Erfahrungen mit einem Mildhybriden: Kia Ceed 1.6 CRDi 48V iMT im Alltag fahren

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Anfang Dezember 2020 war es soweit, dass ich seit gut einem dreiviertel Jahr Mal wieder in einem Auto Platz genommen habe, welches nicht mindestens ein Plug-In-Hybrid beziehungsweise ein Elektroauto war. Natürlich als Fahrer. Als Beifahrer bin ich doch des öfteren noch Mitfahrer in Verbrenner. Darauf hat man dann aber eher weniger Einfluss. Zumindest, wenn man von A nach B kommen möchte, ohne zu Fuß unterwegs zu sein. Das Fahrzeug der Wahl war ein KIA Ceed 1.6 CRDi 48V iMT, der mir für gut zwei Wochen zum Testen zur Verfügung gestellt wurde.

Da hier im Portal von Elektroauto-News.net allerdings E-Autos und PHEV im Mittelpunkt stehen, gibt es keinen ausführlichen Testbericht zum leicht elektrifizierten Diesel. Stattdessen halte ich meine Eindrücke und erste Informationen zum Fahrzeug in diesem kurzen Artikel fest. Verbinde dies mit meinen Erfahrungen mit einem Mildhybriden im Alltag und versuche aufzuzeigen, warum dieser zumindest noch mehr Sinn ergibt als ein simpler Verbrenner/ Diesel. Wer an sich mehr über KIAs „echten“ Teilzeitstromer erfahren möchte, dem mag ich diesen Artikel ans Herz legen: „Test- und Fahrbericht des KIA XCeed 1.6 GDI PHEV DCT“, da hier der Fokus doch deutlich näher an unserem Kern der Berichtserstattung liegt. Zudem ist es so, dass sich die Ausstattungen und Fahrzeuge abseits ihres Antriebs durchaus ähneln. Der Blick zur Seite ist daher mehr als gestattet.

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 Wer dennoch etwas über Mildhybride erfahren möchte, der bleibt dran und hört rein. Richtig gelesen: „hört rein“, denn das Ganze habe ich noch in einer kurzen Podcast-Folge festgehalten

Mild-Hybride nur eine andere Art des Hybrid-/ Plug-In-Hybrid-Antriebs?

Bevor ich auf den KIA Ceed 1.6 CRDi 48V iMT im Speziellen eingehe, möchte ich zunächst ein wenig darüber aufklären, was man bei einem Mild-Hybriden erwarten kann. Allen Hybrid-Fahrzeugen ist gleich, dass diese durch eine Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor angetrieben werden. Im Vergleich zu Mild-Hybriden liegt der Hauptvorteil der Vollhybride in der Tatsache, dass ihre beiden Antriebsquellen völlig unabhängig voneinander arbeiten.

Bei Mild-Hybride ist es so, dass diese ihre Elektromotoren lediglich nutzen, um den Benzinmotor beim Beschleunigen und im Fahrbetrieb zu unterstützen. Um es deutlich zu sagen, deren E-Motor ist nicht in der Lage das Fahrzeug alleine anzutreiben. Bei einem Hybriden/ Plug-In-Hybriden ist dies anders, hier kann der reine E-Motor das Fahrzeug je nach Akkugröße und Effizienz bis zu 60 km rein elektrisch (WLTP) fortbewegen. Und dennoch kann ein Mildhybrid dazu beitragen Sprit zu sparen und die Umwelt zu schonen. Hierzu lässt sich folgendes in Kürze festhalten:

Was also macht eigentlich der Mildhybrid-E-Motor? Er fungiert als sogenannter Startergenerator, der dem Verbrenner bei der Arbeit hilft. So ist dieser in der Lage für kurze Zeit etwas Kraft beizusteuern, in der Startphase des Verbrenners/ Diesel. Dabei übernimmt er in allen Fällen vollständig, die des Anlassers zumindest zum Teil. Der Fahrer merkt davon fast nichts, der Startvorgang fühlt sich an wie der Gangwechsel einer flinken Automatik.

Ein Startergenerator lässt sich an unterschiedlichen Positionen des Autos platzieren. KIA und Hyundai setzen hierbei auf einen sogenannten Riemen-Startergenerator (RSG), dieser nutzt die Lücke, die die fehlende Lichtmaschine hinterlässt. Von hier aus wird der Startergenerator über einen Riemen mit der Kurbelwelle verbunden – daher der Namen. Vorteilhaft ist hierbei die Tatsache, dass er sich in bereits bestehende Motortypen einsetzen lässt.

Die Sprit-Einsparungen sind nicht in Höhe eines PHEV oder Hybriden anzusetzen. Im Gegenteil, die Entlastung wirkt eher gering. Im Fall des Mild-Hybrid-Systems von KIA rechnet man mit ungefähr zehn Prozent weniger Verbrauch durch elektrische Unterstützung. Doch dazu nachfolgend mehr. Denn KIA hat sich im April 2020 entschieden alle Diesel mit Mildhybrid-System auszustatten. Aus gutem Grund.

KIA stattet alle Ceed-Dieselvarianten serienmäßig mit Mildhybrid aus

Ende April 2020 ist die Entscheidung bei KIA gefallen, dass man alle Ceed-Dieselvarianten künftig mit einem 48-Volt-Mildhybridsystem ausstattet. Dies gilt auch für meinen Testwagen Ceed 1.6 CRDi 48V iMT, der in der Außenfarbe Blue Flame und der Ausstattungslinie Spirit Anfang Dezember 2020 bei mir zu Gast war. 100 kW/ 136 PS brachte dieser mit und somit ein wenig mehr Leistung als die Einstiegsvariante mit 84 kW/ 115 PS. Der Mildhybrid ist für die gesamte Modellfamilie, zu der neben Ceed, Ceed Sportswagon und XCeed der Shooting Brake ProCeed gehört.

Kurz noch zur preislichen Eingruppierung. Der Mildhybrid von KIA kam auf 26.991,93 Euro Grundpreis. Die Sonderausstattung in Form von Lederpaket (867,56 Euro), Navigations-Paket (867,56 Euro), Technologie-Paket (672,61 Euro) sowie Metalliclackierung (575,13 Euro) haben den Gesamtpreis inklusive 16 Prozent Mehrwertsteuer auf 29.974,79 Euro angehoben. Der Umweltbonus/ die Kaufprämie für E-Autos beziehungsweise Plug-In-Hybride greift hierbei natürlich nicht.

Der Vergleich zum PHEV KIA XCeed 1.6 GDI PHEV DCT in der Ausstattungslinie Spirit muss hierbei betrachtet werden. Dieser brachte es auf einen Listenpreis (noch mit 19 % MwSt.) auf 37.290,00 Euro. Da der Umweltbonus vom Netto-Listenpreis in Abzug gebracht wird, ebenso die Innovationsprämie und man von der derzeit gesenkten Mehrwertsteuer profitiert ein kleines Rechenbeispiel:

Vergleicht man nun den Listenpreis der beiden Varianten: Mildhybrid – 26.991,93 Euro / PHEV – 27.649,91 Euro, zeigt sich eine Differenz von „nur“ 657,98 Euro zu Gunsten des Mildhybriden. Für den vergleichsweise geringen Aufpreis erhält man dann aber ein Teilzeitstromer, welcher nicht nur mit ein klein wenig mehr Leistung aufwartet. Sondern vor allem in der Lage ist bis zu 58 km rein elektrisch nach NEFZ zu fahren. Selbst in der Praxis bin ich bei um die 42 km gelandet, welche rein elektrisch zurückgelegt werden konnten. Trotz Hauptaugenmerk auf den Mildhybriden, ist die Wahl des Plug-In-Hybriden die klar bessere Wahl. Oder was meinst du?

Details zum Ceed-Mildhybrid

Trotz dessen, dass die Entscheidung für den PHEV bereits gefällt scheint, wollen wir gemeinsam noch einen Blick auf die Details des Mildhybrid-Antriebs beim Ceed riskieren. Die neuen Dieselversionen verfügen über ein 48-Volt-Bordnetz samt Lithium-Ionen-Batterie sowie einen 12 kW starken Startergenerator. Das Aggregat kombiniert die Funktionen eines Elektromotors und einer Lichtmaschine. Es unterstützt beim Beschleunigen den Antrieb, dient aber auch zur Stromerzeugung und gewährleistet so eine hocheffiziente Energierückgewinnung. 

Wie bereits zuvor erwähnt sorgt eine elektronische Steuerung für nahtlose Übergänge zwischen Antriebs- und Lademodus. Hinsichtlich der Spritersparnis gibt KIA zu verstehen, dass man gegenüber den bisherigen Dieselversionen die CO2-Emissionen der Ceed-Modelle je nach Variante und Ausführung um bis zu 10,7 Prozent reduziert.

Erreicht wird dies dadurch, dass das Mildhybridsystem in Kombination mit dem intelligenten Schaltgetriebe das sogenannte „Segeln“ oder „freie Rollen“ ermöglich. In der Praxis zeigt sich dies dadurch, dass sobald der Fahrer den Fuß vom Gas nimmt, sich unter bestimmten Fahrbedingungen der Dieselmotor abschaltet, und das Fahrzeug ohne Kraftstoffverbrauch über die Fahrbahn rollt, während nur der Elektromotor arbeitet. Betätigt der Fahrer das Gaspedal erneut, schaltet sich der Diesel fast unmerklich wieder ein. Der schnelle und sehr komfortable Motorstart ist neben der Spriteinsparung und dem zusätzlichen Drehmoment ein weiterer Vorzug dieser Technologie, so KIA über das Mildhybrid-System im KIA Ceed.

Zwei Wochen mit dem KIA Ceed 1.6 CRDi 48V iMT - ein kleines Fazit!

Einem klassischen Testbericht entsprechen die hier aufgezeigten Erfahrungen mit dem KIA Ceed 1.6 CRDi 48V iMT nicht. Nichtsdestotrotz ist es denke ich Mal ganz sinnvoll, dass wir uns einen Mildhybriden aus der Nähe angesehen haben. Zudem ist es interessant Unterschiede, als auch Vor- und Nachteile zum Plug-In-Hybriden zu betrachten. Aber ganz klar gilt derzeit – bei noch geltendem Umweltbonus und Innovationsprämie – dass der „geringe“ Aufpreis zu einem PHEV mehr als sinnvoll ist, um in den Genuss zu kommen auch Mal ein paar km rein elektrisch zurückzulegen.

Zu dem Zeitpunkt, an dem mit dem Auslauf der Förderprogramme beziehungsweise staatlichen Subventionen zu rechnen ist, darf durchaus davon ausgegangen werden, dass Mildhybride keine Ausnahme mehr sind. Sondern die Regel. Alleine durch die Verpflichtung zur Einhaltung der CO2-Flottenziele wird jeder Hersteller seinen Teil dazu beitragen, um diese zu erreichen. Durch entsprechende Mildhybrid-Systeme geschieht dies zumindest teilweise, ohne den Preis spürbar in die Höhe zu treiben. 

Zudem spart man als Fahrer noch ein wenig Sprit. Übrigens habe ich es nach gut 620 km Testfahrten auf Land, durch die Stadt und Autobahn geschafft – bei normaler Fahrweise – standardmäßig im Eco-Modus auf einem durchschnittlichen Verbrauch von 4,9 mit 5,1 Liter / 100 km zu kommen. KIA gibt diesen durchschnittlich mit 3,9 bis 3,7 Liter pro 100 Kilometer an – unter „Laborbedingungen“. Bin daher recht zufrieden, für die Strecke welche ich zurückgelegt habe. Nun interessiert mich aber, was sind deine Erfahrungen mit Mildhybriden?

Gerne kannst du mir auch Fragen zur E-Mobilität per Mail zukommen lassen, welche dich im Alltag beschäftigen. Die Antwort darauf könnte auch für andere Hörer des Podcasts von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für die bereits erwähnten Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung, beim Podcast-Anbieter deiner Wahl, freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.

Disclaimer

Der KIA Ceed 1.6 CRDi 48V iMT wurde mir für diesen Testbericht kostenfrei, für den Zeitraum von zwei Wochen, von Kia zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf meine hier geschriebene ehrliche Meinung.

Über den Autor

Sebastian hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere Alternative Antriebe werden betrachtet.

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Kompletter Bericht, da gibt es eigentlich nichts mehr zuzufügen.
In Deutschland wo die Kaufprämie noch besteht für Plug ins, eher kein Bedarf für dieses Auto.
Aber in Ländern wo der dank geringem CO2 Ausstoss in die Steuerklasse 1 hinein kommt, schon.
Mit diesem Motorensystem macht dort vor allem Toyota Stückzahlen mit den Auris, Yaris und dem SUV.
In der Praxis beim Fahren hat man dank Mildhybrid den Eindruck mit einem PS-stärkeren Auto unterwegs zu sein. Beim Beschleunigen, da wo alle Autos die meiste Energie verbrauchen, setzt hier der E Motor gerade im untersten Drehzahlbereich ein, da wo der Turbo noch nicht greift.. Der sehr kleine Akku ist nach jedem Ueberholvorgang auf der Autobahn sofort nach Weiterfahrt in Reisegeschwindigkeit wieder geladen. Auch im Stadtverkehr macht solches fahren Spass.
Es versteht sich von selbst, dass dies aber keine markanten Spriteinsparungen geben kann, bei Einsatz vorwiegend auf längeren steilen Bergstrecken egal ob hinauf oder runterwärts.

Mich wundert, dass meist nur noch über CO2 gesprochen wird. Dabei ist in Ballungsräumen der Schadstoffausstoss ein deutlich greifbareres Problem. Und da dürfte ein mildhybrid insb im Winter und nach Kaltstart deutliche Vorteile haben – vermute ich zumindest. Als Radfahrer leide ich gerade im Winter schon sehr unter dem in Frankfurt aM allgegenwärtigen (Diesel-) gestank. Hybride sind gefühlt nicht nur deutlich leiser, sondern stinken auch viel weniger

Das dürfte bei dem Modell hier auch nicht anders sein. Solange der Motor permanent an und abgeschaltet wird, solange er nicht warm ist, und das dauert bei einem Diesel recht lange.

Moin,
mal als kleiner Vergleich – ich habe im Januar 2020 einen neuen Ceed SW in der GT-Line mit dem 1.6l Diesel und DSG übernommen, das ist also noch die Version ohne das 48V-Bordstromsystem. Mein Verbrauch liegt bei gemäßigter, manchmal sportlicher Fahrweise zwischen 5,2 und 5,8 Litern Diesel auf 235er 17 Zoll-Sommerreifen und 215er 17 Zoll-Winterreifen. Insofern wäre eine Ersparnis zum von 10% fast realistisch. Andererseits handelt es sich bei o.g. Fahrzeug im den kürzeren Kompaktwagen, der wird auch noch ein paar Kilo leichter sein.

Grüße

Niko und Mir egal, Nein das sollte beiden nicht egal sein. Der Mildhybrid läuft sofort und immer mit dem Verbrennermotor an. Die heutigen hochverdichteten Verbrennermotoren, vor allem seit man wirkungsvolle Thermostaten am Kühler hat, erreichen sehr schnell Betriebstemperatur. Auch während der Fahrt muss der Verbrenner immer mitlaufen ob Diesel oder per Benzin. Beim Mildhybrid hilft der vorhandene , ein etwas stärkerer Anlassermotor, lediglich mit, sowohl beim Antreiben , als auch im Schubbetrieb den Akku zu laden. Rein elektrisches Fahren wie bei den Ansteckbaren ist bei den Mildhybrids nicht möglich.

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