Ex-BMW-Manager argumentiert mit viel Unwissen gegen Elektroautos

Ex-BMW-Manager argumentiert mit viel Unwissen gegen Elektroautos

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Wolfgang Reitzle ist einigen unserer älteren Leser sicher ein Begriff. Er war ab 1976 fast drei Jahrzehnte lang in der Automobilbranche tätig, zunächst bei BMW als Fertigungsspezialist, 1983 wurde er Forschungschef der Münchner und stieg 1987 zum Entwicklungsvorstand auf. Später war er als Vorstandsvorsitzender der Premier Automotive Group von Ford für die damaligen Konzernmarken Jaguar, Aston Martin, Volvo, Land Rover, Lincoln und Mercury verantwortlich. Der langjährige „Petrol Head“ ist nicht wirklich von der Elektromobilität überzeugt und setzt lieber auf effiziente Verbrennungsmotoren und die Brennstoffzelle. In einem Interview mit der Welt wird allerdings schnell klar, dass auch Reitzle wie viele andere E-Auto-Skeptiker mit falschen und veralteten Argumenten gegen Elektroautos Stimmung macht.

Zum Beispiel behauptet der ehemalige BMW-Manager, dass E-Autos nicht zur globalen CO2-Reduzierung beitragen können, obwohl Dutzende Studien bereits das Gegenteil bewiesen haben. Selbst im Kohlestrom-reichen Polen ist die CO2-Bilanz eines Stromfahrzeugs besser als die eines Benziners oder Diesels. „Dazu kommt, dass niemand auf absehbare Zeit mit E-Autos wirklich Geld verdienen kann“, meint Reitzle. Auch hier irrt er. So sagte der damalige BMW-Chef Norbert Reithofer bereits 2014 in einem ebenfalls in der Welt erschienen Interview über den BMW i3: „Ja, wir verdienen mit jedem Auto Geld. Die Entwicklungskosten sind bereits verdaut.“

Dabei hätte aus Sicht alternativer Antriebe einiges anders laufen können für Reitzle, schließlich hat er bereits in den 1980er-Jahren als Entwicklungschef bei BMW ein Brennstoffzellenauto entwickelt. „Es war vielleicht ein bisschen zu früh“, sagt er über die ersten Wasserstoff-Gehversuchte der Münchner. „Es ist heute aber mehr denn je klar, dass wir uns in eine Wasserstoff-Gesellschaft hinein bewegen werden“, sagt er nun. Die wesentlichen Probleme dabei wie etwa bei der Elektrolyse und der Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff müssen aber erst noch gelöst werden: „Es nutzt nichts, wenn – wie heute – der Wasserstoff hauptsächlich über Gas und damit immer noch CO2-haltig hergestellt wird. Das ist nicht die wirkliche Lösung. Die werden wir erst sehen, wenn wir CO2-freien Strom effizient in Wasserstoff umwandeln können.“

Über Volkswagen, der mit viel Elan auf Elektromobilität setzt, sagt Reitzle, der Hersteller habe „gar keine andere Wahl, als sich jetzt stark auf die Elektromobilität zu konzentrieren“, weil er sonst die immer strengeren Flottenemissionswerte der EU nicht einhalten könne und angesichts der vielen Millionen verkauften Fahrzeuge Strafzahlungen in Milliardenhöhe leisten müsse. „Der Konzern kann gar nicht anders, als möglichst viele Elektrofahrzeuge schnell in den Markt zu bringen.“

Den Elektroauto-Pionier Tesla bewundert Reitzle „wegen seiner Progressivität, seiner Steuerungs- und Software-Technologie“. Auf der anderen Seite sei es dem Konzern „nicht gelungen, das Zeitfenster der Alleinstellung zu nutzen, um betriebswirtschaftlich in den positiven Bereich zu kommen.“ Auch hier vergisst Reitzle einige wesentliche Details: Tesla hat vor allem deshalb bislang keine Gewinne erwirtschaftet, weil sämtliches Kapital in die Errichtung neuer Fabriken geflossen ist, sowie in das eng geknüpfte Supercharger-Schnellladenetzwerk, in Tesla-Stores sowie Service-Center. Investitionen, die sich aber nun langsam rechnen.

Quelle: Die Welt — „Für Tesla wird es schwierig“

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Ehrlich gesagt wird Herr Rietzle schon einen Überblick über die Technik der Antriebsysteme haben, was mich stört ist jedoch der Trend aus den beiden Lagern Wasserstoff und Elektromobilität in das jeweils andere Lager zu schießen. Da geht es gerade richtig los und die neuen Techniken bekommen die nötige Aufmerksamkeit und dann diese Neidkampagne, nur traurig.
Ach ja und waren das bei BMW nicht Wasserstoffmotore und nicht Brennstoffzellen!? Ich habe bei einer Schulung einen Ingenieur kennen gelernt und der brannte für diese Fahrzeuge und den mit Wasserstoff betriebenen Verbrennungsmotor, das sei die Technik der Zukunft!?? Wie auch immer, für Städte und deren Umfeld gibt es nichts besseres als E – Fahrzeuge mit kleinen Batterien und das diese Technik heute so gut ist, ist hauptsächlich Elon Musk zu verdanken. Ach und das Aufladen geht auch ohne 350KW Lader, dann macht das Netz auch mit.

Was der Artikel nicht schafft, vermag die Kommentarspalte. Respekt und Daumen hoch für die ausgewogene und größtenteils sachliche Diskussion!

Gut wäre wenn bei den Batterie-elektrisch betriebenen Fahrzeugen eine Bestückung für ca. 300km Reichweite zuzüglich einer Erweiterung mit einer mietbaren Batterie mit zumindest nochmals 300km aufrüsten könnte. Dabei wären die tägliche Nutzung und die aussergewöhnliche wie z.b. Urlaub abgedeckt und das Gewicht im Normalfall gering.
Weiters wird eine Emission die im urbanen Gebiet viel ausmacht, nie erwähnt. Das ist die Lärmreduzierung. Für viele ein nicht ausgesprochenes Hauptargument gegen die E-mobilität. Auch die Steuerung von Autos von außen samt Geschwindigkeitskontrollen ist dann möglich.

Solche Lobby-Leute sind eben keine E-Klasse sondern Trump-Klasse – wenn überhaupt Klasse? :-)

Immer wieder dieses Abwarten auf scheinbar bessere Zeiten in der Antriebstechnik für die Autos. Vom Pferd zu Diesel 150 Jahre , vom Diesel zum E Auto 15 Jahre. Diese „Möchtegern-Ablenkung zu H2 und anderen Gasen sowie evtl. sauberern flüssigen Kraftstoffen die dem Strom ganz einfach unterlegen sind, bringen doch nur die Politiker durcheinander. Deshalb besser Konzentration auf das Wesentlich und die heisst E Mobilität deren Entwicklung hat erst angefangen.

Leute hört doch endlich mal auf gegen alles Neue direkt so negativ eingestellt zu sein. Das erinnert an 1888 als das erste Auto mit Verbrenner durch die Straßen von Frau Benz gesteuert wurde. Da hieß es auch „Teufelszeug“, zu teuer, wird nicht funktionieren keine Tankstellen etc., damals mußte man den Sprit in der Apotheke kaufen !
Fakt1: Wasserstoff ist tatsächlich mind. 4mal teurer als ein reines E-Auto was den Verbrauch auf 100km angeht.
Fakt2: Für die reine Erzeugung (Rohöl zu 1Liter Kraftstoff) werden bis zur Zapfsäule ca. 7kW Leistung verballert, damit kommt ein E-Smart bereits 40 – 50km weit ! (Bevor wieder Superschlaue antworten : Öl muß man aus dem Boden holen in Pipelines zum Hafen transportieren, dann in Tanker bunkern der wiederum fährt z.B. nach Rotterdam dort alles wieder raus aus dem Schiff zur Raffenerie, von da aus in LKW`s / Binnenschiffe oder Kesselwagen der DB zur Tankstelle transportieren, alles klar ? Das sind unterm Strich 7.kW je Liter bis zur Zapfpistole, auf die Umweltschäden möchte ich erst gar nicht eingehen da ja aus eurer Sicht noch nie Ölplattformen abgesoffen etc., Tanker oder Haverien passiert sind, der Öltanker fährt mit Schweröl und verpestet die Umwelt das mal nur am Rande).
Fakt3: Die Energiekonzerne haben bereits berechnet und zugegeben, das es jetzt schon möglich ist sofort 20 Mio. E-Autos zu versorgen. Wenn zudem die Raffenerien später weniger Energie sprich Strom verbrauchen wird sich das ebenfalls positiv in Form von mehr Strom für E-Mobilität auswirken. Leider wird schon heute Strom ins Ausland bei Überkapazitäten der Windgeneratoren und Solarparks verschenkt beziehungsweise es wird sogar Geld vom Ausland verlangt den Strom los zu werden.
Fakt4: Ein Auto mit Wasserstoff benötigt trotzdem einen ziemlich großen Akku, die Brennstoffzelle kann sonst überhaupt nicht funktionieren oder hat jemand einen ganz neuen Wasserstoffantrieb in der Schublade ?
Macht Euch keine Sorgen, der Wechselakku wird kommen ! Die Idee gab es bereits vor einigen Jahren aus Israel. Sehr wahrscheinlich wurde das Patent damals schnell von Ölmultis oder der Autoindustrie gekauft.
Natürlich wird es eine Übergangszeit geben, der Verbrenner wird doch morgen nicht abgeschafft, aber eins ist klar der Elektromotor hat viele oder sogar nur Vorteile. Die Reichweite wird sich auch weiter erhöhen, die Batterietechnik wird sich weiterentwickeln auch beim Gewicht, wer hätte vor 20 Jahren gedacht das Leuchtdioden mal Straßen ausleuchten und in Wohnungen als Beleuchtung den Einzug findet usw. Wollt Ihr den Fortschritt aufhalten ?
Die Batterien werden recycelt daraus enstehen wieder neue oder wie bei Telsa Solarstromspeicher. Und beim Verbrenner mit max. 30% Wirkungsgrad ? Das Wort sagt es schon der Kraftstoff wurde verbrannt und wenn man bremst geht die Energie ebenfalls flöten. Alle E-Autos generieren daraus wieder Strom für die Batterie (Rekuperation).
Achtung wichtig: ich bin kein Umweltaktivist o.ä.
Warum wollt ihr das alles nicht, kauft euch am besten wieder Schallplatten, CD`s Tonbandkassetten, ich – , ganz bestimmt nicht, ich sage nur Youtube, spotify usw. man braucht es eben nicht mehr aber wer eben will der kann doch seinen Verbrenner fahren. Oder vielleicht noch einen Schritt zurück gefällig ? Wir schaffen uns wieder Pferde an. Bitte bleibt skeptisch das ist in Ordnung aber offen für neue Dinge. Laßt euch nicht von Leuten diesen Unsinn (z.B. seltene Erden) ein Akku sei schmutziger als Kraftstoff usw. aufbürden. Ich bin davon überzeugt jeder aber wirklich jeder hat mindestens ein Gerät (Handy / Notebook / Bohrmaschine / Rasierer / Zahnbürste / Fernbedienungen … ) mit einem Akku zu Hause aber seitdem E-Autos gebaut werden ist das alles schlecht, Leute das ist einfach lachhaft.
PS: laut renomierten Tageszeitungen bzw. Magazinen war Tesla im Jahr 2019 6mal pleite.
Allein Tesla hat fast sein Ziel mit 400.000 verkauften Autos in dem Jahr erreicht, schaut mal nach was in China abgeht.
Zum Glück gibt es hier auch viele sachliche Menschen die ihre Kommentare schreiben, ich bin zuversichtlich was die Energiewende angeht.
Es grüßt euch der E-Techniker

Bravo Jürgen, du bist auch E Techniker und hast zu 100% recht ! Weiter so.

Ich denke auch so wie du Jürgen die meisten haben ein Handy/ Laptop/ PC ……. und die meisten haben eine Batterie das will aber keiner hören
den viele sind so abhängig von diesen Geräten. Ich denke das die meisten auch die verbrauchten Batterien einfach in den Hausmüll entsorgen.
Da kommen Weltweit tonnen zu sammen die nicht reseigelt werden. Aber wenn es um die Autobatterie der E Autos geht da wird gemegert.
Aber die E Auto Hersteller machen sich schon Gedanken wegen der Wiederverwendung der Batterien. Und es gibt schon gans gute Ansetze weltweit.

Man hört immer daß VW daß Maß aller Dinge bezüglich Qualität sei. Außer die bei Tesla so kritisierten Spaltmaße ist bei Vw nicht wirklich vieles besser. Ich als KFZ-Meister weiß nur zu gut wo es bei VW an Qualität schwächelt. Antriebsmäßig kriegen die schon lange nichts mehr auf die Reihe. Ölverbrauch, Steuerketten, Injektoren, AGR-Ventil, Drallklappen, Turbo, Getriebe, Lenkung, usw.Von den Gelenkskrankheiten will ich gar nicht reden. VW steht bei uns in den Alpen für „Viel Werkstatt“. Wir Werkstätten verdienen uns eine goldene Nase mit der VW-Gruppe. Bin gespannt was Vw im Schilde führt um auch die I.D. Serie in die Werkstätten zu zwingen.

Genau das was ich meine gut Rene

Wasserstoff wird auf jeden Fall DER Energiespeicher der Zukunft sein, so viel steht fest. Nachhaltige Energien (ich mag „erneuerbare“ nicht) und ihr weiterer Ausbau machen nur Sinn, wenn man den stochastischen Strom in einen kontinuierlichen verwandeln kann. Und dafür ist Wasserstoff ideal, auch wenn die Elektrolyse (derzeit) ziemlich verlustbehaftet ist. Zudem ist Wasserstoff ausreichend vorhanden und die Technik ist voll recyclebar.

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