Wie Polestar bis 2030 ein klimaneutrales Elektroauto bauen will

Wie Polestar bis 2030 ein klimaneutrales Elektroauto bauen will

Copyright Abbildung(en): Polestar

Fredrika Klarén, die Nachhaltigkeitsmanagerin von Volvos E-Auto-Ableger Polestar, erklärte in einem Gespräch mit Business Insider, wie ein komplett klimaneutrales Elektroauto produziert werden kann. Ein durchaus schwieriges Vorhaben, fallen bei der Herstellung eines aktuellen Polestar 2 doch CO2-Emissionen in Höhe von 24 Tonnen an. Das sind zwar um einiges mehr als bei einem Benziner oder Diesel. Da diese aber fossile Treibstoffe verbrennen und damit während ihrer Laufzeit Unmengen an CO2 ausstoßen, soll der Polestar-Stromer seinen Klimanachteil schon ab 50.000 Kilometer wieder ausgeglichen haben – sofern er mit Ökostrom geladen wird.

Auf lange Sicht möchte Polestar aber ein Elektroauto bauen, welches ab Kilometer 0 klimafreundlich unterwegs ist. Das entsprechende Fahrzeugprojekt trägt dementsprechend auch den Titel Polestar 0. Klarén gibt in dem Gespräch offen zu, dass der Hersteller selber noch nicht weiß, wie dieses Ziel erreicht werden kann und welche Art Auto das Vorhaben umsetzfähig macht: „Die kommenden neuen Jahre werden in drei verschiedene Phasen aufgeteilt sein. Ungefähr 2027 wird die klassische Produktentwicklung beginnen. Davor wissen wir noch nicht konkret, wie das Auto aussehen wird“, sagt sie.

Außerdem sei es unwahrscheinlich, dass ab 2030 die komplette Modellpalette CO2-neutral aus den Werken rollt. „Wenn wir bis 2030 auch nur ein komplett CO2-neutrales Modell haben, können wir uns schon sehr glücklich schätzen“, sagt Klarén. Polestar-0 gehe zunächst in die Forschungsphase, um innovative Lösungsansätze zur CO2-Vermeidung zu finden – etwa eine Verringerung des Materialaufwands bei der Verkabelung und ein Fokus auf Recycling sowie den modularen Aufbau der Fahrzeuge.

Schon in dieser Phase sollen entwickelte Lösungen nach und nach in der laufenden Produktion integriert werden, so Klasén weiter. Denn bei Polestar sei man der Meinung, dass das Zieljahr 2030 zu spät sei, um mit Klimamaßnahmen zu beginnen: „Deswegen haben wir uns ja dieses Ziel gesetzt: Um schon jetzt, in dieser Dekade, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Es ist so wichtig, dass wir das jetzt tun müssen.“

Auch die Zulieferer müssen nachhaltig werden

Neben technischen Fortschritten setzt Polestar auch auf die Blockchain, um überprüfen zu können, ob auch bei der Gewinnung der Rohstoffe Nachhaltigkeitskriterien, Menschenrechte und Umweltstandards eingehalten werden. Dafür ist Polestar eine Kooperation mit dem britischen Start-up Circulor eingegangen. Sollten irgendwo in der Lieferkette ein zu hoher CO2-Ausstoß oder Rohstoffe aus anderen Quellen registriert werden, werde Polestar darüber informiert. Zulieferer müssten dann mit Konsequenzen auf verschiedenen Ebenen rechnen. „Wir fordern von unseren Zulieferern, dass sie ihre Produktion auf grüne Energie umstellen und in die Nachhaltigkeit investieren“, stellt Klarén klar. Sie sagt aber auch, dass einige Zulieferer auch von selbst ihre Prozesse optimieren, etwa um ihren Stromverbrauch zu senken. Was nicht nur die Auswirkungen aufs Klima sondern auch die Betriebskosten mindere.

Einen Anteil an der CO2-Bilanz eines Autos hat auch dessen Verschiffung über die Weltmeere mit als besonders klimaschädlich geltenden Hochseeschiffen. Auch daran habe Polestar gedacht. Autos sollen künftig bevorzugt über die Schiene und z.B. über Chinas neue Seidenstraße – der direkten Zugverbindung über den Landweg nach Europa – transportiert werden. Um lange Lieferwegs komplett zu vermeiden, möchte Polestar auch mehr Fahrzeuge vor Ort für die jeweiligen Märkte produzieren. Der kommende Polestar 3 etwa wird als erstes Auto der Marke ab 2022 in den USA produziert. Auch eine Produktion in Europa sei angedacht. Dieses Vorhaben kann relativ einfach umgesetzt werden. Schließlich kann Polestar die weltweiten Werke der Schwestermarke Volvo nutzen.

Von der Kompensation von CO2 durch Investitionen in Klimaschutzprojekte, wie es etwa Volkswagen mit Waldschutzprojekten macht, halte Polestar nicht viel, erklärt Klarén: „Es funktioniert einfach nicht. Es gleicht die Emissionen nicht aus“, da es zu lange dauere, bis das bei der Produktion eines Autos angefallene CO2 durch das Pflanzen von Bäumen gebunden ist. Außerdem müsste gewährleistet sein, „dass diese jahrzehntelang unter idealen Bedingungen wachsen können. Und diese Zeit haben wir angesichts des Klimawandels einfach nicht.“

Quelle: Business Insider – Volvos Schwester Polestar will bis 2030 ein klimaneutrales Auto bauen: Managerin Klarén erklärt, wie das gelingen soll

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Volvo traue ich noch am ehesten zu, CO2-freie Autos herzustellen – Schweden ist ja in Sachen Klimaschutz am weitesten fortgeschritten – die Idee, die Bahn der neuen Seidenstrasse zu benutzen, ist sehr gut – am Schienenweg können Güter um ein Vielfaches sauberer transportiert werden als mit dem Schiff – und noch besser ist es, das Auto dort herzustellen, wo es auch gekauft/ verwendet wird.
Für mich persönlich wird der Autokauf der Zukunft sicherlich an der CO2-Neutralität entschieden.

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