Studie „Mobilität in Deutschland“: PKW sind „Stehzeuge“, Elektroautos erfüllen Bedürfnisse der Alltagsmobilität

Elektroautos werden Ansprüchen im Alltag gerecht

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Wie oft und wie lange sind die Bürger unterwegs? Welche Verkehrsmittel nutzen sie? Zu welchem Zweck sind sie unterwegs? Die Studie „Mobilität in Deutschland (MiD) 2017“ ist eine der umfassendsten Studien zur Alltagsmobilität weltweit und hat diese und viele andere Facetten der Mobilität erfasst. An der Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur haben sich mehr als 60 regionale Partner beteiligt, um neben bundesweiten Kennwerten auch Informationen zur Alltagsmobilität vor Ort zu erhalten.

Vor wenigen Tagen präsentierten Auftraggeber und Auftragnehmer die wichtigsten Hintergründe und Ergebnisse zur Studie. In den Vorträgen wurden viele neue Aspekte präsentiert, z.B. zur Elektromobilität, zum Carsharing oder zur Multimodalität. Der umfassende Ergebnisbericht wird Anfang Dezember veröffentlicht. Den ausführlichen Kurzreport finden Sie hier als PDF-Dokument.

Jeden Tag legen die Deutschen gut 3,2 Milliarden Kilometer zurück. Als Folge des Anstiegs der Bevölkerung und der Beschäftigung erreicht die Verkehrsnachfrage damit einen neuen Höchststand. Pro Person sind das täglich 39 Kilometer. Die Studie zeichnet ein vielschichtiges Bild, wie viel, warum und mit welchen Verkehrsmitteln die Deutschen unterwegs sind.

Stärkster Zuwachs im öffentlichen Verkehr

Das Auto bleibt mit drei Viertel der Personenkilometer das dominierende Verkehrsmittel. Vor allem die ältere Bevölkerung nutzt immer intensiver das Auto. Bei den Jüngeren und in den Städten sind die Vorzeichen umgekehrt. Daher verliert das Auto insgesamt Anteile an die anderen Verkehrsträger. Der größte Gewinner in der Kilometerbilanz ist der öffentliche Verkehr mit Bussen und Bahnen und damit die Umwelt, der Anteil steigt von 15 Prozent auf 19 Prozent.

Die Verkehrsplanung richtet den Blick oft auf die Wegehäufigkeit, sie ist Ausdruck für Mobilitätsanlässe. Nach Jahrzehnten gibt es erstmals einen beachtlichen Rückgang von 3,4 auf 3,1 Wege pro Person und Tag. Erste Ergebnisse wie z.B. niedrigere Mobilitätsquoten bei den Jüngeren sowie eine hohe Bedeutung von Onlinehandel und Homeoffice, bieten hierzu Erklärungsansätze. In das Bild passt auch der leichte Rückgang von Fußwegen. In der Wegebilanz angestiegen ist wiederum der Anteil öffentlicher Verkehrsmittel auf jetzt 10 Prozent, das Fahrradfahren legt bundesweit leicht auf 11 Prozent zu. Das Auto wird für 57 Prozent der Wege genutzt.

In den Metropolen hingegen ist „mobil sein ohne Auto“ mehr als ein Schlagwort; weniger als 40 Prozent der Wege werden mit dem Auto zurückgelegt, mehr als 20 Prozent mit dem öffentlichen Verkehr und das Fahrrad steigert seinen Anteil auf 15 Prozent. Hier werden auch neue Mobilitätsformen als Segmente statistisch erkennbar. Rund 14 Prozent aller Haushalte in den Metropolen haben sich für mindestens ein Carsharing-Angebot angemeldet und zeigen so ihre Bereitschaft, auf ein eigenes Auto zu verzichten. Allerdings ist der absolute Beitrag der Carsharing-Flotte am Verkehr gegenwärtig auch hier noch sehr klein. In den Kleinstädten und Dörfern der ländlichen Regionen sind die Alternativen zum Auto nur selten eine Option; 70 Prozent der Wege werden mit dem Auto zurückgelegt.

Elektroautos erfüllen Bedürfnisse der Alltagsmobilität

Elektroautos sind meist nur als Zweitwagen zugelassen, so die Studie. Das Phänomen der unbegründeten Reichweitenangst zeigt sich recht deutlich dadurch, dass ein PKW im Schnitt weniger als eine Stunde unterwegs ist. Das schafft selbst ein E-Auto mit Mini-Akku. Zudem sind zwei Drittel aller Wegstrecken kürzer als zehn Kilometer. Dies zeige, dass die Bedürfnisse der Alltagsmobilität eigentlich sehr gut kompatibel seien mit der Elektromobilität, sagte Verkehrsstaatssekretär Gerhard Schulz heise zufolge. Dennoch gehe es in der E-Mobilität nicht schnell genug voran.

Was genau ist die Studie MiD?

Von Juni 2016 bis September 2017 wurden bundesweit etwa 155.000 Haushalte zu ihrer Mobilität befragt, so viele wie noch nie zuvor. Damit wird eine der wichtigsten Datengrundlagen für die Verkehrsplanung und für Entscheidungen der Verkehrspolitik auf allen politischen Ebenen – vom Bund bis zu den Kommunen – aktualisiert. Die Vorgängererhebungen fanden zuletzt 2002 und 2008 statt. Die MiD ist Grundlage dafür, Fuß- und Radwege, Straßen sowie den Bus- und Bahnverkehr bedarfsgerecht planen zu können und zielgenau zu investieren.

Die MiD ist Teil eines Bausteinsystems verschiedener Erhebungen des Ministeriums. Jährlich aktuelle Mobilitätseckwerte werden im Rahmen des „Deutschen Mobilitätspanels“ (MOP) bereitgestellt, das zugleich auch die Möglichkeit der Analyse von Verhaltensänderungen bietet. Bei der MiD steht nicht die jährliche Aktualität im Vordergrund, sondern die tief differenzierten Auswertemöglichkeiten demografischer, sozioökonomischer und regionaler Mobilitätsmuster.

Wer und was wurde gefragt?

Viele Informationen für die Verkehrsplanung werden gemessen oder gezählt. Die wichtigsten Erkenntnisse zur Alltagsmobilität jedoch können nur durch Auskunft der Bevölkerung erfasst werden. Die Fragestellungen sind z. B.: Wie oft und wie lange sind Sie unterwegs? Welche Verkehrsmittel nutzen Sie? Zu welchem Zweck sind Sie unterwegs? Die MiD erfasst zusätzlich umfassende Informationen zu den Mobilitätsvoraussetzungen, z. B.: Mit welchen Fahrzeugen sind die Haushalte ausgestattet? Wie alt sind die Menschen, besitzen sie einen Führerschein?

Die Befragung richtet sich an Einwohner aller Altersklassen; diese wurden nach einem wissenschaftlichen Zufallsverfahren ausgewählt. Die Teilnahme war freiwillig und konnte telefonisch, schriftlich-postalisch oder online erfolgen. Um jahreszeitliche und saisonale Schwankungen abzudecken, wurden die Befragungen verteilt über 12 Monate durchgeführt. Der Zeitbedarf für die Beantwortung der Fragen lag bei etwa 10 bis 15 Minuten pro Person.

Welche weiteren Ergebnisse stehen zur Verfügung?

Die anonymisierten Datensätze und das Nutzerhandbuch zum Umgang mit den Daten stehen ab Mitte Dezember zur Verfügung. Erstmals wurden aus der Erhebung bundesweit Mobilitätskennwerte auf der Ebene von Kreisen in einem statistischen Modell berechnet. Die Ergebnisse dieser sogenannten Small Area Schätzung stehen ebenfalls Mitte Dezember zur Verfügung.

Quellen: BMVI – Pressemeldung vom 14.11.2018 // heise.de – Mobilitätstudie: Auto bleibt Verkehrsmittel Nummer 1 – und parkt die meiste Zeit

Über den Autor

Michael ist freier Journalist und schreibt seit 2012 fast ausschließlich über nachhaltige Mobilität, Elektro- und Hybridautos, Energiethemen sowie Umweltschutz.

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Na? Wo bleiben denn hier die Kommentare der Reichweiten-Junkies?

Das sind Durchschnittswerte, gebildet aus den Vielfahrern (weniger als 10 % der Autofahrer) und den massenhaften Autobesitzern, die ihr Auto täglich weniger als 15 km bewegen = rund 90 %. Das hat schon der ADAC vor 2014 festgestellt.

Es verdunstet mehr Diesel und Benzin in der Garage als verbrannt wird. Lasst die Autos einfach ganz stehen. Dann ist das CO2 Problem gelöst.

Ach so. ..

In Stuttgart kommt das ja gerichtlich verordnet. 😉

Nur Mal so als Idee:

Verbrenner bekommen kleinere Tanks: Maximal 30 Liter dürfen noch verbaut werden. Wegen der Brand- und Explosionsgefahr.

VW baut zukünftig Wechsel-Tanks ein und verkauft das Tank-Sharing als Option mit. Ein Tank für die drei Autos der Rentner-Gang im Mehrfamilienhaus.

Die Familie, den Up für die Tochter als Fahranfänger, den Tiguan für die Mami, um damit die jüngste vor dem Gymnasium auszuladen und Paps, der mit seinem Bulli für 60.000 jeden Tag ins Büro fährt, erhält ein Monatskontigent an Kraftstoff verordnet:

Max. 60 Liter pro Monat in der Flatrate für 100 Euro.

Ich schicke mal ne Kopie an den Resch und den ADAC. Grins.

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