder einmal nicht zur Verfügung stehen. Pflege und Wartung sowie das Ersetzen von Fahrzeugen im Schadensfall gehören zum Leistungsumfang einer solchen Mobilitätslösung. Für Kommunen und Unternehmen hat dies zudem den weiteren Vorteil, dass das aufwendige Fuhrparkmanagement entfällt.

Wie sieht ein solches Modell in der Praxis aus?

Dieses innovative Konzept funktioniert nicht nur in der Theorie, sondern auch im fordernden Alltag. Mobileeee setzt dieses halboffene E-Carsharing bereits für verschiedene Kunden im Bundesgebiet um. Ein Beispiel ist der Main-Taunus-Kreis, ein Landkreis im Herzen des geschäftigen Rhein-Main-Gebiets. Dort nutzt die Kreisverwaltung mehrere E-Autos von Mobileeee an ihrem Kreishaus als Dienstwagen. Außerhalb der Dienstzeiten können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Bürgerinnen und Bürger die E-Fahrzeuge für private Zwecke nutzen.

Das Angebot wird sowohl von den Mitarbeitenden als auch von der Bevölkerung gut angenommen. Der Landrat des Main-Taunus-Kreises, Michael Cyriax, erklärte, dass dieses neue App-basierte E-Carsharing-Modell ein Beispiel für ein modernes, ressourcenschonendes Fuhrparkmanagement sei, das einen wichtigen Beitrag zur weiteren Digitalisierung und Effizienzsteigerung der Kreisverwaltung leiste.

Große Unterschiede bei Quartiers-Carsharing-Angeboten

Ein weiteres zukunftsträchtiges Anwendungsfeld für nachhaltige Mobilitätsangebote sind Immobilienkomplexe und Wohnquartiere. Hier können bedarfsgerechte, geschlossene E-Carsharing-Lösungen geschaffen werden, die exklusiv den Bewohnerinnen und Bewohnern zur Verfügung stehen. Studien zeigen, dass ein Carsharing-Fahrzeug bis zu 20 Privat-Pkw ersetzen kann. Bei Neubau-Quartieren zeigt sich zudem, dass ein Carsharing-Angebot, welches vom Start weg verfügbar ist, im Vergleich zu neuen Mobilitätsangeboten bei bestehenden Immobilien in der Regel viel besser angenommen und als bereichernder Teil des Quartiers wahrgenommen wird. Daher ist es sehr wichtig, bei Neubau-Projekten direkt nachhaltige Mobilitätslösungen mitzudenken und mitzuplanen, wie bspw. Quartiers-Carsharing mit E-Autos.

Digitale Mobilitätsangebote für ältere Personen kein Problem

Gelegentlich werden Bedenken geäußert, dass digitale, App-basierte Mobilitätsangebote eine Barriere für Menschen über 50 Jahren darstellten. Dies können wir aus der Praxis nicht bestätigen. An eher ländlichen Standorten mit einem höheren Durchschnittsalter konnten wir feststellen, dass sich die digitale Nutzung nach einer gewissen Eingewöhnungszeit etabliert und von allen Altersgruppen sogar als Vorteil gesehen wird, dank der komfortablen Handhabung. Wichtig in diesem Zusammenhang sind gute Informationskampagnen und, bei Bedarf, Einführungskurse, die die Nutzung der App erläutern.

Die Rahmenbedingungen für E-Carsharing müssen verbessert werden

Trotz des Beitrags, den E-Carsharing-Angebote zu den gesellschaftlichen Klimaschutz- und Verkehrszielen leisten, hat die Schaffung neuer Angebote häufig noch mit einigen Herausforderungen zu kämpfen. Im urbanen Raum sind verfügbare oder erschließbare Nutzflächen knapp, was sich auf die Verfügbarkeit von Stellplätzen auswirkt. Hinzu kommen komplizierte, langwierige Prozesse bei der Parkflächen-Zuweisung, Gestattungsverträgen sowie Ausschreibungen für Vergabeverfahren. Hier bedarf es auf kommunaler Ebene einer neuen, zukunftsorientierten Verkehrsplanung, die nachhaltige Mobilitätslösungen klar priorisiert.

Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang auch die teilweise sehr langen Genehmigungsprozesse für den Aufbau der Ladeinfrastruktur, in die zahlreiche Akteure eingebunden sind (Verwaltung, Netzbetreiber, Tiefbau, Hochbau etc.). Würden hier bürokratische Hürden abgebaut und Kommunikationsprozesse vereinfacht, wäre auch den Ladeinfrastruktur-Zielen der Bundesregierung ein wertvoller Dienst getan.



Über den Autor: Mit innovativen Sharingmodellen neue Kundengruppen ansprechen. Wie das gehen kann, erläutert Ilker Yilmaz, COO und Mitgründer des Frankfurter E-Carsharing-Anbieters Mobileeee.

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