Günstige Kleinwagen vom Aussterben bedroht

Günstige Kleinwagen vom Aussterben bedroht

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Angesichts wachsender Probleme mit Platz und Luft könnte man sie eigentlich gut gebrauchen – doch Kleinwagen unter vier Meter und für weniger als 10.000 Euro sind eine vom Aussterben bedrohte Gattung. Der Grund: Es wird für die Hersteller immer teurer, Verbrenner für ständig schärfere Schadstoff-Normen fit zu kriegen. In der Folge könnten die Winzlinge weitgehend vom Markt verschwinden.

Eine Umsetzung der diskutierten EU7-Szenarien wäre nur mit tiefgreifenden technischen Maßnahmen möglich, die aufwendig und damit sehr kostenintensiv sind„, zitiert „zeit.de“ Frank Welsch, den Qualitätschef des VW-Konzerns. Um tatsächlich auf die geforderten CO2-Werte zu kommen, müssten deutlich stärkere E-Motoren und größere Pufferakkus eingebaut werden. Von einer erweiterten Abgasnachbehandlung im Kampf gegen Stickoxide und Kohlenmonoxid ganz zu schweigen. Dieser Aufpreis wäre im besonders sensiblen Segment der Kleinwagen für viele nicht mehr tragbar.

Erschwingliche Einstiegsfahrzeuge mit Verbrennungsmotor würden damit definitiv der Vergangenheit angehören, so Welsch. Konzern-Chef Herbert Diess wird sogar noch deutlicher: Einem Nachfolger für den Kleinwagen Up hat er bereits eine Absage erteilt – selbst der Polo ist unter diesen Vorzeichen in Gefahr.

Nicht ohne Grund, sagt Professor Stefan Bratzel von der Hochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Je günstiger ein Fahrzeug ist, desto höher fällt der zusätzliche Anteil der Kosten für die verbesserte Abgasreinigung aus. Und desto schwieriger werde es sein, diese Kosten an die Kunden weiterzugeben, so der Automobilwirtschaftler. „Kleinere Autos sind dann praktisch unverkäuflich und dürften eingestellt werden.

Ganz so weit geht mag Andreas Radics vom Strategieberater Berylls in München zwar nicht gehen, doch erwartet auch er dramatische Veränderungen im Angebot: Die Auswahl werde deutlich geringer – und verbleibende Modelle würden sehr viel länger gebaut, um die Entwicklungskosten zu amortisieren. Doch selbst diese Autos dürften nach Ansicht vieler Experten spürbar teurer werden. CO2-Reduktion gebe es nicht zum Nulltarif, heißt es beim Branchenverband VDA. Von den hohen Preisen für elektrische Kleinwagen ganz zu schweigen.

Doch mit höheren Autopreisen werde Mobilität nicht zwingend teurer, glaubt das International Council on Clean Transportation (ICCT) in Berlin und knüpft die Prognose an weiter steigende Treibstoffpreise: Weil saubere Autos weniger Sprit bräuchten und Elektroautos in der Wartung billiger seien, könnten die Kunden unter dem Strich langfristig sogar sparen.

Dass es auch gegen den Trend geht, zeigen einige Hersteller. Toyota hat die Entwicklung eines neuen Aygo angekündigt, Skoda plant eine Neuauflage des Fabia – und die Billigmarke Dacia zeigt mit dem „Spring“, dass auch der Trend zur Elektrifizierung nicht zwangsweise zu größeren und teureren Autos führen muss. Immerhin will auch VW-Chef Diess ein E-Modell deutlich unterhalb des ID3 positionieren.

Quelle: zeit.de – Baldiges Aus für günstige Kleinwagen?

Über den Autor

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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natürlich sind die kleinen Verbrenner die ersten die vom Markt verschwinden (geringe Marge) danach werden es die Mittelklasse und zuletzt die Oberklasse Verbrenner sein.
es werden aber mit Sicherheit genügend betzahlbare E-Kleinwagen geben wenn nicht von den europäischen Herstellern dann eben von China, dort gibt es schon einige E-Fahrzeug für unter 10.000 Euro. Derzeit haben ja die Elektroautos absolute Mondpreise, die werden aber spätestens nach wegfall der Subventionen deutlich runtergehen, sieht man ja bei den smart-TV vor wenigen Jahren noch hat ein 55″ Smart-TV noch rund 2500 Euro gekostet inzwischen bekommt man solche Geräte sogar mit verbesserter Ausstattung als damals für unter 500 Euro wid beim E-auto genau die gleiche Entwicklung nehmen deutlich billigere Batterien sdind ja von Tesla und auch von VW und Chinesischen Herstellern angekündigt ca. 50% billiger als derzeit und natürlich wenn mal die richtige Massenproduktion anläuft

Dann gibt es halt nur noch elektrische Kleinwagen. Wenn Tesla die Akkukosten mit ihren 4680 Zellen tatsächlich schon bei 50€/kWh positioniert hat, dann kostet ein 40kWh Akku ja gerade mal 2.000€. Und das reicht in einem Klein bis Kleinstwagen. Wenn man dann noch eine ordentliche Schnellladefähigkeit mit 100kW integriert. Mein E-Up hat auch nur 36kWh. Bis jetzt habe ich nichts vermisst. Längere Strecken sind jetzt halt etwas gemütlicher. Der Verbrauch dafür sensationell.

Farnsworth

Man hätte schon vor Jahren eine harte Obergrenze beim CO2 Ausstoß pro Auto und keine Flottenobergrenze einführen können/sollen. Bei z.B. 120 g/km würde ab der Kompakt-/Mittelklasse gar nichts anderes übrig bleiben als diese zu elektrifizieren. Jedenfalls für diejenigen, die mehr als 90PS brauchen. Dabei würden trotzdem noch billige Verbrenner übrig bleiben für diejenigen, die sich nichts anderes leisten können.

Ich denke auch, dass die soziale Komponente von E-Autos noch komplett ausgeblendet wird. Heute kann man (Geringverdiener, Student, jemand der einfach nichts anderes will) mit einem 13 Jahre alten, günstigen Polo quer durch Europa fahren (ich hatte so einen und hab das gemacht).
In Zukunft mit reinen E-Autos funktioniert das nicht mehr. Ein 13-jähriger wird durch Akku-Alterung zur Lade-Zicke, die Akkus von Klein(st)wagen können wegen des begrenzten Bauraums auch nicht unendlich voluminös oder schwer werden, d.h. selbst wenn sie billig werden, bleiben sie in der Reichweite eher begrenzt. Und zukünftig bekommen sie auch noch die billigen Zellen, vermutlich weitgehend ohne Temperaturmanagement – Rapidgate lässt grüßen.
Wenn man fair und transparent ist, muss man das aber ganz klar sagen: Mobilität wird vor allem am unteren Rand (günstige Klasse) deutlich teurer oder mit deutlich mehr Verzicht zu bezahlen sein. Nur sagt das eben Keiner…

Günstige Kleinwagen mit batterie-elektrischem Antrieb gehen auch günstig, China zeigt es, selbst wenn sich der Preis auf dem Weg nach Europa verdoppelt, wären sie für 10.000 Euro ohne Prämie zu haben.

Wenn ein Kleinserienhersteller den 2-sitzigen Microlino ab etwa 12.500 Euro (ohne Prämie) anbieten kann, dann sollte ein Großserienhersteller wie VW einen kleinen 4-Sitzer zu einem ähnlichen Preis können.

Die Hersteller grasen bei E-Autos lieber die Kunden mit großem Geldbeutel ab, ist ja pro Auto auch mehr verdient, die Leute mit kleinem Geldbeutel dürfen derweil die alten Verbrenner bis zum Schrottplatz fahren.

Wenn europäische Hersteller den Markt der preiswerten E-Autos nicht beliefern wollen, dann macht das eben Asien – Fernseher, Computer, Handys u.v.m. kommen seit langem aus Asien und das in guter Qualität.

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