Aston Martin: „Elektroautos sind ein Teil der Lösung, sie sind kein Allheilmittel“

Aston Martin: „Elektroautos sind ein Teil der Lösung, sie sind kein Allheilmittel“
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Andy Palmer, CEO von Aston Martin, hat sich im Gespräch mit Autocar über verschiedene Themen ausgelassen. Unter anderem Elektromobilität. Auf diesem Gebiet teilt Palmer nicht die Meinung der britischen Regierung, welche die Elektrifizierung als Antwort auf alle Umweltfragen im Verkehrsbereich sieht. Aus seiner Sicht seien Elektroautos ein Teil der Lösung, aber kein Allheilmittel.

Palmer ärgert sich darüber, dass man versucht Großbritannien als Führer im Bereich der E-Mobilität zu platziert, obwohl niemand weiß, wie sich unsere Mobilität und die Technologie in den nächsten zwanzig bis dreißig Jahren entwickelt. Der CEO von Aston Martin geht noch einen Schritt weiter und gibt zu verstehen: „Politiker können nicht ernst genommen werden, wenn sie über 30- 40 Jahre im Voraus sprechen.“ Vielmehr seien diese nur an ihrer eigenen Macht interessiert. Mit solchen Aussagen könne man Punkten, an Macht gewinnen und müsse auf lange Sicht keine Rechenschaftspflicht ablegen.

„Die Regierung sollte Probleme identifizieren und Richtlinien festlegen. Die Ingenieure sollten die Lösungen definieren. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es in 40 Jahren Lösungen geben wird, die über Batterie-Elektrofahrzeuge hinausgehen. Warum nicht synthetische Kraftstoffe, die klimaneutral sind? Oder wo passt Wasserstoff hinein? Es gibt so viele Antworten, einige, an die noch nicht einmal gedacht wurde.“ – Andy Palmer, CEO Aston Martin

Man müsse die richtige Lösung für das jeweilige Problem finden. Sei das Ziel die Reduzierung von CO2-Emissionen zu erreichen, dann sei aus seiner Sicht der Diesel auch eine gute Lösung. Möchte man aber eher die Luftqualität verbessern, dann erscheint dieser schon nicht mehr so ideal. Statt sich also im Detail mit einzelnen Schwerpunkten auseinanderzusetzen, versucht man ein Allheilmittel zu finden. In diesem Fall eine Technologie „die sie nicht verstehen.“

Auch die Tatsache, dass die Regierung versuche Großbritannien als führend in der Batterietechnologie zu etablieren sei unsinnig. Allein an den bereitgestellten Mitteln sieht man, dass dies nicht ausreichen können. Als Beispiel führt er den Nissan Leaf auf, für dessen Entwicklung mehr als fünf Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt. Frankreich und Deutschland sind ebenfalls bereits große Summen in die E-Mobilität zu investieren und Asien spielt eh in einer anderen Liga. Wie soll es da Großbritannien schaffen mit 750 Millionen Pfund mitzuhalten?

Bis 2025 strebt Aston Martin an sein komplettes Modellangebot zu elektrifizieren. Bereits fünf Jahre später soll dann rund ein Viertel der Verkäufe mit reinen E-Autos realisiert werden. Plug-In-Hybride und Wasserstofffahrzeuge werden allerdings keine Rolle spielen. Mit dem Rapide E und dem Lagonda Vision Concept gibt die britische Marke eine grobe Richtung vor.

Quelle: Autocar – Aston Martin boss: Brexit strategy „laughable“, EV policy „non-sensical“, idea of full autonomy „absurd“

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Sebastian Henßler

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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