Ex-BMW-Manager argumentiert mit viel Unwissen gegen Elektroautos

Ex-BMW-Manager argumentiert mit viel Unwissen gegen Elektroautos
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto- Nummer: 1150126898

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Wolfgang Reitzle ist einigen unserer älteren Leser sicher ein Begriff. Er war ab 1976 fast drei Jahrzehnte lang in der Automobilbranche tätig, zunächst bei BMW als Fertigungsspezialist, 1983 wurde er Forschungschef der Münchner und stieg 1987 zum Entwicklungsvorstand auf. Später war er als Vorstandsvorsitzender der Premier Automotive Group von Ford für die damaligen Konzernmarken Jaguar, Aston Martin, Volvo, Land Rover, Lincoln und Mercury verantwortlich. Der langjährige „Petrol Head“ ist nicht wirklich von der Elektromobilität überzeugt und setzt lieber auf effiziente Verbrennungsmotoren und die Brennstoffzelle. In einem Interview mit der Welt wird allerdings schnell klar, dass auch Reitzle wie viele andere E-Auto-Skeptiker mit falschen und veralteten Argumenten gegen Elektroautos Stimmung macht.

Zum Beispiel behauptet der ehemalige BMW-Manager, dass E-Autos nicht zur globalen CO2-Reduzierung beitragen können, obwohl Dutzende Studien bereits das Gegenteil bewiesen haben. Selbst im Kohlestrom-reichen Polen ist die CO2-Bilanz eines Stromfahrzeugs besser als die eines Benziners oder Diesels. „Dazu kommt, dass niemand auf absehbare Zeit mit E-Autos wirklich Geld verdienen kann“, meint Reitzle. Auch hier irrt er. So sagte der damalige BMW-Chef Norbert Reithofer bereits 2014 in einem ebenfalls in der Welt erschienen Interview über den BMW i3: „Ja, wir verdienen mit jedem Auto Geld. Die Entwicklungskosten sind bereits verdaut.“

Dabei hätte aus Sicht alternativer Antriebe einiges anders laufen können für Reitzle, schließlich hat er bereits in den 1980er-Jahren als Entwicklungschef bei BMW ein Brennstoffzellenauto entwickelt. „Es war vielleicht ein bisschen zu früh“, sagt er über die ersten Wasserstoff-Gehversuchte der Münchner. „Es ist heute aber mehr denn je klar, dass wir uns in eine Wasserstoff-Gesellschaft hinein bewegen werden“, sagt er nun. Die wesentlichen Probleme dabei wie etwa bei der Elektrolyse und der Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff müssen aber erst noch gelöst werden: „Es nutzt nichts, wenn – wie heute – der Wasserstoff hauptsächlich über Gas und damit immer noch CO2-haltig hergestellt wird. Das ist nicht die wirkliche Lösung. Die werden wir erst sehen, wenn wir CO2-freien Strom effizient in Wasserstoff umwandeln können.“

Über Volkswagen, der mit viel Elan auf Elektromobilität setzt, sagt Reitzle, der Hersteller habe „gar keine andere Wahl, als sich jetzt stark auf die Elektromobilität zu konzentrieren“, weil er sonst die immer strengeren Flottenemissionswerte der EU nicht einhalten könne und angesichts der vielen Millionen verkauften Fahrzeuge Strafzahlungen in Milliardenhöhe leisten müsse. „Der Konzern kann gar nicht anders, als möglichst viele Elektrofahrzeuge schnell in den Markt zu bringen.“

Den Elektroauto-Pionier Tesla bewundert Reitzle „wegen seiner Progressivität, seiner Steuerungs- und Software-Technologie“. Auf der anderen Seite sei es dem Konzern „nicht gelungen, das Zeitfenster der Alleinstellung zu nutzen, um betriebswirtschaftlich in den positiven Bereich zu kommen.“ Auch hier vergisst Reitzle einige wesentliche Details: Tesla hat vor allem deshalb bislang keine Gewinne erwirtschaftet, weil sämtliches Kapital in die Errichtung neuer Fabriken geflossen ist, sowie in das eng geknüpfte Supercharger-Schnellladenetzwerk, in Tesla-Stores sowie Service-Center. Investitionen, die sich aber nun langsam rechnen.

Quelle: Die Welt — „Für Tesla wird es schwierig“

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

„Überall brennt gerade die Hütte“: Autoindustrie steuert auf harte Tarifrunde zu

„Überall brennt gerade die Hütte“: Autoindustrie steuert auf harte Tarifrunde zu

Tobias Stahl  —  

Kurz vor Beginn der Tarifrunde hat IG Metall 175.000 Beschäftigte mobilisiert. IG-Metall-Chefin Benner wirft den Auto-Vorständen strategisches Versagen vor.

Autoländer warnen vor „irreversiblen Schäden“ für die Automobilindustrie

Autoländer warnen vor „irreversiblen Schäden“ für die Automobilindustrie

Daniel Krenzer  —  

Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen fordern mehr Schutz für die Automobilindustrie, günstigeren Ladestrom und flexiblere CO₂-Vorgaben.

T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern

T&E: Chinesische und US-Hersteller könnten ein Viertel des europäischen E-Lkw-Markts erobern

Tobias Stahl  —  

Europäische Hersteller könnten bis 2030 rund ein Viertel des hiesigen Markts für schwere E-Lkw an Hersteller aus China und den USA verlieren, warnt T&E.

350.000 Zuliefererjobs in Europa bis 2030 gefährdet

350.000 Zuliefererjobs in Europa bis 2030 gefährdet

Sebastian Henßler  —  

Der VDA erwartet bis 2035 den Verlust von 125.000 weiteren Autojobs in Deutschland und verweist auf hohe Energiekosten sowie fehlende Reformen.

USA: Öffnet Trump die Tür für chinesische Hersteller?

USA: Öffnet Trump die Tür für chinesische Hersteller?

Tobias Stahl  —  

Kurz vor einem geplanten Treffen mit Chinas Staatschef Xi Jinping sorgt US-Präsident Trump mit überraschender Offenheit für Kritik aus Reihen der US-Hersteller.

Nachhaltiger Verkehr als Schlüssel für Afrikas Wohlstand

Nachhaltiger Verkehr als Schlüssel für Afrikas Wohlstand

Michael Neißendorfer  —  

Expertinnen und Experten von 50 Organisationen aus Afrika gestalten Strategien für ein zukunftsfähiges Verkehrssystem.

Studie: Management-Arroganz treibt Niedergang der Autobranche

Studie: Management-Arroganz treibt Niedergang der Autobranche

Michael Neißendorfer  —  

In Bezug auf die Aussichten der deutschen Automobilindustrie geben sich mehr als 500 Manager alles in allem recht pessimistisch.