China forciert Akkutausch-Systeme für Elektroautos

China forciert Akkutausch-Systeme für Elektroautos
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 776568484

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

China, der weltweit größte Automobilmarkt, soll für Elektroautos das Konzept des Akkutauschs forcieren. Chinesische Medien, wie etwa die regierungsnahe Zeitung China Daily berichten, dass der Automobilhersteller Nio in ganz China „Batterie-Banken” aufbauen will, wo Elektrofahrer ihre leeren Batterien gegen volle tauschen können. Nio plane für diesen Zweck die Gründung einer „Batterie-Vermögensverwaltungsgesellschaft“, in welche wiederum das Unternehmen CATL investieren wolle, Chinas führender und einer der weltweit größten Hersteller von Autobatterien. Bereits im August sollen die beiden Unternehmen ihre Pläne offiziell vorstellen wollen. Befürworter des Akkutauschs verweisen darauf, dass der Batteriewechsel schneller vonstattengeht als das Aufladen und dass die Technologie den Neupreis von Elektroautos niedrig halten kann.

Nio hat mit dem Projekt Batterietausch bereits begonnen und in China schon 140 Akku-Wechselstationen aufgebaut. Im Schnitt komme pro Woche eine neue hinzu, so Automobil-Industrie im Rahmen des Formats „China Market Insider“, mit dem das Fachblatt regelmäßig über den chinesischen Automobilmarkt berichtet. Das Vorhaben von Nio und CATL sorge für einige Aufregung in der Industrie, heißt es, schließlich handelt es sich um zwei Schwergewichte im chinesischen E-Auto-Markt. Gemeinsam hätten die beiden Firmen die nötige Schwerkraft, um einem solchen innovativen Modell in China zum Durchbruch zu verhelfen, zitiert das Blatt mehrere Analysten.

Das Konzept des Akkuwechsels wird auch von der Politik vorangetrieben: Bereits Anfang dieses Jahres hatte Chinas Premier Li Keqiang erstmal eine finanzielle Förderung von Wechselstationen in Aussicht gestellt und dies im Juni bekräftigt. Da vor allem staatliche Autohersteller schnell auf neue Vorgaben der Partei- und Staatsführung reagieren, wollen auch Geely und SAIC noch in diesem Jahr neue Akkuwechsel-Modelle auf den Markt bringen, so Automobil-Industrie. Ein Problem allerdings sei, dass die Batteriepakete standardisiert sein müssen, damit das Angebot effizient und wirtschaftlich betrieben werden kann. In anderen Märkten ist die Idee des Akkutauschs eben wegen diesem Mangel an Standards gescheitert.

Auch die staatliche BAIC Group, einer der größten Hersteller von Elektroautos in China, hat bereits den Bau von 300 neuen Akkuwechsel-Stationen angekündigt. Zudem will der Hersteller noch in diesem Jahr 30.000 neue Elektroautos mit auswechselbaren Batterien verkaufen.

Quelle: Automobil-Industrie – Chinas Autoindustrie debattiert die Trennung von E-Auto und Batterie // Automobil-Industrie – China fördert E-Autos mit Wechsel-Akkus

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

T&E: Forderungen der Autoindustrie könnten EU 74 Milliarden Euro zusätzlich kosten

T&E: Forderungen der Autoindustrie könnten EU 74 Milliarden Euro zusätzlich kosten

Michael Neißendorfer  —  

Der ACEA und die deutsche Regierung setzen sich für weitere Lockerungen zugunsten von Verbrennern ein. Das könnte die EU-Bürger teuer zu stehen kommen.

Deutschland baut Ökosystem für Natrium-Ionen-Fertigung auf

Deutschland baut Ökosystem für Natrium-Ionen-Fertigung auf

Sebastian Henßler  —  

25 Forschungs- und Industriepartner bündeln ihre Kompetenz: SIB:DE Entwicklung soll eine wettbewerbsfähige Natrium-Ionen-Fertigung in Europa aufbauen.

IG Metall warnt vor Wiederholung des Solar-Debakels

IG Metall warnt vor Wiederholung des Solar-Debakels

Sebastian Henßler  —  

Die Autoindustrie baut massiv Stellen ab. IG-Metall-Chefin Christiane Benner erklärt, was sie von EU, Bundesregierung und Unternehmen erwartet.

KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch

KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch

Sebastian Henßler  —  

Tech-Konzerne kaufen den Chipmarkt leer, die Autobranche zahlt drauf. Einzelne Speicherbausteine sind bis zu 400 Prozent teurer geworden.

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Michael Neißendorfer  —  

Hält Europa an seinen CO2-Grenzwerten fest, könne es den Rückstand auf China noch vor 2030 aufholen und den Ölverbrauch im Verkehrssektor drastisch senken.

Tozero gewinnt in Bayern Lithium aus alten Batterien zurück

Tozero gewinnt in Bayern Lithium aus alten Batterien zurück

Sebastian Henßler  —  

Tozero verarbeitet jährlich 1500 Tonnen Batterieabfälle und gewinnt daraus Lithium, Graphit und Nickel-Kobalt zurück. Die Kosten liegen unter Bergbauniveau.

Mehrheit der Deutschen wünscht sich bessere Förderung für E-Autos

Mehrheit der Deutschen wünscht sich bessere Förderung für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

Eine aktuelle Befragung zeigt: Die Deutschen wechseln verstärkt vom Verbrenner zum Elektroauto – und fordern von der Politik mehr Initiative für E-Mobilität.