China forciert Akkutausch-Systeme für Elektroautos

Copyright Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 776568484

China, der weltweit größte Automobilmarkt, soll für Elektroautos das Konzept des Akkutauschs forcieren. Chinesische Medien, wie etwa die regierungsnahe Zeitung China Daily berichten, dass der Automobilhersteller Nio in ganz China „Batterie-Banken” aufbauen will, wo Elektrofahrer ihre leeren Batterien gegen volle tauschen können. Nio plane für diesen Zweck die Gründung einer „Batterie-Vermögensverwaltungsgesellschaft“, in welche wiederum das Unternehmen CATL investieren wolle, Chinas führender und einer der weltweit größten Hersteller von Autobatterien. Bereits im August sollen die beiden Unternehmen ihre Pläne offiziell vorstellen wollen. Befürworter des Akkutauschs verweisen darauf, dass der Batteriewechsel schneller vonstattengeht als das Aufladen und dass die Technologie den Neupreis von Elektroautos niedrig halten kann.

Nio hat mit dem Projekt Batterietausch bereits begonnen und in China schon 140 Akku-Wechselstationen aufgebaut. Im Schnitt komme pro Woche eine neue hinzu, so Automobil-Industrie im Rahmen des Formats „China Market Insider“, mit dem das Fachblatt regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt berichtet. Das Vorhaben von Nio und CATL sorge für einige Aufregung in der Industrie, heißt es, schließlich handelt es sich um zwei Schwergewichte im chinesischen E-Auto-Markt. Gemeinsam hätten die beiden Firmen die nötige Schwerkraft, um einem solchen innovativen Modell in China zum Durchbruch zu verhelfen, zitiert das Blatt mehrere Analysten.

Das Konzept des Akkuwechsels wird auch von der Politik vorangetrieben: Bereits Anfang dieses Jahres hatte Chinas Premier Li Keqiang erstmal eine finanzielle Förderung von Wechselstationen in Aussicht gestellt und dies im Juni bekräftigt. Da vor allem staatliche Autohersteller schnell auf neue Vorgaben der Partei- und Staatsführung reagieren, wollen auch Geely und SAIC noch in diesem Jahr neue Akkuwechsel-Modelle auf den Markt bringen, so Automobil-Industrie. Ein Problem allerdings sei, dass die Batteriepakete standardisiert sein müssen, damit das Angebot effizient und wirtschaftlich betrieben werden kann. In anderen Märkten ist die Idee des Akkutauschs eben wegen diesem Mangel an Standards gescheitert.

Auch die staatliche BAIC Group, einer der größten Hersteller von Elektroautos in China, hat bereits den Bau von 300 neuen Akkuwechsel-Stationen angekündigt. Zudem will der Hersteller noch in diesem Jahr 30.000 neue Elektroautos mit auswechselbaren Batterien verkaufen.

Quelle: Automobil-Industrie – Chinas Autoindustrie debattiert die Trennung von E-Auto und Batterie // Automobil-Industrie – China fördert E-Autos mit Wechsel-Akkus

Newsletter abonnieren

Montag, Mittwoch und Freitag die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.

Dir gefällt dieser Beitrag? Teilen auf

Diese News könnten dich auch interessieren:

8 Antworten

  1. Da Akku-Standardisierung bei Fahrzeugen praktisch immer(!) einhergeht mit
    • einem Verlust an Flexibilität
    • der Einschränkung der technischen Weiterentwicklung
    • erhöhten Kosten u.a. durch konstruktiven Aufwand (z.B. für Halterung/Kontakte/Mehrgewicht)

    kann ich mir die Standardisierung in einem nicht-dirigistischen, kostenorientiertem Wirtschaftssystem allenfalls *dann* vorstellen, wenn sie beschränkt bleiben kann

    • auf Fahrzeuge für Ballungszentren
    • auf rel. leichte, langsamere Fahrzeuge (konstruktiver Aufwand/Sicherheit)
    wie z.B. Lasten-Transport-Räder, (Kabinen-) Roller, Leichtfahrzeuge (wie z.B. ein „SQUAD!“).
    • auf Maße, Mengen und Gewichte, die noch sinnvoll(!) von Hand gewechselt werden können.

    Im Unterboden von typischen PKWs befindliche, z.B. >100 kg schwere Akkus schliesse ich damit mal aus.

    Flächen- und Strombedarf solcher Wechselanlagen sollten dann auch nicht mehr als „Kiosk-Größe“ haben, damit sie weitgehend kostengünstig im öffentlichen Raum aufgebaut werden können.

  2. Die Idee von Wechsel-Akku-Technik macht eigentlich einfach nur Sinn, weil man so viel besser und schneller mit der gespeicherten Energie „haushalten“ kann. Die Akkus können in Ruhe verträglich auch mit geringem Strom vollgeladen werden, während man schnell „leer“ gegen „voll“ tauschen kann und (weitergedacht) können die Akkus vielleicht auch für andere Anwendungen als nur E-Autos etc. genutzt werden. Die größten Herausforderungen sind dabei aber wohl einen langfristigen und praktikablen Akku-Standard zu finden, aber vielleicht wird der ja wohl letztlich durch Batterieproduzenten wie CATL vorgegeben. Die nächste Herausforderung ist wohl auch die technische Sicherheit speziell in Punkto Wasserdichtheit im Auto zu gewährleisten. Sinnvoll ist für so ein Wechselakkusystem vielleicht auch ein modularer Ansatz/Bausteinprinzip („Lego“), weil es die Austauschbarkeit stark erhöht und die Speichergrößen auch flexibel anpassbar macht..

  3. Im PKW Bereich mit seiner Vielfalt an Modellen und Formen kann ich mir das kaum vorstellen. Welches Problem will man hier lösen? Die Mehrzahl der PKWs wird auch in China täglich eher kurze Strecken zurücklegen und kann zu Hause oder öffentlich geladen werden. Der schnelle Tausch macht also nur entlang der Fernstraßen und am Rand von Ballungsräumen Sinn. Wechselakkus funktionieren rein rechtlich auch nur, wenn der Akku gemietet wird. Ich sehe dies daher eher für LKWs von Bedeutung.

  4. Richtig bei Lkw ,Traktoren ,Schiffen und Flugzeugen eventuell mal. Also da wo auch H2 im Gespräch ist. Aber sonst steht und fällt die E Mobilität nicht bei den Wechselakkus. Ausser bei E Biks und E Roller-Motorrädern..

  5. Die Firma Better Place wollte vor Jahren den Batterietausch für Autos an „Tankstellen“ vornehmen. Von Kopenhagen aus kommend sollten auch in Deutschland exemplarisch entlang der BAB A 7 „Tankstellen“ entstehen. Die israelische Firma konnte sich am Markt jedoch nicht durchsetzen und ging pleite. Tesla Gründer Elon Musk denkt angeblich über dieses Prinzip auch nach. Hätten sich frühzeitig die Autofirmen auf ein solches in der Batteriegröße abgestuftes Wechselsystem geeinigt, hätten uns die städtebaulich unsäglichen und sehr teuren Ladesäulen allenorts erspart bleiben können. Tankstellen hätten auch weiterhin ein neues Aufgabengebiet.
    Beim Roller- und Scooter-Hersteller Gogoro aus Taipeh, Taiwan, tauscht man Wechselakkus an vollautomatischen „Kiosken“ und andere Firmen machen es bereits nach, so wie z. B. TIER für seine E-Tretroller.

  6. Nur Techniker können kapieren weshalb Wechselakkus bei PKW s nicht Ueberhand nehmen werden. Der Bauaufwand zur Gleichmachung für alle Fabrikate ist zu gross und zu teuer. Wenn heute der Tankwart das Uebergansstück vom Tesla-Kabel zu Typ ll zuerst suchen muss, dauert das auch schon . Wie soll er da noch Zeit haben eine Batterie zu wechseln mit einem Hubstappler. In der Handtasche kann man Autobatterien nicht mitnehmen wie beim E Bik. So wie mit den Monozellen einer Stablampe geht s auch nicht. Also lieber mit Samthandschuhen den CCS Stecker einlegen und Kaffee trinken, als einem komplizierten Wechselhandling zu schauen. Mit künftigen 500 Km Reichweite wo man mit vertretbarem Akkugewicht heute bereits angelangt ist, wird kein Weg vorbei führen.

  7. Der entscheidende Vorteil eines durchkonstruierten automatisierten Batterieschnellwechselsystems (Wechselzeit nicht länger als ein Tankvorgang beim Verbrenner oder schneller, idealerweise ohne Aussteigen) mit hohem Markt-Durchdringungsgrad und ausreichend Wechselstationen entlang der Hauptverkehrstrassen (ähnlich Tankstellen) bestünde doch darin, dem Nutzer des Fahrzeugs unterwegs die Ladezeit zu ersparen und damit die individuelle Elektromobilität unabhängig von der Kapazität der Batterie flexibel und reichweitenfest auch für spontane Fernfahrten machen zu können. Die entfallende Suche nach irgendwelchen Ladesäulen, die erst gar nicht installiert werden müssten, käme noch hinzu. Natürlich wäre eine grundsätzliche internationale Einigung der Massenhersteller auf eine standardisierte Aufnahmeplattform Voraussetzung, was vermutlich die größte Hürde wäre. Zudem würde die große Vielfalt der Fahrzeugkonzepte im Volumensegment vermutlich nicht mehr so breit umsetzbar sein, wie gewohnt. Die Vorteile für die Nutzer gesamtgesellschaftlich sowie ökologisch wären jedoch immens. Deshalb sollte die Idee m.E. nicht vorschnell in die Kiste gepackt werden.

  8. Wäre schön wenn dieser Traum vom Akuwechsel Wirklichkeit werden würde. Dann kann man mit dem E-Auto genauso wie mit einem Verbrenner fahren wann und wohin man will und die Tankstellen bekommen eine neue Aufgabe , wenn nach und nach der alte Brennstoff wegfällt. Es bedarf keiner neuen Infrastruktur, nur die Hersteller müssen sich auf eine oder 2 oder 3 einheitliche Systeme einigen. Zur not müssen die Gesetzgeber hier eingreifen … es hilft zum Ende nur dem Verbraucher und die Akzeptanz der neuen Technologie wird erhöht.
    Auf gehts …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).