VW ID.3 – Der Klingelton des Akku-Autos

Der VW ID.3 bekommt seinen ganz eigenen Sound

Copyright Abbildung(en): Volkswagen AG

Es ist eine seltsame Welt: Da klagen alle über dauerhafte Beschallung, kaum jemand geht ohne Kopfhörer aus dem Haus – und dann wäre da endlich Stille, aber es gibt ein Gesetz sie zu übertönen…

Einen gewissen Sinn indes macht das schon. Das Gesetz ist eine EU-Verordnung, wonach E-Mobile seit Mitte dieses Jahres ein „Acoustic Vehicle Alerting System“ (AVAS) an Bord haben müssen – eine hörbare Warnung für Fußgänger und Radfahrer. Wir sind schließlich seit jeher daran gewöhnt, dass ein fahrendes Auto brummt und sich Gefahr also ankündigt. Treiben den Motor aber Wicklungen statt Kolben, brummt nichts. Doch die Ruhe ist in höchstem Maße trügerisch. Denn kein Lärm bedeutet eben ganz und gar nicht, dass kein Auto kommt.

Jenseits von Tempo 30 sorgen Abrollgeräusche für übliche Erkennbarkeit. Bis dahin aber muss auch das E-Auto von sich hören lassen. Die Lautstärke ist vorgeschrieben, der Sound hingegen weitgehend frei. „Motorenähnlich“ lautet die Empfehlung – was immer man darunter verstehen mag.

Klaus Bischoff nennt es „stille Revolution“. Volkswagens oberster Design-Chef schwört auf Klänge, die er als „rauschfrei und schwebend“ bezeichnet. Etwas, das nach Zukunft klingt – und das trotzdem typisch für die Marke sein muss. Prägende Geräusche seien ja nicht verwerflich. Im Gegenteil: Ein Porsche klinge eben nun mal wie ein Porsche. Scharen von Ingenieuren und Akustikern seien schließlich genau zu derlei Zwecken engagiert.

Jetzt aber herrscht plötzlich Ruhe im Motorraum. Doch Bischoff sieht darin die große Chance, manches neu zu inszenieren. Und das gerade nicht mit dem Imitat eines Zwölfzylinders. „Wir wollen den Zugewinn an Ruhe nicht übertönen.“, verspricht er. Und also dürfe zum Beispiel der Klang des neuen ID.3 keinesfalls etwas sein, das im ohnehin lärmenden Alltag zusätzlich auf die Nerven geht. Fahrzeuge seien „Freiheitsmaschinen“. Darum soll der ID.3 nach Leichtigkeit klingen.

Ein Prozess, der schwer war. Mehr als 400 Kreativ-Köpfe aus 30 Ländern hat Bischoff in seinem Team. Und dennoch haben sie sich noch Hilfe von außen geholt. Unter anderem beim durch „Dschingis Khan“ bekannt gewordenen Komponisten Leslie Mandoki. Schließlich galt es, eine ganz neue Sinnesebene zu erschließen. Klar sollte eine Tür schon sehr lange satt ins Schloss fallen und ein Auspuff sonor klingen – aber ein Motorengeräusch? Wozu? Es war ja da, seit es Motoren gibt.

Beim E-Auto mit seiner tiefgehenden digitalen Architektur ist alles anders. Man braucht ein akustisches Signal, wenn der Wagen startet. Und eines, wenn man die Fahrstufe einlegt. Weil nicht mehr ausreichend Mechanik da ist, die selbst Geräusche machen könnte. Sogar das Tick-Tack des Blinkers darf gedimmt sein – welches Brummen hätte es noch zu bezwingen?

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Und so klingt der ID.3 wie das fein modulierte Surren eines Elektromotors. Beim Beschleunigen wird der Ton höher, beim Bremsen tiefer. Stets im mittleren Frequenzbereich. Was nicht verwundert: Hohe Töne sind für ältere Menschen schlecht zu hören, für tiefe braucht man große und teure Lautsprecher.

Das Ergebnis hat durchaus etwas Dynamisches. Ob es der Klang der Zukunft sein wird – wer weiß? Wenn wir erst alle autonom fahren, braucht es ohnehin keine Warnung mehr. Bis dahin aber werden wir auch Akku-Autos an ihrem speziellen Sound erkennen – er wird einfach nur anders sein. Und vielleicht kann man irgendwann sogar wählen. Wie bei einem Klingelton.

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Ich kann bei allem Verständnis für blinde Menschen nur den Kopf schütteln über so ein Gesetz. Was ist mit Radfahren? Fahren trotz Radwegen auf der Straße ohne Licht und ohne Klingel. Und viel akustischen Spaß im Stop and Go Verkehr. Klingt bestimmt nach Orchester wo jeder grade sein Instrument stimmt. Dann sind wohl Kopfhörer erst recht nützlich.

Ich fahre viel in der Innenstadt Fahrrad und bin es von jeher gewöhnt, meine fehlende Geräuscherzeugung durch erhöht Bremsbereitschaft zu kompensieren. Vielleicht gewöhnen sich die sehenden Menschen ja wieder das Umsehen an.

Warum braucht man bei autonom fahrenden Autos kein Warngeräusch ?
Sind bis dahin die Fussgänger und Radfahrer ausgestorben?

Ich hoffe dass diejenigen, die dies verzapft haben, sich irgendwann an einer Kreuzung beim Losfahren von 10 e-FGzg mit verschiedenen Tönen wiederfinden. Dazu noch die Verbrenner KFZ. Das wird ein wunderbarer Lärm.

Ich habe nichts gg Fußgängerwarnung, aber das würde ja reichen. Das Auto muss doch nicht die ganze Zeit Lärm machen, wenn kein Fußgänger in der Nähe ist.

Vielleicht sollten mal ein paar E-Fahrzeuge mit verschiedenen Geräuschen im Sommer bei schönsten Terassen/Gartenwetter bei den Entscheidern Kreise im Wohngebiet fahren. Spätestens dann könnte die Einsicht der sinnlosigkeit entstehen.

Wie schön wäre es gewesen, endlich dem Lärm zu entkommen. Nein, dann wird Lärm künstlich erzeugt, der auch noch lauter ist, als moderne Benziner, die man auch kaum noch hört.

Da kann ich dir nur zustimmen. Selbst heutige Verbrenner sind im untertourigen Bereich sehr leise. Und was ist mit elektr. Krankenfahrstühlen und e-Bikes. Welch ein Schwachsinn, gesetzlich vorgeschriebenen Lärm. Augen auf und auf den Weg schauen, nicht aufs Handy!!!

Für den Tie-Fighter Sound beim Anfahren wäre ich bereit sehr viel Geld auszugeben… hört ihr VW? !SEHR! viel Geld 😀

Der Gesetzgeber tickt nicht anders als viele Zeitgenossen, für die Lärm reine Daseinsäußerung und unerlässlicher Wichtigkeitsbeweis ist, die vom Campingplatz oder Schrebergarten her ein benachbartes Naherholungs- oder Naturschutzgebiet mit sogenannter Volksmusik vollschallen, weil sie keine Stille ertragen können. Oder ihren Gästen die Kommunikation durch die Stereoanlage erschweren, weil sie selbst mit small talk intellektuell überfordert sind. Oder ihre Prollkiste mitsamt Umfeld durch wummernde Bässe erbeben lassen. Motto: Willst du Stille, geh doch ins Kloster.

Es ist wirklich ärgerlich: Anstatt endlich die Möglichkeit zu nutzen, den Lärmpegel in der Umwelt zu senken, wird aus nicht zu Ende gedachter Vorsorge diese Chance vernichtet. Für wen soll denn der künstliche Krach gut sein? Radfahrer? Die hören auch lautere Autos nicht, da der Fahrtwind in den Ohren ordentlich Radau macht. Man muss sich als Radfahrer immer nach allem Umschauen, vor allem, weil man auch selbst gerne übersehen bzw, überhört wird (ich fahre selber Rad). Also für Fußgänger? Die müssen jetzt schon aufpassen, auch wenn sie es oft nicht tun. Denn auch Radfahrer machen wenig Geräusche, die Elektroroller und Fahrräder mit E-Motor sind dazu gekommen. Und die können auch deutlich schneller sein als die hier diskutierten 30 km/h. Da ist es trügerisch, sie weiterhin im Glauben zu lassen, dass man alles, was sich nähert, schon hören wird. Klar, Radfahrer haben eine geringere Masse als Autos. Aber ein Auto hat die besseren Möglichkeiten zu reagieren. Es kann besser ausweichen und hat im Zweifel die besseren Bremsen. Geschwindigkeit ist das Stichwort: Wir reden von Geschwindigkeiten bis 30 km/h. Da kann ein Autofahrer noch sehr gut reagieren, wenn da plötzlich jemand einen Haken schlägt, ohne zu gucken. Denn ich muss als Autofahrer ja auch stets auf plötzlich auftauchende Kinder achten, die auch auf Autos mit Geräuschkulisse nicht achten. Ernstlich was passieren wird daher in diesen Geschwindigkeitsbereich nichts. Mal ganz davon abgesehen, dass jede Menge Fußgänger sich die Ohren mit Kopfhörer verstopfen. Da nutzen dann auch die schönsten Geräusche nichts. Aber für Blinde ist das doch gut? Es ist der Druck der Blindenverbände, dem wir diese Verordnung zu verdanken haben. Aber als Autofahrer im Wohngebiet, wo diese langsamen Geschwindigkeiten eine Rolle spielen, sehe ich doch rechtzeitig einen blinden Menschen, der die Straße überqueren möchte. Hier muss ich stets aufmerksam sein, so wie bisher auch schon. Außerhalb von Wohngebieten nutzen diese die Ampeln.
Was handeln wir uns jetzt mit diesen künstlichen Krach ein? Ein Kakophonie an Einzelgeräuschen, jedes für sich sicherlich ein Meisterwerk, in der Summe kaum erträglich. Vor allem, weil wir es auch genießen dürfen, wenn der Krach völlig witzlos ist, wie z.B. im alltäglichen Stau im Berufsverkehr, bei jeder Anfahrt vor einer Ampel. Vielen Dank dafür.

Ein einfacher Sensor würde die Geräuschkulisse beim Erfassen von Fußgänger, Fahrräder oder ähnliche Hindernissen einschalten und wieder ausschalten. Sensoren sind doch bereits in vielen Fahrzeugen eingebaut. Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung usw. Eine Lösung den künstlichen Lärm zu reduzieren und trotzdem bei Gefahr zu verwenden.

Back to the roots, Freunde! Ich bin für Pferdegewieher und Hufegeklapper wie im 19. Jahrhundert üblich…und zwar an jedem E-Bike, jawoll! 😉

Wenn ich das hier alles lese, kann ich mir gut vorstellen wie es sich damals anfühlte als man mit dem ersten Auto durch die Strassen fuhr.
Und wo stehen wir heute ?
Aber Typisch, alles was man nicht kennt oder nicht selber ausprobiert hat, erstmal als schlecht darstellen.
Die, die hier so groß schreien bezüglich Lärm, wie würdet Ihr reagieren wenn morgens die Polizei bei euch klingelt und euch gesagt wird das euer Kind von einem Lautlosen Gefährt überfahren wurde?????? Ich hör Sie laut schreien.

Ich möchte hier niemand persönlich angreifen.
Dies ist meine persönliche Meinung

Und…………
Laut pipes safe lives 😉

Kinder sind spontan. Sie reagieren auf Freunde auf der anderen Straßenseite oder laufen ohne zu schauen dem Ball hinterher. Ob da ein Auto kommt oder nicht, bekommen sie nicht mit. Dabei ist es egal, ob das Auto zu hören war oder nicht. Sie achten nicht darauf. Deshalb gilt ja in Wohngebieten 30 km/h um reagieren zu können und um Folgen möglichst gering zu halten, wenn doch mal ein Unfall nicht zu vermeiden ist. Und nur um diesen Geschwindigkeitsbereich geht es. Bei über 30 km/h dominieren die Reifengeräusche, der künstliche Sound ist abgeschaltet.

Ich habe ein Video mit VW ID.3 in langsamer konstanter Rückwärtsfahrt gesehen bzw. gehört.
Unfassbar grauenvoll und extrem laut in einer Tonlage die nur schmerzt.
Die EU Experten haben diesen Schwachsinn vorgeschrieben und die Autobauer toben sich rücksichtslos mit ihren Kompositionen aus. Ich nenne das mal Klappenauspuff auf Synthesizer.
Ich seh schon wie zornige Passanten den E-Autos Steine hinterher werfen.
Das groteske Problem ist nun dass leise E-Autos (welche Wohltat) mit diesem künstlichen Cybersch..ß 20x lauter und unangenehmer empfunden werden als Verbrenner.
Zufälligerweise habe ich neulich 3 Luxuskarossen von Mercedes, BMW und Audi mit ca. 15 km/h an mir vorbeirollen gehört … aber ich hörte nichts ! Also bitte auch gleich zu leise Verbrenner mit diesem Schwachsinn nachrüsten.
Gratulation an die Erfinder dieses Wahnsinns.

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